Grüne Oasen, doch etwas Farbe könnte nicht schaden

Wiesen auf Golfplätzen

Mit dem Golfplatz verbindet wohl jeder gepflegte Rasenflächen, auf dem Fairway und insbesondere natürlich auf den Grüns (Abbildungen 1 und 2). Der Greenkeeper ist der Herr über diese Areale. Blühende Pflanzen sind auf Golfplätzen meistens nur im Rough oder auf Zierrabatten an den Clubhäusern zu finden. 

 

Doch auf einigen Golfplätzen sind schon jetzt nach den Abschlägen bis zum Beginn des Fairways – Rough-Flächen mit Gräsern und Stauden zu sehen: Oasen für Insekten. ...

Beispielsweise wächst in Flächen mit hohen Gräsern das Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum L.), (Abbildung 3), auf trockenen, nährstoffarmen Böden kann sich das Heidekraut (Calluna vulgaris (L.)Hull.) – wenn eine Düngung unterbleibt – etablieren (Abbildung 4), oder an feuchten Stellen und Senken sind größere Flächen mit dem Pfeifengras (Molinia coerulea (L.) Moench) zu sehen, das im Herbst eine wunderbare Gelbfärbung zeigt (Abbildung 5).

Leider siedelt sich an verschiedenen Stellen die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense (L.) Scop.) an. Sie ist auf nicht mit Herbiziden behandelten Äckern ein lästiges Unkraut, das sich durch unterirdische Ausläufer und Früchte mit Haarschopf stark ausbreitet (Abbildung 6); deshalb sollte die Acker-Kratzdistel auf dem Golfplatz möglichst schnell entfernt werden. Mitunter finden sich auch die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis L.) und die Riesen-Goldrute (Soilidago gigantea Aiton) ein, beides Neophyten (Abbildung 7), die aus Nordamerika stammen. Da sich die beiden Goldruten-Arten sehr stark ausbreiten, sollten sie möglichst schnell eingedämmt werden, siehe hierzu auch den Beitrag „Goldrute, Knöterich und Co.“ im Greenkeepers Journal 2/19.

Flächen für Insekten

Auf manchen Golfanlagen werden neuerdings Wildblumen angesät (Abbildung 8), ganz im Sinne der Förderung der Biodiversität, mitunter werden sogar Biotope, die nicht betreten werden sollen, ausgewiesen.

 

In letzter Zeit wird immer öfter von einem dramatischen Rückgang der Fluginsekten (laut einer Studie in NRW von bis zu 75 Prozent) berichtet. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass immer weniger Insekten wie Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere zu sehen sind? Doch wenn Insekten fehlen, dann gerät die gesamte Nahrungskette in Gefahr. Blüten von Obstgehölzen und Feldfrüchten werden nicht mehr bestäubt und zahlreichen Vogelarten fehlt die Nahrungsgrundlage. Deswegen wird gefordert, naturnahe, blütenreichere Landschaften oder Lebensräume zu erhalten oder wieder zu schaffen, das können Blühstreifen, Hecken, Streuobstwiesen, aber auch Blumenwiesen oder Blumenrasen sein.

Golf&Natur

Mit Golf&Natur hat der DGV schon vor Jahren eine Initiative zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Golf-anlagen gestartet und zahlreiche Golfplätze, die an diesem Programm teilnehmen, zertifiziert. Dazu gehören ein angemessener Umgang mit Gefahrenstoffen, Pflanzenschutzmitteln und ein sparsamer Einsatz von Düngemitteln. Auch soll die Pflege möglichst umweltverträglich gestaltet und die Artenvielfalt durch Schaffung von schützenswerten Lebensräumen für Pflanzen- und Tierarten gefördert werden.

Im Sinne von Golf&Natur werden für Insekten seit einiger Zeit auf etlichen Golfanlagen Insektenhotels aufgestellt und Bienenvölker angesiedelt; es könnten sogar Flächen mit einheimischen blühenden Pflanzen entstehen. Dabei sind die Gegebenheiten auf jedem Golfplatz anders, aber mit gutem Willen könnte auf so manchem Golfplatz noch mehr für Insekten getan werden. Möglicherweise sind einige Golfer sogar für diese Initiative zu begeistern. Es ließen sich abseits der Spielbahnen Flächen für Blumenwiesen, Blumenrasen oder vielleicht sogar Streifen für schön blühende Ackerunkräuter finden.

