Arbeits- und Privatleben – Wege zum Ausgleich

Greenkeeper am Limit

 

Die Mehrheit der Greenkeeper fühlt sich – trotz nicht immer einfacher Arbeitsbedingungen – mit ihrer Arbeit sehr verbunden (vgl. Fragebogenaktion zur Arbeitssituation im GK 2007/2008 in Hessen/Rheinland-Pfalz und Saarland; GVD-Studie „Arbeitsbedingungen im GK“, 2013).

 

Ist das Ausbrennen, der sogenannte „Burn-Out“, dann überhaupt ein Thema für diese Branche? Bereits auf der Jahrestagung des GVD im Oktober 2013 lautete die klare Antwort: Ja!

 

Auch wenn nicht so gerne über dieses Thema gesprochen wird – schließlich ist es angenehmer, über Leistung und Erfolg zu sprechen, als über Erschöpfung oder Überforderung – scheint es immer mehr Fälle auch im Greenkeeping zu geben. So steigen vermehrt Kollegen aus dem Hamsterrad aus, „schmeißen alles hin“ oder werden unfreiwillig von ihrem Körper zu einer Auszeit gezwungen.

 

Wer selbst schon einmal betroffen war oder Betroffene kennt, weiß, welch hoher Preis mit dem „Ausbrennen“ einhergeht: gescheiterte Beziehungen, lange berufliche Ausfallzeiten bis hin zur Berufsunfähigkeit etc.

 

Die meisten von uns gehen davon aus, dass uns das selbst nicht passieren kann, weil wir uns als belastbar empfinden und/oder unseren Beruf lieben. Die Realität zeigt aber: jeder kann betroffen sein – und überraschenderweise sind es häufig gerade die Besten einer Branche, die einen Burn-Out erleiden. Was können Sie selbst dafür tun, um sich vor dem Ausbrennen zu schützen?

 

Die „Hälfte der Miete“, um das Risiko eines Burn-Outs zu vermeiden, ist darüber Bescheid zu wissen. Das ist genau das Ziel dieses Artikels: Ihnen einen ersten Einblick in das Thema zu geben und Wege aufzuzeigen, was jeder Einzelne tun kann. Nach dem Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“.

 

Zentrale Fragen sind dabei:

  1. Was ist Stress? Was ist Burn-Out? Ist das noch Stress oder schon Burn-Out?
  2. Wie kann ich trotz hoher Arbeitsbelastungen auf Dauer gesund und leistungsfähig bleiben? Welche „Wege zum Ausgleich“ gibt es für mich als Greenkeeper?

1.1. Was ist Stress?

Was haben ein Akku und ein Mensch gemeinsam? Beide haben eine Menge Energie, die aber auch begrenzt ist – beide müssen immer wieder „aufgeladen werden“, um leistungsfähig zu bleiben. Genaugenommen hat der Mensch (wie auch viele technische Geräte) eine „Anzeige“, wieviel Energie ihm noch zur Verfügung steht – und zwar in Form von Gefühlen (z.B. „ich kann nicht mehr“) oder durch vermehrte Infekte, Rückenschmerzen, Gereiztheit etc.

 

Die meisten Menschen können oder wollen aber diese Anzeige nicht lesen. Schließlich gibt es gerade im Greenkeeping immer Gründe, die gegen ein „Aufladen“ bzw. Erholung sprechen. Und warum diese Anzeige überhaupt ernst nehmen? Wo uns unser Körper bis jetzt doch vielleicht noch nie im Stich gelassen hat und wir sogar im Gegenteil die Erfahrung gemacht haben: „ein bisschen was geht immer noch“ und „betroffen sind eh immer nur die anderen?“ 

 

80-90% aller Erkrankungen lassen sich auf zuviel Stress zurückführen! Wer rechnet schon damit, selbst erkranken zu können – und damit, dass sogar sein Gehirn durch den chronischen Stress angegriffen werden kann? Es ist menschlich, dass wir immer erst dann handeln, wenn gar nichts mehr geht, wenn die Akkus also völlig leer sind – mit allem was dazugehört. Der Preis für diese späte Erkenntnis ist dann hoch.

