Wassernotstand auf Golfanlagen

Aus dem Extremsommer 2018 lernen

Das Frühjahr und der Sommer 2018 werden noch lange in Erinnerung bleiben. Der Norden und die Mitte Deutschlands waren dabei stärker betroffen als der Süden. Nur wer über ausreichend Wasserspeicher oder Grundwasservorräte verfügte, kam bei der Organisation der Golfplatzpflege etwas entspannter durch den Sommer. Je nach Anlage waren die Unterschiede sehr groß, vereinzelt musste die Beregnung komplett eingestellt werden, so dass es zum Totalausfall der Gräser kam.

Aber auch im Alpenvorland waren vereinzelt Wasserwagen (Traktoren mit Güllefässern) im Einsatz, um im letzten Moment zu helfen. Bei Tagesbedarfsmengen von ca. 200 m³ zum Erhalt der Grüns und Abschläge waren dabei 20 Tankwagen pro Tag notwendig.

 

Ein Totalausfall der Gräser wie in diesem Sommer führt jedoch zu erheblichen Einkommensverlusten und Wiederherstellungskosten, die bis zu einem mittleren sechsstelligen Bereich betragen können.

 

Regional bedingt kam es auch zu Trinkwasserengpässen in Deutschland; kleine Gemeinden, die nicht am Verbundnetz hängen, konnten aus einer kleinen Schürfung, Brunnen oder Wassergewinnungsanlage nicht genügend Wasser liefern. Auch bei den Gartenbetrieben war das Bewässern der Pflanzen und Rasenflächen stark angestiegen. Bei größeren Wasseranbietern, wie zum Beispiel Hessenwasser, die über ein großes Verbundnetz verfügen, war es bis Anfang September noch unproblematisch, da die Wasservorkommen ausreichend gefüllt waren.

Jeder Betreiber einer Golfanlage, der über ein eigenes Grundwasser-Monitoring verfügt, wird sehr gut wissen, wie die Grundwassersituation an seinem Standort ist. Betrachtet man die Grundwassersituation auf einer Referenzanlage in der Mitte Hessens, so lag der Grundwasserstand im Vergleich zu Ende ­August 2017 etwa 3 cm tiefer, bei einer weiteren Anlage in Hessen wurde sogar ein 5 cm höherer Messwert im Vergleich zum letzten Jahr gemessen. Bei jährlichen, jahreszeitlichen Schwankungen zwischen Frühjahr und Spätsommer von ca. 1 m Grundwasser waren die aktuellen Auswirkungen auf die Grundwassersituation extrem gering im Vergleich zu den Oberflächengewässern. Eine Ursache für die gute Grundwassersituation waren die überdurchschnittlichen Nie­derschläge vom ­August 2017 bis Januar 2018, die wesentlich für die gute Grundwassersituation verantwortlich sind. Anders sah es bei den Oberflächengewässern wie Flüssen, Bächen und Seen aus, hier waren die Schwankungen sowie die Niedrigwasserstände auf Grund der geringen Niederschläge im Frühjahr und Sommer 2018 deutlich sichtbar.

Speicherteiche

Die nachfolgenden Erläuterungen zeigen Probleme auf, die bei den klimatischen Ereignissen im Sommer häufiger auf Golf­anlagen auftreten können und sie zeigen auf, wie man sich als Betreiber besser auf einen reibungslosen Betrieb zum Thema Beregnungswasser vorbereiten kann.

Viele Teiche in den Golfanlagen hatten aufgrund der hohen Temperaturen Probleme mit einem verstärkten Algenwachstum so­wie überdurchschnittlichem Wachs­tum der Wasserpflanzen, die in Extremsituationen, bei hohen Nitrat- und Phosphatgehalten im Gewässer zur Eutrophierung führen können. Ausgelöst wird die Eutrophierung durch hohe Nährstoffe, die unter steigenden Temperaturen das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen fördern. In der Folge kann dann Sauerstoffmangel die Lebensgrundlage für viele andere Kleinlebewesen und Tiere (Fische) entziehen. Dies führt oft zum sofortigen Handlungsbedarf und Gewässer-Pflegemaßnahmen oder Maßnahmen zur Wasseraufbereitung müssen kurzfristig umgesetzt werden.

Nur ein Pulver in den Teich schütten, reicht nicht aus. Gewässer wie Gestaltungs- und Speicherteiche sowie Gräben bedürfen einer regelmäßigen Pflege, die im Gesamtpflegeplan einer Golfanlage berücksichtigt werden sollte. Gute Voraussetzungen für eine optimale Gewässerökologie werden bereits bei der Planung und dem Bau von Teichen gelegt. In einem Gewässer-Pflegeplan werden Arbeiten wie das Mähen der Teichränder, der Wasserpflanzen, der Saustoffzufuhr sowie die Kontrolle der Schlammdicke bis zur Entschlammung beschrieben.

