Schneeschimmel – keine reine Winterkrankheit!*

Bestimmung von Rasenkrankheiten

Einleitung

In den zwei kalten und schneereichen Winterperioden 2009 und 2010 hat die Rasenkrankheit Schneeschimmel (Microdochium nivale) regional starke Schäden auf den Grüns verursacht. Schneeschimmel ist aber keine eindeutige Winterkrankheit, da bei kühler feuchter Witterung eine Infektion fast über das gesamte Jahr erfolgen kann. Nur bei Temperaturen über 20 °C bzw. unter 0 °C findet kein Befall statt. Nicht verwechselt werden darf der Schneeschimmel mit dem sogenannten Grauen Schneeschimmel (Typhula incarnata), der sich nur unter einer geschlossenen Schneedecke bilden kann. Im Winter treten beide Krankheiten häufig gemeinsam auf, sodass nach der Schneeschmelze eine genaue Identifizierung des Schadbildes nicht immer eindeutig ist. In dem folgenden Artikel werden die Besonderheiten und gezielte Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung gegen den Schneeschimmel aufgeführt, um ein Auftreten so gering wie möglich zu halten.

 

Name des Schaderregers

Schneeschimmel (Microdochium nivale), auch „Pink Snow Mold” genannt.

Synonyme:Fusarium nivale, Gerlachia nivalis, Monographella nivalis.

 

Schadbild

Schneeschimmel ist eine Nassfäule. Sie befällt nur die Blätter der Gräser. Zu Beginn der Infektion zeigen sich runde, ca. 5 cm große graubraune, schleimige, leicht abgesunkene Flecken (Abbildung 1), die im weiteren Verlauf der Infektion auf bis zu 30 cm heranwachsen können (Abbildung 2). Die Schadstellen gehen später ineinander über. In Schattenlagen, unter Schnee, Laub oder Rasenschnittgut hat der aktive äußere Bereich eine rötlich (Abbildung 3) bis pinke Farbe, deshalb wird diese Krankheit in Englisch auch „Pink Snow Mold“ genannt. Wenn der Pilz nicht mehr aktiv ist, entwickeln sich aus dem Inneren des Kreises heraus wieder gesunde Blätter (man spricht in diesem Fall auch von der Froschaugenbildung (Abbildung 2). Bei einer Infektion in länger gemähten Beständen wie auf Fairways und Semiroughs, ist die kreisrunde Form der Infektion nicht so deutlich zu erkennen. Das Myzel zeigt sich in diesen Spielbereichen bei starkem Befall häufig watteartig grau bis weiß (Abbildung 4).

 

Infektionsverlauf

Vom Schneeschimmel können nahezu alle Rasengräser befallen werden. Zu stärkeren Schäden kommt es in der Regel aber nur auf den Poa annua-, Agrostis- und Lolium perenne-Gräsern. Die Dauersporen des Schneeschimmels können das ganze Jahr in der Filzschicht überdauern. Ein beginnender aktiver Befall kann sich deshalb ungesehen in der Filzschicht entwickeln. Bei günstigen Witterungsbedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 0-10 °C können die aktiven Sporen innerhalb von wenigen Stunden die ersten Blätter befallen. Die Sporen können dann durch Maschinen und Golfspieler über die gesamte Golfanlage verbreitet werden. Die grauen bzw. pinken Sporen (Konidien) verbreiten sich über Wassertropfen auf den Blättern weiter. Die Sporen haben ein halbmond- bis sichelförmiges Aussehen (Abbildung 5). Sie sind kleiner als die Sporen verschiedener Fusarium spp. und sind an den Enden abgerundeter. Charakteristisch sind die ein bis zwei Trennwände (Septen) innerhalb der Sporen (Abbildung 6), die mit einem Mikroskop sehr gut zu erkennen sind. Da es sich bei dem Schneeschimmel um eine Blattkrankheit handelt, werden der Vegetationspunkt, der Stiel und die Wurzel der Pflanze nicht befallen. Bei neu eingesäten jungen Agrostis-Gräsern kann es allerdings bei günstigen Befallsbedingungen zu Totalausfällen kommen (Abbil-dung 7). Auch bei einer Mischinfek-tion mit Typhulafäule, oder in Verbindung mit Schäden unter einer geschlossenen Schneedecke, kann es zu einem Totalausfall der befallenen Pflanzen kommen (Abbildung 8).

