Im Gespräch mit Fabian Hille, AG DRONES

Wem der Unternehmensname „AG Drones“ bekannt vorkommt, der war sicher auf der Jahrestagung 2019 des Greenkeeper Verbandes Deutschland (GVD) in Oberhof, denn dort stellte Fabian Hille die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Drohnentechnik als Referent vor. Beate Licht befragte ihn im Nachgang der Tagung:

 

? Drohnenflug als Dienstleistung: Wie sieht Ihr Angebot für den Golf- und Fußballrasen aus?

 

! Für Golfplatzbetreiber bieten wir zwei unterschiedliche Leistungen an. Zum einen vermessen wir mit Drohnen den Platz und erstellen hochauflösende Luftbildkarten, ähnlich einer sehr hoch aufgelösten Satellitenkarte. Die mit der Drohne gesammelten Daten sind aber nicht nur für Dokumentations- und Übersichtszwecke sehr wertvoll, sondern können in Form von Punktwolken und Höhenmodellen auch für Planungs- und Baumaßnahmen genutzt werden. Die Datengrundlage kann etwa von einem Landschaftsarchitekten direkt als Grundlage für die CAD-Planung und Bearbeitung genutzt werden.

Zum anderen bieten wir die Befliegung der Golfanlage mit einem Multispektralsensor an. Die hierbei gewonnenen Daten geben sehr genaue Rückschlüsse über das Pflanzenstressniveau und können bei vielen Fragen rund um die Platzpflege helfen. Angefangen bei Fragen zum Wassermanagement über den effizienteren Einsatz von Düngemitteln bis hin zur genauen, räumlichen Bestimmung von Krankheitseffekten. Inhomogenitäten innerhalb einer Biomasse können genau detektiert werden, beispielsweise auch im Baumbestand der Anlage hinsichtlich Borkenkäfer- oder Seidenspinnerbefall.


Als Ergebnis erhalten unsere Kunden eine präzise Vitalitätsübersicht und können die Dokumentation der Anlage mit einer umfassenden Bestandsaufnahme ergänzen, Veränderungen in der Bewirtschaftung auf Effizienz überprüfen und ressourcenschonender arbeiten.

 

Auch im Fußballbereich befliegen wir regelmäßig Plätze mit Multispektralsensoren. Hier gehen die Fragestellungen über die bereits genannten Themen Wassermanagement, Düngung und Krankheitseffekte auch in Richtung Beleuchtung und Platzbau, u.a. für Hybridrasenplätze.

? Eine Multispektralbefliegung gibt ja immer nur eine Aussage über das Stressniveau am Tag der Befliegung. Wie häufig empfehlen Sie eine solche Befliegung für eine Golfanlage, wenn diese das Ziel einer ressourcenschonenderen Bewirtschaftung verfolgt?

 

! Bei bestimmten, konkreten Problemen macht eine zwei bis dreifache Befliegung einer Anlage innerhalb von vier Wochen durchaus Sinn. Wenn man sich aber erstmalig grundsätzlich mit dem Thema ressourcenschonendere Bewirtschaftung auseinandersetzen möchte, reichen drei bis vier Befliegungen über die Saison aus, um eine gute Datengrundlage zu erzielen. Mit den Vitalitätskarten ist der Greenkeeper bereits in der Lage, sehr genau zu beurteilen, wie und wo er Wasser- und Nährstoffgaben gezielt reduzieren kann und wo nicht. Ziel muss immer sein, den Zustand der Anlage mindestens auf gleichem Niveau zu halten, während man kontrolliert die Ausbringung reduziert. Die Multispektraltechnik liefert hier die passende Kontrolle, und das nicht punktuell, sondern über die komplette Anlage.

 

? Das Produkt Ihrer Arbeit sind hochaufgelöste Karten. Wie kann der Greenkeeper diese in seine konkrete Arbeit integrieren?

 

! Im Idealfall ist beim Kunden bereits ein GIS (Anm. d. Red.: Geographisches Informations-System) im Einsatz, wo wir unsere Karten einspielen können. Dann kann jedwede Übersichts-, Planungs- und Dokumentationsmaßnahme direkt auf dem erflogenen Kartenmaterial erarbeitet werden. Im GIS können beispielsweise Kommentare zu bestimmten Auffälligkeiten oder Objekten verknüpft werden, der Anwender kann Flächen messen und die Ergebnisse mit anderen Arbeitsschritten kombinieren. Möchte man die Multispektralkarten nutzen, um ressourcenschonender zu arbeiten, kann man die angestrebten Veränderungen gezielt planen und überprüfen.

 

Für Kunden die noch nicht über ein GIS zur Dokumentation und Planung von Arbeitsschritten verfügen, können wir die Karten auch auf einem Web-GIS ausspielen. Dann kann der Greenkeeper mit seinem Handy auf die Karten zugreifen, vergleichen, navigieren etc.

 

? Wie groß schätzen Sie die zukünftigen Veränderungen ein, die die Drohnentechnik in den kommenden Jahren für das Greenkeeping bringen kann?

 

! Ich sehe aktuell keine Anwendung, bei der Drohnen die Arbeit von Greenkee­pern überflüssig machen. Während automatische Mähroboter beispielsweise einen konkreten Arbeitsschritt ersetzen, dienen Drohnen der zusätzlichen Informationsgewinnung. Sie helfen dem Greenkeeper, die Platzqualität zu steigern und effi­zienter zu arbeiten. Natürlich gibt es auch im Bereich Sprühdrohnen, wie sie zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln genutzt werden, vielversprechende Entwicklungen. Diese werden jedoch, nach meiner Einschätzung, noch auf viele Jahre hinaus keine lohnende Alternative zur aktuellen Spritztechnik darstellen und nur in Nischen zum Einsatz kommen.

 

Lieber Herr Hille, vielen Dank für ihre Ausführungen zu einem für Laien komplizierten, technischen Thema, ich bin sicher, dass wir uns mit Ihnen in Zukunft noch öfter zu diesem und anderen Themen austauschen werden.

 

(Anm. d. Red.: Neben Fabian Hille war auch Craig Cameron (ehem. Superintendent beim GC St. Leon-­Rot) als Referent auf der GVD-Jahrestagung in Oberhof und berichtete anschaulich von seinen „Erfahrungen mit Drohnen-Einsatz aus der Praxis“. Beide Vorträge sind im Mitgliederbereich des GVD zu finden.)

 

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