Erfassung von Unterscheidungsmerkmalen zwischen LOLIUM PERENNE Sorten mit und ohne Ausläuferbildung auf dem Golfplatz Blumisberg*

Iten, Franziska

* Auszug aus der praxisbezogenen Aufgabe (Hausarbeit) für die Fortbildungsprüfung zum Geprüften Head-Greenkeeper an der DEULA Rheinland, 2015, von Franziska Iten

 

Einleitung und Literaturübersicht
Die Grasart Lolium perenne ist ein enorm wichtiges Gras für strapazierfähige Rasenflächen. Aufgrund seiner raschen und konkurrenzkräftigen Jugendentwicklung und einer sehr hohen Strapazierfähigkeit ist es sehr beliebt. Lolium perenne zählt zu den horstbildenden Gräsern und entwickelt sich deshalb von sich aus nicht zu einem deckenden Teppich. Aus diesem Grund werden in der Schweiz seit einiger Zeit verschiedene Lolium perenne-Sorten mit einer Ausläufer treibenden Wuchsform eingesetzt. Mit diesen Sorten soll eine doppelt so hohe Narbendichte wie bei herkömmlichen Lolium perenne-Sorten erzielt werden. Erreicht werden soll dies über eine stärkere Bestockung der Einzelpflanze. Bei den Lolium perenne-Sorte Typ „CSI“ spricht man beispielsweise von bis zu 90% kriechenden Bestockungstrieben, bei gleichzeitig 50% langsamerem Wachstum. Der große Vorteil dieser Ausläufer treibenden Lolium perenne-Sorten ist es, dass entstandene Lücken selbstständig wieder zuwachsen (LUNG, 2014).

Die Grasart Lolium perenne wird als Ausdauerndes Weidelgras, Englisches Raygras oder Deutsches Weidelgras bezeichnet. Sie ist sehr häufig und weit verbreitet. Man findet sie von den Tieflagen bis in die mittlere Gebirgslage, im Schwarzwald bis 1.480 m über NN und in den Alpen bis ungefähr 1.750 m über NN. Die Pflanze ist ein Frische-, Nährstoff- und Tonzeiger und eine Lichtpflanze. Es ist eine wertvolle Pflanze für Wiesen und Dauerweiden sowie auch für hoch strapazierte Sportrasenflächen (CONERT, 2000).

Nach STEPHENS (2010) wünscht sich ein Greenkeeper eine Grünfläche, bei der die Oberfläche trotz starker Beanspruchung vollständig bewachsen ist.

Um das Jahr 2000 herum erregte in den USA, im Staat Virginia, eine Graspflanze die Aufmerksamkeit von Dr. Joseph Wipff. Der Forscher entdeckte das Gras auf einer Parzelle, auf der Sorten unter starker Belastung getestet wurden. Es entwickelte sich genau im Wendebereich des knapp 1.000 kg schweren Traktors. Durch weitere Untersuchungen kristallisierte sich heraus, dass es sich bei dem Gras um ein Lolium perenne mit Ausläufern handeln musste. Dr. Wipff isolierte diesen neuen Weidelgras-Typ und produzierte Saatgut für weitere Tests in Oregon. Christian Arends, Rasen-Produktmanager vom amerikanischen Gräser- Züchter Barenbrug in Oregon, machte zu diesen Tests folgende Aussage: „Dieses Lolium perenne wurde bei uns getestet und die Pflanze wurde innerhalb eines Jahres 94 cm breit. Das ist sehr ungewöhnlich für ein Lolium perenne, denn die anderen werden weniger als ein Drittel so breit. Demzufolge wussten wir, dass es sich um eine außergewöhnliche Graspflanze handeln musste“ (STEPHENS, 2010).

Pamela Sherratt, Sportrasen-Spezialistin von der Ohio State University, beobachtete in ihren landesweiten Tests Pflanzen, die heute als „regenerierendes Lolium perenne“ bezeichnet werden. Sie sagte: „Dieses Gras ist sehr verschleißtolerant. Zudem keimt es auch sehr schnell“ (zitiert bei STEPHENS, 2010).

Bei der Ohio State University wurde von SHERRATT et al. (2010) im Oktober 2007 eine fortführende Studie zu diesem regenerierenden Lolium perenne durchgeführt. Die Schnitthöhen betrugen 2,54 cm, 3,81 cm und 5,08 cm. Einmal pro Woche wurde eine Walze mit Stollen auf den Varianten benutzt. Die Bonituren wurden alle zwei Wochen vorgenommen und die Raseneigenschaften (Farbe, Dichte und Homogenität) auf einer Skala von 1 bis 9 ausgewertet. Im Jahr 2009 wurden dann die Ausläufer gezählt. Das beste Ergebnis in Bezug auf Rasenqualität wurde bei der Schnitthöhe von 3,81 cm erzielt. Bei 2,54 cm Schnitthöhe war das regenerierende Lolium perenne nicht so verschleißtolerant, bei 5,08 cm verlor es insgesamt an Dichte. Die Anzahl an Ausläufern war bei allen Schnitthöhen in etwa identisch. Die Längen der Ausläufer betrugen weniger als 5,08 cm. Einige Pflanzen produzierten Tochterpflanzen.

