Rot-Fichte, Gemeine Fichte (Picea abies (L.) H. Karst.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Die Rot-Fichte gehört in die Familie der Kiefernwächse (Pinaceae). Sie wurde 2017 zum Baum des Jahres gekürt.

 

Gestalt und Aussehen

Die Rot-Fichte und auch einige andere Nadelgehölze, wie beispielsweise Tanne und Douglasie, haben eine sehr markante Gestalt mit durchgehender Hauptachse und untergeordneten Seitenzweigen, dies ist von weitem deutlich zu erkennen. Die Fichte wird beschrieben als Baum mit ebenmäßig kegelförmiger Krone (Abbildung 1). Bei Botanikern gilt sie als Vertreter des „mathematischen Geschlechtes“, womit gemeint ist, dass die Fichte, wie auch Tanne und Douglasie, mit ihrer durchgehenden Hauptachse und der regelmäßigen, etagenförmigen Anordnung der Seitenachsen einen außergewöhnlichen Bauplan haben.

 

Im höheren Alter zeigen die von der Hautachse abgehenden Seitenzweige (erster Ordnung) eine bogig aufsteigende Orientierung und deren Seitenzweige (Seitenzweige zweiter Ordnung) können – je länger sie werden – herunterhängen. Dieses Aussehen soll Melancholie und Trauer symbolisieren, deshalb wird wohl die Fichte häufig auf Friedhöfen gepflanzt.

Die Fichte wächst von der Keimung an mit ihrem Haupttrieb negativ geotrop. An diesem entstehen in quirl-artiger Anordnung Seitentriebe, die ihrerseits ein ausgeprägtes Spitzenwachstum zeigen, allerdings bleiben sie immer dem Haupttrieb untergeordnet. Wegen dieser Regelmäßigkeit kann man am Haupttrieb, insbesondere wenn die Fichte freistehend gewachsen ist, aber auch an den Seitentrieben das Alter des Baums bzw. des Seitentriebs abzählen. Am Haupttrieb muss man allerdings ein paar Jahre hinzurechnen, denn die untersten Seitenriebe waren so schwach, dass von ihnen an einer alten Fichte keine Reste mehr zu finden sind. Versuchen Sie einmal, das Alter eines Baumes herauszufinden, sie werden staunen, wie gut das geht.

 

Die Fichte, oftmals in der Umgangssprache fälschlicherweise als Tanne bezeichnet, ist ein immergrüner Nadelbaum, der eine Höhe von 30 bis 40 Metern erreicht; der Stammdurchmesser kann – allerdings nur sehr selten – eineinhalb Meter betragen.

 

Eigentlich ist die Fichte ein Waldbaum in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen über 800 bis 900 Metern Höhe. Sie ist heute durch Aufforstungsmaßnahmen überall verbreitet; ganze Landschaften wurden in Fichtenmonokulturen verwandelt. Sie hat aber auch als Einzelbaum große Beliebtheit erlangt, so dass sie in zahlreichen Parkanlagen, auf Friedhöfen und in Gärten gepflanzt wurde, sogar in relativ kleinen Schrebergärten, und das obwohl es durch die herabfallenden Nadeln zur Bodenversauerung kommt.

Winterknospen und Blätter

Die Blätter sind bei der Fichte nicht flächig, sondern nadelförmig (Abbildung 2) und zwar im Querschnitt deutlich vierkantig. Sie sind steif, haben eine stechende Spitze und stehen dicht beieinander an der Sprossachse auf einem sogenannten Nadelkissen, das Höcker hat und die Sprossachse vollständig berindet. Die Nadeln erreichen ein Alter von vier bis sieben Jahre, im Gebirge werden sie auch älter. Bäume mit fünf bis sieben Nadeljahrgängen gelten als gesund. Bei stark geschädigten Bäumen leben die Nadeln häufig nur ein bis drei Jahre.

