Gräser, die im heißen Sommer nicht im Stich lassen

Barenbrug informiert

Konsequenzen aus klimatischen Veränderungen

Die Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 hat die Graswelt schwer getroffen. Rotschwingel enttäuschte vielerorts, Deutsches Weidelgras überraschte positiv. Rohrschwingel machte seine Arbeit, Rotes Straußgras verbuchte Geländezuwächse und Wiesenrispengras erwies sich als zuverlässig. Aber man sollte nicht alle Arten und Sorten in einen Topf werfen! Warum kam bei dem einen das Gras wieder zurück und beim anderen starb es ab? Eine intensive Erforschung der Grenzen von Gras zeigt einmal mehr ihren Wert. Bewusste Entscheidungen lautet das Motto der Stunde.

 

Ein schwieriger Kampf für viele Grasprofis im vergangenen Sommer: Was kann Gras in Bezug auf extreme Bedingungen aushalten und wo sind die Grenzen? Soll ich beregnen, darf ich beregnen, will ich beregnen? Auf diese Fragen gibt es keine eindeutige Antwort. Am Anfang sollte immer zuerst folgende Frage stehen: Welche Grasarten und -sorten brauche ich, um weniger beregnen zu müssen? Eine bewusste Wahl der Grassamenmischungen kann viel Leid, Wasser und Geld sparen. Eine bewusste Wahl trifft man am besten auf Grundlage von Forschungsergebnissen. Barenbrug betreibt seit Jahren eine intensive Forschung, um die extremen Grenzen von Gras herauszufinden. Beispielsweise auch in Sachen Trocken- und Hitzetoleranz. Anhand verschiedener Grassorten folgt hier eine Zusammenfassung der Lehre, die wir aus den vergangenen Sommern gezogen haben.

 

Feine Schwingelgräser vertragen oft keine Hitze

Rotschwingel musste am meisten darunter leiden. Dabei heißt es doch allerorten, dass gerade Rotschwingel so trockentolerant ist!? Aber leider ist trockentolerant nicht gleich hitzetolerant! Denn genau darin bestand das große Problem des letzten Sommers: diese Kombination aus Trockenheit und Hitze. Rotschwingel ist trockentolerant, aber nicht wirklich hitzetolerant. Forschungsergebnisse aus Südeuropa zeigten dies schon bereits zuvor. Außerdem gibt es nicht nur den einen Rotschwingel. Kurzausläuferrotschwingel reagiert auf Hitze und Trockenheit anders als Horstrotschwingel sowie anders als Ausläuferrotschwingel. Auch innerhalb der Unterarten gibt es erhebliche Unterschiede: die eine Sorte gibt es nicht. Im Sommer reagiert jede Sorte anders.

 

Unter den feinen Schwingelgräsern fällt der Schafschwingel besonders auf. Schafschwingel ist die Ultra-Low-Input-Pflanze par excellence. Diese Pflanze kommt nicht nur mit sehr wenigen Nährstoffen, sondern auch mit sehr wenig Wasser aus. Darüber hinaus verträgt diese Pflanze unter allen feinen Schwingelgräsern die Hitze am besten. Dennoch gilt es zu beachten: Innerhalb der Familie der Schafschwingel gibt es enorme Unterschiede. Ein großer Teil der Schafschwingelgräser ist nicht tiefschnittverträglich und verträgt schon gar keine Trittbelastung.

 

Rotschwingel ist in Sachen Trockenheit auch die unbequemste Grasart: Sie bildet Filz und schützt sich vor Austrocknung, indem sie Fettstoffe absondert. In Kombination mit trocknendem Filz wird der Boden dadurch wasserabweisend. Wasser kann nicht in den Boden eindringen und die Pflanze kann nicht regenerieren. Außerdem kann das Wasser keine neuen Grassamen erreichen, so dass dieses Saatgut nie keimen wird. Das ist also nur hinausgeworfenes Geld! Rasenflächen sterben ab und neue Pflanzen haben keine Chance. Ein Teufelskreis, der nur durchbrochen werden kann, wenn die Wasserabweisung beseitigt wird.

 

Mit Hilfe einer speziellen Saatgutbeschichtung lässt sich der durch die Wasserabweisung verursachte Stress verhindern. Dieser so genannte Yellow Jacket Water Manager verteilt sich im Boden und beseitigt die Wasserabweisung. Wasser wird verfügbar gemacht und die jungen anfälligen Pflanzen werden bei Trockenheit und Hitze weniger belastet (siehe Abb. 1 u. 2). Zurzeit ist diese Beschichtung bei Golf- und Sportmischungen erhältlich. Langfristig wird der Yellow Jacket Water Manager auch bei den Rasenmischungen zur Verfügung stehen.