 

Blumenmischungen

Mittlerweile werden verschiedenste Blumenmischungen, die einen farbenprächtigen, üppigen Flor zeigen, im Fachhandel angeboten – mit Arten wie beispielsweise dem orangegelben Goldmohn (Eschscholzia californica Cham., Abbildung 9), dem Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare L.), der Dreifarbigen Winde (Convolvulus tricolor L.) sowie dem Saat-Lein (Linum usitatissimum L.) mit blauen Blüten (Abbildung 10) und dem Roten Lein (Linum grandiflorum Desf.), rot blühend, der Phazelie (Phacelia tanacetifolia Benth.), auch als Bienenweide bekannt. Diese einjährigen Mischungen müssen aber im Folgejahr erneut ausgesät werden.

Wiesen

Eine Alternative zu den Blumenmischungen, die aus einjährigen Arten bestehen, ist die Anlage von Wiesen mit ausdauernden Arten aus Stauden und Gräsern. Ein schöner Anblick sind Wiesenflächen mit Gräsern, die sich im Frühjahr im Wind wiegen. Zur Blütezeit mit schön blühenden Kräutern sind sie ein Eldorado für Insekten.

 

Wiesen sind nicht sehr pflegeintensiv, denn sie müssen nur zwei Mal im Jahr gemäht werden. Durch die zweimalige Mahd, wobei das Heu auf der Fläche getrocknet und anschließend geerntet wird, ist der Arbeitsaufwand überschaubar. Allerdings ist es bei der Anlage einer Wiese sehr wichtig, die richtigen Gräser und Kräuter zu verwenden, damit eine dauerhaft schöne Wiese entsteht.

 

In der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) Lebensraumtyp (LRT) 6510 des Bundesamtes für Natuschutz (BfN) – im Internet abrufbar – gelten artenreiche, frische Mähwiesen der planaren bis submontanen Stufe als „stark gefährdet“ bis „von vollständiger Vernichtung bedroht“. In dieser Richtlinie werden folgende Themen behandelt: Beschreibung und Vorkommen, Erhaltungszustand, Gefährdungen und Beeinträchtigungen, Zukunftsaussichten und Handlungsempfehlungen.

 

Eine besonders bunte und auffällige Wiese ist die Glatthafer-Wiese, benannt nach dem Glatthafer (Arrhe-natherum elatius (L.) Beauv. Ex J. Presl et C. Presl. ), einem hoch werdenden Gras mit schlankem Blütenstand, das sich Anfang Mai, silbern glänzend im Winde wiegt (Abbildung 11). Im zeitigen Frühjahr, bevor die Gräser höher werden, blüht bereits die Echte Schlüsselblume (Primula veris L.), mit hängenden Blüten in einer Trugdolde, die als Stieltellerblüten bezeichnet werden (Abbildung 12).

Von Ende Mai bis Ende Juni, wenn zahlreiche Stauden blühen, ist die Glatthafer-Wiese eine der schönsten Blumenwiesen (Abbildung 13). Zunächst ist der Scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acris L.) mit kleinen gelben Blüten zu sehen (Abbildung 14).

Dann öffnen sich die Blüten des Wiesen-Salbei (Salvia pratensis L.) mit blauen Lippen-Blüten mit einem besonderen Hebelmechanismus, der bei der Bestäubung durch Hummeln ausgelöst wird (Abbildung 15) und die Wiesen-Margarite (Leucanthemum vulgare Lam.) mit typischen Korbblüten (Abbildung 16). Die Blüten stehen im Blütenstand eng beieinander, innen gelbe Röhrenblüten, außen weiße Zungenblüten, ergeben eine Blume. Diese Glatthafer-Wiese wird Ende Juni, wenn der Glatthafer trocken und gelb ist, gemäht (Abbildung 17).

