Vogelschutz mit Wildkrautansaaten

Oasen für Insekten und Vögel schaffen

Die Zahl heimischer Singvögel nimmt seit Jahren sichtbar ab. Haupt­ursache dafür ist ein fehlendes natürliches Nahrungsangebot. Sich dieser Entwicklung entgegen zu stellen ist das Ziel einer Firma aus Leer. Sie entwickelt, produziert und vertreibt hochwertiges Qualitäts-Wildvogelfutter unter dem Markennamen „GEVO“. Die neueste Entwicklung stößt jedoch tiefer und breiter vor, es ist die GEVO-Wildvogel-Futterwiese, mehrjährig ohne Gräser. Mit diesem Produkt erobert die „pfiffige“ Unternehmerfamilie ganz neues Terrain und neue Schichten für immer weniger werdende Singvögel. Dabei ist die Futterwiese nicht das Ergebnis hipper Marketingstrategen, sondern das Resultat langjähriger Erfahrungen und vieler Gespräche mit Fachleuten und dennoch voll auf der Höhe des Zeitgeistes.

Die Zahl heimischer Singvögel nimmt seit Jahren ab, im Bild: der Stieglitz. (Foto: GEVO)

Die Ausgangslage

Nach Erhebungen der Weltnaturschutzunion IUCN (2017) ist inzwischen jede siebte bis achte der weltweit rund 10.000 vorkommenden Vogelarten im Fortbestand bedroht. Rund 50% der Arten sind als mehr oder weniger gefährdet in rote Listen eingestuft und weltweit nehmen die Bestandsrückgänge immer noch zu.

 

Vor allem Vögel der Agrarlandschaften sind zunehmend bedroht. Informationen der Bundesregierung besagen, dass die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten in der EU zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen ist, was einem Minus von 57% entspricht. In Deutschland hat demnach der Bestand der Braunkehlchen zwischen 1990 und 2013 um 63% abgenommen, die Zahl der Uferschnepfen um 61% und die der Feldlerchen um 35% (BfN, 2017).

 

Gründe dafür gibt es viele, das Fehlen geeigneter Lebensräume und das Insektensterben gehören zu den wichtigen. Bei manchen Insektenarten ist der Bestand danach um bis zu 90% zurückgegangen (BfN, 2017).

 

Dieser Rückgang von Wildvögeln ist in absehbarer Zeit durch Biotopgestaltung oder Renaturierungsmaßnahmen nicht aufzuhalten oder gar umzukehren. Und es sei an dieser Stelle auch ganz deutlich gesagt, er wird sich auch durch Zufütterung nicht generell beheben lassen.

Was brauchen unsere heimischen Wildvögel?

Singvögel haben wichtige Funktionen für die Umwelt. Damit sie in unserer menschlich geprägten Umgebung leben können, benötigen sie Zweierlei: Erstens geeigneten Lebens- und Brutraum und zweitens eine Nahrungsgrundlage. Lebens- und Brutraum sind erstaunlicherweise auch in unserer dicht besiedelten und immer urbaneren Welt weniger das Problem. Hier passen sich viele Vogelarten an. Zum Problem wird die Nahrungsbeschaffung für die Vögel; denn wovon leben unsere Singvögel? Grob gesagt: von Früchten, Körnern, Samen oder Insekten bzw. deren Larvenstadien und Würmern. Oft sind es ganz spezielle Insekten oder Sämereien.

Impression einer Wildvogel-Futterwiesenfläche im GC Johannesthal (B.-W.) (Foto: M. Bocksch)

Das zeigt, dass alles irgendwie zusammenhängt, vielmals sind auch bestimmte Pflanzen- und Insektenarten voneinander abhängig. Finden Pflanzen – oft sind es in unseren Augen nur unerwünschte „Unkräuter“ – keinen Lebensraum auf dem Acker oder in der Siedlung mehr, dann verschwinden auch die damit in Beziehung oder gar in Abhängigkeit stehenden Insekten und fehlen somit den Vögeln als Futter.

Mangel an natürlichem Futter ein Grund für den Artenrückgang

Die Ursachen für diese Entwicklungen sind vielfältig und es ist müßig, darüber zu lamentieren oder zu streiten. Vieles sind Fakten. Es leben immer mehr Menschen, die Platz für Arbeit, Wohnen oder Infrastruktur benötigen. Landwirtschaft mag keine Nahrungskonkurrenten für die angebauten Feldfrüchte auf dem Acker, dies gilt für die konventionelle genauso wie für die biologische Landwirtschaft.

