Aspekte der Gräserernährung

124. DRG-Rasenseminar – Mai 2017

Einleitung

Die Referenten des Frühjahrsseminars der Deutschen Rasengesellschaft beschäftigten sich im Mai 2017 in Fulda mit der Thematik der Wirkung von Nährstoffen zur Gräserernährung. Unterschiedliche Gesichtspunkte der Gewinnung und Aufbereitung sowie der Wirkung wichtiger Elemente bei der Versorgung mit Mineralstoffen wurden angesprochen. Einige interessante Aussagen und wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Vorträgen werden in diesem Beitrag zusammenfassend dargestellt.

 

Den Mitgliedern der DRG stehen die Vortrags-Handouts im Login-Bereich der Homepage www.rasengesellschaft.de zum Download zur Verfügung.

 

Vorträge in der Übersicht

1. Thema:

„Wirkung der Pflanzennährstoffe K, Mg und S auf das Pflanzenwachstum unter sich ändernden Umweltbedingungen“.

Referentin: Dr. Heike Thiel, Agronomy & Advisory, K+S Kali GmbH, Kassel.

 

Die Referentin stellte zunächst das IAPN vor (Institute of Applied Plant Nutrition). Hier beschäftigt man sich schwerpunktmäßig, vor dem Hintergrund des Klimawandels, mit dem Einfluss der Düngung auf die Stresstoleranz der Pflanzen. Ein Hauptaspekt ist die Verbesserung der Wassernutzungseffizienz und Trockenstresstoleranz von landwirtschaftlichen Kulturen. Die Grundprinzipien der Nährstoffwirkung lassen sich durchaus auf die Gräser übertragen.

 

So werden für das Nährelement Kalium u. a. folgende Eigenschaften und Funktionen in der Pflanze beschrieben:

  • Kalium ist wichtig für die Bildung von Kohlenhydraten und deren Transport in die Ähren oder in den Wurzelbereich.
  • Kalium ist wichtig für die Regulation der Stomata und damit für die Photosyntheseleistung.
  • Kalium ist wichtig für eine produktive Wasserausnutzung und die Minderung von Trockenstress.
  • Kalium ist wichtig für die Funktion der Chloroplasten und somit für die Phostosyntheseleistung.
  • Kalium ist wichtig für die natürliche Widerstandskraft gegen Krankheiten, Schädlinge und Frost.

 

Für das Nährelement Magnesium werden u.a. folgende Leistungen und Funktionen in der Pflanze beschrieben:

  • Magnesium ist wichtig für die Photosynthese und somit für die Umwandlung von Energie in Ertrag. Mg ist das Zentralatom des Chlorophylls.
  • Magnesium ist wichtig für die Synthese von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen und deren Transport im Blatt.
  • Magnesium ist wichtig für die Stress­toleranz der Pflanze, z. B. gegenüber Sonneneinstrahlung. Mg-Mangel macht Blätter lichtempfindlich.
  • Magnesium ist wichtig für die Funktion von zahlreichen Enzymen und damit für viele Stoffwechselprozesse.
  • Magnesium ist wichtig für die RNA-Bildung und damit für die Umsetzung der genetischen Information in Proteine verantwortlich.

Eine klare Aussage der Referentin lautete: „Die Gräser benötigen für die Produktion von Blattmasse mit einem ausreichenden Chlorophyllgehalt sowie für die Entwicklung eines verzweigten Wurzelwerks eine angemessene Versorgung mit den Nährstoffen Kalium und Magnesium.

 

2. Thema:

„Natürliche mineralische Düngung von K, Mg und S – praktischer ­Nutzen im Pflanzenbau“.

Referent: Matthias Schulze, Sales & Marketing Fertilizer Europe, K+S Kali GmbH, Kassel.

Die Kalilagerstätten in Deutschland entstanden vor mehr als 230 Millionen Jahren durch die Verdunstung des Zechsteinmeeres. Der Vorgang der Auskristallisierung von Kalium-, Magnesium- und Natriumsalzen wiederholte sich über die Jahrtausende, sodass zwei oder mehrere Kalilager übereinander entstanden. Im Laufe der jüngeren Erdgeschichte wurde das Salzlager dann von mächtigen Ablagerungen, vor allem Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper überdeckt. Die flachen, flözartigen Kalilager in Hessen und Thüringen, mit einer Mächtigkeit von ca. drei bis acht Metern, befinden sich in einer Tiefe von etwa 500 bis 1.000 Metern.

Vor diesem Hintergrund erläuterte M. Schulze die Aktivitäten des Unternehmens K+S zur bergmännischen Gewinnung der Rohsalze und Aufbereitung bis zum Spezial-Düngemittel.

