Ein neues Problem auf Sportrasenflächen?

Gray Leaf Spot – mit guter fachlicher Praxis rechtzeitig reagieren

Bei Gray Leaf Spot handelt es sich um einen Blattfleckenerreger, der ­gräulich verfärbte Blattflecken verursacht, die je nach Wirtspflanzen­art und Infektionsstadium auch etwas bräunlich ausfallen können. Bei diesem Schadpilz handelt es sich um Pyricularia oryzae (Syn. P. grisea), eine Nebenfruchtform (anamorph) der Hauptfruchtform Mag­naporthe grisea (teleomorph). Die Hauptfruchtform tritt vor allem an Reis auf, denn nur dort hat man bisher die sexuell gebildeten Ascosporen in den dunkelbrauen bis schwarzen Perithe­cien nachgewiesen, während bei Rasengräsern lediglich die asexuell gebildeten typischen Konidien nachzuweisen sind (Abbildung 3).

 

Gray Leaf Spot (P. oryzae) befällt, neben einigen Warm-Season-Rasengräsern, bei den Cold-Season-Rasengräsern vor allem die beiden Lolium-Arten – L. perenne und L. multiflorum – sowie Rohrschwingel (Festuca arundinaceae). Die übrigen wichtigen Cold-Season-Rasengräser, wie Wiesenrispe (Poa pratensis), werden von Pyricularia oryzae nicht befallen.

 

2003 und 2005 konnten wir erstmalig Gray Leaf Spot in Rasenproben von Abschlägen auf deutschen Golfplätzen nachweisen. Eine Probe stammte aus Norddeutschland, die zweite aus Mitteldeutschland. 

In beiden Fällen war eine Infektion im folgenden Jahr bzw. auf weiteren Spielelementen nicht erfolgt. Sehr wahrscheinlich hat der Erreger die Wintermonate nicht überstanden. In der Folgezeit wurden keine weiteren Infektionen mit Gray Leaf Spot in Deutschland bekannt. Erst in den letzten zwei Jahren konnten wir ihn auf Sportrasenflächen in Stadien wieder nachweisen.

 

In der heutigen Zeit, in der auf vielen Sportrasenflächen, insbesondere auf Hybridrasenflächen, Lolium perenne nicht nur dominiert, sondern zum Teil 100% des Gräserbestandes ausmacht, kann sich ein Befall mit Gray Leaf Spot sehr nachhaltig auswirken. Dies gilt umso mehr, wenn man sich die aktuellen Wachstumsbedingungen in den modernen Stadien vor Augen führt:

  • Bodenheizung, um die Wurzeln aktiv zu halten;
  • Beleuchtungseinheiten, die man­cher­orts ganzjährig, zumindest jedoch über Herbst, Winter und Frühjahr die Rasenflächen intensiv mit Photosynthese aktivierendem Licht versorgen und erwärmen, um so das Wachstum aufrecht zu erhalten. 

Die Gräser unterliegen unter solchen Bedingungen nicht mehr dem natürlichen Wachstumszyklus, wie wir ihn aus freier Natur kennen. Welche Auswirkung dies auf ihre Stresstoleranz hat, wurde bisher noch nicht detailliert erforscht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Anfälligkeit beeinflusst sein kann, insbesondere, wenn man bedenkt, wie hoch z.T. die Stickstoffversorgung auf Sportrasenflächen inzwischen ist.

 

Schadsymptome

Zunächst findet man auf den Blättern kleine, wassergetränkte Läsionen, die nekrotisch werden. In der Größe, Farbe und Form können sie variieren. Typisch ist jedoch immer ein grauer bis hellbrauner Fleck mit einer dunklen Umrandung (Blattflecken – verwechselbar mit den Blattflecken, die durch andere Erreger verursacht werden: Bipolaris, Drechslera, Curvularia etc.). Die Läsionen können sich zu unregelmäßigen Formen vereinigen und zur vollständigen Schädigung einzelner Blattscheiden führen. Bei einer vollständigen Schädigung von einzelnen Blättern ist ihre charakteristische „Angelhaken-Form“ typisch, die in sich gedreht ist (Abbildung 1).

 

Die Flecken mit infizierten Pflanzen können klein bleiben oder sich bei günstigen Bedingungen in große, unregelmäßig geformte nekrotische Bereiche ausdehnen (Abbildung 2). Letztendlich kann man erst dann eindeutig eine Aussage treffen, wenn man die typischen Sporen unter dem Mikroskop sieht (Abbildung 3). Die Symptome können denen von Hitzestress und Trockenheit ähneln.