Ein Mähen der Gewässer erfolgt mit speziell dafür ausgerüsteten Booten, die bis ca. 4 m unter Wasserspiegel Pflanzen mähen. Mit dem Seitenmähwerk können Schilf und andere Uferpflanzen, bis zu 3,50 m des Gewässerrandes gemäht werden. Die Arbeitsboote haben einen Tiefgang von 80 cm. Nach dem Mähvorgang werden mindestens 90-95% des schwimmenden Mähgutes entnommen und am Randbereich des Gewässers abgelegt. Dadurch wird eine erhebliche Menge an Biomasse entnommen, die sich nicht mehr zersetzt, um somit für die nächste Wachstumsperiode als Nährstoff für die Pflanzen zur Verfügung zu stehen.

Bei sehr flachen Teichen kommt es bei Temperaturen von über 30°C und hoher Sonneneinstrahlung zu extremem Pflanzen- und Algenwachstum.

 

Bei einer Umsetzung der Gewässerpflegemaßnahmen sollte man stets die zulässigen Zeiträume (z.B. Brutschutzzeiträume) beachten und wissen, dass diese Maßnahme bei der zuständigen Wasser- und Naturschutzbehörde, je nach Art und Umfang der Arbeiten, anzeige- und genehmigungspflichtig sind.

 

Bei Temperaturen von über 30 °C und dazu noch eine mittlere Windgeschwindigkeit, wie es diesen Sommer war, verdunsten ca. 2-3 cm Wasser pro Tag an der Oberfläche eines Gewässers. Bei einer Teichoberfläche von ca. 2.000 m² – dies entspricht den Putt-Flächen von 4 Grüns –, verdunsten am Tag ca. 60 m³ Wasser. Es ist aber immer noch wirtschaftlicher, Beregnungswasser in einem Teich zu speichern, als in einer Zisterne.

 

Golfanlagen, die gut vorgesorgt haben, haben Speicherkapazitäten von 10.000-30.000 m³. Teiche mit einer Tiefe von 2-6 m können hier auch einer raschen Überhitzung und Algenbildung gut entgegenwirken.


Im Sommer 2018 hatten bislang nicht nur die Rasenflächen zu leiden, sondern auch die Teiche und die darin lebenden Pflanzen und Tiere. Aufgrund der anhaltenden Hitze, in Verbindung mit fehlenden Niederschlägen, entstand eine Ex­tremsituation, die sowohl Pflanzen und Tiere im See, als auch Personen, die Teichpflege durchführen, gefährden kann.

 

Einen interessanten Beitrag hierzu finden Sie im Greenkeepers Journal 3/18 oder HIER ...


Brunnen

Die Befüllung der Teiche zur Beregnungswasserversorgung wird bei den meisten Golfanlagen über eine Grundwasserentnahme aus Brunnen abgedeckt. Auch Brunnenanlagen unterliegen einer regelmäßigen Kontrolle und Wartung. Je nach Wasserqualität und Nutzungsintensität eines Brunnens unterliegt dieser mehr oder weniger starken Abnutzungserscheinungen. Die Pumpenleistung einer Elektropumpe verliert pro Nutzungsjahr ca. 1-2 % der Leistungsfähigkeit. Das heißt, dass eine Pumpe, die beim Neueinbau 20 m³/h förderte, nach zehn Betriebsjahren nur noch ca. 17 m³/h zu Tage bringt.

Die Steigleitungen zur Wasserförderungen in einem Brunnen, die vor ca. 20 Jahren noch nicht als Edelstahlrohr, sondern aus verzinktem Stahlrohr eingebaut wurden, haben spätestens nach 20 Jahren ihr Nutzungsende erreicht. Bei einem Defekt einer Steigleitung kann es beim Durchrosten zur massiven Beschädigung bis zum Totalausfall eines Brunnens kommen.

 

Eine regelmäßige Kontrolle, im Abstand von ca. 5 Jahren mittels Kamerabefahrung und Prüfung der Bauteile, kann ein Ausfall des Brunnens in der Hauptnutzungszeit verhindert werden. Die Kamerabefahrung gibt Aufschluss über den Zustand der Filterrohre und zeigt, ob eine Brunnenreinigung notwendig wird.

Der Gesamtzustand einer Beregnungsanlage und Wasservorräte haben diesen Sommer deutlich gezeigt, ob eine Golfanlage gut auf die klimatischen Extreme vorbereitet ist. Da die Schwankungen zwischen Hitze und Trockenheit sowie größeren Niederschlagsereignissen weiter zunehmen werden, ist es notwendig, größere Wassermengen vor Ort zu speichern und die technischen Möglichkeiten, die die Wassertechnik bietet, besser auszunutzen.

 

Autor: Andreas Klapproth | golfmanager 04/2018

 

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