Die Studie an der Ohio State University kommt nach STEPHENS (2010) zum Schluss, dass das regenerierende Lolium perenne viel belastbarer als die derzeit gebräuchlichen Lolium perenne-Sorten ist. Es erlaubt nach seinen Angaben auch eine Schnitthöhe von 1,27 cm. Auch wenn das Gras konkurrenzstark ist, so muss es nicht öfter gemäht werden als die anderen Gräser. Das zusätzliche Wachstum zeigt sich in der seitlichen Ausdehnung. Das regenerierende Lolium perenne soll in Mischungen mit Poa pratensis oder anderen Lolium perenne-Sorten gut funktionieren. Die Pflanze eignet sich besonders für alle Regionen mit kühl-gemäßigtem Klima. In den Regionen mit heiß-trockenem Klima eignet es sich hingegen nicht für Übersaaten. Das Saatgut ist bei den meisten Händlern und Züchtern in den USA verfügbar.

An der Universität Padua in Italien erfolgte von Oktober 2012 bis Mai 2013 ein Freilandversuch, um zu beurteilen, ob einige Sorten von Lolium perenne die Fähigkeit besitzen, das Keimen von Poa annua zu unterdrücken. Poa annua kann sich durch die rasche und reichliche Grasfrüchte-Produktion schnell verbreiten und somit die Rasenqualität verschlechtern. Für den Versuch wurden zwei traditionelle und zwei kriechend wachsende Sorten von Lolium perenne, unter anderem „CSI“ verwendet. Kriechend wachsende Lolium perenne-Sorten besitzen durch die seitliche Ausbreitung ein weit höheres Potenzial an verdrängender Wirkung als herkömmliche Sorten. Nach der Ansaat der verschiedenen Lolium perenne-Sorten wurde während der Wachstumszeit der Gräser einmal wöchentlich auf 35 mm gemäht und das Schnittgut entfernt. Im Dezember folgte dann das Einsäen von Poa annua

Ab Februar 2013 begann die Auszählung. Bei den traditionellen Sorten war die Anzahl der aufgelaufenen Poa annua-Pflanzen viel höher als bei den kriechend wachsenden Sorten. Durch kriechend wachsende Lolium perenne-Sorten kann demnach die Neuentwicklung von Poa annua größtenteils unterdrückt werden. Dieses Ergebnis ist sehr ermutigend und durch Experimente weiter zu erforschen, um den kriechend wachsenden Lolium perenne-Sorten eine höhere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt zu geben.

In der vorliegenden praxisbezogenen HGK-Arbeit sollten die Unterscheidungsmerkmale zwischen Lolium perenne-Sorten mit und ohne Ausläuferbildung untersucht und die Entwicklung im Freilandversuch dokumentiert werden. Die Versuchsdauer war bis Ende 2014 vorgesehen. Aufgrund der Ergebnisse wurden die Freilandparzellen auch während der Vegetationszeit 2015 weiter gepflegt und im Oktober erneut ausgewertet (siehe hierzu Nachtrag).

Material und Methoden Geographische LageDer Platz des Golf & Country Clubs Blumisberg (Höhe 610 m ü. NN) umfasst eine Fläche von 100 ha. Die Anlage befindet sich im westlichen Teil der Schweiz, im Kanton Freiburg. Geographisch gesehen liegt der Golfplatz im westlichen Mittelland zwischen der Jurakette und den westlichen Voralpen. Die Stadt Bern liegt rund 17 km nordöstlich. Das Gelände des Golfplatzes weist starke Höhenunterschiede auf und liegt zwischen 570 und 655 m über NN.

Klima
Das Klima im westlichen Mittelland liegt im Übergangsbereich vom feuchtmaritimen zum kontinental-gemäßigten Klima. Der Wind bläst hauptsächlich aus Westen oder Nordosten (Bise). Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen pro Jahr bewegen sich um 1.000 mm. Schneedecken liegen nur wenige Wochen. Die Zahl der Tage mit Schneefall liegt bei rund 25 Tagen. Im Herbst und Winter bildet sich oftmals eine Nebeldecke, welche sich mehrere Tage bis zu Wochen nicht auflöst. Oberhalb dieses Nebels ist das Wetter sonnig. Die Temperaturen sind im westlichen Mittelland etwas höher als für vergleichbare Höhen der übrigen Schweiz. Die Frosttage im Mittelland oberhalb von 600 m über NN betragen etwa 100 Tage, Sommertage werden etwa 30 pro Jahr verzeichnet. Je nach Höhe beträgt die durchschnittliche Länge der Vegetationsperiode im Mittelland zwischen 240 und 270 Tage. Das Besondere am Mittelland ist, dass es schweizweit im Winter und im Jahresmittel am wenigsten Besonnung gibt.

In den letzten neun Jahren des Golfplatzes Blumisberg betrug die durchschnittliche Niederschlagsmenge 1.055 mm. Die über diesen Zeitraum gemittelten Temperaturen lagen für die Minimum-Temperatur bei 5,1 °C, für die Maximum-Temperatur bei 13,0 °C.

Versuchsanlage
Der gesamte Versuch umfasst zwei Teilbereiche. Der erste Teil besteht aus einer Neuansaat im Freiland, der zweite aus einem Gefäßversuch. Durch die unterschiedlichen Anlagen können die Pflanzen hinsichtlich ihrer speziellen Eigenschaften genau beobachtet und untersucht werden, so dass die Unterscheidungsmerkmale zwischen Lolium perenne-Sorten mit und ohne Ausläuferbildung deutlich werden.

Neuansaat im Freiland
Für die Neuansaat wurde der Sodengarten des Golfplatzes Blumisberg ausgesucht. Dieser befindet sich zwischen dem Green 6 und dem Tee 7 und zeichnet sich durch seine sonnige Lage aus. Der Freilandversuch hat eine Größe von 4 m².

