Bestimmung von Schäden auf Rasenflächen

Nachgehakt – im Gespräch mit Beate Licht

In Ausgabe 2/2016 des Greenkeepers Journals wies Beate Licht, Leiterin des DGV-Arbeitskreises IPS, darauf hin, dass die Ursache für Schadstellen im Rasen nicht zwangsläufig ein Krankheitsbefall sein muss.

 

Wir fragten ergänzend zu dem Beitrag „Schadursachen und die Bedeutung der abiotischen Faktoren“ (zu finden im Greenkeepers Journal 2/2016, Seite 31 ff. bzw. unter www.gmgk-online.de) bei Beate Licht nach:

 

 

? Frau Licht, Sie sprachen sich in Ihrem Beitrag dafür aus, bei Schäden oder Krankheitsbildern auf Rasenflächen nicht sofort zu Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu greifen. Können Sie dies nochmals kurz erläutern?

 

! Wichtig ist, beim Auftreten von Schäden erst einmal sorgfältig die Ursachen zu prüfen, denn nicht in jedem Fall handelt es sich um die Auswirkungen einer Krankheit oder eines Schädlingsbefalls.

 

Ausfälle und eingeschränkte Vitalität haben oft auch mehrere Ursachen, ich spreche hier die in meinem Beitrag beschriebenen abiotische Faktoren an.


Wichtig ist generell, nicht nur die Symptome im Blick zu haben, sondern vielmehr die gesamte Ist-Situation zu erfassen, also die gesamten Pflegemaßnahmen, die Witterungsbedingungen, die Bodenbeschaffenheit etc. Das Sammeln von Informationen, das Ausschließen von Ursachen sowie das Erstellen von Dokumentationen ermöglicht darüber hinaus, Probleme einzugrenzen oder, im Idealfall, gegensteuern zu können. Das Ergreifen von vorbeugenden Maßnahmen, also auch das Bemühen um die größtmögliche Vitalität der Gräser, ist ja ein Grundpfeiler des IPS.


Sehr viel Fachwissen bzgl. Grasarten, Symptomen von Schäden, Standortfaktoren etc. ist im Greenkeeping vorhanden. Sollte es im Einzelfall nicht ausreichen, gilt es bei Zeiten die Hilfe von Fachleuten in Anspruch zu nehmen.

 

? Ist dies nicht auch der Ansatz der Leitlinien zum Integrierten Pflanzenschutz (IPS), die Sie maßgeblich mit auf den Weg gebracht haben?

 

! Ja, ist es. Der Deutsche Golf Verband (DGV) und der Greenkeeper Verband Deutschland (GVD) sind bemüht, die „Leitlinien zum IPS für eine zielgerichtete und nachhaltige Golfplatzpflege“ zunehmend ins Bewusstsein der Verantwortlichen auf den Golfanlagen zu rücken. Eine Hauptaufgabe der nächsten Zeit wird die stärkere Umsetzung in die Praxis sein. Ein Traum wäre es, ähnlich wie beim Modellprojekt „Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ in der Landwirtschaft, auch im Bereich Golfrasen „Best-Practice-Anlagen“ vorweisen zu können, auf denen dann erfolgreiche Verfahren und neue Erkenntnisse umgesetzt werden. 2015 haben wir ja in diesem Sinne auch die „Praxistage nachhaltige Golfplatzpflege“ an fünf Standorten in Deutschland durchgeführt (Anm. der Red.: Einen ausführlichen Bericht hierzu finden Sie im golfmanager 3/15, auf Anfrage ­(E-Mail an: redaktion@koellen.de) senden wir Ihnen den Bericht aber auch gerne als pdf-Datei zu).


Das neue Logo des Arbeitskreises greift ja genau diese Thematik auf (Anm. der Red.: Siehe hierzu den gesonderten Beitrag in den neuesten Greenkeeper-News unter der Rubrik Verbände).

 

? Sie beschrieben vorhin und auch in den Leitlinien ist dies ja so aufgeführt, was alles getan werden sollte, um Probleme gar nicht erst auftreten zu lassen bzw. deren Auswirkungen zu minimieren. Kann das Greenkeeping mit seinem ohnehin schon übervollen Arbeitsalltag das noch leisten?