Neuansaat im Frühjahr – hoffentlich reicht das Wasser ... (Foto: M. Bocksch)

Nötig wäre zur Förderung der Biodiversität ganz allgemein eine kleinteilige, vielfältige Landschaft, die mit einer großen Vielfalt an Lebensräumen einer ebensolchen Vielzahl von Pflanzen, Insekten und Vögeln Lebensräume bietet. Kleine Felder, dazwischen Hecken, Wäldchen, Wege, nasse Wiesen, Teiche, Bäume, Weiden und Bachläufe.

 

Hier und da findet man solche vielgestaltigen, abwechslungsreichen Lebensräume noch. Meist vom Menschen geschaffen, denn auch er sehnt sich eigentlich danach. Zu finden auf Friedhöfen, in alten, kommunalen Parkanlagen, in Wohngegenden mit großen Gartenflächen und auch auf Golfanlagen.

 

Diese Mischung aus „gepflegten“ und meist niedrig gehaltenen Blumen, Kräutern und Gräsern und hochgewachsenen, „ungepflegten“ Bereichen mit ebenso blühenden Blumen und Kräutern, mit Wasserflächen, Bäumen, Schattenbereichen und besonnten Flächen. Jeder einzelne Lebensraum ist die Basis für viele, oft spezielle Pflanzen und Tiere. In Summe bieten sie einer Vielzahl von Pflanzen und Insekten Lebens- und Nahrungsgrundlage und unseren Singvögeln Samen und Insekten.

 

Da diese Flächen oft in der Stadt oder zumindest stadtnah zu finden sind, hat dies dazu geführt, dass städtische Lebensräume heute oft artenreicher sind als ländliche. Eine Restrukturierung unserer Agrarlandschaft in die Vorkriegs- oder zumindest Vorflurbereinigungszeit wird es nicht geben und wäre der falsche Weg. Freiwilligkeit, positive Anreize und offene, ehrliche Aufklärungsarbeit, die die Beteiligten überzeugen kann, sind bessere und wirkungsvollere Ansätze.

 

Aktive Fütterung ist Wildvogelschutz

Wildvögel sind „Kulturfolger“ und es zieht sie mehr und mehr in die Städte. Ebenso unbestritten ist die Bereitschaft der Verbraucher, gerade in den Städten, Wildvögel ganzjährig zu unterstützen. Die vielen Balkon- und Gartenbesitzer sorgen mit unzähligen Futterplätzen dafür, dass unsere Wildvögel insbesondere in unseren Städten gut durch das Jahr kommen.

 

Singvögel ganzjährig mit Futter zu versorgen, ist ein Weg, um ihren stetigen Rückgang aufzuhalten. Bei wenig Platz im Garten oder keiner Chance für eine Ansaat der richtige Ansatz, um Alt- und Jungvögeln eine Nahrungsbasis zu schaffen. Wichtig ist in diesem Falle, dass die Fütterung verlässlich rund um das Jahr angeboten wird, damit die daran gewöhnten Vögel wirklich immer Futter finden.

 

Wo gefüttert wird, sollte zudem stets eine Vogeltränke nicht fehlen. Viele Vögel baden nahezu täglich zur Pflege ihres Gefieders und das auch bei Regen und im Winter. Fast alle bei uns lebenden und überwinternden Arten müssen täglich trinken. Die ideale Vogeltränke hat eine maximale Wassertiefe von fünf Zentimeter und ist eventuell auch mit einem flachen Stein als Insel ausgestattet. Wer viele Wildvögel in seinem Umfeld ansiedeln möchte, sollte darüber hinaus Nisthilfen verschiedenster Art anbringen. Diese bieten den Vögeln Brutplätze und dienen auch als willkommener Schlafplatz, der im Winter Schutz vor Kälte bietet. Wildvögel nisten gerne in der Nähe ihrer Futterplätze.

 

Natürlicher Wildvogelschutz ist möglich

Auf lange Sicht und in der Fläche sollten andere Lösungen den Vorrang bekommen. Firmen, Vereine, Unternehmen, Kommunen, Landwirte oder Privatleute, jeder, der einen Acker, Garten, Wiese oder andere Flächen zur Verfügung hat, kann und sollte mit der Schaffung eines gesunden und vielfältigen Lebensraumes und in der Folge einem reichhaltigen Nahrungsangebot aktiv werden, damit der Artenrückgang zumindest aufgehalten wird.