Start war am 7. Juni 2014. Als erstes wurde die Versuchsfläche mit einem blauen Holzrahmen abgesteckt und in vier gleich große Teile unterteilt. Die einzelnen, ein Quadratmeter großen Parzellen sind voneinander durch ein Holzbrett getrennt. Dies soll gewährleisten, dass zwischen den vier verschiedenen Sorten eine klare Abgrenzung besteht, welche ein Vermischen der Sorten verhindert.

Anschließend wurde der natürliche Boden 20 cm tief ausgehoben und die Vertiefung gleichmäßig mit dem Rasentragschichtsubstrat „Intergrün 07“ aufgefüllt und verdichtet. Nun konnte auf jedem Quadratmeter die zugeordnete Sorte eingesät werden. Ziel war es, auf jeder der vier Teilflächen genau 100 Grasfrüchte (Samen) zu verteilen, was einer Grasfrucht (einem Samen) auf einer Fläche von 10 auf 10 cm entspricht. Um dies mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen, wurde ein 1 m² großer Holzrahmen angefertigt, welcher mit Schnüren in 100 gleichmäßig unterteilte Flächen aufgeteilt ist. Damit das Lolium richtig keimen kann wurde es mit einer Saattiefe von ein Zentimeter eingesät. Abbildung 1 zeigt das Einsäen des Saatgutes von Lolium perenne Sorte „CSI-1“ mit Hilfe des unterteilten Holzrahmens.

Abb. 1: Einsäen des Saatguts Lolium perenne „CSI-1“ am 7. Juni 2014.
Abb. 2: Eingezäunter Freilandversuch mit Arbeitscar und Werkmaterial am 8. November 2014.


Um die Versuchsfläche vor Maschinen und Spielern zu schützen, wurde die gesamte Versuchsfläche eingezäunt (Abbildung 2).

Nach vier Tagen wurde die Freilandversuchsfläche mit einer gelochten Frühbeetfolie bedeckt. Die Frühbeetfolie schützt vor Witterungseinflüssen und Schädlingen und sorgt für ein gleichbleibendes Keimklima. Zudem werden die Bodenfeuchtigkeit erhalten und die Boden- und Lufttemperatur im Wurzelund Pflanzenbereich erhöht.

Mit dem Auflaufen der Gräser wurde die Lochfolie entfernt. Bei Bedarf wurde die Fläche von Hand oder automatisch mit der Beregnung bewässert.

Am 7. und 8. Juli wurden die Stellen, an welchen der Graswuchs ausblieb, durch Gras-Setzlinge ersetzt. Die gleiche Prozedur wiederholte sich dann nochmals am 22. Juli und 9. September.

Der erste Schnitt auf 20 mm erfolgte am 29. Juli. Ab dem 4. August wurde dann regelmäßig mit einer Rasenschere von Hand auf die Standardhöhe von 16 mm geschnitten. Als die Lolium perenne-Pflanzen 11 Wochen alt waren, konnte die Versuchsfläche zum ersten Mal mit dem Sichelmäher geschnitten werden.

Die Fläche wurde von Zeit zu Zeit mit Dünger behandelt. Die Düngermengen waren sehr dezent, denn zu viele Nährstoffe ergeben ein Stoßwachstum und haben negative Auswirkungen auf die Bestockung sowie auf andere Raseneigenschaften.

Lolium perenne ist allgemein dafür bekannt, dass es Trittbelastung verlangt. So wurde ab Ende September, als die Pflanzen 16 Wochen alt waren, zweimal in der Woche über einen Zeitraum von sechs Wochen gewalzt (Abbildung 3).

Von Beginn an wurden bei allen vier Lolium perenne-Sorten Beobachtungen zu der Ausläuferbildung gemacht. Einmal pro Woche wurden zudem die Raseneigenschaften bonitiert beziehungsweise gemessen. Unter Raseneigenschaften fallen Farbe, Blattbreite, Wuchshöhe, Krankheitsanfälligkeit, Vegetations- und Winteraspekte, Deckungsgrad sowie die Ausläuferbildung. Der Deckungsgrad wurde geschätzt, Ausläufer mit Hilfe eines Messstabes gemessen. Die Ergebnisse wurden bis zum 8. November über einen Zeitraum von 5 Monaten dokumentiert. Nach einer Unterbrechung von einem Monat wurde am 8. Dezember eine Schlussuntersuchung durchgeführt und mit dieser die fachliche Arbeit im Feld abgeschlossen.

Die Versuchsfläche bleibt weiterhin bestehen und wird in regelmäßigen Abständen weiter untersucht. Im Frühling 2015 wurden die Holzbretter entfernt. Die einzelnen Flächen wurden mit einem Markierungsspray markiert. So konnte dann mit dem Rasenmäher gemäht werden.

Gefäßversuch
Beim Gefäßversuch soll der Wuchs- Typ sowie die Bildung von Ausläufern bei der jeweiligen Lolium-Sorte genauer festgestellt und dokumentiert werden. Als Standort wurde eine sonnige Fläche in der Nähe der Maschinenhalle ausgesucht.

Start dieses Einzelpflanzenversuchs war am 13. Juni 2014. Für jede Lolium perenne-Sorte gab es drei 12er Pikierplatten, welche zu Beginn alle mit der gleichen RTS-Mischung „Intergrün 07“ wie beim Freilandversuch aufgefüllt wurden. Anschließend wurden bei gleicher Saattiefe von einem Zentimeter die vier Lolium-Sorten eingesät und bewässert. Bereits nach wenigen Tagen begann das Saatgut zu keimen.

Die Setzlinge standen fast immer im Freien. Nach Bedarf wurde von Hand bewässert. Bei stärkeren Niederschlägen wurden sie unter dem Vordach der Maschinenhalle platziert.