Laut Hartmut Schneider belegt die GVD-Mitgliederbefragung zu den Arbeitsbedingungen der Greenkeeper in Deutschland, dass lediglich 15% der Befragten keinen Arbeitsdruck empfinden, der Großteil fühlt sich gestresst bis sogar sehr gestresst (SCHNEIDER, 2013). Höchste Zeit also, sich zu fragen: Was ist Stress überhaupt?  

 

Stress ist eine automatische Reaktion unseres Stammhirns, die seit hunderttausenden von Jahren immer gleich abläuft. Stressauslöser war damals z.B. der berühmt-berüchtigte Säbelzahntiger. Sofortiges Erhöhen des Herzschlages und des Pulses, Versorgen der Muskeln mit Blut, Adrenalinausschüttung, Schärfung des Seh- und Hörvermögens etc. versetzten unsere Vorfahren blitzschnell in die Lage anzugreifen, wegzurennen oder sich tot zu stellen.  

 

In Stresssituationen wird also der ganze Körper auf „Überleben – und sonst gar nichts“ eingestellt. Das bedeutet auch, dass andere wichtige biologische Abläufe, z.B. Erneuerungsprozesse, in dieser Zeit vorübergehend außer Kraft gesetzt sind, um keine Energie darauf verwenden zu müssen.  

 

Ist Stress nur ein kurzfristiger Zustand, schadet das gar nicht, weil beim Nachlassen der Gefahr auch die Stressreaktionen des Körpers wieder abklingen und sich der Körper somit wieder erholen kann.  

 

Greenkeeper kämpfen heute nicht mehr mit Säbelzahntigern, sondern z.B. mit Zeitdruck oder zu viel Arbeit. Dennoch stellt sich Ihr Körper bei Stress immer noch automatisch auf Kampf oder Flucht ein – auch wenn diese Verhaltensweisen auf der Golfanlage natürlich für wenig Begeisterung sorgen würden. Dazu kommt, dass unser Gehirn viele Situationen auch „fehlinterpretiert“, also als gefährlich einstuft, obwohl sie für uns eher harmlos wären – und damit immer wieder Stressreaktionen hervorruft. Diese Reaktionen sind umso stärker, je bedrohlicher wir eine Belastung wahrnehmen und befürchten, sie mit unseren eigenen Ressourcen nicht bewältigen zu können. Wie erwähnt, schadet kurzfristiger Stress nicht. Zum Problem wird Stress, wenn er nicht abgearbeitet werden kann sowie zum Dauerstress wird, z.B. durch berufliche und private Doppelbelastung, durch Verschwimmen von Berufs- und Privatleben, durch ständige Erreichbarkeit etc.

 

Typisch für chronischen Stress ist das Gefühl, sein Leben nicht mehr unter Kontrolle zu haben, was wiederum Stress erzeugt. Schnell geraten wir in einen Stress-Teufelskreis: wir fühlen uns gereizt, die kleinsten Anlässe bringen das Fass zum Überlaufen, der Dauerstress lähmt uns, wir sind weniger leistungsfähig und es fällt uns immer schwerer, uns zu entspannen. Wir treiben uns zu immer mehr Leistung an und sind nicht mehr in der Lage, uns zu erholen. Wir können nicht mehr langfristig denken, wir wollen nur noch den Stressor aus dem Weg räumen. Der Preis, den wir langfristig für diesen Dauerstress bezahlen: verschiedenste Krankheiten, wie Tinnitus, Magenprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – drastisch gesagt: mit einem kürzeren Leben.