 

„Bauern, Bürger, Bürgermeister, Bauhöfe, jeder an seinem Platz“ so Harald Blankert, Leiter Bereich Landwirtschaft, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Karlstadt am Main, zitiert von E. KÖTTER (2018). Das kann nur bedeuten: Schaffung von Strukturen, die Pflanzen und Tieren Lebensraum und Nahrung bieten, z.B. durch die Anpflanzung heimischer Stauden und Sträucher. Sie locken eine Vielzahl von Insekten an, die von den Singvögeln gefressen werden und auch ihre Samen und Früchte werden gerne angenommen.

 

„Insekten lieben blühende Gartenlandschaften und verhungern in Steinwüsten. Mit den richtigen Pflanzen sorgen wir für reichhaltige Nahrung für Insekten und damit auch für viele andere Tiere“, so Helmut Selders, Präsident des Bundes Deutscher Baumschulen (BDB, 2018). Nicht jede Ecke auf einem Grundstück muss „geschleckt“ sein. Man kann nicht nur, man sollte „wilde Ecken“ mit einem bunten Mix aus blühenden Bäumen, Sträuchern und Stauden zulassen und gestalten. Dieser Bereich sollte nicht gemäht und nach Möglichkeit auch nicht betreten werden. Mit dichten, dornigen Hecken bieten solche Nischen reichhaltige Nahrung, einen Rückzugsort, Versteck und Nistplatz.

 

Entscheidendes Element in diesem Vorgehen sind artenreiche Ansaaten. Saatgut angepasster Kräuterarten, die Insekten anlocken und viele, nahrhafte Samen produzieren, ist nicht immer einfach zu bekommen. Auf Gräser ist in solchen Mischungen unbedingt zu verzichten, da diese auf den meist gut mit Stickstoff versorgten Acker- oder Gartenböden einen Wachstumsvorteil haben und die Kräuter und Blumen in kürzester Zeit unterdrücken und verdrängen.

 

Verkauft werden in Gartenfachmärkten, Gartencentern, Baumärkten oder auch in Drogerieketten zumeist die einjährigen Blühmischungen mit wohlklingenden Namen, vorgesehen zur Ansaat im Frühjahr. Doch dieser Termin ist aufgrund häufigerer Trockenheit in der Ansaat- und Keimphase im Mai und Juni in den letzten Jahren und auch 2018 wieder geschehen, immer riskanter geworden. Ergebnis, die Anwender solcher Mischungen sind unzufrieden mit dem Resultat und lassen es in Zukunft sein, Blühmischungen anzusäen.

 

Ganze Städte haben aufgrund dieser Probleme die Ansaat solcher Mischungen zwischenzeitlich wieder gestrichen und Rasen auf die Flächen gesät. Oft scheitert es zudem an der jährlichen Bodenbearbeitung und der relativ langen Brachephase ohne Bewuchs, die der Bevölkerung schwer zu vermitteln ist.

Innovative ­Neuentwicklung mit vielfältigem Nutzen

Die Neuentwicklung der „GEVO-Wildvogel-Futterwiese“, mehrjährig, ohne Gräser, stellt eine echte Innovation dar. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Die GEVO-Wildvogel-Futterwiese, mehrjährig, ist eine natürliche, vielfältige, ausdauernde, bunte Nahrungsbasis für Wildvögel. Geeignet für alle Böden und Standorte, sonnig wie schattig, trocken und feucht. 

Die Wildvogel-Futterwiese des Oldenburgischen GCs. Aufnahme aus dem Sommer 2018 nach einer ­Aussaat im Herbst 2016 (Foto: M. Bocksch)

Über 45 ganz speziell nach ornithologischen Gesichtspunkten ausgewählte, heimische Kräuter, Wildblumen und Staudenarten verwandeln Grünflächen, Gärten, Äcker, Brachen oder auch Golfanlagen in einen reichhaltig gedeckten Tisch und liefern Nahrung für Schmetterlinge, Wildbienen, Schwebfliegen und andere Insekten.

 

Üppige Samenstände sind nach dem Abblühen eine natürliche und bevorzugte Futterquelle für Wildvögel. Im Winter bieten die Bestände eine interessante Silhouette. Stängel und abgestorbene Pflanzen bieten Insekten darüber hinaus ein Winterquartier und Schutz, wenn sie nicht im Herbst abgemäht, sondern über den Winter bis ins Frühjahr stehen bleiben können. Diese Insekten liefern die erste und wichtige Nahrung für die Wildvögel im nächsten Frühling. Die Mischung leistet damit einen vielfältigen, wertvollen Beitrag zum Schutz unserer freilebenden Singvögel.

