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Unternehmen Umweltbildung

Im Grünen Klassenzimmer mit Survival-Experten

Mit dem Projekt „Grünes Klassenzimmer“ betreibt der Deutsche Golf Verband (DGV) Bewusstseinsbildung an der Basis. Die Premiere im hessischen Golf-Club Neuhof war ein voller Erfolg – nicht zuletzt dank Head-Greenkeeper Sascha Baumann.

Es gibt diese schöne Metapher von der Weisheit der Füße. Soll heißen: Der Zufall, den es bekanntlich nicht gibt, führt zur rechten Zeit an den richtigen Ort – und damit zu einer Erkenntnis, zu einem Fortschritt, zu einer Chance. So war es auch, als Marc Biber irgendwann im vergangenen Jahr bei einem Gang durch den Wiesbadener Stadtpark die Umweltpädagogin Ronja Zenz mit einer Gruppe von Kindern sah und überlegte, ob sich derartige „Ortstermine“ nicht ebenso auf einer Golfanlage arrangieren ließen. Eine naheliegende Idee für einen Abteilungsleiter Umwelt und Platzpflege des DGV. Gedacht, getan: Biber sprach Ronja Zenz an, der Rest ist sozusagen Geschichte. Oder hoffentlich der Beginn einer Erfolgsstory.

Am 21. Oktober 2023 debütierte auf dem Gelände des Golf-Club Neuhof im hessischen Dreieich das erste Grüne Klassenzimmer, ein Zugewinn für das Projekt GolfBiodivers des DGV*, der die Vielfalt von Flora und Fauna von Golfplätzen kindgerecht erlebbar machen und sich zur Blaupause für eine Veranstaltungsreihe mit jährlich zwei Terminen auf wechselnden Golfanlagen entwickeln soll. 13 Kids im Alter zwischen acht und zwölf Jahren aus der Jugendabteilung des Clubs, aber auch aus umliegenden Schulen, nahmen an dem Pilotprojekt teil. Betreut wurden sie von der Umweltpädagogin Zenz und von Jannik Metzler, dem Ansprechpartner für Jugendarbeit beim GC Neuhof, der im Umland kräftig für das Pilotprojekt getrommelt hatte.

Der Herr über(s) Grün in seinem Element

Star im Grünen Klassenzimmer war neben der Neuhof-Natur vor allem Head-Greenkeeper Sascha Baumann, der sich nach einer Begrüßung durch Clubmanager Michael Wrulich voller Begeisterung seiner Vermittler-Aufgabe widmete und über Greenkeeping, Rasensorten sowie Platzelemente referierte, zur Veranschaulichung Saatgutmischungen und den gerade angeschafften Hybrid-Fairwaymäher präsentierte und die Kids regelrecht abholte. Unter Baumanns Anleitung maß das Klassenzimmer die Bodenfeuchte, entnahm Bodenproben und bombardierte den Mann mit Fragen. „Eine kurzweilige Veranstaltung mit wissbegierigen Kindern, die spielerisch das Thema Golfplatzpflege und Golfanlage kennengelernt haben“, resümierte er anschließend. „Es hat mir Spaß gemacht, ein Teil dieses Programms gewesen zu sein.“

Die Bedeutung eines solchen Engagements ist nicht hoch genug anzusetzen – ganz gleich, ob bei Klein oder Groß. Es braucht derart aufgeschlossene und kommunikative, vermittlungsfreudige Vertreter der Platzpflege-Zunft in Zeiten, da der Golfsport ins Zentrum von Klassenkämpfen um Wasserverbrauch und Landnutzung gerückt wird und Aktivisten in ideologischer Aberration nächtens über Anlagen marodieren. Projekte wie das Grüne Klassenzimmer, das in die Biodiversitäts-Strategie des DGV eingebettet ist und Bewusstseinsförderung buchstäblich an der Basis betreibt, sind Antworten auf solche Agitprop und vermitteln, dass Golfanlagen nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung sein können und vielfach sind.