 

Begünstigende Faktoren für den Befall

  • Temperaturen zwischen 0-10 °C
  • Taubildung besonders über Nacht
  • hohe Luftfeuchtigkeit und Nebel
  • bei starken, langanhaltenden Niederschlägen mit Temperaturen um 10 °C
  • staunasse Böden
  • durch ungefrorenen Boden unter einer geschlossenen Schneedecke
  • wechselhafte Temperaturen im Spätherbst, wenn die Gräser noch keine vollständige Dormanz (Winterruhe) ausgebildet haben
  • Beschattung der Gräser durch Laub oder Schnittgut
  • ein zu hoher Rasenfilzgehalt in den oberen 2 cm
  • eine zu hohe Stickstoffdüngung in den Herbstmonaten
  • eine zu geringe Kalidüngung in den Herbstmonaten
  • ein hoher pH-Wert
  • infiziertes Saatgut bei einer Nachsaat
  • Verletzungen an der Pflanze durch stumpfe Mäheinheiten, zu spätes Groomen oder Vertikutieren im Spätherbst
  • Tiefschnitt ab November
  • einige organische Düngemittel (wurde bei Untersuchungen in den USA festgestellt) (Henle, 2010).

Maßnahmen zur Befallsminimierung und Bekämpfung

a)    Mechanisch

  • Taubeseitigung durch mechanisches Abtauen der Blätter
  • intensives Vertikutieren nach dem Winter zur Beseitigung der infizierten Pflanzenteile
  • regelmäßiges Vertikutieren und Topdressen zur Filzreduzierung während der Saison
  • Verhinderung von Staunässe durch regelmäßiges Aerifizieren
  • mechanische Verletzungen an den Gräsern minimieren durch scharfe Mähspindeln
  • ab Anfang November nicht mehr mit dem Groomer mähen und die Schnitthöhe besonders bei Poa annua-Grüns auf mindestens 5 mm anheben


b)    Biologisch

  • keine Kalkgaben in den Herbstmonaten durchführen
  • keine hohen Stickstoffmengen in den Herbstmonaten düngen
  • Gewährleistung einer ausreichenden Kali-, Magnesium- und Manganversorgung während der Wintermonate
  • Einsatz von eisenhaltigen Produkten im Herbst
  • Applikation von Produkten zur Taureduzierung, sodass die Blätter auch über Nacht taufrei sind, denn auf einem trockenen Bestand kann kein Befall stattfinden
  • Einsatz von Bodenhilfsstoffen und Pflanzenstärkungsmitteln (Wetting agent, Algenprodukte u.a.) sorgt für eine gesündere stabilere Pflanze.
  • Applikation von Phosphit Produkten zur Verbesserung der Kranheitsresistenz im Herbst und Frühjahr (nicht bei Frost ausbringen)

 

c)    Chemisch

Unter den in Deutschland für die Golfgrüns genehmigten Pflanzenschutzmitteln (Stand 11/2011) haben die in der Tabellenübersicht genannten Mittel eine gute Wirkung gegen Schneeschimmel (bitte die regionalen Genehmigungen beachten, nicht alle Produkte sind in allen Bundesländern genehmigt).

 

Literaturverzeichnis

CARVIN, B., N. TISSERAT and B. FRESENBURG, 6/2007: Integrated Pest Management, University of Missoury Extention.

COMPO, Rasenpflege für Profis, Rasenkrankheiten.

EUROGREEN, Grün- Systeme, Diagnose und Therapiehandbuch für Rasenkrankheiten.

HENLE, W., 2010: Rasenkrankheiten Schneeschimmel, Universität Hohenheim, Rasen-Fachstelle, www.uni-hohenheim.de/rasenfachstelle/pdf/krankheit/RFH_Krankheiten_Schneeschimmel.pdf.

LATIN, R., 2/2007: Turfgrass Disease Profiles, Pink Snow Mold and Microdochium Patch, Purdue University.

SMILEY, R.W., P.H. DERNOEDEN and B.B. CLARKE, 2005: Compendium of Turfgrass Diseases, Third Edition; APS PRRESS, St. Paul, Minnesota.

 

Autor: Dieter Kückens | Greenkeepers Journal 04/2011

 

* Bitte beachten Sie: Der Beitrag stammt aus dem Greenkeepers Journal 4/2011. Die Liste der zur Befallsminimierung und Bekämpfung angegebenen Pflanzenschutzmittel ist u.U. nicht mehr aktuell und sollte unbedingt vor einem Einsatz überprüft werden! Der Verlag übernimmt keine Gewähr für Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der aufgeführten Informationen.    


Aktuell zugelassene und genehmigte Pflanzenschutzmittel für die Anwendung auf Golfplätzen finden Sie auf den Websites des GVD unter http://bit.ly/2uU6FPQ bzw. des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit unter http://bit.ly/2uC0btm.

 

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