Die Einzelpflanzen wurden in größere Töpfe ausgepflanzt. Die Töpfe wiesen einen Durchmesser von 12 cm und eine Tiefe von 10 cm auf. Für den Gefäßversuch wurden je Sorte 10 Pflanzen ausgewählt (Abbildung 4). Der erste Schnitt bei den Gefäßpflanzen folgte am 23. Juli. Die Standard-Schnitthöhe wurde auf 25 mm festgelegt. Die Lolium perenne-Sorten wurden regelmäßig ab dem 6. August mit einer Rasenschere geschnitten. Nach acht Wochen bildeten sich an der Unterseite der meisten Gefäße weiße Wurzeln von teilweise bis zu 25 mm Länge. Dies deutete auf ein gesundes Wachstum hin. Die Topfpflanzen wurden mit den gleichen Düngermengen wie beim Freilandversuch gedüngt.

Abb. 3: Freilandfläche mit Walze am 4. Oktober 2014; vorne links befindet sich die Sorte „CSI-1“ (Ausläufer), vorne rechts „ESQUIRE“ (keine Ausläufer), hinten rechts „CSI-3“ (Ausläufer) und hinten links „PASSION“ (keine Ausläufer).
Abb. 4: Lolium-perenne-Sorten am 8. November 2014; vorne links ist die Sorte „CSI-1“ (Ausläufer), vorne rechts „ESQUIRE“ (keine Ausläufer), hinten rechts „CSI-3“ (Ausläufer) und hinten links „PASSION“ (keine Ausläufer).


Die Ergebnisse zu den Untersuchungen und Analysen wurden wie beim Freilandversuch einmal pro Woche notiert und bewertet. Die Beobachtungszeit dauerte bis zum 8. November. Die Abschlussanalyse fand dann vier Wochen später statt.

Pflegemaßnahmen während des Versuchszeitraums

Da die Region um den Golfplatz Blumisberg im Jahre 2014 ab Juli meistens genügend Niederschlagstage hatte, musste nur am Anfang beim Freilandversuch zusätzlich bewässert werden. Auch beim Gefäßversuch wurde im Juni nur dreimal von Hand bewässert.

Der Rasenschnitt erfolgte nach den Wachstumsregeln. Es wurde nie mehr als ein Drittel der Pflanze entfernt. Die Pflanzen in den Gefäßen wurden von Juli bis November 18 mal geschnitten, die der Freilandfläche insgesamt 17 mal. Auffallend ist hier vor allem der Monat September, in dem siebenmal geschnitten wurde.

Ab dem 27. September wurde die Freilandversuchsfläche zusätzlich mit einer Walze gewalzt. Während der gesamten Versuchsperiode wurden insgesamt fünf Düngungen ausgebracht. Diese bestanden bei beiden Versuchen jeweils aus dem gleichen Düngerprodukt und wurden stets am selben Tag durchgeführt. Die beiden ersten Düngungen erfolgten in flüssiger Form mit je 8 g Düngermenge pro m². Für die letzten drei Düngungen wurde granulierter stickstoffbetonter Volldünger in einer Menge von jeweils 25 g/m² eingesetzt.

Die Nährstoffmengen, die über den gesamten Versuch verteilt wurden, können der Tabelle 1 entnommen werden.

Tab. 1: Düngergaben während des Versuchszeitraums.

Saatgut
Für die Versuche wurden die vier nachfolgenden unterschiedlichen Lolium perenne-Sorten verwendet: „CSI-1“, „CSI-3“, „ESQUIRE“ und „PASSION“.

Tab. 2: Übersicht zu den Merkmalen der Versuchs-Sorten von Lolium perenne (LUNG, 2014; RSM, 2014; DLF TRIFOLIUM, 2014).

Lolium perenne „Creeping Spreading Innovative“ (CSI)
Die Lolium perenne-Sorten der Reihe „CSI“ werden nach LUNG (2014) als Creeping Perennial Ryegrass (CPR), eingeordnet. Durch eine neue Genetik entwickeln die „CSI“-Sorten Triebe, die sich kriechend an der Bodenoberfläche ausbreiten können. Bei der Narbendichte ist von einer doppelt so hohen Narbendichte wie bei den herkömmlichen Lolium perenne-Sorten die Rede. Dies soll durch eine stärkere Bestockung und bis zu 90% Kriechtriebe erreicht werden. 


Den Ausführungen im Bericht „Introducing new genetics for turfgrass: Jacklin Seed’s CSI-Rye“ (LUNG, 2014) ist zu entnehmen, dass bei einem geringeren Zuwachs deutlich weniger gemäht werden muss. Die „CSI-Sorten“ besitzen eine feine Blattstruktur, eine mittel- bis dunkelgrüne Blattfarbe, eine hohe Narbendichte und eine gute Krankheitsresistenz. Für die Aussaatrate werden 10 g/m² angegeben.

Nach LUNG (2014) können „CSI-Sorten“ für Gebrauchs-, Sport- und Golfrasen (Tee, Fairway) eingesetzt werden. Für die Untersuchungen der praxisbezogenen Hausarbeit wurden die Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ verwendet. Dies sind zwei sehr eng verwandte Linien von Lolium perenne „CSI“.

Lolium perenne „ESQUIRE“
Die Lolium perenne-Sorte „ESQUIRE“ startet im Frühjahr sehr schnell mit einer intensiven Dichte, einem frühen Ergrünen und Wachstum (DLF TRIFOLIUM, 2014). Die Wuchsform wird als horstbildend beschrieben es werden keine Ausläufer erwartet.

