Kosten-/Nutzenanalyse Fremdvergabe Tiefenlockerung*

Wirtschaftlichkeitsprüfung bei der Regenerationspflege

* Auszug aus der praxisbezogenen Aufgabe (Hausarbeit) „Kosten-/Nutzen­analyse Beurteilung einer Fremdvergabe der Regenerationsmaßnahme „Tiefenlockerung“ auf Golf-Spielbahnen“ für die Fortbildungsprüfung zum Geprüften Head-Greenkeeper Golfplatzpflege an der DEULA Rheinland, 2012, von Andreas Obermeier

 

Einleitung

Neben den Golfgrüns und den Abschlägen haben die Spielbahnen (Fairways) einer Golfanlage den höchsten Stellenwert. Diese speziellen Rasenflächen sollten zu jeder Zeit während der Golfsaison, außer bei bestehenden Frostperioden oder Schneelagen voll funktionsfähig sein. Laut Richtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL, 2008) sollen Fairways auch bei feuchter Witterung durch Pflegegeräte und Spieler belastbar sein. Ebenso muss die Rasendecke auf der gesamten Fläche geschlossen sein, um einen einwandfreien Golfschlag ausführen zu können.

 

Neben der Grundpflege (Mähen, Düngung, Beregnung) und der Erhaltungspflege (Striegeln, Schlitzen, Vertikutieren und Aerifizieren) ist die Regenerationspflege mit der Maßnahme „Tiefenlockerung“ unumgänglich. Nachdem die Grund- und Erhaltungspflege bereits großen Zeitaufwand und hohe Maschinenkosten für eine Golfanlage bedeuten, stellt sich die Frage, ob die Regenerationspflege wegen der zusätzlichen Maschinenkosten und des Personalaufwands in Eigenleistung erfolgen soll oder ob eine Fremdvergabe an eine Pflegefirma für die Platzpflege sinnvoller ist.

 

Bei einem entsprechenden Maschinenpark und ausreichenden Mitarbeitern, sind Dienstleistungsunternehmen in der Lage, die Regenerationspflege und mögliche Renovationsarbeiten zeitnah auf einer Golfanlage auszuführen.

 

Regenerationsmaßnahme „Tiefenlockerung“ – Erläuterungen zur Problematik

Anhaltender Spielbetrieb und der Einsatz von Pflegemaschinen bei jeder Wetterlage können größere Verdichtungen auf den Fairways einer Golfanlage zur Folge haben. Diese Verdichtungen führen zu einer physikalischen, chemischen und biologischen Veränderung der Boden­eigenschaften (HARTGE und HORN, 1991; KAMP und BOS, 2006; MENGEL, 1984; SCHEFFER und SCHACHTSCHSCHABEL, 1979). Sie können je nach Bodenart und Nutzungsintensität unterschiedlich stark ausgeprägt sein und viele verschiedene Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der auf dieser Fläche existierenden Pflanzen- und Tierwelt haben. Bei Bodenverdichtungen werden in erster Linie die luftführenden und dränfähigen Grobporen zusammengedrückt, so dass kein Gasaustausch (Bodenatmung) mehr stattfindet und Staunässe auftreten kann. Die luftführenden Grobporen sind entscheidend für die Atmung der Pflanzenwurzeln und Mikroorganismen im Boden, sowie für die Aufnahme von Nährstoffen.

Tab. 1: Auswirkungen von Bodenverdichtungen und Staunässe auf die Bodeneigenschaften, ALBRACHT und NONN (2009).

 

Reichen diese Verdichtungen bis in tiefere Bodenschichten, genügen die üblichen Aerifiziermaßnahmen nicht mehr, um den Boden zu lockern. Hier führt eine Tiefenlockerung mit einem Spezialgerät (z.B. VertiDrain oder TerraSpike) nachweislich zu einer besseren Wasserdurchlässigkeit und zur Optimierung der Durchwurzelung des Bodens (Abbildung 1; MÜLLER-BECK, 1977).

 

Bei der Regenerationsmaßnahme „Tiefenlockerung“ werden die Verdichtungen im Boden je nach Arbeitswerkzeug bis zu 40 cm mit sogenannten Vollmeißeln aufgebrochen (Abbil­dung 2).

Abb. 1: Veränderung der Wurzelmasse (5-10 cm Tiefe) in Abhängigkeit vom Anteil an schnell dränenden Grobporen >50µm, MÜLLER-BECK (1977). (Grafik: K.G. Müller-Beck)
Abb. 2: Traktor mit Tiefenlockerungsgerät. (Foto: K.G. Müller-Beck)
Abb. 3: Winkelbewegung (Brechwinkel).

