Gesunde Teiche

... pflegen statt entschlammen

Teiche sind aus spieltechnischer Sicht Wasserhindernisse oder ein optisches Gestaltungselement – aber sie können soviel mehr sein. Teiche benötigen durchaus regelmäßige Pflege- und Unterhaltungsarbeiten. Im Rahmen der aufwändigen Golfplatzpflege fehlt neben der Zeit auch das Budget, sich zusätzlich intensiv mit diesen Elementen der Golfanlage zu beschäftigen.

 

Bleibt am Ende dann jedoch nur noch die Entschlammung, so ist dies nicht nur mit hohen Kosten verbunden, da zusätzlich Deponiegebühren anfallen, sondern auch mit einem umfangreichen Eingriff, der die komplette Flora und Fauna zerstört. Gesunde Teiche, die sich in einem biologischen Gleichgewicht befinden, sollten das Ziel sein!

Teiche auf Golfanlagen sind eine Zierde – bedürfen aber auch regelmäßiger und intensiver Pflege! (Foto. K.G. Müller-Beck)

Zu diesem Themenkomplex befragten wir Dr. Volker Seidel, Ingenieurbiologe und Geschäftsführer der ÖKON- Vegetationstechnik GmbH, Hamburg.

 

? Sie befassen sich seit über 30 Jahren mit dem naturnahen Wasserbau, Stillgewässern und den notwendigen Maßnahmen, sowohl von baulicher Seite, als auch in Bezug auf Pflanzenverwendung und sind einer der Autoren des „Handbuch Naturnaher Wasserbau“. Auch durch die Zusammenarbeit mit Karsten Silberbach haben Sie bereits einige Golfanlagen mit ihren Teichen und Problemen kennengelernt. Was ist Ihr erster Eindruck?

 

! Ein Teich ist ein vielseitiger Lebensraum, der von vielen Faktoren beeinflusst wird. Es gibt auf den Golfanlagen ein paar grundlegende Probleme, die immer wieder anzutreffen sind. Den Teichen fehlt es an Vielfalt und Struktur, somit eben auch an Lebensraum für die Mikroorganismen, die letztendlich zuständig sind für die Wasserqualität.

 

? Ist es denn, trotz der Vielfalt und der jeweiligen Besonderheiten, überhaupt möglich, den Golfanlagen allgemeingültige Empfehlungen zu geben?

 

! Was mir immer wieder auffällt, ist der fehlende Ufersaum. Das Oberflächenwasser gelangt vielmehr direkt in den Teich, Nährstoffe werden nicht ufernah zurückgehalten und können auch nicht bestenfalls dort schon umgesetzt werden. Durch den Einsatz von Steinwalzen und Röhrichtmatten ergäbe sich ein Uferschutz, Lebensraum für Tiere und eine Förderung der Selbstreinigungskraft des Gewässers. Hierbei muss bei der Pflanzenwahl neben dem Standort auch die Wuchs-Charakteristika der einzelnen Arten berücksichtigt werden.

 

Auch die Bedeutung des Themas Fischbesatz wird in vielen Fällen unterschätzt. Eine effiziente Möglichkeit zur Nährstoffentnahme aus dem Wasserkörper der Teiche sind bepflanzte Schwimm­inseln. In einigen Fällen sind die Teiche jedoch bereits in einem Zustand, in dem nur noch eine Entschlammung zu empfehlen ist.

 

Herr Dr. Seidel, vielen Dank für Ihre Einschätzungen!

 

Das Gespräch führte Beate Licht | Greenkeepers Journal 03/2018

 

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