 

! Es wird zunehmend schwierig und die Mitarbeiter der Golfplatzpflege verdienen allerhöchsten Respekt für ihr Engagement. Greenkeeper bewegen sich in einem enormen Spannungsfeld: Da sind die Wünsche und Ansprüche der Golfer, die Auswirkungen der zunehmend auftretenden Witterungsextreme, die zudem eine vorausschauende Planung von Pflegemaßnahmen erschweren, die stark gestiegene Auslastung der Golfanlagen, durch die in der heutigen Zeit wesentlich höhere Anzahl an aktiven Golfern und den damit verbundenen Turnierbetrieb ... Der Wegfall altbewährter PSM, eine zunehmend reduzierte Verfügbarkeit von Wirkstoffen, die Gefahr der Resistenzbildung sowie eine ganze Reihe an gesetzlichen Auflagen stellen höhere Anforderungen an Fachwissen und erfordern eine ständige Fortbildung.Eine optimale Platzpflege geht heute eher mit einem erhöhten Einsatz an mechanischen Maßnahmen einher, dies bedeutet mehr Zeitaufwand, im Idealfall mehr Personal, oder zumindest Investitionen in den Maschinenpark, der den speziellen Anforderungen entspricht. Die hierfür benötigte Unterstützung wird aus den unterschiedlichsten Gründen nicht auf allen Anlagen gewährt.

 

? Eine fachliche Betreuung seitens externer Berater ist natürlich zeit- und kostenaufwändig. Zudem gibt es in der Szene meines Erachtens auch einige dogmatisch argumentierende Kollegen, die keinen, wie von Ihnen beschriebenen, übergreifenden Analyse-Ansatz wählen. Zum Teil wird da allem Anschein nach auch nicht „ganz unabhängig“ für den Einsatz bestimmter Produkte und mit z.T. zweifelhaften Erfolgsaussichten geworben. Ist das für die Verantwortlichen auf den Anlagen bzw. im Greenkeeping aus Ihrer Sicht überhaupt durchschaubar?

 

! Die von Ihnen angesprochene Entwicklung wird zum Teil auch durch den Wunsch nach einer einfachen und schnellen Lösung aller beschriebenen Probleme gefördert. Und ja, es gibt wohl schwarze Schafe. Fakt ist, es gibt sie nicht, die schnelle und einfache Lösung, die jederzeit und überall wirkt. Glauben Sie mir, wenn es sie gäbe, hätte sich das in der Branche schnell herumgesprochen!


„Schwarz oder Weiß“, wie auch beispielsweise ein kategorisches Ausschließen von zugelassenen PSM halte ich zum derzeitigen Stand für nicht realistisch. Der Ansatz des integrierten Pflanzenschutzes lautet: den Einsatz auf das notwendige Maß reduzieren.


„The name of the game is golf“, letztlich ist es aber immer der Kunde/der Golfer, der den pflegerischen Anspruch einer Anlage vorgibt. Ein gemeinsames Umdenken ist diesbezüglich vielerorts für die Zukunft sicher nötig.

 

? Kommunikation ist also wichtig, gerade auch zwischen Greenkeeping und Clubvorstand/-verantwortlichen, nicht zuletzt aber auch mit den Mitgliedern selbst. Was raten Sie den in der Platzpflege Tätigen?

 

! Das Fachwissen ist beim Greenkeeping. Die Kunst besteht darin, Zusammenhänge auch Laien gegenüber zu verdeutlichen, Probleme anzusprechen und nicht im Alleingang lösen zu wollen. Es gilt, das Gespräch zu suchen, vor allem mit dem Vorstand aber auch mit den Spielern. Nur so ist ein „Miteinander“ und ein Verstehen der anderen Seite möglich.

 

 

Frau Licht, wir danken Ihnen für das sehr offene und informative Gespräch und freuen uns, wenn wir mit Ihrem nächsten Beitrag wieder mehr in die fachliche Welt des Greenkeepings abtauchen.

 

Autor: Stefan Vogel | Greenkeepers Journal 03/2016

 

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