 

Was tun, wenn wir diesen Preis nicht zahlen wollen? Greenkeeping ganz ohne Stress – ist das möglich? Sicherlich nicht – und auch nicht zielführend: bereits der Entdecker des Phänomens Stress, Hans Selye, bezeichnete Stress als „Würze des Lebens“ ohne die alles langweilig und fad wäre. Wie immer im Leben kommt es auch hier auf die richtige Dosierung an.  

 

Der Mensch braucht also den Stress – er braucht aber auch den Ausgleich – sozusagen die Balance zwischen Anspannung und Entspannung – vergleichbar mit einem Pendel. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Erholung ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Wollen wir dauerhaft leistungsfähig sein, brauchen wir nicht nur nur Anstrengung, Disziplin und Konzentration, sondern auch Erholung, Loslassen und Abschalten – bevor die Akkus völlig leer sind. Chronischer Stress kann zum Ausbrennen führen – worin liegt der Unterschied?

     

    1.2. Was ist Burn-Out?

    Für das Burn-Out-Syndrom gibt es (noch) keine medizinisch verbindliche Definition oder allgemeingültige Diagnostik, zu unterschiedlich sind die Meinungen. Diese Unsicherheit führt zum einen dazu, dass der Begriff sehr inflationär benutzt wird, zum anderen von Kritikern als „Modediagnose” bezeichnet wird, was aber der Realität nicht gerecht wird.

     

    Eine verbreitete Definition heißt: „Burn-Out ist sowohl der Prozess zunehmender, wie ein Zustand völliger – emotionaler und körperlicher – Erschöpfung (infolge dessen die Leistungsfähigkeit reduziert ist).

     

    Nach einem Tag harter Arbeit erschöpft zu sein oder auch mal keine Lust auf die Arbeit zu haben, ist völlig normal. Die meisten von uns haben ihre Wege, um dann wieder zu Kräften zu kommen (Ausschlafen, Sport etc.).

     

    Bei einem Burn-Out funktionieren diese Wege nicht mehr – es ist keine Erholung mehr möglich, die Betroffenen fühlen sich wie Automaten oder „nichts geht mehr“. Es ist keine Freude am Leben mehr vorhanden. So eine chronische Erschöpfung tritt in der Praxis häufig nach einer anstrengenden Arbeitsphase auf und sollte bzw. muss – je nach Stadium – von einem Experten (z.B. Arzt, Psychotherapeut) behandelt werden. 

     

    Ein fortgeschrittener Burn-Out passt auch in das Vollbild einer Depression, der Übergang ist häufig fließend. Unter einer Depression versteht man eine psychische Erkrankung, die psychotherapeutisch und ärztlich, häufig medikamentös behandelt werden muss. Ein Burn-Out kann aber auch zu anderen seelischen Krankheiten führen (z.B. zu Angststörungen oder Panikattacken). Jeder kann betroffen sein, der eigene Grenzen überschreitet und die Warnsignale nicht rechtzeitig erkennt oder verdrängt.

     

    Ein Burn-Out entsteht nicht aus zu viel Arbeit alleine, sondern meistens aus dem Mix unterschiedlichster Faktoren: Aus Belastungen im Betrieb (z.B. durch Zeitdruck oder mangelnde Pausen), Belastungen im privaten Bereich (z.B. durch Beziehungskrisen, Betreuungspflichten), Belastungen im individuellen Bereich (z.B. durch mangelnde Entspannungsfähigkeit) und Belastungen im sozialen Bereich (z.B. durch eine problematische wirtschaftliche Lage).

     

    Ob chronischer Stress zu einem Burn-Out führt, hängt davon ab, wie gut der Einzelne sich erholen kann – und wie gut seine Bewältigungsstrategien sind. 