Auch wenn die Nadeln den Winter über am Zweig stehenbleiben, so stellen sie in diesem Zeitraum ihre Photosynthese und Atmung fast ein – sie halten Winterruhe und entwickeln eine ausgeprägte Frostresistenz, die normalerweise bis 20 Grad Celsius, in Ausnahmesituationen bis minus 60 Grad reichen kann. Dieser starke Frostschutz wird durch die Anreicherung von Zucker in den Nadeln erreicht, die eine Gefrierpunktserniedrigung bewirkt.

Die jungen Sprossspitzen werden von Nadeln, die klein und schuppenartig ausgebildet sind, eingehüllt; sie wirken wie die Winterknospen der Laubgehölze unserer Breiten. Da sie kein Chlorophyll enthalten, sind sie orange bis rotbraun gefärbt; sie stehen dicht beieinander und sind ein effektiver Schutz für die jungen Triebspitzen. Im Frühjahr werden sie, wenn das Wachstum beginnt, von dem sich streckenden neuen Jahrestrieb gesprengt (Abbildung 3) und wie eine Mütze abgehoben. Darunter kommen dann die frischen, dicht stehenden jungen Nadeln zum Vorschein.

Rinde, Borke

Der Stamm einer jungen Fichte ist feinschuppig und rötlichbraun gefärbt (Abbildung 4). Daher rührt wahrscheinlich auch der Name „Rot-Fichte“. Die Borke älterer Bäume ist graubraun und blättert in unregelmäßigen Schuppen ab (Abbildung 5). Dagegen ist die Borke der Weiß-Tanne (Abies alba Mill.) glatter und hellgrau gefärbt; dadurch ist die Tanne gut von der Rot-Fichte zu unterscheiden.

Wurzelsystem

Die Fichte bildet zunächst eine Pfahlwurzel, die aber nach wenigen Jahren ihr Wachstum einstellt, nachdem zahlreiche, horizontal streichende Wurzeln mit kräftigen Wurzelanläufen am Stammfuss die Versorgung des Baumes übernommen haben. Von diesen gehen – insbesondere in der Nähe des Zentrums – zahlreiche nach unten wachsende Wurzeln, sogenannte Senkerwurzeln, ab. Diese erreichen meistens nur geringe Tiefen, sind aber sehr stark aufgezweigt. Allerdings hängt die Ausdehnung dieses Wurzelsystems in die Tiefe von den jeweiligen Bodenverhältnissen ab. Ist der Unterboden verdichtet oder vernässt, dann unterbleibt die Ausbildung der Senkerwurzeln. Meistens ist dann nur ein horizontal ausgebildetes Wurzelsystem vorhanden, wodurch die Windwurfgefahr – vor allem bei einzeln stehenden Bäumen – erhöht ist.

Blüten, Blütenstände, Samen, Keimung

„Blüten“ fragen Sie sich? Die haben wir ja bei der Fichte noch nie gesehen! Diese gibt es auch nicht, denn die Fichten gehören in die Verwandtschaft der Nacktsamer, die Blütenstände in Form von Zapfen tragen. Da der Wind die Bestäubung übernimmt, haben Fichten auch keine Schauorgane zur Anlockung von Insekten. Die Blüten stehen in getrennten, zapfenartigen Blütenständen auf einem Baum; demzufolge ist die Fichte einhäusig (Abbildung 6).

Die männlichen Blüten stehen in den Achseln der Nadeln und sind etwas gekrümmt; sie bestehen aus einer Vielzahl von dicht gedrängt stehenden Staubblättern (Abbildung 7), aus denen bei Reife große Pollenmengen entlassen werden; zu diesem Zeitpunkt, etwa Mai bis Juni fliegen gelbe Pollenwolken kilometerweit durch die Luft. Die Pollenkörner haben seitlich zwei Luftsäcke, die das spezifische Gewicht verringern. Die Pollen können dadurch sehr weit vom Wind transportiert werden, schließlich müssen sie zu den weiblichen Blütenständen gelangen, damit eine Bestäubung und Befruchtung stattfinden kann.