Durch den variablen Brechwinkel der Lockerungswerkzeuge wird der verdichtete Boden zwischen den Einstichlöchern der Vollmeißel gelockert. Die Vollmeißel öffnen den Boden beim Einstich durch Verdrängung (Abbildung 3).

 

Die Häufigkeit der Durchführung dieser Maßnahme hängt von der Nutzungsintensität der Rasenflächen und der Bodenart ab. Böden mit hohem Anteil an Sand und Kies sind robuster und widerstandsfähiger gegen Belastung und Verdichtung als Feinböden. Messungen mit einem Handpenetrometer (Messung des Verdichtungsgrades) geben Aufschluss darüber, wann eine Tiefenlockerung erforderlich ist (NEUKAMP, 1995). Ein Handpenetrometer bietet sich wegen seiner relativ einfachen Mess- und Auswertetechnik für die Praxis an.

 

Zielsetzung der Vergleichsmaßnahmen

Ziel einer Kosten-/Nutzenanalyse ist es, die Wirtschaftlichkeit der ­Re­generationsmaßnahme „Tie­fenlockerung“ zu erfassen. Dabei soll ermittelt werden, ob die Fremdvergabe oder die Eigenleistung dieser Maßnahme für eine Golfanlage sinnvoller ist. Am Beispiel der 9-Löcher-Anlage (Golf- und Land Club Werdenfels) und einer 18-Löcher-Anlage (Golfclub Grasbrunn) sollen die Kosten für die Eigenleistung und die Fremdvergabe an eine Pflegefirma gegenübergestellt werden.

 

Häufig wird die Regenerationspflege aus Kostengründen oder wegen des Eingriffs in den Spiel- und Turnierbetrieb verschoben oder aus dem Pflegeplan gestrichen. Zeitgerechte Regenerationsmaßnahmen fördern die Funktionsfähigkeit von belasteten Rasenflächen. Zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der Lebensbedingungen dieser Funktionsflächen sind regelmäßige Bodenlockerungsmaßnahmen erforderlich (BÜRING, 1995; KOLB, 1992).

 

Je nach Nutzungsintensität und der Bodenarten ist eine Tiefenlockerung auf Fairways jährlich bzw. alle 2-3 Jahre erforderlich. Diese Pflegeintervalle kann jede Golfanlage durch die Entnahme von Bodenproben und der Messung des Verdichtungsgrades für sich selbst festlegen. Sinnvoll ist es für die Fairways, wie auch bei den Grüns und Abschlägen ein Pflegemanagement zu erstellen. Pflegemaßnahmen können frühzeitig angekündigt werden und der Spiel- und Turnierbetrieb ist so besser darauf vorbereitet. Ein Pflegemanagement, das über mehrere Jahre voraus geplant ist und die daraus anfallenden Kosten, machen es für eine Golfanlage einfacher, die erforderlichen Investitionen zu tätigen.

 

Versuchsanlagen

Golf- und Land Club Werdenfels

Die Golfanlage Werdenfels befindet sich am südlichen Ortsrand von Burgrain, ca. zwei Kilometer von der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen entfernt. Sie besteht aus einer 9-Löcher-Turnier-Anlage und einem 3-Löcher-Kurzplatz mit den dazugehörigen Übungseinrichtungen wie Driving-Range, Putting-Grün und einem im Jahr 2011 neu angelegten Chipping-Bereich. Die Golfanlage wurde im Jahr 1930 gebaut und zählt zu den ältesten Golfanlagen in Deutschland. Der Golfclub hat etwa 450 Mitglieder und wird auch von den vielen Touristen dieser Region genutzt.

 

Die durchschnittliche Spielfrequenz der letzten Jahre liegt bei ca. 12.000 Golfrunden pro Jahr. Die Golfanlage besitzt einen großen und relativ alten Baumbestand zwischen allen Spielbahnen, was dem Platz das Aussehen einer Parklandschaft verleiht. Die Gesamtfläche der Golfanlage beträgt ca. 35 Hektar. Die Fairways, die mit örtlichem Oberboden aufgebaut wurden, haben eine Fläche von ca. 7 Hektar. Diese Größe wird für die Kosten-/Nutzenanalyse verwendet. Die Saisonunterbrechung im Winter kann aufgrund der Höhenlage (ca. 700 bis 730 m über NN) und der großen Schneemengen zwischen vier und fünf Monate betragen.

Abb. 4: Spielbahn 8 Golf- und Land Club Werdenfels.
Abb. 5: Spielbahn 13, Golfclub Grasbrunn.

