Rotschwingel (Festuca rubra L.)

Gräserarten für die Rasennutzung

Mit genau 100 auf ihre Raseneignung geprüften Sorten stellt der Rotschwingel die zahlenmäßig größte Art in der aktuellen Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes (BSA, 2021). Erweitert wird das Sortenspektrum in der RSM Rasen 2021 (FLL, 2021) durch auf ihre Raseneignung geprüfte und amtlich zugelassene Sorten (EU-Sorten).

 

Im Rasen finden folgende Unterarten des Rotschwingels Verwendung:

  • Festuca rubra commutata – Horstrotschwingel
  • Festuca rubra trichophylla – Rotschwingel mit kurzen Ausläufern
  • Festuca rubra rubra – Ausläuferrotschwingel

 

Die Sorten des Horstrotschwingels und die des Rotschwingels mit kurzen Ausläufern besitzen dieselbe hexaploide Chromosomenzahl (2n = 42). Die Chromosomenzahl des Ausläuferrotschwingels ist oktoploid (2n = 56).

 

Eigenschaften

Aufgrund der feinen Blattstruktur und der breit gefächerten Eigenschaften sind Rotschwingel in fast allen Gräsermischungen für Zier-, Gebrauchs- und Landschaftsrasen enthalten. Vor allem die dicht wachsenden Sorten des Horstrotschwingels sowie die des Rotschwingels mit kurzen Ausläufern verfügen über gute Raseneigenschaften. Dies dokumentiert sich auch in einer überwiegend guten bis sehr guten Eignung für Zier- und Gebrauchsrasen sowie im Tiefschnittrasen (BSA, 2021).

Während die Sorten des Horstrotschwingels meist eine etwas bessere Winterfarbe aufweisen, zeigen die des Rotschwingels mit kurzen Ausläufern aufgrund ihrer höheren Trockenheitsverträglichkeit vor allem im Sommer eine bessere Grasnarbe. Zudem vertragen sie den Tiefschnitt (≥ 5 mm) und wachsen sortenabhängig auch auf salzbelasteten Böden.

 

Die feinen und dichten Grasnarben beider Unterarten sind konkurrenzkräftig und unterdrücken die meisten Fremdarten. Auf trockenen und gering mit Nährstoffen versorgten Standorten werden die Rotschwingel bestandsbildend. Hohe N-Düngung sowie feuchter Boden hemmen ihre Ausbreitung.

 

Die Sorten des Ausläuferrotschwingels zeigen meist etwas breitere Blätter und wachsen vergleichsweise nicht so dicht. Ihr Anwendungsschwerpunkt liegt zurzeit vor allem in Landschaftsrasen- und Gebrauchsrasenmischungen. Aber auch bei dieser Unterart bringt die Züchtung immer bessere Sorten hervor, die auch im Zierrasen Verwendung finden können. Eine Prüfung im Tiefschnittrasen wird derzeit nicht durchgeführt.

 

Die Belastbarkeit ist bei allen drei Unterarten als mäßig einzustufen. Bei intensiver Trittbelastung oder Befahrung sind Rotschwingel nicht ausdauernd. Rotschwingel wird vornehmlich von Schneeschimmel und Rotspitzigkeit befallen, wobei es hier deutliche Sortenunterschiede gibt. Die Keimdauer liegt im Mittel bei etwa zwei Wochen.

 

Alle Rotschwingel bilden relativ – aufgrund der dichten Grasnarbe – viel Filz, der sich in kurzer Zeit an der Bodenoberfläche anreichert.

Erkennungsmerkmale

Der Rotschwingel ist im Grasbestand relativ leicht aufgrund seiner sehr schmalen, borstenförmigen Blätter gut zu erkennen. Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht noch mit dem Schafschwingel (Festuca ovina) bzw. Raublättrigen Schwingel (Festuca trachyphylla), deren Blattscheide jedoch offen ausgeprägt ist. Die des Rotschwingels ist geschlossen.

 

Eine optische Unterscheidung zwischen den Unterarten ist zumindest für den Autor dieses Beitrags nur ansatzweise möglich. Die Sorten des Ausläuferrotschwingels (Festuca rubra rubra) sind oft etwas breiter im Blatt und weniger dicht im Wuchs als die beiden anderen Vertreter des Rotschwingels. Jedoch bringt der züchterische Fortschritt auch zunehmend bessere Rasensorten des Ausläuferrotschwingels hervor.

Die Spelzfrucht von Festuca rubra ist ca. 4 bis 6 mm lang, 0,8 bis 1,2 mm breit und 0,5-0,8 mm dick. Die Deckspelze besitzt eine bis 2 mm lange Granne und häufig an den Rändern kurze Härchen. Stielchen 1 bis 2 mm lang, nach oben knopfförmig verdickt. Die 4 mm lange, 1 mm breite und 0,5 mm dicke Karyopse ist dunkelbraun. Das Tausendkorngewicht schwankt zwischen 1 und 1,5 g.

 

Weiterführende Literatur finden Sie im einleitenden Beitrag „Bestimmung von Gräserarten – kurz und knapp".

 

Autor: Dr. Harald Nonn | Greenkeepers Journal 2/2021

 

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