Aus den weiblichen Blütenständen entwickeln sich die zunächst aufrecht stehenden Zapfen mit zarten, hellrot gefärbten Zapfenschuppen (Abbildung 8). Die Zapfen sind später braun gefärbt und hängen herab (Abbildung 9). Sie können bis 15 cm lang werden und sind in diesem Stadium ziemlich harzig. Sie entstehen nur an den vorjährigen Zweigen und meistens nur im Wipfelbereich der Fichte (Abbildung 10) und zwar alle drei bis vier Jahre, unter Stressbedingungen können auch jedes Jahr Zapfen entstehen; damit wird die Erhaltung der Art besser gesichert.

Die Samen sitzen paarweise in den Achseln der einzelnen Zapfenschuppen und reifen bereits im ersten Jahr. Sie sind ca. 5 mm lang, tragen einen 1,5 mm langen und 6 mm breiten Flügel. Dieser ist sehr zart gebaut, schwach gedreht und bewirkt eine drehende Flugbewegung; die Ausstattung mit einem zarten Flugorgan dient einer effektiven Ausbreitung der Art. Bei Trockenheit spreizen sich die Schuppen des Zapfens und die Samen können herausfliegen. Schon bei Windstille können die Samen bis 300 m weit fliegen. Später fallen die Zapfen als Ganzes ab. Dies ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal zur Tanne, denn die Tannenzapfenschuppen lösen sich bei Reife von der Blütenstandachse und fallen einzeln herunter, das bedeutet, dass man keine Tannenzapfen sondern immer nur Fichtenzapfen sammeln kann.

 

Die Keimfähigkeit der Samen bleibt drei bis fünf Jahre erhalten und ist sehr hoch; sie liegt bei etwa 90 Prozent. Werden Samen bei minus vier Grad und einem Wassergehalt von sechs Prozent gelagert, dann sind sie sogar zehn Jahre keimfähig, was für Forstbetriebe von großer Bedeutung ist.

 

Aus den Samen entwickeln sich bereits im nächsten Jahr die Keimpflanzen, die wie – für Nadelholzgewächse charakteristisch – meistens acht bis neun Keimblätter von nadelförmiger Gestalt tragen; diese sind relativ zart gebaut.

Holz und dessen Nutzung

Die Fichte ist ein beliebter Forst-, aber auch Zierbaum. Im Bestand bilden die Fichten zwanzig Meter lange astfreie Schäfte – dieses Aussehen brachte den Fichtenbeständen gemäß Hermann Löns den Namen „Stangenacker“ ein. Aufgrund dieser Wuchsweise im Forst ist sie ideal geeignet für die Verwendung als Bau- und Tischlerholz; außerdem ist sie ein wichtiger Rohstoff für die Papierindustrie. Fichtenholz ist reich an Harz, weich und lässt sich gut bearbeiten. Allerdings ist es nur mäßig witterungsbeständig. Kern- und Splintholz heben sich nicht voneinander ab, weshalb das Fichtenholz den Reifhölzern zugeordnet wird. Die Jahresringe sind sehr deutlich zu erkennen (Abbildung 11), das liegt daran, dass das Spätholz rötlichgelb und das Frühholz gelblichweiß gefärbt ist. 

Fichtenholz wird zudem beim Bau von Streichinstrumenten verwendet und zwar für die sogenannte „Decke“ von Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass. Das Fichtenholz, das die berühmten norditalienischen Geigenbauer verwendeten, stammte aus den höheren Lagen der Alpen, aus einer Höhe von ca. 1.000 Metern. Die Geigenbauer sollen die Bäume abgeklopft haben, um die Qualität des Klanges festzustellen. Das Holz für Streichinstrumente muss sich durch gleichmäßig verlaufende Jahresringe im Abstand von maximal fünf Millimetern und einem geringen Spätholzanteil auszeichnen.

