Stiel-Eiche (Quercus robur)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Die Eiche kann ein hohes Alter erreichen; es wird oftmals von tausendjährigen Eichen gesprochen. Sicher nachgewiesen wurde aber „nur“ ein Alter von 800 Jahren. Aufgrund ihres hohen Alters steht die Eiche für Stärke und Standhaftigkeit. In unseren Breiten wachsen sowohl Trauben- als auch Stiel-Eichen, die häufigere von beiden ist die Stiel-Eiche.

 

Seit 1989 wird jedes Jahr ein Baum des Jahres gekürt; die Eiche eröffnete diesen Reigen.

Und nicht zu vergessen, ein Eichenblatt schmückt das Zertifikat GOLF& NATUR, ein Programm, das die Optimierung der Bedingungen für den Golfsport und den Schutz der Natur zum Ziel hat.

 

Auf zahlreichen Golfplätzen sind wunderbare Eichen zu finden, deshalb soll die Stiel-Eiche in einem ersten „Steckbrief“ hier vorgestellt werden.

 

Aussehen im Jahreslauf

Eichen haben im höheren Alter eine markante Statur mit mächtigem, kurzem Stamm, der bis zwei Meter im Durchmesser erreichen kann. Mit ihrer breit ausladenden Krone sind sie in der Landschaft von weither zu erkennen (Abbildung 1), die tiefgefurchte Borke ist gerade für Alteichen charakteristisch (Abbildung 2). Und dann ist da noch das typische Eichenblatt, mit seiner länglichen Form und dem Blattrand, der tiefe Buchten zeigt, s. Abbildung 3.

Dass sich ein so mächtiger Baum im Frühjahr, etwa Anfang April, mit einem Hauch von zartem Grün präsentiert, würde man gar nicht erwarten (Abbildung 4). Ein Blick auf einen Zweig, dessen Winterknospen sich gerade öffnen, zeigt den Austrieb der zarten, gelbgrün und etwas rötlich gefärbten Blätter, aber auch die jungen, noch sehr gedrungenen Kätzchen mit den männlichen Blüten, s. Abbildung 5. Wenig später sind die Blätter voll entwickelt und die männlichen Kätzchen hängen nach einer Streckung schlaff herunter (Abbildung 6). So kann der Wind die Pollenkörner ausschütteln und zudem den Transport zu den jungen Samenanlagen übernehmen; eine auffällige Blütenhülle zur Anlockung von Insekten ist nicht notwendig.

Bis zum Sommer wachsen die zuerst grün gefärbten Früchte – die charakteristischen Eicheln – heran. Sie sind zunächst von einer schützenden Hülle völlig umgeben und wachsen in der nächsten Zeit aus dieser soweit heraus, dass sie nur noch wie eine schmale Schüssel die Basis der Frucht umgibt (Abbildung 7). Die Früchte sitzen bei dieser Eichen-Art auf einem längeren Stiel, worauf sich der Name Stiel-Eiche bezieht.

Im Herbst reifen die Früchte, färben sich braun und fallen aus dem Fruchtbecher heraus. An den Zweigen sind dann nur noch die Fruchtstiele mit den leeren Bechern zu sehen (Abbildung 8), die Früchte liegen zu diesem Zeitpunkt auf dem Boden (Abbildung 9), vielleicht nicht unbedingt zur Freude der Golfer. Oftmals werden sie jedoch von Eichhörnchen und Eichelhähern gefressen oder als Wintervorrat im Boden deponiert. In dieser Zeit setzt auch die Laubfärbung ein, wobei sie bei Eichen nicht besonders prächtig ist, denn nach einer kurzen „gelben“ Phase werden die Blätter der Eiche sehr schnell braun (Abbildung 10). Die Blätter sind außerordentlich reich an Gerbstoffen und bleiben etwas eingerollt lange in der Baumkrone hängen (Abbildung 11).

Während des Winters ist die Eiche mit ihrer markanten Kronenform und Verzweigung und der etwas knorrigen Statur auch ohne das typische Blatt von weitem als Eichenbaum zu erkennen (Abbildung 12). Zu diesem Zeitpunkt wird besonders deutlich, dass die Eiche bei absterbenden Seitenästen deren Basis mit einer Manschette, einem sogenannten Abschiedskragen, umgibt und die Wunde verschließt (Abbildung 13).

Eichen pflanzen und pflegen

Eichen entwickeln sich zu wunderbaren Bäumen, wenn man ihnen genügend Raum gibt. Allerdings sind sie in der Anwachsphase nicht ganz unproblematisch, haben sie jedoch die ersten paar Jahre gut überstanden, dann geht das weitere Wachstum zügig voran. Suchen Sie für die Eiche einen besonders schönen Platz aus, wo sie auch noch im Alter gut zur Geltung kommt. Sie wird noch in vielen Jahren von Golfern bewundert werden.

Einen fachgerechten Schnitt verträgt die Eiche wegen ihres harten Holzes und ihrer Regenerationsfähigkeit gut. Allerdings sollten nur tote und weit aus der Krone herausgewachsene Äste entfernt werden.

 

Was ist sonst noch bemerkenswert?

Auf Eichenblättern finden sich oft Gallen, das sind Gewebewucherungen, die entstehen, wenn ein Insekt das Blatt ansticht und ein Ei hineinlegt. Die Pflanzen bilden an dieser Stelle zusätzliche Zellen und geben damit dem Ei beziehungsweise der jungen Larve eine „Wohnung“. Die Gallen haben je nach Insektenart ein charakteristisches Aussehen (Abbildung 14). Auf diesem Blatt sind unterseits drei verschiedene Gallen-Arten zu sehen.

Seit einiger Zeit tritt der „Eichenprozessionsspinner“ in unseren Breiten vermehrt auf. Da auf Golfplätzen Eichen häufig anzutreffen sind, muss mit vermehrtem Auftreten dieser Spinnerraupen gerechnet werden (Abbildung 15). Bei Kontakt des Menschen mit ihren giftigen Haaren oder durch Einatmen können allergische Reaktionen auftreten. Wegen der gesundheitlichen Gefahren für den Menschen soll in einem Infoblatt, gedacht für einen Aushang im Golfclub, über den Eichenprozessionsspinner berichtet werden. Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch unsere Beiträge unter der Rubrik „Lichts RasenBlog":

 

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 2/2013

 

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