Umweltmanagement im Finca Cortesin Golf Club

Im Gespräch mit dem spanischen Head-Greenkeeper Ignacio Soto

Der Finca Cortesin Golf Club weist auf knapp 7.000 m Länge über 100 Bunker auf. Ziel war es, die an der Costa del Sol gelegene Anlage möglichst nachhaltig zu gestalten – nicht allein deshalb zählt er zu den beliebtesten Golfplätzen Spaniens. (Fotos: The Azalea Group)

Schon seit vielen Jahren hat der Deutsche Golf Verband (DGV) mit seinem Programm „Golf & Natur“ ein sehr erfolgreiches Programm am Start, mit dem Golfanlagen sich auf die aktuellen Herausforderungen beim Umweltschutz vorbereiten und diese im Tagesgeschäft umsetzen können. Auch international gewinnt das Thema Nachhaltigkeit für Golfanlagen zunehmend an Bedeutung. Die renommierte Golfanlage Finca Cortesin Golf Club nahe Marbella in Südspanien gelegen, hat sich seit ihrem Bau durch Golfplatz-Designer Cabell B. Robinson einem nachhaltigen Anlagenbetrieb verschrieben. Während der Bauphase wurden über 50.000 Bäume und Büsche gepflanzt, insbesondere endemische Baumarten wie Olea Europaea, Pistacia Lentiscus und Ceratonia Silicua, aber auch Büsche wie Oleander und Lavendel. Zuständig hierfür war der Golfplatz-Landschaftsarchitekt Gerald Huggan. Für die Grüns wählte man Bentgrass, der restliche Platz wurde mit Tifway Bermuda eingesät. Das gewählte Bermudagras ist speziell für warme Gefilde geeignet und gilt als besonders umweltschonend und krankheitsresistent, zumal kommt es mit vergleichsweise geringer Bewässerung aus. In den vergangenen fünf Jahren war es nicht notwendig, über die Wintersaison nachzusäen, so dass der Wasserverbrauch um rund 30 Prozent gesenkt werden konnte und auch der CO2-Ausstoß sowie Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln geringer ausfielen.

Auch bei den Puttingbereichen konnten wesentliche Verbesserungen erzielt werden. Das Resort hat sich entschieden, als erste Anlage Spaniens die neue Grassorte Ultradwarf Bermuda einzusetzen. Hauptziel war es, ausschließlich speziell für warme Regionen geeignetes Gras zu verwenden. Für diesen Ansatz wurde Finca Cortesin bereits 2018 durch die IAGTO (International Association of Golf Tour Operators) mit dem „Golf Resort of the Year in Resource Efficiency Category“ ausgezeichnet. Dennoch hat sich das Resort weiter bemüht, seinen ökologischen Fußabdruck zu optimieren. In allen Verkehrsbereichen und Gärten wird nun „Zoysiagrass Especie“ verwendet, für die Bewässerung setzt man vollständig auf recyceltes Wasser des nahegelegenen Dorfes Manilva. Beim Dünger nutzt man vor allem natürliche Düngemittel und vertraut biologischen Fungiziden und Insektiziden. Vorerst letzter Schritt im Rahmen des Umweltmanagements war die Zertifizierung nach ISO 14001. m Interview mit dem golfmanager gibt Head-Greenkeeper Ignacio Soto weitere Einblicke in den Umsetzungsprozess und die Hintergründe.

Ignacio Soto, Head-Greenkeeper Finca Cortesin Golf Club

? Was war die Motivation zur Zertifizierung nach ISO 14000ff, wie lange hat der gesamte Prozess gedauert?

 

! Drei Jahre nach unserer Eröffnung haben wir festgestellt, dass das Resort der Golfbranche in vielen Bereichen als Referenz in Sachen Umweltmanagement dienen kann. Insgesamt hat der Prozess der reinen Zertifizierung dann 12 Monate gedauert.

 

? Welche Änderungen beim Greenkeeping waren erforderlich, um die Zertifizierung nach der ISO-Norm zu erhalten?