     

    Chronischer Stress + mangelnde Erholung + fehlende/mangelhafte Bewälti­­gungsstrategien ➜ Burn-Out

     

    Was bedeutet das für Greenkeeper? Greenkeeper sind in ihrer Arbeit einer Vielzahl an Belastungen ausgesetzt:

    Wer so hart arbeitet, braucht entsprechenden Ausgleich. Das sieht in der Praxis aber anders aus: Ein Großteil der Greenkeeper verzichtet auf wichtige Erholungsphasen (vgl. GVD-Mitgliederbefragung 2013). Werden dann auch noch die sozialen Beziehungen zugunsten der Arbeit vernachlässigt und verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Beruf zunehmend, steigt das Burn-Out-Risiko erheblich. Logische Konsequenz: Bereits bei vielen Kollegen im Greenkeeping sind deutliche Warnsignale der Anfangsphase von Burn-Out zu erkennen (vgl. STEGMANN, 2011).

     

    Ein Burn-Out ist nicht etwas, das plötzlich geschieht, sondern ein schleichender Prozess, der in mehreren Stufen oder Phasen, manchmal über Jahre hinweg, abläuft. In der Literatur gibt es dazu die unterschiedlichsten Phasenmodelle mit 4, 6, 10 oder 12 Phasen. Diese Phasen sind in der Praxis nicht immer klar voneinander abgrenzbar, vermischen oder überlagern sich häufig, werden übersprungen oder parallel durchlaufen. Anhand so eines Modells (wie z.B. dem 12-Phasenmodell nach FREUDENBERGER & NORTH, 1992) kann der Greenkeeper gut erkennen, ob und in welcher Phase er selbst sich aktuell befindet und welche Gegenstrategien er ergreifen könnte.

     

    Der Einstieg in einen Burn-Out beginnt häufig mit sehr hohen Ansprüchen an sich selbst. Man will Erfolg haben und leistet viel – und kann seine Leistung durch vermehrten Einsatz auch noch steigern. Gefährlich wird es, wenn aus der Leistungsbereitschaft, die ja an sich etwas Positives ist, Leistungszwang wird. Typisch ist außerdem die Unfähigkeit zu Delegieren: Aus verschiedensten Gründen (z.B. Angst vor Machtverlust, Ersetzbarkeit oder Fehlern) macht man lieber alles selbst oder kontrolliert das kleinste Detail. Man verzichtet auf den so wichtigen Ausgleich, wird dadurch auf Dauer weniger leistungsfähig – und versucht mit noch mehr Härte gegen sich selbst die alte Leistung wieder abrufen zu können – bis hin zum völligen Zusammenbruch.

     

    Je früher man erste Warnsignale bei sich selbst wahrnimmt, umso leichter ist es, einen Burn-Out abzuwenden. Das ist aber leichter gesagt als getan, da die zunehmende Erschöpfung das eigene Urteilsvermögen trübt. So nimmt das Umfeld den schleichenden Burn-Out-Prozess mit all seinen Folgen (Unfähigkeit zu Delegieren, Ungeduld, Zynismus, Verschiebung von Prioritäten, Rückzug etc.) meist viel früher war, als der Betroffene selbst. Warum verdrängen die Betroffenen häufig, dass ihr Leben aus dem Ruder läuft? Zum einen müssen sie sich bei aller Überforderung dann nicht auch noch mit diesem Problem beschäftigen – zum anderen wissen sie sich oft einfach nicht (mehr) zu helfen und ackern deshalb weiter wie bisher, nach dem Motto „Augen zu und durch“.

     

    Häufig greift der Stress dann nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn an, was zu den typischen Burn-Out-Symptomen führen kann (Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Verlust der Wertschätzung sich selbst, der Arbeit und anderen gegenüber) – bis hin zur Depression.

     

    Wie fühlt sich ein Burn-Out an? Wer das herausfinden möchte, dem sei die (nicht ganz ernst gemeinte) Anleitung zum Ausbrennen (WEBER, 2013) auf S. 40 em-pfohlen. Auch hier gilt: Ehrgeiz ist alles – nach dem Motto: „Wenn schon ausgebrannt, dann richtig“!

