Schwarzer Holunder (Sambucus nigra L.)

Steckbrief – Sträucher auf Golfplätzen

Der Schwarze Holunder ist ein wunderschöner Strauch (Abbildung 1), vor allem dann, wenn er mit Blütenständen „übersät“ ist.

 

In der Regel ist die Strauchbasis reichtriebig, dann macht er dem Strauchkonzept alle Ehre. Der Holunder kann aber auch an der Basis nur wenige Triebe haben (Abbildung 2). Diese sind dann meistens sehr kräftig, bis 15 Zentimeter stark und zweigen sich erst in etwa vier Meter Höhe auf. Diese Stämmlinge haben verzweigte, weit überhängende Triebe. Durch diese Wuchsweise wirkt der Strauch sehr elegant.

 

Außerdem trifft man – wenn auch selten – Holunderpflanzen, die nur einen Stamm haben (Abbildung 3). Sie entsprechen damit der Wuchsform eines kleinen Baumes, allerdings werden diese „Holunder-Bäume“ höchstens acht Meter hoch und können deshalb nicht mit den mächtigen Baumgestalten von Eiche oder Buche mithalten.

Vergleicht man die Abbildungen 1 bis 3, so wird die große Plastizität im Wuchsverhalten des Holunders deutlich. Auch in seinem Regenerationsvermögen ist er eigentlich kaum zu überbieten. Werden große Äste abgeschnitten oder das Bäumchen „auf Stock“ gesetzt, dann treibt der Holunder mit kräftigen Schossen aus und schon sehr bald ist der Strauch wieder komplett.

 

Verwandtschaft, Herkunft, Verbreitung

Der Schwarze Holunder gehört zu den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae), zu denen auch Sträucher aus den Gattungen Kolkwitzia (siehe Steckbrief), Lonicera, Abelia, Viburnum und Symphoricarpus gehören. Etliche Arten und Sorten haben hohen Zierwert und sind auf Golfplätzen, in Gärten und Parkanlagen vertreten.

 

In Europa gibt es drei Holunder-Arten: Neben dem Schwarzen Holunder (Sambucus nigra L.), der in Europa in Gebüschen und krautreichen Wäldern wächst, gibt es im Bergland auf Waldschlägen und Blockhalden den Roten Holunder, auch Berg-Holunder genannt (Sambucus racemosa L.). Er wächst auch als Strauch, erreicht aber nicht die Höhe des Schwarzen Holunders. Im Mittelmeerraum und im warmgemäßigten Teil Europas bis Westasien kommt der Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus L.) vor; dieser weicht in seinem Wuchsverhalten von den beiden vorgenannten Arten ab – er wächst als unterirdische Speicherorgane bildende Staude, die nur eine Höhe von eineinhalb Metern erreicht. Am Ende der Vegetationsperiode sterben die aufrechten Achsen ab und im Frühjahr des nächsten Jahres treibt er aus seinen Speicherorganen neue Achsen und verhält sich damit wie eine Rhizomstaude.

 

Aussehen

Der Schwarze Holunder hat ein ganz charakteristisches Aussehen. Mit seinem Strauchwuchs ist eine regelmäßige Schosserbildung von der Strauchbasis ausgehend verknüpft. Zudem gehen von den weit überhängenden Zweigen an der höchsten Stelle neue Triebe aus, gewissermaßen die nächste Generation. Dadurch kann der Strauch eine stattliche Höhe erreichen und eine „Krone“ aufbauen (Abbildung 2). Dieses für den Holunder sehr charakteristische Verzweigungsmuster ist immer wieder zu erkennen.

 

Die Blätter des Holunders sind geteilt und werden als unpaarige Fiederblätter bezeichnet, da sie eine Endfieder haben. Die Blattentwicklung lässt sich sehr schön im zeitigen Frühjahr studieren. Dann treiben die durch kleine braune Knospenschuppen geschützten Triebe aus. Die Blätter zeigen eine markante Abfolge; die ersten sind nur dreizählig, die nächsten dann schon fünfzählig, die Spitzen sind aber noch abgerundet. Erst die folgenden Blattpaare erinnern an die typischen Holunderblätter (Abbildung 4). In Abbildung 5 sind die fünfzähligen Laubblätter zu sehen und auch schon die Pracht eines voll erblühten Strauches.

Die kleinen Blüten stehen in vielblütigen Blütenständen, sogenannten Schirmrispen, eng beieinander (Abbildung 6). Die fünfzähligen, weißgelblich gefärbten Blüten haben deutlich hervortretende Staubblätter mit reichlich Pollen, dagegen wird kaum Nektar gebildet. Diese sogenannten Pollen-Scheibenblumen haben einen intensiven Duft, der vor allem Fliegen und Käfer als Bestäuber anlockt.

 

Die kleinen Blüten stehen in vielblütigen Blütenständen, sogenannten Schirmrispen, eng beieinander (Abbildung 6). Die fünfzähligen, weißgelblich gefärbten Blüten haben deutlich hervortretende Staubblätter mit reichlich Pollen, dagegen wird kaum Nektar gebildet. Diese sogenannten Pollen-Scheibenblumen haben einen intensiven Duft, der vor allem Fliegen und Käfer als Bestäuber anlockt.