 

Krankheiten und Schädlinge der Fichte

Der wichtigste Pilz, der zu erheblichen Schäden in Fichtenbeständen führt, ist der „Wurzelschwamm“. Er greift lebende Wurzeln an, ohne dass sich dies auf die Vitalität der Bäume wesentlich auswirkt. Entscheidend ist, dass der Pilz im Laufe der Jahre aufsteigend im Holz eine Weißfäule bewirkt. Das befallene Holz weist zunächst eine graue bis violette Streifung auf, dann eine rotbraune, ringförmige Fäule, gefolgt von einer faserigen Auflösung des Holzes. Die Fruchtkörper findet man an der Stammbasis und an flachstreichenden Wurzeln. Der Pilz bildet Konsolen, die mehrere Jahre wachsen und eine Größe von 10 bis 20 Zentimetern erreichen können. Im fortgeschrittenen Stadium des Pilzbefalls tritt ein Nadelverlust ein, der den baldigen Tod des Baums zur Folge hat.

 

Ein zweiter Pilz, der „Hallimasch“, (siehe auch ► HIER) ein von Pilzsammlern geschätzter Speisepilz, den die Forstleute aber fürchten, befällt neben Laub- und Obstgehölzen auch Nadelgehölze. Der Hallimasch tritt in verschiedenen Lebensformen auf, zum einen auf toten Stubben von Laub- und Nadelbäumen und ist am Abbau des Holzes beteiligt, zum anderen dringt er durch Wunden oder die Rinde in die Wurzel ein. Dort breitet er sich im Kambium nach oben aus. Der befallene Baum stirbt ab, wenn sich der Hallimasch mit dem sogenannten Schnürsenkelmycel (schwärzliche Pilzfäden), im Kambium rings um den Stamm ausgebreitet hat, deshalb gilt der Hallimasch auch als sogenannter „Kambiumkiller“. Zudem verursacht er eine Weißfäule, die sich allerdings durch rotbraun gefärbtes Holz auszeichnet und auf die Wurzeln und die Stammbasis beschränkt ist.

 

Neben dem Befall durch Pilze gibt es Läuse, die „Kleine“ und „Große Fichtengallenlaus“, die an den Knospen bzw. Zweigen ihre Eier ablegen und kleine Ananas- oder Erdbeer-förmige Verdickungen – die Gallen – bewirken (Abbildung 12). Im Sommer öffnen sich die Gallen und die jungen Läuse fliegen zu Lärchen, wo die Nachkommen an den Nadeln saugen und auf der Rinde überwintern. Im Mai fliegen sie dann zu den Fichten zurück. Der von ihnen verursachte Schaden ist aber sehr gering.

 

Sehr viel größer ist der Schaden, der durch „Borkenkäfer“ verursacht wird. Hier sind mehrere Arten zu unterscheiden: der Kupferstecher, der häufig in oberen Stammpartien mit dünner Rinde vorkommt, während der Buchdrucker die unteren dickborkigen Stammteile befällt. Bei beiden Borkenkäferarten entstehen durch die Käfer sogenannte „Rammelkammern“ unter der Rinde, von denen ausgehend in Muttergängen Eier abgelegt werden. Die schlüpfenden Larven fressen rechtwinklig vom Muttergang abzweigende Seitengänge, in denen sie sich in einer sogenannten Puppenwiege verpuppen (Abbildung 13). Der schlüpfende Jungkäfer bohrt sich durch ein rundes Flugloch nach außen.

Außerdem stellen noch der „Riesenbastkäfer“ und der „Doppeläugige Fichtenbastkäfer“ in Fichtenbeständen eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar.

 

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass eine zunächst nur bei Kiefernarten vorkommende Nadelbräune auch bei der Fichte auftritt (Abbildung 14), diese wird bei anhaltender Trockenheit und durch die Saugtätigkeit von Blattläusen, Rindenläusen, Wollläusen und Spinnmilben hervorgerufen; sie führt in kurzer Zeit zu sehr starkem Nadelverlust (Abbildung 15), was dem Befall durch Sekundärschädlinge entgegenkommt.