 

Entstanden ist die mehrjährige Mischung im Rahmen der bestehenden, langjährigen Zusammenarbeit der GEVO GmbH mit dem Biologen und ehemaligen Direktor des Max-Planck-Institutes für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell, sowie TV-Vogelexperten, Prof. Dr. Peter Berthold und dem Autor.

 

Anwendungshinweise auch für Brachen und Ackerrandstreifen­programme

Ein ausgewogenes Verhältnis von ein- und zweijährigen Wildblumen, die sich sicher aussäen und damit jährlich aufs Neue blühen sowie mehrjähriger Stauden sorgen für eine heterogene, vielgestaltige Blühfläche an jedem Standort und das über mindestens drei Jahre. Der Verzicht auf Gräser und ein nur sehr kleiner Anteil von Leguminosen, beide neigen zur Dominanz und Verdrängung konkurrenzschwacher Arten, erhält diese Vielfalt.

 

Die Wildvogel-Futterwiese wurde von den Experten nach folgenden Kriterien konzipiert:

  • Alle Pflanzen blühen stark und liefern reichlich nahrhafte Samen.
  • Die Mischung ist nachhaltig und funktioniert mindestens drei bis vier Jahre gut und fruchtet reichlich.
  • Die Mischung ist einfach und sicher anwendbar, im Kleinen wie im ­Großen.
  • Die Ansaat zeigt auf jedem Boden und Standort befriedigende Resultate.
  • Die Arten wachsen dicht und sind kon­kurrenzstark, damit die Flächen nicht vergrasen.
  • Die Mischung vermag auch farbliche Akzente zu setzen. 

 

Mit diesen Eigenschaften ist die Mischung im ökologisch interessierten Hausgarten einsetzbar sowie auf allen öffentlichen Grünflächen mit ökologischem Anspruch.

 

Eine Herbstaussaat reduziert das Trockenheitsrisiko in der Keimphase und entlastet im arbeitsreichen Frühjahr. Auch die spätere Pflege ist einfach und beschränkt sich auf ein Abmähen der abgefrorenen Pflanzen vor dem neuen Austrieb im Frühjahr.

 

Für Parks, Golfanlagen oder Gärten bietet sich die Mischung besonders zur Anlage großer Inseln in weiten Rasenflächen und damit zur Auflockerung und Bereicherung an. Es sollten dafür Bereiche gewählt werden, die nicht oder nur selten betreten werden.

 

Auch Brachen werden mit der Wildvogel-Futterwiese sicher, ganzflächig und für mehrere Jahre begrünt. Zum Wohle der Natur und dem Erhalt der wichtigen Insekten- und Vogelwelt sowie dem Niederwild.

 

Fazit

Mit der Ansaat der mehrjährigen, reinen Stauden, Kräuter und Wildblumenmischung GEVO-Wildvogel-Futterwiese holen sich Kommunen, Landwirte und andere Beteiligte eine Oase für Insekten und Vögel auf ihre Flächen. Die Herbstansaat reduziert die Austrocknungsgefahr während der Keimung und damit das Ausfallrisiko. Vom Frühjahr bis zum Herbst über die ganze Vegetationsperiode und mindestens drei Jahre bietet die Mischung ein reichhaltiges und wechselndes Blütenbild auf allen Flächen. Im Laufe der Jahre verändert sich dabei die Zusammensetzung der Pflanzen und auch der Blüten. Und das erfreut nicht nur die zahlreichen Insekten und die hör- und sichtbare Singvogelschar, sondern auch die Mitmenschen, die sich ebenfalls an der bunten Blütenpracht erfreuen.

 

Autor: Prof. Martin Bocksch | Greenkeepers Journal 04/2018

 

Quellen

BDB, 2018: Pressemitteilung Bund deutscher Baumschulen, 9.8.2018.

BERTOLD, P. u. G.MOHR, B., 2017: „Vögel füttern – aber richtig“. Kosmos Verlag, 4. Auflage 2017.

BfN, BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ, 2017: Agrar-Report 2017, S. 8-10.

DEUTSCHER BUNDESTAG, 2018: Drucksache 18/12195. Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Stummer Frühling-Verlust von Vogelarten.

IUNC, 2017: Zitiert von G. SCHIERHOLD in: Zoologischer Zentral Anzeiger, Nr. 9 / 2017 ZZA-Verlag, Wiesbaden, S. 33.

KÖTTER, E., 2018: „Das Branchenforum“, Ausgabe 08-2018, S. 32-33. Verlag Branchenforum.

SCHIERHOLD, G., 2017: Zoologischer Zentral Anzeiger, Nr. 9/2017, S. 33. ZZA-Verlag, Wiesbaden.

 

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