Abb. 1: Tests von Aquatrols/Barenbrug mit Yellow Jacket Water Manager zeigen, dass auch völlig ausgewachsene Pflanzen (=10) immer noch aufgrund von Hitzestress absterben können.
Abb. 2: Foto Mitte Juli nach Hitzestress. (Quelle beider Abbildungen: UGC De Pan, 2014)

Rohrschwingel verträgt Trockenheit und Hitze problemlos

Rohrschwingel ist unter den westeuropäischen Gräsern eine der trocken- und hitzetolerantesten Sorten. Intensive Forschungen in Italien in sogenannten „Rain-out Shelters" zeigen dies sehr deutlich (siehe Abb. 3 u. 4). In diesen Rain-out Sheltern stehen die Pflanzen aufgrund von längerer Trockenheit und Hitze unter extremen Stress. Nur wenige Pflanzen überleben ein solches Klima von mehreren Wochen Dürre und Hitze. Und nur ein noch kleinerer Teil regeneriert sich nach einem solchen Stress wirklich. Diese intensive Forschung führte zur Entwicklung einer Mischung, die im Vergleich zu einer herkömmlichen Rasenmischung fast 70 % weniger Wasser benötigt: die Water Saver-Mischung. Water Saver ist seit Jahren auf dem Markt, aber ein Bedarf bestand dafür bislang vor allem in Süd- und Osteuropa. Die Mischung besteht aus speziell ausgewählten Rohrschwingeln, Wiesenrispen und Deutschen Weidelgräsern, die sich besonders durch Trockentoleranz und Regeneration nach Trockenheit und Hitze hervortun.

Abb. 3: Rain-out Shelter vor ...
Abb. 4: ... und nach einer Stressperiode. Extremer Stress führt zu sichtbaren Unterschieden. (Quelle beider Fotos: Landlab Research Institute, Italien)

Wiesenrispen sind variabel

Auch innerhalb der Wiesenrispen gibt es enorme Unterschiede an Trocken- und Hitzetoleranz. Wenn sie absterben, liegt es oft an einer fatalen Grunderkrankung. Sorten, die auf den Listen des niederländischen Grasverzeichnisses ganz oben stehen, können in warmen und trockenen Gebieten wie in Südeuropa völlig unzureichend sein. Sorten, die in Süd- und Osteuropa hervorragend abschneiden, schneiden auf den niederländischen und deutschen Listen nicht unbedingt besser ab. Glücklicherweise gibt es Sorten, die in beiden Zonen gut zurechtkommen.

 

Deutsches Weidelgras überrascht

Allerorts hält sich die Meinung, dass Deutsches Weidelgras nicht für heiße Sommer geeignet ist. Deshalb öffnete die Regenerationsfähigkeit des Deutschen Weidelgrases nach dem Extremsommer 2018 vielen die Augen. An vielen Stellen wuchs das Deutsche Weidelgras als erste Grassorte wieder. Der Nachteil des normalen Deutschen Weidelgrases ist seine Horstform. Resultat: Eine dürre Fläche mit hier und da einem Horst grünen Grases und die Fläche wächst nicht richtig zu.

 

Auch innerhalb der Deutschen Weidelgräser ist die Vielfalt groß. Im Vergleich zu neuen Sorten schneiden die alten Sorten des Deutschen Weidelgrases in Sachen Trocken- und Hitzetoleranz oft deutlich schlechter ab. Untersuchungen in Italien und Frankreich zeigen, dass Ausläufer bildendes Deutsches Weidelgras (das sogenannte RPR-Gras) bei Trockenheit und Hitze sowie bei der Regeneration von Trocken- und Hitzeschäden deutlich besser abschneidet. Die Ausläuferbildung von RPR sorgt daneben auch dafür, dass die zuvor beschriebene Horstform der Vergangenheit angehört. Die Pflanze kann sogar von der Mutterpflanze aus neue Ausläufer bilden, mit denen sich kahle Stellen auffüllen lassen. Die einzigartigen Mischungen mit RPR regenerieren Trockenschäden nicht nur schneller als andere Mischungen, sondern sorgen auch dafür, dass wesentlich weniger Schäden auftreten.

Abb. 5: Trockenstress Lolium perenne (Quelle: Landlab Research Institute, Italien)
Abb. 6: RPR Lolium perenne, 10 Monate alt (Quelle: Barenbrug Research, UK)

Verhindern oder regenerieren? (Golf)

Für Golfplätze ist Yellow Jacket Water Manager in vielen Mischungen erhältlich, um eine stressfreie Keimung und Etablierung zu gewährleisten. Wenn feine Schwingel mit mehr Trocken- und Hitzetoleranz gefragt sind, dann ist Bar Fescue Plus die beste Wahl. Diese Mischung enthält neben den trocken- und hitzebeständigsten Rotschwingeln auch einen Hartschwingel, der tiefschnittverträglich ist und relativ gesehen die beste Nutzungstoleranz bietet. Für eine schnelle Regeneration von Fairways und Abschlägen ist Bar Extreme RPR die beste Lösung. Diese Mischung besteht aus RPR und feinblättrigen Deutschen Weidelgrassorten. Alternativ dazu ist Bar Intensive RPR erhältlich. Neben RPR beinhaltet diese Mischung die trocken- und hitzebeständigsten Rotschwingel und feinblättriges Deutsches Weidelgras. Mit einer bewussten Wahl der Rasenmischung lässt sich viel gewinnen. Kurative Schäden lassen sich auf die effizienteste Weise beheben. Präventiv gesehen lässt sich viel Schaden vermeiden. Entscheiden Sie sich daher ganz bewusst für gute und durch unabhängige Forschung untermauerte Lösungen.

 

Autor: Olaf Bos, International Product Manager Turf, Barenbrug (Stand: 12/2019)

 

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