Wie sich das auf einer Golfanlage nun mal anbietet, standen auch spielerische Elemente auf dem Stundenplan. Es sollte nicht nur um Umweltbildung und Naturerlebnisse gehen, sondern ebenso um Werbung für Golf bei den jungen Gästen, die erstmals einen Schläger in der Hand hatten. Clubmanager Grulich sorgte für professionelle Anleitung aus dem Trainerteam, und so wurde auf der Driving-Range und auf dem Übungsgrün munter gechippt und geputtet. Damit freilich war das Curriculum fürs Grüne Klassenzimmer keineswegs erfüllt.

Junge Forscher auf Entdeckungstour

Im Gegenteil: Nach der Mittagspause ging’s mit Ronja Zenz ins Gelände und in die Biotope der Golfanlage. Die junge Biologin ist unter anderem beim Hessischen Landesmuseum Wiesbaden tätig, einem Zweisparten-Museum für Kunst und Natur, wo sie Führungen leitet und Kinder-Workshops durchführt, beispielsweise für den Nassauischen Verein für Naturkunde. Als kundige Conférencière hatte sie sogar ein Mikroskop mitgebracht. Marc Biber und seine DGV-Mitstreiter steuerten sogenannte Entdeckungskoffer bei, neudeutsch Toolboxen, die eigens für das Projekt Grünes Klassenzimmer zusammengestellt worden sind und unter anderem Pinzette, Becherlupe, Eimerchen sowie etwa eine Blütenpresse samt Infoblatt zur Handhabung von Instrumentarium und Utensilien enthalten.

Derart bestens präpariert waren dem Entdeckungsdrang der jungen Forscher kaum Grenzen gesetzt. Der Teich neben dem ersten Abschlag im GC Neuhof – fernab irgendwelcher Spiellinien – ist ein ideales Revier, um Wasserproben unter die Lupe zu nehmen, über Pflanzen, Insekten und Kleintiere zu sprechen oder den Mikro-Lebensraum in der Wurzelhöhle eines umgestürzten Baums im eigentlich unzugänglichen Wildwuchs-Bereich abseits der Bahnen und die Verbiss-Spuren von Meister Bockert aka dem Biber in Augenschein zu nehmen.


Interessant übrigens, wie viel Wissen in der Kindergruppe bereits vorhanden war – beispielsweise als Ronja Zenz nach essbaren Pflanzen oder den Vorzügen wasserspeichernder Sukkulenten fragte. Offensichtlich gab es da einige kleine Survival-Experten. Oder wie es eine der Begleitpersonen formulierte: „Die Kinder waren ungeheuer aufgeschlossen und sensibel für all diese Themen – das war wirklich klasse.“ Folgerichtig endete dieser „erfüllende und bereichernde Tag“ dann auch mit einem Naturspiel, einer Art Schnitzeljagd von zwei „Eichhörnchen“-Gruppen um versteckten Proviant für den Winterschlaf.

Das Fazit dieser Premierenveranstaltung fällt damit eindeutig aus: Versetzung völlig verdient. Die Greenkeeper-Gilde darf sich auf weitere wissbegierige Kinder im Grünen Klassenzimmer freuen. 

Jugend forscht: Das Grüne Klassenzimmer mit Biologin R. Zenz auf Entdeckungstour zum Thema Pflanzen, Insekten und Kleintiere im Gelände und in den Biotopen des GC Neuhof.


* Das Projekt GolfBiodivers des Deutschen Golfverbandes (DGV) ist auf sechs Jahre angelegt und hat die Aufwertung, das Monitoring und die Kommunikation der biologischen Vielfalt auf deutschen Golfplätzen zum Ziel. Der DGV führt das Projekt gemeinsam mit vier universitären Verbundpartnerinnen durch: die Technische Universität München, die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und die Universität Münster. Gefördert wird GolfBiodivers durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV).


Autor: Michael F. Basche | Greenkeepers Journal 1/2024

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