Instagram-Supporter für das Greenkeeping – Der unbekannte Leser

„Fair Jobs" und „Fair Play" im Greenkeeping

Der faire und respektvolle Umgang miteinander ist ein Themenbereich, der nicht nur auf Golfanlagen zunehmend eine Rolle spielt, sondern auch in vielen Unternehmen, Verbänden bis hin im privaten Bereich. Unachtsamkeit, Überlastung und falsch verstandenes Anspruchsdenken führen schnell zu Frustration, wo gerade in schwierigen Zeiten Zusammenhalten und „Wir schaffen das gemeinsam“ gefragt sind. Manchmal wäre auch nur ein Feedback zur geleisteten Arbeit schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Kritisiert wird allerorten gerne und reichlich, bei mancher Nachfrage entpuppt sich aber leider allzu oft, dass sich der Gegenüber mit der tatsächlichen Problematik kaum befasst hat.

 

Auf Instagram tauchte die Dezember-Ausgabe des Greenkeepers Journal 4/21 in ungewohnter Art und Weise auf – von einem unbekannten Golfer in die Kamera gehalten. Unter #golfen_ist_geil hieß es dort unter dem Bild:

 

„Moin liebe Golfgemeinde! 

Ich glaube, ich bin der einzige, der in dieser Saison noch nicht auf dem Golfplatz war.
Wart Ihr schon auf dem Platz?
Bei dem Schietwetter bilde ich mich dafür etwas weiter.“

Die Frage, die sich rasch stellte: Wer ist das, der mit offensichtlich guter Laune bei „Schietwetter“ die grünen Themen zur persönlichen Weiterbildung angab. In einem ersten Kontakt stellte sich heraus, dass die Frohnatur Dirk Beyer aus Rellingen in Schleswig-Holstein ein Business-Coach und leidenschaftlicher Freizeitgolfer ist, der Golf-Touren durch ganz Deutschland unternimmt und diese auf seiner Website www.golfenistgeil.de humorvoll und mit Bildern, die so gar nicht zum oftmals angestaubten Image des typischen Golfers passen, beschreibt. Im Grunde also einer, der ohne feste Bindung an eine einzelne Anlage, einfach gern Golf spielt und dabei als neutraler Beobachter geradezu perfekt unseren Magazin-Schwerpunkt „Fair play im Miteinander “ abrundet.

 

Beate Licht befragte den unerwarteten Supporter des Greenkeepers Journal:

 

? Herr Beyer, zunächst einmal zur Klarstellung für unsere Leser: Bei Ihrem Post handelte es sich NICHT um bezahlte Werbung?

 

! (lacht) Selbstverständlich handelt es sich um unbezahlte Werbung. Und das auch eher zufällig. Ich hatte zu dem Zeitpunkt (Winter) wenig Content für meine Instagram-Follower, da kam mir die Ausgabe des Greenkeepers Journal  für meine Golf-Community gerade recht.

 

? Recherchiert man ein wenig, so gewinnt man den Eindruck, dass Sie nicht direkt mit Aufgaben auf einer Golfanlagen betraut sind. Wie kommen Sie zum FachMagazin, das sich inhaltlich doch stark an die Fachleute in der Platzpflege richtet und was hat Sie gereizt, sich als begeisterter Golfer mit den doch eher trockenen Fachinformationen auseinanderzusetzen? Haben Sie etwas mitgenommen? 

 

! Das Wetter war schlecht, ich konnte nicht auf den Golfplatz, da hat mir meine Frau zur Ablenkung mal wieder eine Ausgabe des Magazins unter die Nase gehalten. Meine Frau schaltet beruflich Anzeigen für einen Düngemittelhersteller im Greenkeepers Journal. Ich blätterte darin und fand es sehr spannend, wie intensiv man sich mit dem Greenkeeping beschäftigen kann. Es steckt ja doch eine Menge Aufwand dahinter, einen Golfrasen gepflegt zu halten. Sie werden lachen: Am Anfang des Jahres habe ich Kontakt zu einer Golfanlage aufgenommen, um anzufragen, ob ich nicht mal zwei Tage beim Greenkeeping dabei sein darf, sobald Corona es wieder zulässt. Darüber möchte ich dann selbstverständlich wieder auf Instagram berichten. Für Sie stehe ich aber auch gern für eine regelmäßige Greenkeeper-Kolumne zur Verfügung (lacht).

 

? Hatten Sie bisher, vielleicht auch auf Ihren Golf-Touren, Kontakt zu den Fachleuten in der Platzpflege, den Greenkeepern, die meist ja nur im Hintergrund für Golfer wie Sie tätig sind? Welchen Stellenwert hat das Greenkeeping aus Ihrer Sicht? In der Golfbranche ist  immer wieder von mangelnder Wertschätzung zwischen den Abteilungen, aber auch in Bezug auf Clubmitglieder und Gäste die Rede. Können Sie dies nachvollziehen?

 

! Leider sammelte ich bisher auf Golfanlagen mehr Erfahrungen mit der Gastronomie als mit Greenkeepern. Das möchte ich aber, wie gesagt nachholen. Für mich hat die Platzpflege eine sehr große Bedeutung und mir missfällt, wenn sich Golfer entsprechend unachtsam über den Platz schleppen, Divots nicht zurücklegen oder Pitchmarken nicht entfernen. So mancher Spieler könnte sich gewiss wertschätzender auf dem Golfplatz bewegen, wenn er sehen würde, wie viel Arbeit in der Platzpflege steckt. Es muss die richtige Rasensaat, der richtige Dünger, die richtige Rasenschnitthöhe usw. gefunden werden. Und dann frage ich mich immer, ob derjenige, der eben beispielsweise keine Pitchmarken entfernt, seinen Rasen zu Hause auch so hinterlassen würde. Ich habe immer das Gefühl, dass stets ausschließlich meine Bälle in den Löchern liegen bleiben.

 

? Was würden Sie als Coach und Berater der Golfszene, insbesondere aber den Lesern des von Ihnen in die Kamera gehaltenen Magazins raten? 

 

! Ich bin ja nicht befähigt, jemandem ungefragt Ratschläge zu geben. Grundsätzlich finde ich jedoch, dass man respektvoller und demütiger mit den Golfplätzen und dem entsprechenden Personal umgehen sollte. Die Greenkeeper sind in der Regel morgens die ersten und abends die letzten auf dem Platz. Oftmals werden zwischendurch die Bunker geharkt und die Fairways gewässert und gemäht, von natürlichem Unrat befreit usw. Das verdient schon eine gehörige Portion Respekt.

 

Herr Beyer, vielen Dank für Ihre Ausführungen. 

 

Gerne bleiben wir in Kontakt, auf Ihr Angebot eines kurzen Berichts zum geplanten Platzpflege-Praktikums freuen wir uns jetzt schon! 

 

Das Gespräch führte unsere Autorin Beate Licht | Greenkeepers Journal 2/2021

 

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