     

    Falls Sie alle Tipps ernsthaft befolgen, können Sie wahrscheinlich nachvollziehen, was im Kopf eines Burn-Out-Gefährdeten vor sich geht.

     

    Alles völlig übertrieben? Oder kommt Ihnen die ein oder andere Einstellung bekannt vor? Was davon denken oder tun Sie vielleicht bereits sogar?

     

    Gehen wir davon aus, dass Sie das 9-Schritte-Programm nicht durchlaufen, sondern gesund bleiben wollen, wie können Sie am Besten für sich sorgen, angesichts Ihrer hohen Arbeitsbelastungen?

     

    2. Wege zum Ausgleich

    Unsere persönlichen Einstellungen und Überzeugungen spielen beim Entwickeln eines Burn-Outs also eine große Rolle. Sie sind mitentscheidend dafür, wie stressig wir eine Situation empfinden. Wollen wir es z.B. immer allen recht machen oder wollen wir immer perfekt sein, stresst uns die Situation mit einem aggressiven Kunden wahrscheinlich mehr, als einen Kollegen, dem es gelingt, den Angriff „nicht persönlich zu nehmen“? Wir Menschen sind völlig unterschiedlich – und fühlen uns deshalb auch völlig unterschiedlich schnell und stark gestresst. Das erklärt auch, warum es keine Patentrezepte gegen das Ausbrennen gibt.

     

    Wollen Sie auf Dauer leistungsfähig bleiben, können Sie an drei verschiedenen Hebeln ansetzen. Egal, ob uns ein Säbelzahntiger angreift oder uns ein unzufriedener Kunde beleidigt – bei Stress stehen immer verschiedene Aspekte in Wechselwirkung miteinander. Stress wird – wie oben beschrieben – ausgelöst durch einen Reiz ( = Stressor), wir bewerten diesen Reiz (= Stressverstärker) und es erfolgt dadurch eine körperliche Reaktion.

     

    Bei den folgenden Empfehlungen geht es nicht darum, den Stress durch komplettes „Abarbeiten“ oder durch übertriebene Vorsätze noch zu erhöhen, sondern sie als Anregungen oder Wegweiser zu verstehen.


    Nur Sie selbst können heraus­finden und beurteilen welche Strategien für Sie hilfreich sind!

     

    Wollen Sie an der ersten Ebene ansetzen, können Sie sich fragen:

    1. „Wann gerate ich unter Stress?“ (z.B. unter Zeitdruck, unter zu hohen Leistungsanforderungen, bei sozialen Konflikten etc.). Und als logische Konsequenz: „Wie kann ich diese Stressoren/Belastungen vermindern?“

     

    Experten und Greenkeeper selbst empfehlen ihren Kollegen dazu folgende Strategien (vgl. STEGMANN, 2011 sowie Einzelinterviews durch Autorin):