„ESQUIRE“ wird als resistent gegen Winterkrankheiten und tolerant gegen Dollarspot, Rotspitzigkeit, Rost und Blattflecken bezeichnet. Es wird mit einer guten Belastbarkeit bewertet. „ESQUIRE“ eignet sich laut RSM (2014) für Gebrauchs-, Strapazier- und Landschaftsrasen.

Lolium perenne „PASSION“
Die Lolium perenne-Sorte „PASSION“ wird für viele Zwecke eingesetzt werden. Es ist ein horstbildendes Gras mit einem mittelschnellen Wachstum (DLF TRIFOLIUM, 2014).

Die Sorte zeigt eine hohe Belastbarkeit auch bei geringer Nährstoffversorgung. Dies führt zu einer verminderten Krankheitsanfälligkeit z.B. gegenüber Rotspitzigkeit. Die Sorte „PASSION“ kann gemäß RSM (2014) für die Rasentypen Zier-, Gebrauchs-, Strapazier- und Landschaftsrasen verwendet werden.

Einbaufertiges Rasentragschichtsubstrat
Für den Freiland- und Gefäßversuch wurde als einbaufertiges Rasentragschichtsubstrat das Produkt „Intergrün 07“ der Schweizer Firma Interstein aus Münchwilen eingesetzt. Das Substrat sorgt gemäß Laborergebnis für gute Scherfestigkeit, Tragfähigkeit, Wasserdurchlässigkeit, Wasserspeicherfähigkeit sowie Luftführung. „Intergrün 07“ besteht aus einem Gemisch aus Sanden, Orgabo (geglühter Ölschiefer) und Edelkompost. Der Massenanteil an Ton und Schluff beträgt 5,9%, an Sand 84% und an Kies 10,1%.

Das Rasentragschichtsubstrat „Intergrün 07“ wird nach DIN 19682-2 als Bodenart B2: „schwach schluffiger, grobsandiger Mittelsand“ bezeichnet.

Ergebnis
Entwicklung der Neuansaat im Freiland
Bei den Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ dauerte das Auflaufen der Keimlinge sieben Tage. Die Sorte „ESQUIRE“ brauchte mit zehn Tagen am längsten und somit etwa 30% länger als die „CSI“-Sorten (Tabelle 3).

Tab. 3: Anzahl Tage bis zum Auflaufen der Grasfrüchte (Samen) im Freiland.


Von den jeweils 100/m² ausgesäten Grasfrüchten liefen nicht alle (Samen) auf. Während der ersten Wochen starben einige Pflanzen ab. So wurden an drei Terminen die Fehl-Positionen durch Setzlinge aus dem Gefäßversuch ersetzt.

Bis zum 9. September bestand nun jede Versuchsfläche aus 100 Einzelpflanzen (Tabelle 4).

Tab. 4: Zusätzlich benötigte Setzlinge beim Freilandversuch.

Die Blattfarbe von „CSI-1“ und „CSI-3“ ließ sich als dunkelgrün beschreiben. Die Sorte „ESQUIRE“ lag zwischen dunkel- und mittelgrün. „PASSION“ war bis am 8. November mittelgrün, vier Wochen später besaß die Sorte auch eine kräftige, dunkelgrüne Blattfarbe.

Die Blattstruktur war bei „CSI-1“ und „CSI-3“ fein, die Blattbreite betrug bei beiden zum Abschluss des Versuchs am 8. Dezember im Maximum 3-3,5 mm. „ESQUIRE“ war weniger feinblättrig als die beiden „CSI“-Sorten. Am 8. Dezember betrug die Blattbreite im Maximum 3,5-4 mm. Bei der Sorte „PASSION“ war die Blattstruktur mittel. Hier ergab sich eine maximale Blattbreite von 3-4,5 mm.

Bei der Wachstumsgeschwindigkeit war die Sorte „PASSION“ führend, es folgte „ESQUIRE“, die Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ waren 30% langsamer.

Bezüglich Krankheitsanfälligkeit gab es ab dem 2. September bei allen Lolium perenne-Sorten vereinzelt Blattflecken, die bis zum Versuchsende erhalten blieben. Am 8. Dezember konnte zudem leichter Schneeschimmelbefall (Microdochium nivale) auf dem Freilandversuch nachgewiesen werden. „CSI-3“ war von den vier Sorten am stärksten befallen. „CSI-1“ war weit weniger betroffen. Die weiteren Sorten waren befallsfrei.

Der Vegetationsaspekt konnte bei allen vier Sorten als sehr gut beschrieben werden. Am 8. Dezember wiesen die beiden Sorten „ESQUIRE“ und „PASSION“ einige gelbliche Blätter auf, wobei im Gegensatz dazu bei den „CSI“-Sorten immer noch alle Blätter eine schöne dunkelgrüne Blattfarbe besaßen.

Abb. 5: Entwicklung des Deckungsgrades (in %) der vier Lolium perenne-Sorten über den
Versuchszeitraum.


Der Deckungsgrad der vier Lolium perenne-Sorten wurde geschätzt. In Abbildung 5 sieht man, dass die Sorte „CSI-3“ von Beginn an bis zum 8. November über den höchsten Deckungsgrad verfügte. Ab dem 8. November konnte „PASSION“ zur „CSI-3“ aufschließen. Beim Abschluss des Versuchs am 8. Dezember konnte ein Wert von knapp 85% erreicht werden. Wie aus der Abbildung 5 weiter ersichtlich wird, wies „CSI-1“ in der 14. Woche, am 8. September, den mit Abstand geringsten Deckungsgrad auf. Er betrug lediglich etwa 43%. Im Vergleich mit der Sorte „ESQUIRE“ konnte sie bis zum 4. Oktober jedoch noch aufholen. Ab dem 4. Oktober entwickelte sich der Deckungsgrad dieser beiden Sorten identisch. Zum Schluss notierten beide einen Wert von 80%.