Nach der ersten Mahd sind die Wiesen mit den neu austreibenden Gräsern und Kräutern leuchtend Grün (Abbildung 18). Etwas später zeigen sie sich mit anderen Staudenarten, die nun zur Blüte kommen; einige davon werden hier vorgestellt:

 

Körbchenblütler sind in Wiesen reich vertreten. Neben der Wiesen-Margerite zeigen sich weitere Körbchenblütler: Die Scharfgarbe (Achillea millefolium L.), hat zahlreiche, sehr kleine Köpfchen, die eng beieinander, mit Zungen- und Röhrenblüten im Köpfchen (Abbildung 19).

Die Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea L.), auch in die Gruppe der Körbchenblütler gehörend, hat in den Köpfchen nur violette Röhrenblüten, wobei die äußeren mit lang ausgezogenen Zipfeln Schaufunktion haben, aber steril sind. Aus den inneren, zwittrigen entwickeln sich nach der Bestäubung die Früchte (Abbildungen 20 und 21). Besonders schön und typisch sind für die Flockenblumen die Hüllblätter des Köpfchens, sie sind trocken und haben eine deutliche Gliederung mit einem großen Anhang.

Eine weitere häufige Art in den Mähwiesen aus der Verwandtschaft der Körbchenblütler ist der Wiesen-Pippau (Crepis biennis L.) mit gelben Blütenständen, die nur Zungenblüten haben (Abbildung 22).

 

Aus der Familie der Doldengewächse sollen zwei Vertreter vorgestellt werden: Die Wilde Möhre (Daucus carota L.) hat typische Doldenblütenstände, in denen zahlreiche kleine Einzelblüten wie auf einem Teller beieinander stehen (Abbildung 23). Nach Bestäubung durch Insekten verschiedenster Art, insbesondere aber Käfer und Fliegen, entwickeln sich kleine, stachelige Früchte. Bei Reife der Früchte krümmen sich die Doldenstiele einwärts und bleiben bei Feuchtigkeit als „Vogelnest“ zusammengezogen (Abbildung 24). Übrigens, von der Wilden Möhre stammt „unsere“ Möhre als Kulturform ab, bei ihr ist der obere Teil der Hauptwurzel verdickt.

Ein weiterer, typischer Vertreter der Doldengewächse ist der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium L.), eine zweijährige Halbrosettenpflanze, die 1,5 Meter hoch werden kann (Abbildung 25). Sie bildet große reich verzweigte, tellerförmige Blütenstände mit charakteristischen Doppeldolden, wobei die randlichen Blütenblätter der äußeren Döldchen größer sind und so die Schaufunktion erhöhen (Abbildung 26). 

Die Blüten haben am Griffelpolster reichlich Nektar, sie werden von verschiedensten Insektenarten, die in größerer Zahl auf den Blütenständen herumspazieren, bestäubt. Im August haben sich bereits in einigen Dolden die zunächst grünen Früchte gebildet (Abbildung 27); diese werden im Laufe der nächsten Wochen trocken und dann als Scheibenflieger, aber auch durch Weidetiere verbreitet.

 

In den Sommermonaten, etwa im August, präsentieren sich die Glatthafer-Wiesen immer noch im saftigen Grün, allerdings nur, wenn die Sommermonate nicht allzu trocken ausfallen (Abbildung 28). Jetzt treten die niedrigeren Arten deutlicher hervor, weil höher wüchsige Stauden nicht mehr dicht beieinander stehen, sondern nur noch einzelne ihre Blütenstände in den Luftraum schieben, insbesondere der Wiesen-Bärenklau.

Als niedrigere Art ist der Rot-Klee (Trifolium pratense L.) zu finden, er hat kleine Schmetterlingsblüten, die in Blütenköpfchen zusammen stehen (Abbildung 29). Der Nektar befindet sich in einer verwachsenen Kronröhre, weshalb als Bestäuber nur langrüsslige Hummeln und Falter fungieren können.

 

Ein weiterer Vertreter der Schmetterlingsblütler ist der Gemeine Hornklee (Lotus corniculatus L.) mit gelben Blüten, die auch in einem Köpfchen zusammen stehen (Abbildung 30). Die auf dem hornförmigen (Name!) Schiffchen aufsitzenden Bienen bewirken, dass der Pollen aus dem Schiffchen der Blüte herausgequetscht wird.

 

Das Wiesen-Labkraut (Galium mollugo L.) gehört in die Familie der Rötegewächse. Es ist ein kleines Kraut mit quirlständigen Blättern, das nur zur Blütezeit durch seine weißen Blüten auffällt. Diese werden vorwiegend von Fliegen bestäubt (Abbildung 31).

