Kolkwitzie, auch Perlmutt­strauch (Kolkwitzia amabilis Graebn.)

Steckbrief – Sträucher auf Golfanlagen

Wenn sich ein Strauch durch einen besonders schönen Blütenflor und eleganten Habitus auszeichnet, dann ist es die Kolkwitzie. Der wenig gebräuchliche deutsche Name „Perlmuttstrauch“ deutet bereits darauf hin. Als Perlmuttschicht wird die innerste Schicht der Schale von bestimmten Schnecken und Muschelarten bezeichnet. Diese entsteht durch zahlreiche einzelne Plättchen aus Calciumcarbonat, die im Licht in unterschiedlichen Farbtönen schillern. Offenbar sind es die hellrosa gefärbten Blüten der Kolkwitzie, die zu dem Namen „Perlmuttstrauch“ führten.

 

Verwandtschaft und Herkunft

Die Kolkwitzie gehört in die Familie der Caprifoliaceae, mit deutschem Namen Geißblattgewächse. Folgende Gattungen kommen bei uns entweder natürlich vor oder sind als Zierpflanzen in Gärten und Parkanlagen vertreten: Geißblatt (Lonicera), Weigelie (Weigela), Schneebeere (Symphoricarpus), Doppelschild (Dipelta), Abelie (Abelia), Schneeball (Viburnum), Holunder (Sambucus).

 

Die Kolkwitzie stammt aus dem westlichen China. Sie wurde 1901 von William Wilson in China entdeckt. Ein Herbarbeleg aus China wurde zur Bestimmung an das Botanische Museum Berlin-Dahlem geschickt. Karl Otto Robert Peter Paul Graebner erkannte, dass es sich um eine bisher unbekannte Art handelt und beschrieb sie als Kolkwitzia amabilis. Deshalb trägt sie „Graebn.“ als Autornamen. 1930 wurde die Kolkwitzie in Deutschland eingeführt, sie blieb aber als Zierstrauch weitgehend unbekannt. Erst in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erfuhr sie weitere Verbreitung und erfreut sich unterdessen größerer Beliebtheit.

 

Aussehen

Die Kolkwitzie ist ein etwa drei bis vier Meter hoher Strauch, der nach einer jugendlichen Phase mit seinen reichblütigen, überhängenden Zweigen ein sehr elegantes Aussehen zeigt (Abbildung 1).

Verfolgt man die Entwicklung im Frühjahr, so fallen zunächst die bogenförmigen Zweige mit gegenständigen, fein behaarten Blättern auf (Abbildung 2). Nur wenige Wochen später sind an den Zweigenden bereits junge wenigzählige Blütenstände zu sehen (Abbildung 3). Bereits in diesem jungen Stadium sind fünf schmale Kelchblätter, vor allem aber der dicht behaarte, unterständige Fruchtknoten vorhanden. Die Blüten sind noch knospenförmig.

 

Etwa sechs Wochen später haben sich die zu einer Röhre verwachsenen Blüten geöffnet (Abbildung 4). Sie bestehen aus fünf verwachsenen Blütenblättern, was an den fünf freien Zipfeln gut zu erkennen ist. Im Schlund der Blüte sind Haare und eine gelbe netzartige Musterung zu erkennen (Abbildung 5). Pollen- und Nek­tarwert scheinen keine besondere Bedeutung für Insekten zu haben, jedoch werden die Blüten von der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis), der häufigsten Mauerbiene in unseren Breiten, angeflogen, aber auch Hummeln (Bombus spec.) besuchen die Blüten. Die Insekten werden durch einen süßlichen Duft angelockt.

Ein Blick in einen älteren Strauch zeigt Ende Mai, Anfang Juni eine üppige Blütenpracht (Abbildung 6). Bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass bereits etliche Blüten abgefallen sind. Dies tut dem Aussehen des Strauches jedoch keinen Abbruch, denn nun schmückt er sich – und das bereits im Juli – mit seinen markanten Früchten. Bei Sonnenschein werden diese angestrahlt, was bewirkt, dass der Strauch ein gelbliches Aussehen erhält (Abbildung 7). Die wunderschönen Früchte stehen – wie auch die Blüten – paarweise beieinander und haben einen rot gefärbten Kelch (Abbildung 8).

Im Herbst etwa im September/Oktober zeigt sich ein neuer Aspekt, die Blätter färben sich gelb und rot (Abbildung 9). In diesem Bild ist auch die typische, etwas überhängende Stellung der diesjährigen Blüten- und Fruchttriebe zu sehen. Etwas später werden die Farben noch intensiver bis hin zum tiefen, leuchtenden Rot (Abbildung 10). Die Fruchtstände sind nunmehr braun gefärbt, haben aber dennoch durch ihr Haarkleid einen schmückenden Aspekt (Abbildung 11).

Im zeitigen Frühjahr, etwa Mitte bis Ende März, entwickeln sich die ersten Laubblätter (Abbildung 12). In diesem Stadium ist die typische Stellung der Zweige besonders gut zu erkennen. Die Fortsetzung des Verzweigungssystems erfolgt durch neue Triebe in der Nähe des bogenförmigen Abschnittes. Außerdem natürlich – wie es sich für einen Strauch gehört – von der Basis des Strauches. Eigentlich bedarf es keiner Blätter und Blüten zur Identifikation der Kolkwitzie, es reicht, wenn man die charakteristische Form der Zweige sieht.

 

Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die Rinde an den etwas dickeren Zweigen. Diese löst sich bei älteren Pflanzen in größeren Streifen von der Achse ab – sie blättert ab (Abbildung 13). Es sind nicht etwa dickere Rindenstücken wie bei der Platane, sondern dünne Schichten, die an hellbraun gefärbtes Papier erinnern.

 

Sorten

Wegen der Schönheit der Blüten sind zwei Sorten gezüchtet worden. Die Sorte „Pink cloud“ hat kräftig rosafarbene Blüten, bei der Sorte „Rosea“ sind die Blüten dunkler rot gefärbt. Diese beiden Sorten sind in Baumschulen zu erhalten.

 

Pflanzung und Pflege von Kolkwitzien auf Golfplätzen

Kolkwitzien sind auf Golfplätzen eher selten zu sehen, deshalb hier die Empfehlung: Pflanzen Sie diesen wunderbaren Blütenstrauch auf Ihren Golfplatz! Er kann sehr gut einzeln gepflanzt werden, bei genügend Platz ist aber auch die Pflanzung einer Dreiergruppe sehr schön.

 

Kolkwitzien sind äußerst pflegeleicht; sie sollten nur sehr vorsichtig ausgelichtet werden, da ein zu starker Schnitt den eleganten Habitus zerstören könnte. Deshalb werden nur die alten, dicken Achsen im unteren Sprossabschnitt, etwa 30 Zentimeter über dem Boden, heraus geschnitten. Dadurch wird einer Vergreisung des Strauches vorgebeugt.

 

Die Kolkwitzie zeichnet sich durch geringe Ansprüche an den Boden aus, sie wächst an sonnigen, aber auch an halbschattigen Standorten. Sind die Standorte zu nahrhaft, dann wird sie „blühfaul“. Sie zeichnet sich durch extreme Frosthärte aus und gilt als stadtklimafest. Sie übersteht sommerliche Dürrezeiten – ein Aspekt, der in Zeiten der Klimaerwärmung eine immer größere Rolle spielen dürfte – ohne größere Schäden.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 2/2015

 

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