Problem Pitchmarke – ein Platzpflege-Thema?

Pitchmarken ausbessern ist jedermanns Sache

Es gab sie zwar schon immer, aber in den letzten Jahren haben sie noch deutlich zugenommen: die Klagen über nicht entfernte Pitchmarken. Während der Golfer sich meist erst dann daran stört, wenn der eigene Putt beeinträchtigt wird, sind die Gedanken des Greenkeepers beim Anblick der Verletzungen auf den Grüns deutlich komplexer.


Infokasten Pitchmarken

Wenn der Golfball nach dem Annäherungssschlag auf dem Grün landet, werden durch den Aufprall die obersten Bodenschichten „aufgeschoben“ und es entsteht die sogenannte „Pitchmarke“, eine Aufwerfung in Flugrichtung des Balles. Größe und Umfang hängen zum einen von Flugbahn und Fallgeschwindigkeit des Balles sowie von der Neigung der Puttfläche und dem Einschlagwinkel ab. Ein Par-3-Loch ist somit deutlich anfälliger.


Viel Wind um nichts?

Ein Golfer verursacht auf seiner Runde durchschnittlich fünf Pitchmarken. Ausgehend von 60 Runden pro Tag entstehen auf einer 18-Löcher-Anlage täglich etwa 300 und in einem Monat an die 9.000 Pitchmarken!

 

Die Auswirkungen auf den Grasbestand sind mit denen eines Krankheitsbefalls vergleichbar und für den Laien oft auch nicht davon zu unterscheiden. Durch den Aufprall werden Graspflanzen verletzt, teilweise zerstört und sterben ab.

Der unansehnliche, braune Fleck, der dadurch entsteht, ist jedoch nur der ästhetische Aspekt des Problems, bedeutsamer sind zwei andere Auswirkungen: Zum einen die Einschränkung der Funktionsfähigkeit des Grüns, die Spielqualität leidet. Da die Kahlstelle die Puttlinie stört, „hoppelt“ der Ball, und das Grün ist nicht mehr treu. Zum anderen sind die verletzten Gräser anfälliger für Krankheiten und die entstandene Lücke erleichtert zudem das Einwandern von Fremdgräsern, unerwünschten Arten (Unkräutern), Algen oder Moos.

 

Was ist zu tun?

Eigentlich sollte das unmittelbare, fachgerechte Ausbessern seiner Pitchmarke für den Golfspieler selbstverständlich sein. Er beseitigt so den durch ihn entstandenen Schaden, es ist sein Beitrag zur Erhaltung der Spielqualität. Wer seine Pitchmarke ignoriert, verhält sich unfair den nachfolgenden Golfern gegenüber und vielleicht ärgert er sich auch selbst beim nächsten Spiel über seinen missratenen Putt!

 

Laut PGA of America, dem amerikanischen Verband der Berufsgolfer, heilen innerhalb von 5 Minuten reparierte Pitchmarken innerhalb von 24 Stunden. Geschieht dies erst nach 15 Minuten, so beträgt die Zeit mindestens 2 Wochen und je nach Witterung und Wüchsigkeit sogar bis zu 4-6 Wochen!


Die richtige Technik

Genauso wichtig wie das zeitnahe Ausbessern ist die richtige Technik! Ein schottisches Sprichwort sagt: „Wenn jeder Golfer zwei Pitchmarken pro Grün ausbessert, gibt es bald keine mehr.“

 

Zur Reparatur von Pitchmarken werden die sogenannten „Pitchgabeln“ eingesetzt.  Bei der korrekten Durchführung geht es aber nicht um stylisches Aussehen und Zusatzfunktionen, es kann fast jedes spitze Werkzeug eingesetzt werden. Im Extremfall würde sogar ein Tee ausreichen. Am häufigsten wird derzeit die zweizackige Pitchgabel eingesetzt. Die einzackige Pitchgabel wird langsam beliebter. Mit ihr wird, selbst bei einem nicht optimalen Einsatz, weniger Schaden angerichtet.

 

Entscheidend ist jedoch: Die zeitnahe Reparatur unter Anwendung der richtigen Technik ist der Schlüssel zum Erfolg!

Mit der Pitchgabel darf nicht direkt in die „Kuhle“ gestochen werden, sondern im schrägen Winkel 45 Grad in den hinteren Rand der Vertiefung. Dann wird das Gras leicht nach vorne geschoben, – nicht hebeln und nach oben drücken! Durch ein Hochhebeln der Gräser werden die Wurzeln abgerissen und das Gras würde absterben. Auf diese Weise arbeitet man sich einmal rund um die Vertiefung. Anschließend sollte die so ausgebesserte Stelle mit dem Putter leicht eingeebnet werden.

 

► Youtube-Clip: Fachgerechtes Ausbessern von Pitchmarken (Quelle: DGV)


Fragt man einen Golfer, so bekommt man häufig die Antwort „Ich habe 3 bis 4 Pitchmarken auf jedem Grün ausgebessert“ – die Grüns beweisen jedoch oftmals das Gegenteil!

 

Da stellt sich nun die Frage: Ist dem Golfer das Problem mit all seinen Auswirkungen nicht bewusst? Hier würde dann ein Aufklären und Verdeutlichen helfen. Hierzu können alle Verantwortlichen beitragen, angefangen beim Pro, über den Manager und jeden einzelnen Golfer, der mit gutem Beispiel vorangeht.


