Factsheet für den Golf-Bunker

Basiswissen Greenkeeping

Baugrund

Der Baugrund sollte so tragfähig sein, dass keine Setzungen auftreten. Das Planum sollte glatt und frei von Steinen sein. Die FLL nennt als Grenzwert 30 mm. Hintergrund ist, dass sich diese nicht in den Sand einmischen sollten und auch bei geringen Sandhöhen die Gesundheit und die Schläger der Golfer nicht gefährden. Auf dem Markt werden deshalb inzwischen künstliche Materialien angeboten, die dies verhindern sollen und den Sand auch an Böschungen besser halten können. Hierzu gehören neben Geotextilien insbesondere auch Epoxid- bzw. Polymerharze, die zum Verkleben von Trennschichten aus Schotter verwendet werden. Auch Trennschichten, ähnlich wassergebundener Wegedecken, kommen zum Einsatz. Bei allen Vorteilen dieser Produkte sollten auch Umweltgesichtspunkte bedacht werden.

 

Modellierung

Bei der Modellierung ist neben der Optik und Architektur auf mindestens zwei Punkte besonderes Augenmerk zu legen. Der eine Punkt ist die Wasserführung. Insbesondere Oberflächenwasser muss von den Bunkern weggeleitet werden, da dies ansonsten bei Starkregen zu Erosionen in den Bunker führen kann. Der andere Punkt ist die Pflegbarkeit. Die Modellierung sollte so ausgeführt werden, dass die Böschungen und insbesondere die Kuppen mit Maschinen pflegbar sind, ohne dass Scherstellen entstehen und dass die Ein- und Ausfahrt in die Bunker mit der Bunkermaschine an möglichst mehreren Stellen möglich ist.

Revetting

Der Bau von sogenannten „Revetted Bunkers“ ist typisch für Links-Courses, die in Deutschland eher selten sind. Die meist sehr steilen und hohen Bunkerböschungen entstehen hier durch das Aufschichten von Fertigrasen bzw. Rasensoden-Stücken. Anleitungen zum Bau und zur Pflege finden sich im Internet, z.B. bei SCOTTISH GOLF. Nicht nur der Bau solcher Bunker ist sehr aufwändig, sondern auch deren Unterhalt, da die Haltbarkeit im Bereich von 1 bis 5 Jahren liegt. Deshalb haben auch hier inzwischen künstliche Materialien (Kunststoffrasen) Einzug gehalten.

Entwässerung

Damit die Bunker jederzeit bespielbar bleiben, muss die Entwässerung sichergestellt werden. Gemäß FLL erfolgt dies über Dränstränge mit Sickerrohren. Die Ausführung und die verwendeten Materialien müssen dabei aufeinander abgestimmt sein.

 

Sandauswahl und Sandfüllung

Bei der Sandauswahl scheiden sich die Geister bereits bei der Farbe des Sandes. Hierbei sollte aber nicht das Motto gelten: je weißer desto besser, sondern eher: Passt der Sand in die Landschaft und erfüllt er seine Funktion?

 

Wertgebende Eigenschaften der Sande nach der Golfplatzbaurichtlinie:

  • Lage und Eindringtiefe des Balles,
  • Widerstand gegen ­Fußabdrücke,
  • geringe Verkrustungstendenz,
  • ausreichende Wasserdurchlässigkeit.

 

Viele Eigenschaften hängen mit der Körnung und Kornform zusammen, weshalb in der FLL ein Körnungslinienbereich abgebildet ist und die Körnungslinie grundsätzlich bei der Beschaffung von Sanden angefordert werden sollte.

 

Die Liste der FLL könnte gemäß der USGA-Richtlinie noch ergänzt werden um Farbe, Härte (Haltbarkeit) und Spielqualität. Die USGA nennt auch Methoden zum Testen von Sanden für Bunker wie beispielsweise ein modifiziertes Penetrometer (USGA, 2008), das auch in Deutschland zu beschaffen ist.

 

Tipp: Bevor der Sand für alle Bunker gekauft wird, sollte ein Probebunker mit verschiedenen Sanden zum Testen angelegt werden. Da beim Sand auch persönliche Präferenzen eine Rolle spielen können, bietet sich auf diese Weise ein größerer Entscheidungsspielraum.

Pflege

Wertvolle Hinweise für die Pflege von Bunkern finden sich im Spiel- und Wettspielhandbuch des Deutschen Golf Verbandes (DGV, 2016-2019) im Abschnitt 12: Vorbereitung und Pflege von Golfplätzen für das Spiel und für Wettspiele.

 

Beispielsweise sollte demnach die Sandbedeckung so beschaffen sein, dass auf dem flachen Boden 8-12 cm und auf den ansteigenden Wänden max. 5 cm Sanddicke vorhanden und verfestigt ist, so dass einem Eindringen von Bällen bestmöglich vorgebeugt wird.

 

Für Regelentscheidungen ist es auch unerlässlich, dass die Bunkerränder so regelmäßig geschnitten oder abgestochen werden, dass eine deutliche Grenze zwischen Sand und Gras sichtbar ist. Das regelmäßige Harken der Bunker dient nicht nur dem Golfspiel, sondern verhindert auch ein Begrünen der Bunker. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass sich der Sand nicht innerhalb des Bunkers verlagert und unterschiedliche Sandhöhen entstehen.

 

Fazit

Der Pflegeanspruch der Golfer hat sich in den letzten Jahren stark erhöht, das gilt nicht nur für die Grüns, sondern mindestens ebenso für die Bunker. Vor allem perfekt gepflegte Sandflächen und Bunkerränder sowie eine gleichmäßige Bespielbarkeit aller Sandbunker stehen im Vordergrund. Dabei gehört die Bunkerpflege mit zu den teuersten Pflegebereichen einer Golfanlage. Nicht selten wird deshalb auch wieder über den Ursprung der Bunker nachgedacht und hoffentlich werden künftig auch rauere Bunkerzustände mit ursprünglicherem Aussehen wieder akzeptiert (EBERT et al., 2018).

 

Autor: Hartmut Schneider | Greenkeepers Journal 4/2019

 

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