Golfclub Grasbrunn

Die Golfanlage Grasbrunn liegt am südöstlichen Ortsrand von Harthausen, ca. 20 km östlich von München. Neben einer 18-Löcher-Turnier­anlage und einem 3-Löcher-Kurzplatz verfügt die Anlage über eine großzügige Driving-Range, zwei Putting- sowie über ein Chipping- und ein Pitching-Grün. Die Spielbahnen 1-9 wurden 1993 gebaut, die Spielbahnen 10-18 wurden 2003 fertiggestellt. Die Mitgliederzahl liegt bei ca. 600 Golfspielern. Durch die Nähe zur Großstadt München und zahlreiche Golfclubs im Umkreis liegt die Rundenzahl pro Jahr bei ca. 20.000 Golfspielern, da sehr viele Gastspieler die Golfanlage besuchen. Die Gesamtfläche beträgt ca. 65 Hektar, davon sind ca. 13 Hektar Fairwayfläche.

 

Typisch für diese Landschaft sind die zumeist lehmhaltigen Oberböden und die darunter laufenden Kiesschichten, bei denen das Niveau des Grundwasserspiegels sehr tief liegt. Das gesamte Gelände der Golfanlage liegt zwischen 580 und 600 m über NN, es ist sehr eben und weist nur leichte Neigungen auf, die beim Bau der Golfanlage geschaffen wurden.

 

Die Nordstaulagen an den Alpen wirken sich bis in den Münchner Raum aus und so liegt die Niederschlagsmenge mit ca. 1.100 mm pro Jahr relativ hoch.

 

Kostenermittlung bei der Eigenleistung

Die Kosten für die Regenerationsmaßnahme „Tiefenlockerung“ (Tabellen 2 und 3) auf den Golfanlagen Werdenfels (9-Löcher-Anlage) und Grasbrunn (18-Löcher-Anlage) wurden anhand folgender Daten ermittelt:

 

  • Traktor (Mindestleistung 65 PS): Anschaffungspreis 60.000,00 €
  • Tiefenlockerungs­gerät: Anschaffungspreis 20.000,00 €
  • 1 Fachkraft: Stundenlohn 19,30 €
Tab. 2: Bearbeitungskosten 9-Löcher-Anlage (Eigenleistung).
Tab. 3: Bearbeitungskosten 18-Löcher-Anlage (Eigenleistung).

Kostenermittlung bei einer Fremdvergabe

Die Kosten für die Fremdvergabe der Regenerationsmaßnahme „Tiefenlockerung“ an ein Dienstleistungsunternehmen liegen nach Angebotslage bei 1.200,00 Euro pro Hektar (Angaben Engelmann Geschäftsführung, Stand Januar 2012). Die erhobenen Daten für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Eigenleistung und Fremdvergabe sind in den Tabellen 4 und 5 dargestellt.

Tab. 4: Kostenvergleich 9-Löcher-Anlage – G&LC Werdenfels (Fairwayfläche ca. 7 ha).
Tab. 5: Kostenvergleich 18-Löcher-Anlage – GC Grasbrunn (Fairwayfläche ca. 13 ha).

Diskussion

Mit der Kosten-/Nutzen­analyse sollte dargestellt werden, inwieweit Vorteile bei der Fremdvergabe oder bei der Eigenleistung der Regenerationsmaßnahme „Tiefenlockerung“ auf Fairwayflächen aus wirtschaftlicher Sicht erzielt werden können.

 

Da die notwendigen Spezialmaschinen einen größeren Kapitalbedarf erfordern, diese Geräte aber in der Regel nur selten zum Einsatz kommen, belasten sie das Maschinenbudget erheblich. Ebenso geht aus der Maschinenkosten-Kalkulation hervor, dass besonders bei kleineren Golfanlagen (9-Löcher-Anlagen) die Maschinenkosten bei einer Eigenleistung deutlich höher sind als die Gesamtkosten bei einer Fremdvergabe.

 

Die Personalkosten sind für diese Regenerationsmaßnahme vergleichbar gering. Zu beachten ist auch, dass die Maßnahme einer Tiefenlockerung nicht jedes Jahr zwingend notwendig ist (Boden, Spielfrequenz, Platzqualität). Die Maschinenkosten (fixe Kosten) hat der Platzbetreiber aber trotzdem zu tragen. Dies könnte die Kostenbetrachtung für eine Tiefenlockerung noch weiter erhöhen. Am Beispiel der beiden unterschiedlichen Golfanlagen wurde deutlich, dass mit der Fremdvergabe der Maßnahme „Tiefenlockerung“ ein erhebliches Einsparungspotenzial bei den Kosten zu verzeichnen ist.