Je älter eine Fichte wird, umso ausgeprägter zeigt sich das sogenannte Lamettasyndrom, welches das Herunterhängen der Seitenzweige zweiter Ordnung beschreibt. Diese werden durch den jährlichen Zuwachs immer länger und auch schwerer. Allerdings ist ein ausgeprägtes Herunterhängen auch ein Zeichen einer Schädigung meistens in Verbindung mit der Ausbildung von Adventivtrieben auf der Oberseite der Seitenzweige, die auch als Angsttriebe bezeichnet werden (Abbildung 16). Ist dieses Schadbild sehr ausgeprägt und kommt in Verbindung mit Nadelverlust und einem eingeschränktem Spitzenwachstum vor, dann sollte das als deutlicher Hinweis verstanden werden, dass sich die Fichte im Senilitätsstadium befindet.

Durch den Verlust zahlreicher Nadeln wird die Krone einer Fichte immer durchsichtiger und der Stamm wird im Kronenbereich sichtbar (Abbildung 17), während bei gesunden Fichten der Stamm vollständig verdeckt ist. Eine stark aufgelichtete Krone, verbunden mit dem Lamettasyndrom und reichlich Zapfenbehang (Abbildung 18), deuten ebenfalls auf Vitalitätsverluste hin.

Ansprüche der Fichte, Vorkommen und Verbreitung

Die Fichte kommt von Mitteleuropa bis Ostasien vor und stellt keine besonderen Ansprüche an die Böden: Sie gedeiht auf frischen bis nassen basenreichen, auch stark sauren sandigen und steinigen lockeren Lehm- und Tonböden, vorwiegend in kühl-humider, winterkalter Klimalage. Bei uns wächst sie bestandsbildend nur in den Mittelgebirgen (Abbildung 19), in den Alpen bis in 900 m Höhe. Als Einzelbaum kann sie bis in 2.000 Meter Höhe aufsteigen. Zur Gattung Fichte (Picea) gehören ca. 50 Arten; das Gattungsareal umfasst die gemäßigten Breiten der nördlichen Halbkugel, wobei sich ein Mannigfaltigkeits-Zentrum in China befindet. In den letzten Jahrzehnten beginnend etwa um 1900 wurden ganze Landschaften bei Aufforstungsmaßnahmen in Fichtenmonokulturen umgewandelt, weil die Fichte gegenüber anderen Arten, z.B. der Buche, im Hinblick auf die Massen- und Werterträge viel besser abschnitt, obwohl seit langem bekannt ist, dass es durch die Bildung saurer Nadelstreu zu einer Bodenversauerung und langfristig zu einer Verschlechterung der Bodenverhältnisse kommt.

Fichte bei Trockenheit

Da in den letzten heißen, trockenen Sommern die Böden durch den Regenmangel stark ausgetrocknet sind, geht den Fichten als Flachwurzlern relativ schnell das Wasser aus. Durch die Bildung von Harz können sich Fichten eigentlich gegen Borkenkäfer wehren, weil Einbohrversuche der Käfer durch Harzfluss verhindert werden. Zur Harzbildung wird aber Wasser benötigt, welches den Bäumen aufgrund der anhaltenden Trockenheit nicht zu Verfügung steht. Außerdem können sich die Borkenkäfer bei hohen Temperaturen gut vermehren. Aufgrund dieser klimatischen Gegebenheiten wird die Fichte aus den Tieflagen und unteren bis mittleren Berglagen verschwinden.

 

Nunmehr wird versucht, anstelle der in Monokultur angebauten Fichte Misch-wälder zu etablieren. Allerdings ist dies eher ein langfristiges Projekt und erfordert sehr viel Verständnis und guten Willen für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Flächen anstelle einer Gewinnmaximierung. Mittel- bis langfristig hilft nur der Waldumbau hin zu naturnahen Laub- und Mischwäldern.