 

Es wurde deutlich, dass aus dem natürlich anfallenden Rohmaterial nur ein begrenzter Anteil für die Düngerproduktion genutzt werden kann, der Wertstoffanteil liegt etwa bei 30 %. Aus diesem Grunde ist für die Entsorgung des Abraummaterials eine geeignete Halde erforderlich. Am Werk Werra konnten sich die Teilnehmer des DRG-Seminars einen Eindruck von den Dimensionen der Halde IV am Standort Wintershall direkt vor Ort verschaffen. Die Gesamtmenge der Aufhaldung liegt bei über 200 Mio. Tonnen und lag im Jahre 2015 bei > 7 Mio. Tonnen. Derzeit laufen umfangreiche Versuche zur Abdeckung und Begrünung der Halde, damit der Sickerwassereintrag reduziert werden kann. Am Haldenfuß wird salziges Wasser im Haldengraben aufgefangen, um es dann entsprechend sachgerecht zu entsorgen.

In seinen Ausführungen ging M. Schulze auch auf die Weltproduktion für Kalidünger ein und erläuterte die Position der K+S-Gruppe sowohl in Deutschland als auch mit dem Zukunftsprojekt in Kanada.

 

3. Thema:

„Alternative P-Quellen: Möglich­keiten und Pflanzenverfügbarkeit.“

Referent: PD Dr. Joachim Clemens, Kompetenzzentrum für Düngung und Sekundärrohstoffe e.V. (KDS), Bonn.

Phosphor ist ein Hauptnährstoff, dessen weltweite Vorräte in wirtschaftlich nutzbaren Lagerstätten am geringsten sind. Die Weltvorräte sind endlich und bei weiter steigendem Bedarf werden die Rohstoffpreise ansteigen. In Deutschland gibt es keine Phosphatlagerstätten, sodass Phosphat importiert werden muss. Aus diesem Grund ergibt sich die Frage, ob Sekundärstoffe bei der Phosphordüngung verwendet werden können. In Deutschland fallen aus Schlachtnebenprodukten ca. 20.000 t ­Phosphor im Jahr an, das Potenzial aus Klärschlamm wird auf ca. 48.000 t Phosphor pro Jahr geschätzt, der Mineraldüngerverbrauch beträgt ca. 110.000 t Phosphor (RÖMER, 2013).

 

Durch die Nutzung dieser Sekundärrohstoffe können die enthaltenen Nährstoffe wieder dem Nährstoffkreislauf zugeführt und die begrenzten Rohstoffvorräte geschont werden. Da die Sekundärphosphate jedoch überwiegend in wasserunlöslichen Formen vorliegen, sind Versuche erforderlich, um die Düngewirkung beurteilen zu können. Hier ist auch die Wirkung auf Rasenflächen interessant, da im Vergleich zu landwirtschaftlichen Kulturen der Phosphorbedarf geringer ist und auch eine langsame Nachlieferung den Bedarf decken könnte. J. Clemens, vom Kompetenzzentrum für Sekundärrohstoffe e.V., berichtete in seinem Referat über Ergebnisse aus Freilandversuchen mit verschiedenen P-Recyclingdüngern im Vergleich zu handelsüblichen Phosphatdüngern. Alle getesteten Düngemittel zeigten eine Düngewirkung, dabei lieferten Struvit und Calciumphosphit ähnliche Entzüge wie Superphosphat. Höhere Entzüge zeigte Fleischknochenmehl.

 

Die Schlussfolgerung lautete: „Recyclingprodukte scheinen herkömmliche P-Dünger im Rasensektor substituieren zu können, zumindest hinsichtlich der P-Verfügbarkeit.“

 

Die Versuche werden in 2017 fortgesetzt.

 

4. Thema:

„Natürlich organische N-Quellen: Wirksamkeit und die Herausfor­derung der Deklaration.“

Referent: Dr. Rainer Albracht, F&E Eurogreen GmbH, Betzdorf

Auf der Grundlage eines umfangreichen Versuches mit zahlreichen Produktvarianten aus dem Bereich der organischen Dünger, berichtete R. Albracht über die Düngewirkung auf Rasengräser.

 

Eine wichtige Erkenntnis war, dass bei den Düngergruppen mit tierischen bzw. pflanzlichen Bestandteilen deutliche Wirkungsunterschiede bestehen.

 

Ausführliche Daten und Ergebnisse zum Versuch werden in einem eigenen Beitrag vom Autor veröffentlicht.

Literatur

ALBRACHT, R., 2017: Natürlich organische N-Quellen: Wirksamkeit und die Herausforderung der Deklaration. Vortrags-Handout, 124. DRG-Rasenseminar.

CLEMENS, J., 2017:. Alternative P-Quellen: Möglichkeiten und Pflanzenverfügbarkeit. Vortrags-Handout, 124. DRG-Rasenseminar.

RÖMER, W., 2013: Phosphor-Düngewirkung von P-Recyclingprodukten. KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 60 Nr. 3: 202-215.

SCHULZE, M., 2017: Natürliche mineralische Düngung von K, Mg und S – praktischer Nutzen im Pflanzenbau. Vortrags-Handout, 124. DRG-Rasenseminar.

THIEL, H., 2017: Wirkung der Pflanzennährstoffe K, Mg und S auf das Pflanzenwachstum unter sich ändernden Umweltbedingungen. Vortrags-Handout, 124. DRG-Rasenseminar.

 

Autor: Dr. Klaus G. Müller-Beck | Rasen 03/2017

 

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