 

Ebenso entfällt das Risiko von Maschinenausfällen und den daraus anfallenden Reparaturkosten. Ein weiterer Vorteil bei der Fremdvergabe ergibt sich aus dem Wegfall der Maschinenunterbringung in der Halle. Oft sind die Flächen der Maschinenhallen zu klein gewählt oder es handelt sich um Gebäude, die zu einer Maschinenhalle umfunktioniert wurden, in denen aber große Maschinen keinen Platz finden und somit nur ein Platz im Freien zur Verfügung steht. Dies ist für die Funktionsfähigkeit derartiger Spezialgeräte nicht gerade förderlich.

 

Ein weiterer Punkt, der für die Fremdvergabe spricht, liegt darin, dass die normale Platzpflege der Golfanlage ohne Einschränkungen durchgeführt werden kann. Die Regenerationsmaßnahme würde ansonsten von einem Platzarbeiter übernommen, der dann jedoch je nach Fläche der Golfanlage mindestens für ein bis zwei Wochen nicht für den normalen Pflegebetrieb eingeteilt werden kann. Fällt in dieser Zeit eine weitere Arbeitskraft aus (z.B. Krankheit/Urlaub) wird es vermutlich problematisch, die tägliche Platzpflege und die Regenerationsmaßnahme gleichzeitig durchzuführen.

 

Will man diese Einschränkungen durch die Maßnahme möglichst gering halten, so könnte bei der Fremdvergabe die Tiefenlockerung mit zwei Geräten (Traktor und Tiefenlockerungsgerät) ausgeführt werden. Spezialisierte Dienstleistungsunternehmen können oftmals die modernsten Maschinen mit höheren Flächenleistungen zur Verfügung stellen, dadurch kann eine Maßnahme zügig durchgeführt werden, damit der geordnete Spielbetrieb schneller wieder aufgenommen werden kann.

 

Besitzt eine Golfanlage die notwendigen Maschinen für eine Tiefenlockerung, so ist sie flexibler beim Arbeitstermin als bei einer Fremdvergabe. Bei einer Eigenleistung ist der Betreiber an keinen festen Termin gebunden und man kann in dieser vereinbarten Zeit schneller auf plötzlich auftretende Ereignisse (z.B. Witterungseinflüsse, Turniere) reagieren. Ebenso ist die Möglichkeit gegeben, auch während einer Golfsaison bestimmte Teilflächen kurzfristig zu bearbeiten und kann so auch unvorhergesehene Probleme sofort lösen. Sicherlich ist es für eine Pflegefirma schwierig, jeden gewünschten Termin einzuhalten, um diese zeitaufwändige Regenerationsmaßnahme auszuführen.

 

Abgesehen von der Kostenbetrachtung müssen die individuellen Bedingungen einer Golfanlage bei der Festlegung der Ziele berücksichtigt werden, damit die beste Lösung für die Mitglieder und den ordnungsgemäßen Spielbetrieb gefunden werden kann.

 

Literatur

ALBRACHT, R. und H. NONN, 2009: Aerifizieren – Luft für Boden und Pflanze, Greenkeepers Journal 3/09, 29-34.

BÜRING, W., 1995: Bodenverdichtung auf Golfgrüns. Greenkeepers Joumal 1995, 21-23.

ENGELMANN, C., 2012: Mündl. Mitteilung.

FLL, 2008: Richtlinie für den Bau von Golfplätzen, FLL Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V, Bonn.

HARTGE, K.H. und R. HORN, 1991: Einführung in die Bodenphysik, 2. Auflage, Verlag Enke, Stuttgart, 303 S.

KAMP, H. und E. BOS, 2006: Grasvelden. IPC Groene Ruim­te, Arnhem, 352 S.

MENGEL, K., 1984: Ernährung und Stoffwechsel der Pflanze. 6. Auflage, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 431 S.

MÜLLER-BECK, K.G., 1977: Sportplätze aus der Sicht des Bodenaufbaus und des Pflanzenbestands, Diss. Uni Bonn, 179 S.

NEUKAMP, M. 1995: Vorhersage von Bodenbeeinflussungen auf der Grundlage computergestützter Berechnungsmodelle. In „Bodenverdichtungen“ (KTBL, ed.), Vol. Schrift 362, Darmstadt.

SCHEFFER, F. und P. SCHACHTSCHNABEL, 1979: Lehrbuch der Bodenkunde, 10. Auflage, Verlag Enke, Stuttgart, 394 S.

 

Autor: Andreas Obermeier, Gepr. Head-Greenkeeper

 

Bearbeitung: Dr. Klaus G. Müller-Beck, Ehrenmitglied DRG und GVD, E-Mail: klaus.mueller-beck­@­t-online.de 

 

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