Glatthaferwiese – die Wiesengesellschaft des Jahres 2019

Um auf die Gefährdung und Schutzwürdigkeit heimischer Pflanzengesellschaften aufmerksam zu machen, hat die Floristisch-Soziologische Arbeitsgemeinschaft (Tuexenia) erstmalig eine Pflanzengesellschaft des Jahres gekürt, es handelt sich für das Jahr 2019 um die Glatthafer-Wiese (Arrhenatheretum elatioris). Diese typische Wiesengesellschaft des Flachlandes gehört zu den buntesten und auffälligsten Pflanzengesellschaften unserer Landschaften, sie ist jedoch stark vom Aussterben bedroht. Dabei gilt diese Wiese als Gegenstück zu den artenarmen Flächen in den Agrarlandschaften.

 

Eigentlich wären Glatthaferwiesen an vielen Stellen im norddeutschen Tiefland zu finden. Wegen der landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen kommt sie im norddeutschen Raum fast nur noch an Straßenrändern, an der „Straßenkrone“, die als Böschung ausgebildet ist und an Autobahnböschungen vor. In verschiedenen Modellprojekten konnte gezeigt werden, dass wieder neue Glatthaferwiesen entstehen können. Doch vor allem sollten noch vorhandene Glatthaferwiesen geschützt und keinesfalls in Grünland umgewandelt werden.

 

Glatthaferwiesen auf Golfplätzen – wie geht denn das?

Um Glatthaferwiesen einen neuen Lebensraum zu geben, könnten auf Golfplätzen an geeigneten Stellen diese wunderbaren, bunten Wiesen angesiedelt werden. Dies wäre ein wertvoller Beitrag für die Tier- und Pflanzenwelt. Interessierte Golfer könnten durch Informationstafeln oder Handzettel über das Projekt informiert werden. Möglicherweise werden auch Besucher auf das Engagement für die Natur auf Golfanlagen aufmerksam.

 

Nun fragen Sie sich – wie soll denn eine Umgestaltung der vorgesehenen Fläche gehen. Es gibt bereits einschlägige Erfahrungen mit der Umwandlung von Ackerland oder „freien“ Flächen in eine Wiese. Zunächst muss das passende Saatgut beschafft werden. Das ist aber kein großes Problem mehr, denn es wird bereits in und für verschiedene Regionen gebietseigenes Saatgut angeboten. Ein bisschen Geduld braucht es dann aber schon – etwa drei Jahre – bis eine typische Wiese entstanden ist.

 

Als Beispiel für eine gelungene Ansiedlung einer Glatthaferwiese sei die vom Hof Sackern (im Ruhrgebiet) genannt. „Die Glatthaferwiese von Hof Sackern“ ist Teil des Projekts „Qualitätssteigerung von Kulturlandschaften durch artenreiche Mähwiesen“. Mit dem Slogan: „Pflanzenvielfalt vermehren – Lebensqualität steigern“. Siehe im Internet den Artikel von Hans-Christoph Vahle. Hier werden die einzelnen Schritte, die beim Anlegen einer Glatthaferwiese zu beachten sind, anschaulich beschrieben. Übrigens: Im Rasen · Turf · Gazon 3/20 werden funktionsoptimierte Wildpflanzenmischungen für das Stadtgrün vorgestellt (► Download PDF), die auch für Flächen auf Golfplätzen geeignet sind.

 

Fazit

Golf wird zunehmend als naturnahe Sportart angesehen und die Golfer fühlen sich dieser gesunden Sportart zugehörig. Deshalb sollte bei der Gestaltung freier Flächen auf Golfplätzen ein Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt stärker berücksichtigt werden. Obstgärten und Wiesen locken verschiedenste Insektenarten an. Vielleicht sind sogar Hobby-Imker bereit, an diesen Stellen ihre Bienenstöcke aufzustellen und zu betreuen.

 

Mit entsprechenden Informationstafeln vor Ort kann auf wichtige Aspekte bei der Pflege einer Glatthafer-Wiese eingegangen und Interesse für diese schöne Wiesengesellschaft geweckt werden.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 2/2021

 

 

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