    • Professionelles Zeitmanagement: Prioritäten setzen, realistisch ­Planen mit genügend Puffern
    • Sich von Aufgaben oder ­Rollen trennen
    • Mehr delegieren!
    • Für eine gute Stellver­treter­regelung sorgen! Falls Sie gegen diesen Weg sind, hinter­fragen Sie sich selbst: warum möchte ich das nicht, was steckt evtl. dahinter? Mangelndes Vertrauen? Konkurrenzangst? Angst vor Machtverlust und Ersetzbarkeit? Angst, zu viel in den Mitarbeiter zu investieren und ihn dann zu verlieren? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafür? Hier ist es wichtig, sich bewusst zu machen: ich zahle immer einen Preis, auch wenn ich alles selbst mache!
    • Verantwortung abgeben: Notfallpläne aufstellen, andere schulen; Kollegen nicht „künstlich dumm“ halten, Projekte über­geben
    • Netzwerke aufbauen; um Unterstützung bitten
    • Sich selbst ­Grenzen setzen
    • Nein-Sagen: kooperativ und klar
    • Auf gute Kommunikation und ­Informationsfluss achten: gegenüber dem Team, dem Vorstand (z.B. bei Sitzungen präsent sein), dem Clubmanager, den Spielern (z.B. kurze fachliche Weiterbildung/Vorträge anbieten mit anschließender Diskussion), dem Captain (informelle und formelle Treffen durchführen)
    • Dokumentation der ­eigenen ­Arbeit und der Arbeitsstunden: unterstützt Selbstvertrauen, wirkt professionell und kann zugleich Nachweis für den Ernstfall sein: ­was wurde wann, wie und mit ­welchem Zeitaufwand getan
    • Verbesserungsmöglichkeiten überlegen, kommunizieren und umsetzen (Arbeitsbedingungen nicht ­als „unveränderbar“ ­annehmen; ­evtl. externen „Moderator“ ­hinzuziehen)
    • Krisen proaktiv angehen: auf gutes Konfliktmanagement achten
    • Sich fachlich und sozial weiterbilden (z.B. Zeit- und Stress­management, Konfliktmanagement, Führung, Team, Argumentation & Verhandlungsführung etc.)
    • Mitarbeit im Berufsverband: ­berufliche Position durch Information und Mitarbeit verbessern
    • Freiräume für die Familie einplanen und verteidigen; Handy während dieser Zeit ausstellen: wenn Ihnen das schwerfällt, fragen Sie Sie sich: „was könnte schlimmstenfalls passieren?“  
    • Wohnortentfernung ok? ­(Wohnortnähe nimmt Fahrstress, Wohnortentfernung erleichtert evtl. Abgrenzung)
    • Sich durch gute Kommunikation das Verständnis des Partners/der Familie sichern
    • Gelegenheiten organisieren, zu denen man die Familie mit auf den Platz nehmen kann

     

    ➔ Wenn alles nichts mehr nützt: sich professionelle Hilfe holen

     

    Weitere mögliche Wege setzen an der 2. Ebene des Stressgeschehens an, den „Stressverstärkern“, also den Fragen:

    2. „Womit setze ich mich selbst unter Stress?“ (z.B. durch Einzelkämpfertum, Perfektionismus, Ungeduld, Kontrollzwang …) und wenn man das herausgefunden hat: „Wie kann ich mich von hinderlichen Einstellungen trennen? Welche Ansprüche an mich selbst möchte ich überdenken und relativieren?“

     

    Die folgenden Empfehlungen von Experten und Greenkeepern sind sicherlich nicht einfach umzusetzen, aber mit am effektivsten:

    • Sich selbst und anderen Grenzen setzen und diese akzeptieren
    • Bewusst aus dem Reiz-Reaktions-Muster aussteigen ­(statt Autopilot): z.B. erstmal tief Luft holen, statt sofort in die Stressfalle zu tappen und „hochzugehen“
    • Dinge weniger „persönlich“nehmen
    • Positiv denken; an Erfolge ­erinnern, dankbar sein
    • Immer wieder hinterfragen: ­Was ist für mich „das Wesent­liche“, was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben? Sinnsuche ist aber nur dann belebend, wenn man den Alltag auch danach ausrichtet und sich für die wichtigen Dinge Zeit nimmt – damit man den Alltag nicht auf Dauer grau und ermüdend empfindet!
    • Guter Umgang mit „unrealistischen“ Erwartungen:
      • Erwartungen hinterfragen
      • „Ent-ärgern“ ­(z.B. bei Einmischungen von „gefühlten Experten“)
      • Erkenntnis: es ist nicht möglich, es ALLEN recht zu machen; sich ein „dickes Fell“ zulegen
      • Perspektivwechsel: warum handelt der andere so?
      • Verständnis wecken: Kommunikation der Hintergründe
      • Imagepflege betreiben

     

    Eine dritte Möglichkeit ist es, an der Ebene der körperlichen Reaktionen anzusetzen mittels folgender Fragen:

    3. „Wie antwortet mein Organismus auf die Belastungen – körperlich, gedanklich, gefühlsmässig und auf der Verhaltensebene?“ (z.B. mit Denkblockaden, schnellem Essen, Aktionismus, Verspannung, Grübeln…). Und als logische Konsequenz daraus: „Wie kann ich die körperlichen und psychischen Stressreaktionen abmildern? Wie kann ich neue Energien schöpfen um leistungsfähig zu bleiben?“

     

    Auch bei diesen Empfehlungen von Experten und Greenkeepern gilt die Devise: Finden Sie für sich heraus, was Ihnen gut tut und verfallen Sie keinesfalls in „wilden Aktionismus“!

    • Sich fragen: Wie entspanne ich am Besten? Womit tanke ich auf? -> Tankstellen dann aber auch anzapfen!
    • Sich bewusst erholen: Zeiten als „To Do“ einplanen und einhalten
    • Abreagieren durch körperliche Aktivität
    • Hobby als Ausgleich pflegen
    • Sich Verwöhnen & Genießen (aber Genussmittel einschränken: Achtung: Alkoholkonsum kann sich schleichend erhöhen, wenn sich ein Burn-Out verstärkt)
    • Regelmäßige, erholsame Pausen machen (in geeigneten Sozialräumen)
    • Regelmäßige Entspannungs­übungen (z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Meditation)
    • Auf gesunde Ernährung & langsames Essen achten (z.B. Frühstücken)
    • Ausreichend Schlafen (Experten empfehlen mindestens acht Stunden!)
    • Freundschaften, soziales Netzwerk pflegen
    • Für ein gutes familiäres Umfeld sorgen: sich klar machen, dass eine Beziehung immer ein Geben und Nehmen ist. Gerade während der Saison ist vermehrte Kommunikation wichtig: die eigenen Bedürfnisse kommunizieren, nach den Bedürfnissen der anderen fragen und auf sie Rücksicht nehmen – Beziehung ist keine Einbahnstraße! Nach dem Motto: „Eine Beziehung bleibt von alleine nicht gut – sie wird von alleine nur schlecht.“
    • Gemeinsam Lachen
    • Entlastende Gespräche, Trost und Ermutigung suchen
    • Auszeiten auch während der Saison organisieren: Aufgaben klar absprechen, für gute Organisation sorgen
    • In weniger stressigen Zeiten (Nebensaison) längeren Urlaub am Stück möglich machen

     

    Kennen Sie Menschen, die gut mit Stress umgehen können – oder gehören Sie vielleicht selbst schon dazu? Dann wissen Sie, dass gutes Stressmanagement immer eine sehr persönliche Kombination verschiedenster Strategien ist.

     

    Die neue Saison steht an – mit all ihren Herausforderungen. Im besten Fall haben Sie jetzt den Vorsatz gefasst, gut für sich selbst zu sorgen, um leistungsfähig zu bleiben. Aber „Hand aufs Herz“: was meinen Sie, wie lange diese Vorsätze im stressigen Alltag anhalten? Warum handeln wir eigentlich meistens erst dann, wenn es nicht mehr anders geht, die Schmerzen kaum mehr zu ertragen sind, der Job über uns zusammenbricht und die Familie sich in alle Winde zerstreut?

     

    Jeder von uns weiß: Neues Verhalten auszuprobieren und es im auch so schon sehr vollen Alltag beizubehalten ist anstrengend, braucht viel Selbstdisziplin und Willensstärke.