 

! Wir haben viele neue Vorgehensweisen angewendet, um den Golfplatz nachhaltig und umweltverträglich zu betreiben. Die größten Verbesserungen haben wir bei der Reduktion der eingesetzten Pflanzenschutzmittel durch den Einsatz neuer Grassorten, der Reduktion des Wasserverbrauchs und der 100-prozentigen Umstellung auf organische Düngemittel erreicht.

 

? Gab es besondere Hindernisse oder Schwierigkeiten bei diesem Umstellungsprozess?

 

! Unser einziges Hindernis war die Zeit. Leider kann man eine solche Transformation nicht binnen 24 Stunden bewältigen. Um die Grüns und anderen Bereiche der Anlage auf umweltfreundliche Gräser umzustellen, benötigt man schlicht Zeit. Zudem mussten wir unsere Gesellschafter davon überzeugen, die notwendigen Investitionen für diese Strategie zu tätigen. Heute, einige Jahre später, ernten wir die Früchte unserer Strategie – das Budget für die Instandhaltung und Pflege der Anlage ist deutlich niedriger, als es vor der vollzogenen Umstellung war.

 

? Welche Anpassungen waren erforderlich, um den Anforderungen der ISO-Norm bei Düngemitteleinsatz, Bewässerung und Graseinsatz zu genügen?

 

! Sämtliche Aktivitäten im Greenkeeping-Bereich des Resorts sind jetzt aufeinander abgestimmt. Die richtigen Grassorten benötigen weniger Wasser, was wiederum weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitten erfordert und dadurch wiederum das Gras eine bessere Flächendeckung erzielt, so dass wir weniger Düngemittel benötigen. Hier greift ein Rad ins andere.

 

? Wie haben Ihre Clubmitglieder und Gastspieler auf die Veränderungen reagiert? Gab es irgendwelche Beschwerden während des Umstellungsprozesses oder aufgrund der nun neu definierten Standards?

 

! Wir haben durchweg ein sehr positives Feedback erhalten, auch heute noch erhalten wir täglich viele Komplimente für die Qualität unserer Spieloberflächen.

 

? Wie hat sich das neue Programm finanziell ausgewirkt?

 

! Wie bereits dargestellt, erforderte das Konzept anfänglich zusätzliche Investitionen, heute profitieren wir jedoch nach nur zwei bis drei Jahren von niedrigeren und gleichmäßigeren Unterhaltskosten.

 

? Einige Länder wie Deutschland haben eigene Umweltprogramme konzipiert, insbesondere Golf & Natur des DGV. Wie beurteilt Finca Cortesin die Anwendung internationaler, nicht speziell für die Golfbranche entwickelter Standards dazu im Vergleich?

 

! Aus unserer Sicht ist es absolut sinnvoll, auf lokale Programme zu setzen. Die Konzepte des Golfanlagenmanagements sind weltweit stark unterschiedlich und hängen vom örtlichen Umfeld ab. Die Bedingungen in Südspanien unterscheiden sich beispielsweise signifikant von denen in Deutschland – jedes Land hat nun einmal ein eigenes klimatisches Umfeld, seine darauf angepassten Grassorten und nicht zuletzt auch seine Golfkultur.

 

? Hat Finca Cortesin die durchgeführten Maßnahmen mehr unter Betriebsaspekten geplant oder ging es eher darum, den aktuellen Nachhaltigkeitstrend aufzugreifen und in das Marketing der Anlage einzubinden?

 

! Aus Sicht des Anlagenbetriebs war dieser Wechsel wichtig, da das Klima Südspaniens für den nun eingesetzten Grastyp perfekt geeignet ist. Natürlich sehen wir auch die Vorteile für die Umwelt und die deutlich reduzierte Umweltbelastung. Wir haben uns bei Finca Cortesin für eine Vorreiterrolle im Bereich nachhaltiger Golfresorts entschieden – und so sind wir die erste Anlage der Region, die dies Grassorte verwendet. Natürlich gehen wir davon aus, dass weitere Golfanlagen der Region diesem Beispiel folgen werden.

 

Herr Isos, wir danken Ihnen sehr herzlich für diese sehr interessanten Ausführungen.

 

Das Gespräch führte unser Autor Michael Althoff | golfmanager 1/2020

 

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