Golfer sollten in Bezug auf Pitchmarken auch Greenkeeper sein

Eine Frage an: Andrew Duck, Head-Pro Golfschule Haus Bey, Turnierdirektor PGA of Germany

 

? Welche Rolle spielt der Umgang mit Pitchmarken im Unterricht?

 

! Ab der 1. Stunde und in jeder weiteren Stunde zeigen wir unseren Schülern, wie man Pitchmarken richtig entfernt und erklären auch, wie wichtig es ist, diese unverzüglich zu reparieren. Wir erklären den Golf-Beginnern, wie unerlässlich es ist, für den Platz zu sorgen. „Heute für morgen sorgen“ ist einer unserer meist verwendeten Sätze im Zusammenhang mit Pitchmarken und Divots. Leider kommen aber die neuen Golfer nach einer gewissen Zeit zu uns und sind ganz verwundert, da die „älteren“ Mitglieder sagen: „Das macht man nicht, dafür gibt es doch Greenkeeper.“ Diese Neu-Golfer sind dann oft verunsichert und fragen uns, ob sie, oder die anderen, richtig liegen. Oft ist die Spielgeschwindigkeit viel zu hoch und gerade Beginner fühlen sich vom nachfolgenden Flight unter Druck gesetzt. Da lässt man schnell die Pitchgabel stecken und versucht, das Grün so schnell wie möglich zu verlassen. Trotzdem geben wir nicht auf und erklären unseren Schülern immer wieder, dass jeder Golfer auch ein Greenkeeper ist und auf den Platz achten muss. Man ist schließlich nicht alleine auf der Golfanlage und will ja auch in Zukunft ein gesundes Grün vorfinden. Der Zustand des Platzes darf nicht unter dem oft zu schnellen Pace of Play leiden.


Auf Golfanlagen mit nachlässigen Golfspielern benötigen Greenkeeper täglich durchschnittlich 1 bis 2 Stunden für die Beseitigung der Pitchmarken – ein nicht zu unterschätzender Zeit- und Kostenfaktor. Bei dem zunehmend herrschenden Mangel an Fachpersonal im Greenkeeping stehen diese Arbeiten beispielsweise in zeitlicher Konkurrenz zu einem Handwässern oder einer anderen essenziell notwendigen Maßnahme der Grünspflege. Zudem wird die Hälfte aller Runden am Wochenende gespielt – der Greenkeeper kann auch aus diesem Grund nicht derjenige sein, der das zeitnahe und damit auch erfolgreiche Ausbessern durchführt. Die Rolle des Greenkeepings ist vielmehr eine vorbeugende in Bezug auf die Entstehung von Pitchmarken. Einen großen Einfluss auf die Ausprägung hat nämlich auch die Beschaffenheit der Oberfläche. Weiche, feuchte Grüns sind stärker betroffen, als harte, trockene. Neben dem Einfluss des Beregnungsmanagements spielt somit auch der Anteil an organischer Subs-tanz eine wichtige Rolle. Mechanische Maßnahmen, wie Belüften und regelmäßiges Topdressen, dienen demnach nicht nur der Filzreduzierung, sondern beugen auch dem Entstehen von übermäßig vielen Pitchmarken vor.

 

Best Practice: Ansprache der Golfer

Da das Problem kein Neues ist, gibt es auch bereits schon zahlreiche Ansätze der Bewältigung. Trotzdem ist für den ein oder anderen vielleicht eine neue und wirksamere Variante dabei.

  • Zahlreiche Golfanlagen nutzen ihre Homepage, um einen Appell an die Golfer zu richten (s. Abb. Best Practice 1).
  • Schilder (s. Abb. Best Practice 2a, b) oder Fahnen (s. Abb. Best Practice 3) werden mit einem Aufruf zur Reparatur, sowohl mit einer strengen Aufforderung, als auch alternativ mit einer Bitte, versehen.
  • Manchmal hat aber auch ein Foto, wie es der West Sussex Golf Club auf seiner Website verwendet, mehr Aussagekraft als mahnende Worte (s. Abb. Best Practice 4).Testen Sie es doch einmal selbst auf Ihrer Anlage!
  • Zur Unterstützung der Golfanlagen hat der Deutsche Golf Verband (DGV) unter dem Motto „Ehrensache – Pitchmarke ausbessern“ eine Toolbox zusammengestellt, deren Inhalte auf dem DGV-Serviceportal abgerufen werden können. Neben erläuternden Texten und einem Kurz-Clip stehen dort auch weitere, die Kommunikation unterstützende Inhalte zur freien Verfügung (direkter Link: https://bit.ly/3mYeDWC).

Doch wie so häufig im Leben laufen Worte und Aktionen ins Leere, wenn es an klaren Regeln und Konsequenzen fehlt. Doch die gibt es durch die Regel 1.2, der seit Januar 2019 geltenden Golfregeln, die die „Etikette“ beinhaltet. Bestandteil sind „Spirit of the Game“, Integrität, Rücksichtnahme und Schonung des Platzes. Jede Spielleitung hat danach die Möglichkeit, in den Platzregeln Verhaltensvorschriften festzulegen und Verstöße dagegen mit Strafschlägen zu belegen. Dies gilt auch für das Nicht-Ausbessern von Pitchmarken!

 

Autorin: Beate Licht | Greenkeepers Journal 3/2021

 

 

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