Fütterung von Wildvögeln

Zunehmend unverzichtbar

Seidenschwanz auf einem Schneeballstrauch.

 

Die Bereitschaft, dem dramatischen Rückgang unserer heimischen Singvögel durch eine gezielte Fütterung zu begegnen, ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Die Menschen realisieren, wie wichtig, nützlich und sinnvoll Zufütterung ist und zudem den Zeitgeist trifft. Das gilt sowohl für die Winter- als auch für die Ganzjahresfütterung.

 

Gerade Golfplätze zählen in Deutschland mittlerweile zu bedeutenden Rückzugsgebieten für die heimische Vogelwelt. Viele Golfplätze wurden und werden u.a. im Rahmen des DGV-Umweltprogrammes „GOLF&NATUR“ in den letzten Jahren gezielt mit Sträuchern, Stauden und Nistkästen aufgewertet, die den Wildvögeln Rückzugs- und reichlich Nistmöglichkeiten bieten. Auf den gepflegten Grünflächen der Golfanlagen finden die Vögel durchweg kein Futter. In der Vergangenheit ernährten sie sich auf den Ausgleichsflächen oder im Umfeld der Golfplätze und fanden dort ausreichend Nahrung.

Diese Situation hat sich jedoch gravierend verändert. Mittlerweile sind viele Golfplätze eingeengt durch intensive Landwirtschaft, Siedlungen, Industrie- oder Verkehrsflächen, bis dicht an die Golfplätze. Das bedeutet für die Vögel, dass sie im näheren und weiteren Umfeld nicht mehr genug Futter finden, um sich selbst und ihre Brut ausreichend zu ernähren.

 

Viele Golfanlagen haben in den letzten Jahren ein- und mehrjährige Blühflächen angelegt. Diese Pflanzen, die auch ausreifen, bieten den Singvögeln aber leider nur im Sommer und Herbst viel Nahrung – den Körner- wie auch den Insektenfressern.

 

Da wäre es doch naheliegend, wenn die flächenmäßig großzügig ausgestatteten Golfplätze Futterstellen einrichten, um den Wildvögeln neben Nistmöglichkeiten ganzjährige Futterquellen zu eröffnen.

 

Winterfütterung – überlebensnotwendig!

Prof. Peter Berthold, langjähriger Direktor des Max-Planck-Institutes für Ornithologie und ehemaliger Direktor der Vogelwarte Radolfzell, schreibt zur Winterfütterung in seinem Buch „Vögel füttern – aber richtig“: „In vielen Ratgebern liest man, die Winterfütterung sollte erst beginnen, wenn es ‚richtig‘ Winter geworden ist – konkret erst bei Abfall der Temperatur auf minus 5 °C mit anschließendem Dauerfrost und möglichst noch geschlossener Schneedecke! Das ist mit die unsinnigste Empfehlung, die man sich im Hinblick auf die Zufütterung denken kann.“

 

Um das zu verstehen, sollte man sich folgendes klarmachen: Ein meisengroßer Vogel verliert in einer Winternacht etwa 10% (!) seiner Körpermasse. Am darauffolgenden Tag muss der Gewichtsverlust unbedingt wieder ausgeglichen werden, damit der Vogel auch die nächste Nacht überlebt. 

Star an der Bruthöhle.
Haubenmeise an einer Kastanien-Bruthöhle.

Um diesen Ausgleich zu erreichen, ist er schon ab dem frühen Morgen auf hochwertige Nahrung angewiesen. Andernfalls kann er schnell in einen kritischen Ernährungszustand geraten, da er ohne Nahrungsaufnahme bereits nach etwa einem Tag so „leergebrannt“ ist, dass er sich nicht mehr erholen kann.

 

Damit ist klar: Wenn dem Vogel eine Futterstelle im Winter helfen soll, dann muss er sie kennenlernen können, bevor kritische Winterbedingungen einsetzen, damit er sie dann ohne langes Suchen unverzüglich nutzen kann. Um das sicherzustellen, muss bereits lange vor der eigentlichen Winterperiode mit der Fütterung begonnen werden.