Bewertung von Ausläufern
Von Beginn an wurden die Beobachtungen zur Ausläuferbildung bei den Lolium perenne-Sorten durchgeführt. Erste Ausläufer konnten nach rund sechs Monaten festgestellt werden. In der nachstehenden Abbildung 6 wird ein Ausläufer mit Knoten (Nodien) und Internodien im Detail gezeigt. Bei der Nummer 1 befindet sich das erste etwa 8 mm lange Internodium, welches von der Mutterpflanze kommt. Nach vorne folgt der zweite Knoten, welcher bei der Nummer 2 zu sehen ist. Der erste Knoten ist an der Mutterpflanze. Nummer 3 zeigt das zweite Internodium. Auf dieses folgt bei Nummer 4 ein weiterer Knoten. Bei der Lolium perenne-Sorte „CSI- 1“ konnten am 8. Dezember 38 Graspflanzen mit Ausläufern nachgewiesen werden. Die Ausläufer wuchsen rings um die Mutterpflanze. Es gab in der Regel nur jeweils zwei Knoten mit einem Internodium. Die durchschnittliche Länge der Internodien betrug 8,7 mm. Ausläufer mit drei Knoten und zwei sichtbaren Internodien (Abbildung 6), gab es nur ganz vereinzelt. Bei der Sorte „ESQUIRE“ wurden drei Graspflanzen mit zwei bis fünf Internodien gezählt. Diese Internodien waren durchschnittlich 7,5 mm lang. Bei „CSI-3“ ließen sich 76 Gräser mit Ausläufern erkennen. Die Internodien sind auch bei dieser Sorte regelmäßig rings um die Mutterpflanze. Die Länge betrug hier im Durchschnitt 8,5 mm. Bei der Sorte „PASSION“ gab es eine Pflanze mit drei Internodien mit einer durchschnittlichen Länge von 6 mm. In Abbildung 7 sind die Anzahl Ausläufer jeder Lolium perenne-Sorte dargestellt.


Entwicklung des Gefäßversuchs
Die Einzelpflanzen von den Lolium perenne-Sorten wurden am 13. Juni angesät. Am 9. Juli wurden von jeder Sorte 10 Versuchs-Pflanzen ausgewählt. Von diesen 40 Versuchs-Pflanzen ging bis am Schluss keine ein. Die Schnitthöhe war auf 25 mm festgelegt worden. 

Abb. 6: Lolium perenne „CSI-1“ mit Ausläufer am 8. Dezember 2014.
Abb. 7: Anzahl der Pflanzen mit und ohne Ausläufern bei Lolium perenne-Sorten im Freilandversuch.
Abb. 8: Anzahl der Pflanzen mit und ohne Ausläufer bei Lolium perenne-Sorten im Gefäßversuch.

Der Wuchs-Typ war bis am 8. Dezember bei der Sorte „ESQUIRE“ und „PASSION“ horstartig. Bei den beiden „CSI“-Sorten wich der Wuchs-Typ leicht von der horstbildenden Form ab. Bei der Sorte „CSI-1“ konnten von 10 Pflanzen drei, bei „CSI-3“ eine Pflanze gezählt werden, die im Zeitraum 8. November bis 8. Dezember Ausläufer gebildet hatten. Die Sorte „CSI-1“ hatte bei den drei Pflanzen rings um die Mutterpflanze Internodien. Die durchschnittliche Länge dieser Internodien maß 5 mm. Bei „CSI-3“ konnten bei der einen Pflanze auch Internodien diagnostiziert werden. Die 6 mm langen Internodien waren um die Mutterpflanze herum verteilt. Abbildung 8 gibt eine Übersicht über die Lolium perenne- Sorten des Gefäßversuchs mit und ohne Ausläufer.

Im Gefäßversuch haben sich nur bei den „CSI“-Sorten Ausläufer entwickelt. In Tabelle 5 sind die durchschnittlichen Triebe mit und ohne Ausläufer von „CSI-1“ und „CSI-3“ aufgeführt. Bei Lolium perenne „CSI-1“ existieren rund 20% Triebe mit Ausläufern. Lolium perenne „CSI-3“ weist sogar noch 15% mehr auf als „CSI-1“.

Das Wurzelsystem war von Beginn an bei allen 40 Versuchs-Pflanzen etwa gleich gut entwickelt. Nach acht Wochen, am 6. August, kamen an der Unterseite der Gefäße weiße Wurzeln zum Vorschein, deren Länge unterschiedlich ausfiel. Bei der Sorte „CSI-1“ betrug die Wurzellänge 5-10 mm, bei „ESQUIRE“ 2-5 mm und bei „CSI-3“ 10-20 mm. Bei der Sorte „PASSION“ konnten die längsten Wurzeln mit 20- 25 mm ausgemacht werden. Fünf Wochen später, am 9. September, konnte man die Töpfe umdrehen ohne dass Substrat herausfiel. Dieses Resultat spricht für die gute Qualität des eingebauten Substrates. Das Wurzelwerk hat sich anschließend bei allen Lolium- Sorten noch weiter entwickelt, so dass sich nach weiteren vier Wochen, am 6. Oktober, an der Unterseite der Gefäße viele weiße Wurzelfäden miteinander verbunden hatten.