Verwendung

Früher wurde der Holunder wegen seiner Heilwirkung geschätzt, später wurden aber oftmals synthetische Arzneimittel bevorzugt. Diese Einstellung hat sich etwas geändert, so dass die Überschrift lauten könnte: Heilpflanzen – altbekannt und neu entdeckt –.­ Heutzutage werden Blüten und Früchte gesammelt und unterschiedlich verwendet.

 

Da sind zunächst einmal die Blüten, die bei Erkältungskrankheiten die körpereigene Abwehr stärken und schweißtreibend wirken. Die Früchte enthalten Vitamin C, aber auch Kalium, sind sie unreif, dann ist Blausäure enthalten, die jedoch bei der Reife und beim Kochen verschwindet. Früchte werden gern zu Sirup, Limonaden oder Gelee verarbeitet. Die wunderbare Farbe der Früchte verdanken sie den Anthocyanfarbstoffen Sambucin und Chrysanthemin. Früher dienten die Früchte als Färbemittel für Leder.

 

Der Holunder galt als Hüter von Haus und Hof. Ging er, dank der Vögel, von „selbst auf“, bedeutete das ein gutes Omen für das Anwesen. Musste der Holunder gepflanzt werden, dann kam nur die fruchtbarste Stelle in Betracht, das war in der Nähe des Kompost- oder Misthaufens.

 

Der Name des Holunders

Wer kennt nicht das Kinderlied „Ringel, Ringel Reihe, wir sind der Kinder dreie, sitzen unterm Hollerbusch, machen alle husch, husch, husch“. Ja, natürlich war es bekannt, damals jedenfalls. Aber was ist der Hollerbusch? Das ist der Schwarze Holunder, der auch noch „Holder“ und „Flieder“ genannt wird, je nach Gegend. Der Name „Flieder“ stammt aus dem Niederdeutschen und wird heute für den richtigen Flieder (Syringa) verwendet. Allerdings hat sich der Name Fliedertee für Holundertee bis heute erhalten.

 

Europäische Verwandte des Schwarzen Holunders

Da ist der Rote Holunder, auch Berg-Holunder (Sambucus racemosa L.) zu nennen. Er sieht dem Schwarzen Holunder im Blatt sehr ähnlich. Allerdings stehen die Blüten in schmalen Rispen und nicht in den wunderbaren breiten Schirmrispen wie beim Schwarzen Holunder. Die Früchte sind rot gefärbt, im rohen Zustand sind sie sogar giftig.

 

Eine weitere Art, der Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus L.) wächst als Staude. Die Blätter ähneln denen der vorherigen Arten (Abbildung 10), die Blüten stehen in Schirmrispen. Sehr schön sind die rot gefärbten Staubblätter (Abbildung 11). Die dunkelblauen Früchte werden zum Färben von Textilien und Wein benutzt. Der Zwergholunder ist stark giftig, insbesondere für Pferde.

Der Holunder auf Golfplätzen

Der Schwarze Holunder kann für die Pflanzung auf Golfplätzen wegen seiner Wuchsweise und dem wunderbaren Blüten- und Fruchtschmuck uneingeschränkt empfohlen werden. Als Solitärstrauch ist er von besonders schöner Gestalt (Abbildung 12). Er eignet sich aber auch für Randstreifen oder Flächen zwischen den Spielbahnen, allerdings sollte er rechtzeitig geschnitten werden. Dabei sind insbesondere die alten Achsen aus dem Strauch heraus zu schneiden, sonst vergreist er. Wurde längere Zeit die Pflege vernachlässigt, so kann der Holunder „auf Stock“ gesetzt werden, d.h. alle Achsen des Strauches werden auf etwa 50 bis 80 Zentimeter über dem Bodenniveau eingekürzt. Durch einen kräftigen Austrieb aus den verbliebenen Achsen dauert es nicht lange, bis der Strauch seine alte Schönheit wieder erlangt.

 

Verwendung von Blüten und Früchten

Die Ernte der Blüten und Früchte durch Greenkeeper und Golfspieler ist sehr zu empfehlen. Deshalb gibt’s diesmal auch einmal Rezepte zur Verwendung der Holunderblüten und -beeren:

 

Holundertee: Die Holunderblüten mit kochendem Wasser übergießen, Zucker oder Honig hinzugeben und mit dem Saft etwa einer halben Zitrone verfeinern. Die Holunderblüten können aber auch mit einigen Scheiben Ingwer zubereitet werden.

 

Holundersaft: Die reifen schwarzen Holunderbeeren mit Wasser bedeckt etwa zehn Minuten köcheln lassen und durch ein Sieb pressen, dann den Saft einer halben Zitrone und Zucker hinzufügen, noch einmal aufkochen und in Flaschen abfüllen. Diese Prozedur erledigt heutzutage ganz elegant ein „Entsafter“. Der gewonnene sogenannte Basissaft kann bei Erkältung warm getrunken oder für die Herstellung von Gelees, Süßspeisen und Likören verwendet werden.

 

Möglicherweise kommen Sie mit Hilfe des Holunders gut durch das Winterhalbjahr und sind im Frühjahr fit für die neue Golfsaison, viel Glück!

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 3/2015

 

 

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