     

    Was Sie tun können, damit es nicht nur beim guten Vorsatz bleibt:

    1. Führen Sie sich den Nutzen Ihres angestrebten Verhaltens vor Augen und was Sie dadurch für Ihr Leben erreichen können. Machen Sie sich bewusst, dass Sie immer einen Preis zahlen, auch wenn Sie Ihr Verhalten NICHT verändern (z.B. mit einem frühe(re)n Tod). Sich nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung! Burn-Out kann JEDEN treffen – nicht nur die anderen. 
    2. Setzen Sie sich konkrete und ­realistische Ziele anstatt sich nur etwas zu wünschen: z.B. „ab morgen trainiere ich 2x die Woche 30 Minuten an den Geräten“ statt „ich müsste mal mehr Sport machen“.Oder: „Ab sofort mache ich 3x am Tag mind. 10 Minuten Pause um 10 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr und höre dabei meine Lieblingsmusik auf dem iPod“ statt „ich mache mehr Pausen“.Machen Sie sich klar, dass bereits kleine Veränderungen Ihrer Lebensweise große positive Auswirkungen haben können. Es geht um erste kleine Schritte, nicht um riesengroße Projekte, die wiederum Stress erzeugen.
    3. Führen Sie Rituale ein, um nicht ständig an Ihr Vorhaben denken zu müssen: ritualisierte Handlungen erfordern nicht soviel Selbstdisziplin und erleichtern das Abschalten, z.B. Feierabendrituale, Rituale vor dem Urlaub, Pausenrituale, ­Beziehungsrituale (vgl. auch Tiger Woods, der vor jeder Runde Konzentrationsrituale durchführt).

     

    Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Hamsterrad aus eigener Kraft nicht mehr verlassen zu können, holen Sie sich Unterstützung (von Freunden, Kollegen, professionellen Kräften) – Ihr Leben sollte es Ihnen wert sein!

     

    Das Leben ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. Sorgen Sie gut für sich, damit Ihnen nicht frühzeitig die Puste ausgeht. Viel Erfolg dabei und alles Gute!

     

    Literaturverzeichnis

    BURISCH, M.: Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. 2. Auflage, Berlin: Springer Verlag. 1994

    Erschöpft und ausgebrannt. Wie Sie dem Stress des Alltags entkommen. In: Psychologie Heute compact, Heft 27, 2011

    FREUDENBERGER, H. und G. NORTH: Burn-Out bei Frauen: Über das Gefühl des Ausgebranntseins. FISCHER Taschenbuch. 2. Aufl., 2012

    GEYERSHOFER, S. und C. UNTERHOLZER: Burnout aus systemischer Sicht. Auf dem Weg zu einem Verständnis von Burnout und Erschöpfungssyndrom. In: Systeme. Interdisziplinäre Zeitschrift für systemtheoretisch orientierte Forschung und Praxis in den Humanwissenschaften. Jg.22 (2). 2008

    KALUZA, G.: Stressbewältigung: Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung. Springer Verlag. 2. Aufl., 2011

    SCHNEIDER, H.: „Arbeitsbedingungen im Greenkeeping“. Studie im Auftrag des GVD, 2013

    STEGMANN, A.: „Einschätzung zu den Arbeitsbedingungen im Greenkeeping“, Greenkeepers Jounal 4/2011

    STREICH, R.: Von der Person zur Persönlichkeit. Der lange Weg zum Ich. Teil 1. In Golfmanager, 6/2012

    STREICH, R.: Von der Person zur Persönlichkeit. Der lange Weg zum Ich. Teil 2. In Golfmanager, 1/2013

    UNGER, H.-P.: Bevor der Job krank macht. Wie uns die heutige Arbeitswelt in die Erschöpfung treibt – und was man dagegen tun kann. Kösel Verlag.

    WEBER, N.: 10 Schritte zum Burnout. In Emotion edition, Heft 1, 2013.

    Weg mit dem Stress. Wie wir uns die Lebensfreue zurückerobern. Emotion edition, Heft 1, 2013.

    Eigene Zeichnungen nach der Bikablo-Technik der Kommunikationslotsen Scholz & Vesper GmbH & Co. KG

     

    Autorin: Angela Frfr. von Müffling-Tietscher

     

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