 

Mit der Winterfütterung sollte man aus vier Gründen spätestens im September beginnen:

  1. Zu dieser Zeit sind bei uns die meisten Jungvögel ausgeflogen und streifen weit umher, um sich nach Verlassen der elterlichen Brutreviere ihre eigenen Lebensräume zu suchen.
  2. Standvögel halten in dieser Zeit nach geeigneten Überwinterungsplätzen Ausschau und wenn sie dabei bereits eine gute Futterstelle finden, kann das unter Umständen schon ihre „Überlebensversicherung“ bis zur nächsten Brutsaison sein.
  3. Viele Jungvögel leben im September auch noch im Familienverband mit ihren Eltern, von denen sie bei früh einsetzender Fütterung häufig zu Futterstellen hingeführt werden. Dadurch lernen Sie Futterplätze kennen, in deren Nähe sie sich dann auch bevorzugt ansiedeln.
  4. Bei Fütterungsbeginn ab September oder früher haben später wegziehende Arten wie Star, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke u.a. die Chance, noch vor dem Wegzug Futterstellen kennenzulernen, die sie sich leicht merken und bei Nachwintereinbrüchen nach ihrer Rückkehr im Frühjahr gezielt nutzen können. 

 

Bei dem Thema Ganzjahresfütterung von Vögeln wird immer wieder verkannt, dass im zeitigen Frühjahr (Februar-Mai) das Futterangebot in der Natur flächendeckend von allen hier überwinternden Vögeln stets sehr dezimiert wird. Doch gerade in diesem Zeitraum, wenn die Zugvögel nach langem Flug geschwächt aus dem Süden zurückkehren, brauchen sie dringend Futter, um sich zu stärken und – ebenso wichtig –, um sich auf das anstehende Brutgeschäft vorzubereiten. Gerade im Frühjahr sollte man die Singvogelfütterung nicht etwa einstellen, sondern ganz im Gegenteil sogar ausweiten!


Das ideale Futterhaus sollte nicht zu klein sein und eine Grundfläche von mindestens einem Viertel Quadratmeter aufweisen, damit die Vögel sich nicht ins Gehege geraten. Es muss ein ausreichend weit überstehendes Dach besitzen, um das Futter bei Regen und Schnee trocken zu halten. Außerdem sollte das Dach vom Bodenbrett genügend – im zentralen Bereich mindestens 30 cm – Abstand haben, damit sich in Futterhäuser auch mehr zögerliche Arten wie Kernbeißer, Stieglitz, Buchfink und andere hineintrauen. Frei aufgestellte Futterhäuser (z.B. vor dem Clubhaus eines Golfplatzes) bringt man am besten 1,5 Meter über dem Boden an. Dabei sollte das Haus auf einem sehr glatten Kunststoff- oder Metallrohr stehen, damit Mäuse nicht hinaufklettern können. Um Verschmutzungen gering zu halten, kann man bei größeren Häusern das Futterbrett durch Trennwände unterteilen.


Fazit

Frühzeitiger Fütterungsbeginn im Spätsommer gibt allen – Zug- wie Standvögeln – die Möglichkeit, Futterstellen rechtzeitig zu entdecken, was später im Jahr oder nach Rückkehr im Spätwinter so nicht mehr möglich ist. Mindestens genauso wichtig ist es, die Fütterung nicht mit dem letzten Schnee zu beenden, sondern gerade dann noch einmal zu intensivieren. Dem Vogelfütterer gibt dies die Chance, eine möglichst große, bunte Schar an Futtergästen das ganze Jahr über erleben und bestaunen zu können.

 

Bei alledem denken Sie bitte auch stets an eine saubere, gut einsehbare Vogeltränke im Umfeld, sowie an viele Nistplätze! Wer viele Vögel in seinem Umfeld ansiedeln will, sollte beides beachten.

 

Eine informative DVD zur richtigen Fütterung von Wildvögeln kann über die GEVO GmbH (Kontakt s. nachstehend) angefordert werden.

 

Autor: Gerd Schierhold | Greenkeepers Journal 03/2014

 

Weitere Informationen zur richtigen Fütterung von Wildvögeln finden Sie in der Publikation: „Vögel füttern – aber richtig“ von Prof. Peter Berthold und Gabriele Mohr (Franckh-Kosmos Verlag ISBN 978-3-440-13178-7).

 

Detaillierte Informationen und Bezug geeigneten Vogelfutters über www.gevo-gmbh.info 

 

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