Tab. 5: Anzahl Triebe pro Pflanze mit/ohne Ausläufer beim Wuchs-Typ Lolium perenne „CSI“.

Diskussion
Die Ergebnisse der Neuansaat im Freiland zeigten Unterschiede zwischen den vier verschiedenen Sorten auf. Beim Auflaufen im Juni waren die Ausläufer bildenden Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ bis zu zwei Tage schneller als die herkömmlichen Sorten „ESQUIRE“ und „PASSION“. Bei den Ergebnissen im Freiland ist speziell hervorzuheben, dass bei „CSI-1“ am meisten Jungpflanzen abgestorben sind, nämlich acht Pflanzen mehr als bei „CSI-3“, welche von allen vier Sorten die wenigsten Ausfälle zeigte.

Hier wird bereits deutlich, dass die beiden „CSI-Sorten“ deutliche Unterschiede aufweisen. Dieses verschiedenartige Verhalten zeigt sich auch später beim Deckungsgrad und bei der Ausläuferbildung.

Die Raseneigenschaften gemäß Produkt- Flyer von „ESQUIRE“ und „PASSION“ deckten sich im Großen und Ganzen mit den Beobachtungen. Bei der Blattfarbe gab es nur minimale Abweichungen. Bei der Blattstruktur wurden alle vier Lolium perenne-Sorten als fein beschrieben. Die Sorte „PASSION“ zeigte aber eine mittlere bis gröbere Blattstruktur auf. Es wurde bestätigt, dass die Sorte „ESQUIRE“ über einen schnellen Aufwuchs verfügt. Die Sorte „PASSION“ wird mit einem mittelschnellen Wachstum beschrieben. Im Versuch war sie jedoch am schnellsten. Es trifft zu, dass der Aufwuchs der beiden „CSI“-Sorten sehr langsam ist. Hier wurde eine Verringerung um 30% im Vergleich zu herkömmlichen Lolium perenne- Sorten ermittelt. Alle vier Sorten zeigten eine gute Krankheitsresistenz sowie einen guten Vegetationsaspekt.

Bezüglich der Narbendichte konnten die Erwartungen für die Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ nicht erfüllt werden. Bei gleicher Anzahl an eingesetzten Grasfrüchten (Samen) zeigte sich folgendes Bild: Von Beginn an bis einen Monat vor Versuchsende verfügte die Sorte „CSI-3“ immer über den höchsten Deckungsgrad aller vier geprüften Sorten. Ab diesem Zeitpunkt konnte jedoch die Sorte „PASSION“ aufschließen, und dies, obwohl sie um einiges später aufgelaufen war. Bei „CSI-1“ hingegen entwickelte sich die Narbendichte nur sehr spärlich. In der Mitte der Versuchsperiode wies sie sogar mit Abstand den niedrigsten Deckungsgrad auf. Gegen Ende des Versuchs konnte sie zwar mit „ESQUIRE“ gleichziehen, lag aber immer noch unter den Werten von „CSI-3“ und „PASSION“.

Die ersten Ausläufer konnten erst nach sechs Monaten nachgewiesen werden, dieses Resultat war ernüchternd. Für die Sorte „CSI-3“ mit 76% Pflanzen mit kurzen Ausläufern konnte man noch zufrieden sein, dagegen enttäuschte die Sorte „CSI-1“ mit 37% Ausläuferanteilen. Überraschenderweise wurden bei „ESQUIRE“ drei Pflanzen mit kurzen Ausläufern gezählt bei „PASSION“ eine. Weshalb das so ist, bleibt unerklärlich.

Da die Erwartungen bezüglich Ausläuferbildung gerade bei der Sorte „CSI-1“ nicht erfüllt wurden, sollte ein längerer Beobachtungszeitraum für derartige Entwicklungen genutzt werden. Vor diesem Hintergrund wurden die Freilandversuche in 2015 fortgeführt und im Oktober bonitiert. Diese zusätzlichen Ergebnisse sind in Tabelle 6 und in den Abbildungen 9 und 10 dargestellt.

Tab. 6: Durchschnittliche Anzahl der Nodien (Knoten) pro Trieb und durchschnittliche Längen der Ausläufer bei vier Lolium perenne-Sorten im Freilandversuch am 31. Oktober 2015.
Abb. 9: Anzahl der Triebe mit und ohne Ausläuferbildung im Freilandversuch 2015.
Abb. 10: Lolium perenne-Sorte „CSI-3“ mit 9 Nodien und 8 Internodien (Oktober 2015).

Die Erkenntnisse aus dem Gefäßversuch bestätigten für die Sorten „ESQUIRE“ und „PASSION“ dass sie 100% horstbildend und dementsprechend ohne Ausläufer wuchsen. Bei der Sorte „CSI-1“ konnten bei 30%, bei der Sorte „CSI-3“ bei 10% der Jungpflanzen kurze Ausläufer beobachtet werden. Vergleicht man die Ergebnisse aus dem Freiland mit den Gefäßversuchen so kommt man zu deutlichen Abweichungen. Was könnten die Gründe dafür sein? Möglicherweise hat es etwas mit der Schnitthöhe oder eventuell mit dem Walzen zu tun. Beim Freilandversuch wurde ab dem fünften Monat regelmäßig gewalzt. Dies war natürlich im Gefäßversuch nicht möglich. Die Schnitthöhe auf der Freilandfläche betrug 16 mm, beim Gefäßversuch 25 mm. Nach SHERRATT et al. (2010), hatte jedoch die Schnitthöhe auf die Bildung von Ausläufern keinen Einfluss.

