Gräser! Kräuter! Pferde! Hühner! Und der Hund!

Familiengeschichten im Greenkeeping

Den Fehler, die Familie Kleiner in ihrem Tun auf die Überschrift zu reduzieren, dürfen wir hier nicht machen. Wenn auch, und das deuten die Ausrufezeichen an, es sich bei den Substantiven in der Tat um wichtige Dinge im Leben von Ingrid und Hubert handelt.

 

Und das hat man dann davon, wenn man sich zeitgleich mit zwei Akademikern unterhält: einen vollgekritzelten Block; bedeutungsvolle Sätze, bei denen man als Wald- und Wiesen-Journalist schon mal nachfragen muss; wichtige Argumente; Verbesserungen; Belehrungen und die Familiensaga derer von Kleiner.

Was ist letztlich das Ende für den Schreiber: Vor lauter Bäumen, sieht er den Wald nicht mehr, heißt schlussendlich: Der Kopf brummt und er hat nichts zu schreiben. Aber es soll sein, es muss geschrieben werden, schließlich sind der neue Ex-Präsident Hubert Kleiner und seine Ehefrau Ingrid Teil unserer neuesten Greenkeeper-Geschichte, die mit Ausgabe 3/17 ihren Anfang nahm. Ich beginne nun ganz harmlos und lasse mich überraschen, wie meine Geschichte endet.

Fakt bei der GVD-Jahrestagung in Potsdam: Kollege Stefan Vogel schrieb: „Hubert Kleiner stellte sich nach 16 Jahren GVD-Präsidentschaft nicht mehr zur Wahl. Sichtlich berührt nahm er die lang anhaltenden und stehenden Ovationen der Mitglieder entgegen, die ihm für seine langjährigen Verdienste um das professionelle Greenkeeping und die Anerkennung des Berufsstandes in Deutschland und über die Grenzen hinaus dankten.

Eine heute noch zutreffende Antwort gab Hubert bereits vor fünf Jahren, zum Zwanzigjährigen des Verbandes: „Wenn sich auch über die Jahre der eine oder andere Blickwinkel verändert hat, so hat sich der GVD in dieser Zeit einen anerkannten Platz im Zusammenspiel der Golfverbände in Deutschland erarbeitet und gesichert; daran gilt es auch in Zukunft weiterzuarbeiten.

Ingrid und Hubert Kleiner basteln nun gemeinsam an einer neuen Zukunft, ohne die zeitraubende ehrenamtliche Tätigkeit eines Verbandsvorsitzenden, die er 16 Jahre lang ausgeübt hat. Was hat diese Zeit ihm gebracht? Viele internatio­nale Kontakte, es wurden Freunde gefunden, die man besuchen kann und die jederzeit nach Mönsheim auf den Lerchenhof kommen dürfen.

 

Mönsheim, ein geschichtsträchtiger Ort, in dem die Kleiners seit Jahren wohnen, ja so richtig zuhause sind, wurde im Jahre 1140 erstmals urkundlich erwähnt, natürlich ohne die Kleiners, die kamen erst 1984 zu ihrem Pachthof, dem Lerchenhof, der 1780 erbaut wurde. Der Lerchenhof ist ein Ableger von Schloss Obermönsheim von dem Ingrid Kleiner sagt: „Unser Hof liegt im schönen Grenzbachtal. Hier fühlen sich nicht nur unsere beheimateten Gastpferde pudelwohl, sondern auch wir Menschen. Wir wissen das sehr wohl zu schätzen und freuen uns, hier leben zu dürfen. Umgeben von herrlicher Natur und Ursprünglichkeit.

 

Sympathische ­Bodenständigkeit und Bescheidenheit

33 Jahre sind Ingrid und Hubert verheiratet. Kennengelernt haben sie sich an der Uni Hohenheim, wo beide, weil landwirtschaftlich geprägt, ihren Abschluss als „Dipl. Ing. agr.“ gemacht haben. „Was machen mit dem Studium?“, war für sie nie eine Frage. Ingrid und Hubert wollten frühzeitig in die Selbstständigkeit gehen; selbst und ständig ihr Leben bestimmen. Und das gelang ihnen später mit der Anpachtung des Lerchenhofes. Heißt: Die junge Familie kehrte „back to the roots“. Zu den Wurzeln also, die sie bereits als Kinder und Jugendliche kennengelernt hatten.

