Beregnungswassermanagement auf Golfanlagen

Wasser und Bewässerung auf Golfanlagen

Das Beregnungswassermanagement umfasst eine Vielzahl Einflussfaktoren, aber auch viele Steuerungsmöglichkeiten, die sich auf eine erfolgreiche Sport­rasenpflege auswirken. Auf die Themen Brunnen, Teiche, Pumpstationen und effiziente Ausbringung möchte ich nicht eingehen, da diese in den Ausgaben 1-4/20 des Greenkeepers Journal beschrieben wurden.

 

Grundlagen

Die Grundlagen für ein erfolgreiches Gräserwachstum werden im Boden gelegt. Ein ausgewogenes Bodenporenvolumen an Grob-, Mittel- und Feinporen ist notwendig, um Beregnungswasser aufzunehmen und pflanzenverfügbar zu speichern. Um die Wasseraufnahmefähigkeit zu prüfen, sollte in regelmäßigen Zeitabständen eine Sichtkontrolle beim Beregnungsvorgang erfolgen. Hierbei kann auch das Wurfbild und die optische Tropfenverteilung der Regner geprüft werden. Das ausgebrachte Beregnungswasser sollte in der Ausbringungszeit vom Boden aufgenommen werden und das Wurfbild der Wassertropfen sollte bei allen Regnern, die im gleichen Regnerverband angeordnet sind, gleich aussehen. Die Kontrolle der Verteilgenauigkeit ist eigentlich ein alter Hut, sollte aber bei allen zusätzlichen technischen Möglichkeiten nicht vergessen werden. Stellt man bei dieser Überprüfung fest, dass das Beregnungswasser nicht sofort vom Boden aufgenommen werden kann, so sind die entsprechenden Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenstruktur durchzuführen (mögliche Maßnahmen sind z.B. mechanische Bodenlockerung, Einarbeiten von Gerüstkorn, Sanden oder Beseitigen der Filzschicht). Des Weiteren ist die richtige Einstellung der Regner und Düsen, aber auch die Durchlässigkeit der Filtereinsätze in den Regnern regelmäßig, jedoch mindestens vor dem Saisonbeginn, zu überprüfen.

 

Abbildung 1 gehört längst der Vergangenheit an und wurde im Sommer 2011 aufgenommen, aber Achtung, die Corona-bedingte Kurzarbeit und die hohe Spielauslastung an den Tagen, an denen die Golfanlagen geöffnet sind, dürfen nicht dazu führen, dass die mechanischen Bodenlockerungen vernachlässigt werden.

Trockenschäden und Staunässe sind zu vermeiden! Durch eine klimabezogene Anpassung der Pflegearbeiten und Anpassungen der Vegetationsbestände durch Hitze- und Trockenstress-verträgliche Gräser und Bäume können die Auswirkungen der Ex­tremwetterereignisse reduziert werden.

 

Für viele Regionen bedeutet die klimatische Veränderung einen stärkeren Temperaturanstieg im Frühjahr und Sommer bei gleichzeitiger Abnahme der Sommerniederschläge. Da dies nicht komplett mit der Bewässerung ausgeglichen werden kann, ist für jede Golfanlage, unter Berücksichtigung der Standortbedingungen, ein Konzept zur Anpassung an die veränderten Bedingungen zu erarbeiten. Es gibt keine Generallösung, um auf die Klimaveränderungen zu reagieren, es ist vielmehr die Gesamtheit an Maßnahmen, die für ein erfolgreiches Greenkeeping steht!

In vielen Regionen sinken die Grundwasserstände. Westlich von Bonn ist der Grundwasserspiegel in den letzten fünf Jahren um 90 cm gesunken, in Wiesbaden um ca.70 cm. Die heißen und trockenen Sommermonate der letzten fünf Jahre haben in fast allen deutschen Regionen zu angespannten Situationen bei der Trinkwasserversorgung geführt. Einige Gemeinden mussten gar den Notstand ausrufen, um die Versorgung ihrer Einwohner mit Trinkwasser gewährleisten zu können. Einige Gemeinden und Großstädte haben eine Wasserampel eingeführt. Die Wasserampel soll tagesaktuell über die Trinkwassersituation der Region informieren. Eine nationale Wasserstrategie wird derzeit im Bundesumweltministerium (BMU) erarbeitet. 

Darin vorgesehen sind Maßnahmen zur Priorisierung der Wassernutzung, sprich: eine Wasserhierarchie. Wer bekommt wann etwas ab? In diese Richtung zielt die jetzt in Kraft getretene EU-Verordnung über Mindestanforderungen für die Wasserwiederverwertung. Demnach soll die Bewässerung nicht mehr mit kostbarem Trinkwasser, sondern mit aufbereitetem Abwasser beregnen. Eine Regelung, die auch die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) klar unterstützt.

 

Geht in Deutschland bald das Wasser aus?

Welche Regionen sind am stärksten betroffen? Diese tagesaktuellen Informatio­nen können Sie auf den Übersichtskarten der Webseite des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung unter UFZ-Dürremonitor einsehen. Derzeit sind im gesamten Bundesgebiet Bereiche von Dürre und Trockenheit in Bodentiefen zwischen 25-180 cm betroffen. Besonders stark ist die Mitte und der Nordosten Deutschlands betroffen. Diese Engpässe können aber auf Grund der guten technischen Möglichkeiten durch regionale Trinkwasserverbundleitungen kompensiert werden. Auch in der Oberrheinebene, wo die Temperaturen immer etwas höher sind als im übrigen Deutschland, wird sich der Wassermangel bemerkbar machen. Denn die Gletscher der Alpen schwinden dramatisch. Das Abtauen der Eismassen wird durch tiefe Risse und Spalten, die sich gebildet haben, weiter unterstützt. Im Sommer liegt das blanke Eis der Gletscher offen und verliert an Substanz. Die gigantischen Wasserspeicher zerfallen bedeutend schneller, als bisher befürchtet.