Die unterschiedliche Anzahl der Ausläufer bei den Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ im Gefäßversuch bestätigt den Unterschied zwischen den Sorten.

Nach LUNG (2015) wird die Sorte „CSI“ in den USA „CSI-Rye“ genannt. In Europa soll diese Sorte ab 2015 unter der Bezeichnung „NEW ORLEANS“ vermarktet werden. Seit der Saison 2012 wird in der Schweiz die Sorte „NEW ORLEANS“ bei der Firma Fenaco in der Nachsaatmischung angeboten (SCHENK, 2015). Als Fazit lässt sich feststellen, dass die Lolium perenne-Sorte „CSI-1“ in Bezug auf die untersuchten Eigenschaften keine Verbesserung gegenüber der bekannten Sorte „ESQUIRE“ aufwies. Bemerkenswert an „CSI-1“ waren das schnelle Auflaufen im Juni und das insgesamt langsame Wachstumsverhalten.

„CSI-3“ und „PASSION“ haben insgesamt gute Resultate erzielt. Bei Bedarf eignen sich diese Sorten für den Golfplatz.

Nachtrag mit Versuchs-Bonitur 2015
Aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisse bezüglich Ausläuferbildung, wurde der Freilandversuch in der Vegetationszeit 2015 fortgeführt und im Oktober bonitiert. Einige Ergebnisse werden hier als Nachtrag angefügt.

Die Sorte „CSI-3“ lieferte die größte Anzahl an Trieben mit Ausläuferbildung. Jeder zweiter Trieb zeigte die Form eines Ausläufers. Die Sorte „CSI- 1“ hatte nur halb so viel Ausläufer. Ende 2015 zeigten die Sorten „ESQUIRE“ und „PASSION“ ähnlich viele Ausläufer wie „CSI-1“. Ein derartiges Ergebnis war nicht zu erwarten; denn im Jahr 2015 wurde auf das Walzen der Versuchsfläche verzichtet.

Die größte Ausläuferzahl nach 16 Monaten Beobachtungzeitraum wurde bei der Sorte „CSI-3“ festgestellt. In der Abbildung 10 wurden neun Nodien und acht Internodien ermittelt.

Eine abschließende Übersicht zur mittleren Anzahl der gebildeten Knoten eines Ausläufers und der durchschnittlichen Gesamtlänge liefert Tabelle 6. Die Mittelwerte basieren auf fünf Pflanzen je untersuchte Sorte. Nach dem verlängerten Beobachtungszeitraum überrascht das Ergebnis für die Sorte „CSI-1“ mit den meisten Nodien und den längsten Ausläufen.

Zusammenfassung
In dem Praxisversuch wurden Lolium perenne-Sorten hinsichtlich ihrer Ausläuferbildung und Raseneigenschaften verglichen. Der Versuch wurde auf dem Golfplatz Blumisberg im Zeitraum Juni bis Dezember 2014 als Freiland- und Gefäßversuch durchgeführt. Folgende Ergebnisse konnten erzielt werden:

  • Unterschiede zwischen den vier Lolium perenne-Sorten wurden deutlich sichtbar. Es zeigte sich, dass die Ausläufer treibenden Lolium perenne-Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ um drei Tage schneller aufliefen als die herkömmlichen Lolium perenne-Sorten „ESQUIRE“ und „PASSION“. Jedoch mussten bei den beiden „CSI“-Sorten nach knapp einem Monat einige Pflanzen mehr durch Setzlinge ersetzt werden. Über den gesamten Zeitraum betrachtet wurden dann jedoch von der Sorte „CSI-3“ am wenigsten Ersatz-Setzlinge benötigt. Bei „ CSI-1“ sah es genau anders aus. Hier musste ein Viertel der gesamten Pflanzen ersetzt werden.
  • Bei den Sorten „CSI-1“ und „ CSI-3“ konnte eine ausgeprägt feinere Blattstruktur als bei „ESQUIRE“ und „PASSION“ festgestellt werden. Dafür verfügten diese beiden Sorten über einen schnelleren Aufwuchs. Bei der Krankheitsanfälligkeit konnten bis auf den Schneeschimmelbefall keine markanten Unterschiede ausgemacht werden. In Bezug auf Schneeschimmel war „CSI-3“ am anfälligsten von allen vier Lolium- Sorten.
  • Beim Deckungsgrad lag „CSI-3“ von Anfang an bis einen Monat vor Versuchsende vorne. Ab dann hatte die Sorte „PASSION“ aufschließen können. Bis zum Versuchsende waren die beiden Deckungsgrade gleich.
  • Bei den Ausläufer treibenden Sorten „CSI-1“ und „CSI-3“ konnten sowohl beim Freilandversuch als auch beim Gefäßversuch Ausläufer festgestellt werden. Im Gefäßversuch bildeten 3 von 10 „CSI-1“-Pflanzen Ausläufer. 20% aller Triebe waren Ausläufer. „CSI-3“ kam auf einen Wert von 35%. Im Freilandversuch wurden auch bei den Standard Lolium perenne-Sorten „ESQUIRE“ und „PASSION“ vereinzelt Ausläufer beobachtet. Im Gefäßversuch konnte dies nicht dokumentiert werden.

Literatur
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Autorin:
Franziska Iten
Geprüfte Head-Greenkeeperin
Fachagrarwirtin Golfplatzpflege
Golfplatz Entfelden, Schweiz

Bearbeitet von:
Dr. Klaus G. Müller-Beck
Ehrenmitglied Deutsche Rasengesellschaft e.V.
klaus.mueller-beck (at) t-online.de

 

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