Effizientes Ausbringen von Beregnungswasser

Optimaler Betrieb von Beregnungsanlagen für einen sparsamen Umgang mit Beregnungswasser

Die Pflegesaison 2020, mit monatelanger Hitze, Trockenheit und teilweise auch wieder einigen Dürregebieten in Deutschland, schließt sich nahtlos an die letzten Jahre an und der sparsame und effiziente Umgang mit Beregnungswasser wird immer bedeutender. Der Klimawandel hat also längst Deutschland erreicht. Von den stetig steigenden Durchschnitts-Temperaturen sind nicht nur die flachwurzelnden Gräser, sondern auch Baumwurzelbereiche betroffen. Dies hat zur Folge, dass künftig mit weniger Wasser und steigendem Bedarf noch effizienter gearbeitet werden muss.

Bei Luftbildaufnahmen, die bei den Landesvermessungsämtern bereitstehen, aber auch bei Drohnenaufnahmen, die von den Spielbahnen gemacht werden, wird sichtbar, in welchem Zustand die Vegetationsbestände sind. Bei genauerer Betrachtung können die Bilder auch Aufschluss über die Wasserverteilqualität oder Bodenverhältnisse geben (Abbildung 1).

 

Eine ungleichmäßige Vegetationsentwicklung einer beregneten Spielfläche kann verschiedene Ursachen haben. Die Hauptursachen sind unterschiedliche Bodenverhältnisse sowie unterschiedliche Nährstoffaufnahme in Folge unterschiedlicher Bodenfeuchtverhältnisse.

Fairway-Beregnung

Bei einer gleichmäßigen Bodenfeuchtigkeit zwischen 20% und 50% Bodenfeuchte sind die Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgt. Die prozentual nutzbare Feldkapazität (% nFK) ist, unter Berücksichtigung der am Standort vorkommenden Bodenverhältnisse, zu ermitteln. Der Einsatz von Bodenfeuchte-Messgeräten zur Ermittlung des Beregnungswasserbedarfs ist im Greenkeeping gängige Praxis geworden.

Eine optimale Wasserverteilung lässt sich nur mit gut aufeinander abgestimmten Regner-Verbänden erzielen. Grundlage hierfür ist der Dreiecks- und Vierecksverband, der beim Einbau der Versenk-Beregnungstechnik anzuwenden ist (Grafik 1). Eine einreihige Fairway-Beregnung erfüllt keine dieser Grundforderungen und hat somit eine sehr ungleichmäßige Wasserverteilung. Bei einem optimalen Einbau und Abstimmung der Regner-Einstellung ist nie eine 100%ige Gleichmäßigkeit zu erreichen. 

In der Praxis bestehen beim optimalen Einbau immer noch Abweichungen von 25-35% vom Mittelwert. Beim Einbau und der Einstellung der Regner ist darauf zu achten, dass die Wurfweite das Wasser immer von Regnerkopf bis Regnerkopf ausbringt.

 

Aufgrund der klimatischen Veränderungen und der immer größer werdenden Wasserknappheit kann bei der Golfplatzberegnung, besonders im Bereich der Fairway-Bewässerung, das Beregnungswasser effektiver eingesetzt und eingespart werden. Für das Golfspiel ist es wichtig, die Haupt-Fairwaybereiche in einer Breite von ca. 30 m optimal zu versorgen. Durch den Einbau von Teilkreisregnern, die an den Fairway-Außenseiten als zweireihige Beregnung positioniert sind, kann im Vergleich zur einreihigen Beregnung die Fläche deutlich reduziert und die Verteilgenauigkeit verbessert werden. Die Grafiken 2 und 3 zeigen die Wasserverteilung bei einer einreihigen und bei einer zweireihigen Regner-Anordnung.

Die Überlappung reicht bei einer einreihigen Fairway-Beregnung weit über das Semirough hinaus, sodass hier Flächen beregnet werden, die nicht zwingend zu beregnen sind. Aufgrund der Überlappungsunterschiede einfacher und doppelter Beregnung werden die großen Unterschiede bei der Wasserverteilung sichtbar. Bei der dargestellten Grün-Beregnung handelt es sich um Regner, die die Putt-Fläche und die Umfelder beregnen. Dies ist nicht mehr Stand der Technik, jedoch noch auf vielen Golfanlagen anzutreffen. Im Zuge einer Instandsetzung oder Erneuerung der Beregnungstechnik sollten daher die technischen Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung bei der Wasserverteilung und Wassereinsparung berücksichtigt werden.

 

Bei einer zweireihigen Fairway-Beregnung mit Teilkreisregnern von der Außenseite lässt sich die Beregnungsfläche um ca. 25-35% reduzieren, gleichzeitig erhöht sich die Verteilgenauigkeit, aufgrund der zwei- bis dreifachen Überlappung. Diese Wasserverteilung trägt erheblich zur Verbesserung der Spielqualität bei, da ein gleichmäßigeres Gräserwachstum auf den Fairway-Flächen erreicht wird.

 

Beregnung der Grüns

Noch wichtiger ist eine gleichmäßige Wasserverteilung auf den Grüns, hier hat sich die „Back to Back“-Lösung etabliert. Hierbei werden neben den Regner für die Putt-Fläche zusätzliche Regner für die Umfelder installiert. Alle Regner erhalten eine Einzel-Regner-Steuerung und können auf die besonderen Standortbedingungen, wie z.B. Sonnen- und Schattenlagen, windexponierte Bereiche, sandige und bindige Bodenbedingungen, eingestellt werden und somit bedarfsgerecht die Pflanzenbestände versorgen. Der Einbau einer zeitgemäßen Bewässerungstechnik hilft wesentlich, die Verteilqualität zu verbessern und Beregnungswasser einzusparen. Neben den höheren Investitionskosten ist anzumerken, dass diese Verbesserung nur zu erreichen ist, wenn die Bedienung und Einstellung der Technik durch geschultes Fachpersonal erfolgt. Hierfür ist mehr Arbeitszeit einzuplanen.

 

Wasser-Zukunfts­konzepte dringend empfohlen

Bei allen Instandsetzungs- und Umbauarbeiten der Beregnungstechnik ist die zunehmende Wasserknappheit zu berücksichtigen. In einigen Bundesgebieten ist die Grundwasser-Neubildung in den letzten drei Jahren um bis zu 25% zurückgegangen. Das hat zur Folge, dass zukünftig Wasserentnahmen aus Oberflächen- oder Grundwasser stärker reglementiert werden. Jede Golfanlage sollte bei genauer Betrachtung der Standortbedingungen ein entsprechendes Zukunftskonzept für die Beregnung der Vegetationsflächen erarbeiten und realisieren.

 

Neben der Anpassung der Beregnungstechnik bestehen weitere Möglichkeiten zur Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen, wie z.B. die Oberflächenwassersammlung und die Bevorratung bei Starkregenereignissen sowie die Anpassung der Gräserbestände an die neuen Herausforderungen.

 

Autor: Andreas Klapproth, Leiter DGV-Arbeitskreis Golfplatzbewässerung | Greenkeepers Journal 4/2020

 

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