Effektive Nutzung von Beregnungswasser

Aus der Praxis

Dieses Jahr hat der ­Frühling einen Monat früher als üblich angefangen, wäre keine Corona, wären Biergärten und Grillstationen bereits im Februar gut ausgelastet gewesen und manch einer hätte sicher schon über seine Balkonbepflanzung nachgedacht. Sind diese frühen hohen Temperaturen bereits ein Vorbote auf ein wiederum heißes und trockenes Jahr?

 

Heiß und trocken heißt für viele Greenkeeper auch meist: vergeblicher Kampf gegen ausgetrocknete Bunkerzungen, vor allem, wenn sie auch noch steil und nach Süden ausgerichtet sind.

 

Im Stuttgarter Golf-Club Solitude e.V. wurde bereits vor 15 Jahren zusätzlich zur Grünsberegnung eine separate Umfeldberegnung (back to back) angelegt, die dieses Problem lösen sollte. Auf den meisten Flächen rund ums Grün funktioniert das auch, nur an einigen wie oben beschriebenen Bunkerzungen kommt das System an seine Grenzen. Entweder ist der Bunker morgens ausgespült oder die Bunkerzunge brennt dann doch im Laufe des Tages aus; die Handbewässserung ist sehr zeitaufwändig und auch nicht immer erfolgreich.

 

Letztes Jahr im Frühling wurde deshalb eine unterirdische Tropfbewässerung mit einem speziellen Tropfschlauch auf zwei Bunkerzungen eingezogen. Die Grasnarbe wurde abgetragen und Verlegeschlitze eingearbeitet. Dabei wurden zwei unterschiedliche Verlegemuster angelegt (Abbildungen 1 und 2). Im einen Muster wurden abgehend von der Versorgungsleitung mehrere Stichleitungen Richtung Bunker im Abstand von ca. 30 cm verlegt, im zweiten Muster wurden im gleichen Abstand Ringleitungen an die Versorgungsleitung angeschlossen. Die Verlegetiefe lag bei ca. 7 bis 10 cm unter der Grasnarbe.

 

Die Versorgungsleitung wurde zusammen mit einem handelsüblichen Druckminderer an die Ringleitung der Umfeldberegnung an die Station Bunker angeschlossen, so dass die Tröpfchenbewässerung einzeln angesteuert werden kann. Anschließend wurden die Bunkerzungen neu besodet (Abbildung 3).

Es wurden pro Bunkerzunge ca. 100 m Tropfschlauch mit AntiSiphon Mechanismus (Tropfer schließt sich bei Bewässerungsende und verhindert damit Eindringen von Bodenteilchen in das System) verlegt, der optimale Druckbereich liegt zwischen 0,5 bis 4 bar (deshalb Druckminderer unbedingt erforderlich). Die Tropfer sind alle 30 cm angeordnet und lassen pro Stunde 1,6 l Wasser durch. Bei 100 m Schlauchlänge sind das dann 333 Tropfer mit 533 l Wasser pro Stunde. Der zuvor eingebaute Teilkreisregner hatte einen Verbrauch nach Liste von ca. 5.000 l pro Stunde.

 

Fazit nach dem ersten Betriebsjahr (2020): Das eingebaute System hat störungsfrei funktioniert, die beiden Bunkerzungen blieben das ganze Jahr über dicht und grün. Die Verlegung im Ring war an den Rändern besser als die Stichleitungen. Das System lief zwei- bis dreimal pro Woche meist tagsüber für ca. drei Stunden. Durch die unterirdische Verlegung gab es keinerlei Abschwemmungen oder Verdunstungen, die eingesetzte Wassermenge wurde punktgenau ausgebracht!

 

  • Kosten: ca. 400 EUR für das Schlauchmaterial, ­Anschlüsse und ­Druckminderer
  • Arbeitszeit: 3 Tage mit 2 bis 3 MA

 

Autor: Hubert Kleiner | Greenkeepers Journal 1/2021

 

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