Was können wir tun?

Der Erhalt der Vegetationsbestände auf Golfanlagen trägt zum Erhalt der regionalen klimatischen Bedingungen bei. Viele Golfanlagen liegen am Standrand oder am Rand von Ballungsgebieten in städteplanerischen Frischluftschneisen. Somit sind diese Grünflächen, bestehend aus Wiesen, Hecken, Wasserflächen und Baumbeständen, ein wesentlicher Bestandteil der Sauerstoffproduktion und CO₂-Bindung. Durch eine sparsame und bedarfsgerechte Bewässerung dieser Flächen, werden die Vegetationsbestände erhalten. Der Erhalt einer geringen Bodenfeuchte wirkt der Hydrophobie des Bodens entgegen, so dass natürliche Niederschläge vom Boden aufgenommen werden und nach einer Sättigung der oberen Bodenschichten zur Grundwasserneubildung beitragen.

 

Da auch die Starkregen­ereignisse zunehmen, sollte die Oberflächenwasserführung auf den Golf- und Sportanlagen überprüft und die Speicherkapazitäten erhöht werden.

Schneeschmelze und starker Regen am 29. Januar 2021 im Taunus lassen Gräben und Bäche überlaufen. Regenwasser, das im Sommer dringend benötigt wird. Ein naturnaher Ausbau der Bäche und Gräben hilft mehr Pufferzonen zu schaffen. Die Verrohrung von Gräben und ein schnelles Ableiten des Wassers gehört der Vergangenheit an. Unter Berücksichtigung der Zielvorgaben der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind Veränderungen auf Golfanlagen durch Beantragung bei den zuständigen Behörden oft genehmigungsfähig. Danach sind oberirdische Gewässer so zu bewirtschaften, dass eine Verschlechterung ihres ökologischen und chemischen Zustands vermieden wird und ein guter ökologischer und guter chemischer Zustand (Potenzial) erhalten oder erreicht wird. Das Grundwasser ist so zu bewirtschaften, dass eine Verschlechterung seines mengenmäßigen und chemischen Zustands vermieden wird, alle signifikanten und anhaltenden Trends ansteigender Schadstoffkonzentrationen (auf Grund der Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten) umgekehrt werden und ein guter mengenmäßiger und ein chemischer Zustand erhalten oder erreicht wird.

 

So sind beispielsweise zu einer Oberflächenwasser­entnahme aus natürlichen Gräben und Bächen, bei überdurchschnittlichen Durchflussmengen, unter Berücksichtigung des Wasserhaushaltsgesetz, häufig realisierbar. Die Wassermengen können in einen Speicherteich abgeleitet und bevorratet werden. So wurden in Bayern bereits Projekte mit Einbau eines Ableitbauwerks als „Tiroler Wehr“ und in Hessen mit einem Streichwehr genehmigt. Bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bevorratung von Wasser bei Starkregenereignissen sind vielfältige Synergien mit Natur- und Hochwasserschutz vereinbar.

 

Autor: Andreas Klapproth | Greenkeepers Journal 1/2021


DGV-Arbeitskreis ­Bewässerung

 

Der DGV-Arbeitskreis Bewässerung beschäftig sich mit den aktuellen Entwicklungen und steht mit den Vertretern einiger Wasserbehörden im Erfahrungsaustausch. Hierzu wurde das nachfolgende Leitbild eines Golfplatzes mit einer zukunftsfähigen und ressourcenschonenden Bewässerungsanlage entwickelt:

 

  • Er geht sparsam mit der Ressource Wasser/ Grundwasser um.
  • Er verwendet auch in Dürreperioden kein Trinkwasser für die Golfplatzbewässerung.
  • Er bevorratet, unter Berücksichtigung der topographischen und räumlichen Möglichkeiten, Regen- und Oberflächenwasser aus Niederschlagsspitzen, um damit die Grundwassernutzung zu reduzieren.
  • Der Betreiber kommt allen behördlichen Auflagen und Berichtspflichten nach.
  • Er verfügt über eine moderne ressourcensparende ­Beregnungstechnik, die regelmäßig gewartet wird.
  • Ein auf Beregnungstechnik geschulter und regelmäßig weitergebildeter Mitarbeiter ist Teil des Greenkeeper-Teams.
  • Es erfolgt eine Anpassung der Gräser- und Vegetationsbestände an die klimatischen und regionalen Bedingungen.
  • Das Pflegekonzept setzt die Bewässerungsanlage als ­In­strument zum Erhalt der Vegetationsbestände und zur Qualitätssicherung ein und nicht lediglich um den Golfplatz grün zu halten.
  • Der Betreiber informiert seine Mitglieder regelmäßig – nicht nur in Dürrezeiten – über Platzpflege- und Bewässerungsfragen (Kommunikationskonzept für Folgen des Klimawandels) und sorgt damit für mehr Akzeptanz sowie Verständnis bei Mitgliedern und Greenfee-Spielern: Die Farbe des Rasens kann sich im Wechsel der Jahreszeiten verändern, ohne dass damit Qualitätsparameter wie Balllage auf Fairways und Treue des Balllaufs auf den Grüns beeinträchtigt werden.