Böden haben ein gutes Gedächtnis

Basiswissen Greenkeeping

Böden, natürlich gilt dies auch für künstlich geschaffene Bodenaufbauten, konservieren in ihrem Profil die Maßnahmen und Folgen des Baus und ihrer Bearbeitung. Diese Dokumentation von Materialien, Tätigkeiten oder Unterlassungen kann in der Praxis einfach mit der Entnahme eines Bodenprofils, z.B. mit dem Profilspaten, über eine lange Zeit nachvollzogen und interpretiert werden. Für die Interpretation braucht es natürlich boden- und vegetationskundliche Kenntnisse, die Greenkeeper in ihrer Fortbildung an den entsprechenden Lehranstalten erlangen können.

Bodenprofil (Foto: H. Nonn)

Am abgebildeten Bodenprofil lassen sich eindeutig verschiedene Zonen erkennen. Die ursprüngliche Rasentragschicht ist ein Gemisch aus Sand, Oberboden und Schwarztorf. Der noch gut erkennbare „Oberbodenklumpen“ zeigt, dass zumindest stellenweise die Mischung nicht homogen erfolgte. Solche als „Monolithe“ in die Rasentragschicht eingemischten Oberbodenklumpen bringen keine vegetationstechnischen Vorteile. Vielmehr behindern sie lokal die Wasser- und Luftführung und sind in ihrem Inneren häufig anaerob. Die optisch erkennbare Bildung von Eisen­oxid um die Aerifizierlöcher deutet auf eine gute Versorgung der Rasentragschicht mit Sauerstoff in diesem Bereich hin. In den andersfarbigen, benachbarten Zonen kommt es zumindest zeitweise zu einem Mangel an Sauerstoff. In diesen Zonen wird das im Boden enthaltene Eisen reduziert, d.h. ihm wird Sauerstoff entzogen. Höhere Anteile an reduziertem Eisen färben den Boden gräulich. Die tiefsten Wurzeln reichen bis zum unteren Ende des Bodenprofils, ab hier wird die Rasentragschicht nicht mehr durch die Wurzeln zusammengehalten und reißt ab.

 

Der Pflegehorizont besteht aus einem Gemisch von organischer Substanz und mineralischen Bestandteilen. Letztere sind das Ergebnis von Besandungen und Topdressing. Je häufiger und gleichmäßiger diese durchgeführt werden, umso homogener wird die zwangsläufig anfallende organische Subs­tanz mit ihnen durchsetzt und „abgemagert“. Deutlich erkennbare Sandschichten weisen auf ein Zuviel an Sand und/oder unzureichendes Einmischen durch Aerifizieren bzw. Schlitzen hin. Schichten mit einem Übermaß an organischer Substanz lassen auf zu seltenes Vertikutieren schließen, häufig in Kombination mit unzureichendem Besanden und Topdressen. Wechseln Sandschichten und organische Schichten im Bodenprofil mehrmals ab (Stichwort: Sandwich), leidet auch die Kontinuität der Poren. In der Folge sinken die Wasser- und Luftdurchlässigkeit ab. Anaerobe, vegetationsfeindliche Prozesse bis hin zur Bildung von „black layer“ sind die Folge.

 

In Summe kann man aus diesem Profil ableiten, dass die ursprüngliche Rasentragschicht nicht optimal gemischt worden ist und die spätere Pflege zumindest zeitweise die Kontrolle der organischen Substanz hat missen lassen. Empfehlung: Verstärktes Aerifizieren mit Hohlzinken durchstößt die organische Schicht, gleichzeitiges Verfüllen der Löcher mit Sand verbessert die Wasserabführung und Luftzufuhr in der ursprünglichen Rasentragschicht.

 

Autor: Dr. Harald Nonn | Greenkeepers Journal 1/2019

 

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