 

Arten- und Sortenvielfalt

Neben der Rot-Fichte (Picea abies) gibt es zahlreiche Sorten in fast allen erdenklichen Formen, die sich durch unterschiedliche Gestalt auszeichnen, beispielsweise als Hängeform Picea abies ‚Inversa‘, als breit kissenförmige Form Picea abies ‚Little Gem‘, als langsam wachsende Zwergfichte Picea abies ‚Pumila Glauca‘ und etliche andere Sorten, die in den Baumschulkatalogen zu finden sind. Diese große Anzahl an Sorten zeigt, wie stark sich die Gärtner der beliebten Fichte angenommen haben, um das große Potenzial dieses Baumes nutzend, für die jeweilige Situation – auch für den kleinsten Garten – eine geeignete Form zu präsentieren.

 

Die Serbische Fichte Picea omorika (Pancic) Purk (Abbildung 20), beheimatet in Bosnien, Serbien und Montenegro, ist wegen ihres schlanken Wuchses sehr beliebt und gilt als eine der am häufigsten angepflanzten Nadelgehölze in Gärten.

 

Des Weiteren ist die Stech-Fichte Picea pungens Engelm. aus den Gebirgslagen der Rocky Mountains (Abbildung 21) in Gärten häufig anzutreffen. Insbesondere in der Varietät ‚Glauca‘ mit ihren stahlblauen Nadeln (Abbildung 22) ist sie sehr beliebt. Die Stech-Fichte wird oftmals von der Sitka-Laus befallen und zeigt dann starken Nadelverlust.

Die Fichte in der Stadt

Die Fichte hat eine außergewöhnliche Beliebtheit als Weihnachtsbaum erlangt. Erstmalig ist 1597 von einem geschmückten „Weynachtsbaum“ in Turkheim bei Kolmar die Rede. Lichter werden aber erst seit 1611 als Baumschmuck erwähnt und zwar erstmalig bei der Herzogin Dorothea Sibylle von Sachsen. Heute sehen wir in zahlreichen Städten mit Lichtern geschmückte stattliche Weihnachtsbäume auf den Weihnachtsmärkten oder vor den Rathäusern.

 

In unseren Wohnungen gehört der Weihnachtsbaum ganz selbstverständlich zum Weihnachtsfest, allerdings ist an die Stelle der früher üblichen Rot-Fichte in den letzten Jahren eine Tanne, meistens handelt es sich um Abies nordmanniana (Steven) Spach, getreten, weil Tannen in der zumeist trockenen Zimmerluft nicht so schnell die Nadeln verlieren. Und bereits das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter …“ nennt den Weihnachtsbaum eine Tanne, obwohl es zu damaliger Zeit sicherlich eine Rot-Fichte war. Überhaupt wird oftmals von der Tanne gesprochen, auch wenn es sich um eine Fichte handeln dürfte. Dabei sind die beiden Nadelgehölze leicht zu unterscheiden: Die Fichte hat im Querschnitt vierkantige Nadeln, bei der Tanne sind sie abgeflacht.

 

Fichten auf dem Golfplatz

Fichten gehören zum natürlichen Baum-artenspektrum in Deutschland und sind auch auf zahlreichen Golfplätzen zu finden. Sie leiden auch hier in den letzten Sommern unter der Trockenheit. Zudem sind sie oftmals vom Borkenkäfer (Abbildungen 23, 24 und 25) befallen. Teilweise ist die Schädigung so stark, dass nur eine Fällung bleibt. Dabei sollte das Holz möglichst schnell abtransportiert werden, damit die Borkenkäfer keine weiteren Bäume befallen.

Diese Situation kann genutzt werden, um in die entstehenden Lücken vor allem Laubbäume zu pflanzen. Dabei sollten Arten gewählt werden, die zu dem bereits vorhandenen Baumbestand des Platzes passen, und die sich in den letzten Jahren bewährt haben. Zu nennen sind vor allem: Feld-Ahorn (Acer campestre), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Stiel-Eiche (Quercus robur), Winter-Linde (Tilia cordata), Hainbuche (Carpinus betulus), Eberesche (Sorbus aucuparia), Birke (Betula pendula), Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Wald-Kiefer (Pinus sylvestris).

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 4/2021

 

 

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