 

Ob sie sich denn als „studierte Landwirte“, nicht überqualifiziert vorgekommen sind? Nein, kommt von beiden die Antwort. „Bildung schadet nicht“, sagt sie. „Bildung tut nicht weh“, sagt er. „Unser Werdegang war und ist noch immer absolut richtig. Wir haben nie Wege gescheut, um an unser Ziel zu kommen und das Ganze auch nie bereut, denn das ist ‚unser‘ Weg!“, so ihr gemeinsames Resümee.

 

„Schmale Backen, ­breite Hände“

Viel Arbeit? Ja, das kennen Ingrid und Hubert. Zum Hof kommt für Hubert die ursprüngliche Arbeit als Head-Greenkeeper im Golfclub Solitude seit 25 Jahren hinzu und Ingrid schafft zusätzlich mehrere Stunden im Sekretariat der katholischen Kirchengemeinde „Heilig Kreuz“ im benachbarten Wiernsheim. Dabei wirft der Hof eigentlich genug Arbeit für zwei Menschen ab.

30 Pferde, 20 Hühner, 2 Katzen und Hündin Heidi verlangen Aufmerksamkeit und Pflege. „Arbeit adelt“, sagt Hubert und verweist beim Gespräch auf seinen Leitsatz: „Wenn es ums Schaffen geht: Schmale Backen, breite Hände!“ Sowohl Ingrid (60 Jahre) als auch Hubert (62 Jahre) sind mittlerweile in einem Lebensabschnitt, in dem viele Menschen bereits ihren geregelten Ruhestand vor Augen haben. Doch die Frage: „Was machen wir denn, wenn wir die Füße einfach hochlegen?“ sucht noch immer nach Antwort. Hubert hat noch einige Jahre seine Arbeit als Head-Greenkeeper in Solitude vor sich, ehe er sich ganz um den Lerchenhof kümmern kann. Für die beiden Kleiners gilt der Grundsatz: „Arbeit macht Spaß und das sieben Tage in jeder Woche.“ Und trotzdem: Ruhe finden Hubert und Ingrid in ihrer Arbeit auf dem Hof: „Wir haben immer mit Herzblut geschafft und der Lerchenhof mit seinen 30 ha Grünland ist immer noch eine reizvolle Aufgabe. Hier ist Natur pur, keine Nachbarn und viel Ruhe, und trotzdem ist jeder Tag anders.

Natur und Familie als Konstanten im Leben

Als Naturkind bildet sich Ingrid Kleiner immer noch weiter. Sie ist zertifizierte Kräuter- und Streuobst-Pädagogin, und dieses Wissen gibt sie fast täglich weiter. Jede Woche gibt sie auf dem Lerchenhof Kurse mit 15 bis 20 Leuten; dazu kommen Exkursionen bei Verbänden und Vereinen. Als „Kräuterhexe“ durften wir Ingrid auch bei Greenkeeper-Tagungen erleben. Wobei das Wort „Kräuterhexe“ für Ingrid nicht negativ besetzt ist.

 

Drei Kinder haben In­grid und Hubert. Johannes (32) hat einen Bachelor in der Fahrzeugtechnik, Franziska (28) ist Lehrerin und Marie-Luise (27), das Nesthäkchen, arbeitet wie Mutter Ingrid gerne und hauptberuflich mit Pferden, und das zum Leidwesen ihrer Eltern weitab im fernen Amerika, auf einer großen Farm in der Nähe von Oklahoma City.

Auf ihre Kinder ist das Ehepaar stolz: „Sie sind unser Familienkapital. Andere haben sich in ihren Ehen drei Häuser gebaut, wir haben drei Kinder, auf die wir sehr stolz sind.

 

Während Hubert seine Arbeit und die Spaziergänge in der Natur rund um den Lerchenhof als Hobby ansieht, hat Ingrid noch Zeit, „Berge von Büchern zu verschlingen“, wie Hubert sagt. Sechs bis sieben Bücher holt sie sich pro Monat aus der Bücherei. Lesen bildet, sagt sie nicht zu Unrecht. Und damit haben wir doch ein gutes Ende dieser Geschichte gefunden.

 

Autor: Franz Josef Ungerechts | Greenkeepers Journal 04/2017

 

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