Optimale Befallsbedingungen für Gray Leaf Spot

Jeder Schadpilz wird durch bestimmte Bedingungen im Befall seiner Wirtspflanzen begünstigt. Dies sind bei Gray Leaf Spot folgende Faktoren:

  • Die optimalen Temperaturen für den Befall liegen zwischen ­ 28-32 °C,­ die suboptimalen bei 20-23 °C. Optimale Bedingungen liegen vor, wenn die Nachttemperaturen deutlich über 20 °C liegen. Somit ist Gray Leaf Spot ein typischer Sommer-Erreger. Er wird durch die klimatische Situation in den Stadien absolut begünstigt. Tiefe Temperaturen reduzieren den Befall. Durch Frost reduziert sich das Infektionspotential deutlich (kommt in modernen Stadien nicht mehr vor).
  • Südexponierte Flächen mit hoher und intensiver Sonnenbestrahlung werden eher befallen, als nordexponierte Flächen mit Teil- oder Permanentschatten (hat sich in Stadien bestätigt: der stark besonnte Teil ist stärker befallen).
  • Eine hohe Luftfeuchtigkeit mit andauernder Blattnässe (Tau, länger als 9 h) kann das epidemische Auftreten von Gray Leaf Spot fördern.
  • Auch ein ständiger Wechsel zwischen trockenen und feuchten Perioden über mehrere Tage führt zu optimalen Bedingungen und sorgt für eine erhöhte Sporenproduktion sowie für einen neuen Befall.
  • Rasenflächen mit höherem Schnitt werden eher befallen als solche mit tieferem Schnitt. Dies hat sich auch auf Golfplätzen in den USA gezeigt, denn die höher geschnittenen Semirough-Flächen zeigten einen höheren Befall, als die benachbarten tiefer geschnittenen Fairway-Flächen, obwohl die Gräserzusammensetzung identisch war. Der Unterschied kann bei starkem Befall sehr deutlich ausfallen: ~40% Befallsintensität bei Fairway-Schnitthöhe, 100% bei einer Semirough Schnitthöhe von ~6 cm.
  • Die Infektionsrate von Gray Leaf Spot korreliert eindeutig positiv mit der Höhe der Stickstoffgabe. Eine hohe Stickstoffversorgung mit schnell löslichem Stickstoff fördert den Befall, während „Slow-Release“-Stickstoff-Formen den Befall kaum bis weniger stark fördern.
  • Die Aufnahme von Schnittgut beim Mähen kann die Befallsintensität in den meisten Fällen reduzieren, da einerseits die oberen Blattteile zu Anfang des Befalls bevorzugt befallen werden, die dann beim Schnitt größtenteils entfernt werden. Andererseits verbleibt kein infiziertes Schnittgut als Quelle für die Sporenproduktion im Bestand. 

 

Pflegemaßnahmen zur Minimierung des Befalls mit Gray Leaf Spot

Mit guter fachlicher Praxis lässt sich der Befall mit Gray Leaf Spot zumindest zu einem gewissen Grad minimieren. Er wird sich bei der sehr anfälligen Gräserart Lolium perenne jedoch nicht vermeiden lassen, wenn ein gewisser Befallsdruck vorhanden ist, und wenn nicht entsprechende Lolium-Sorten zur Verfügung stehen. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Stickstoffgaben mit schnell verfügbarem Stickstoff während des Sommers (Hauptbefallszeitraum) vermeiden oder zumindest deutlich reduzieren. Empfohlen werden, falls notwendig 0,4-1,5 g/m² in kürzeren Zeitabständen.
  • Bei einer Düngergabe sollten sauer wirkende Dünger sowie schnell verfügbare Stickstoffformen vermieden werden.
  • Trockenstress vermeiden, jedoch keine Bewässerung in den Abendstunden.
  • Regelmäßiges Mähen auf Standardschnitthöhe mit Aufnahme des Schnittgutes.
  • Bei vorhandenem Befallsdruck, Nachsaaten während des Sommers bis Ende September unterlassen, da Keimlinge bevorzugt befallen werden.
  • Einsatz bzw. Nachsaat von resistenten/toleranten Sorten von Lolium perenne.
  • Sofern es unbedingt erforderlich ist, kann auch ein Fungizid eingesetzt werden, um zumindest den Befallsdruck in den Sommermonaten zu mindern. Exteris Stressgard ist in Deutschland leider nur gegen Schneeschimmel und Dollar Spot zugelassen, obwohl es auch eine gute Wirksamkeit gegenüber Gray Leaf Spot besitzt. 

 

Verfügbarkeit von von resistenten/­toleranten ­Lolium perenne-Sorten in Europa

Die Resistenzzüchtung hat in den letzten Jahren viele Gray Leaf Spot resistente/tolerante Lolium perenne-Sorten hervorgebracht. Bei Schadpilzen sollte man eher von einer Toleranz und nicht von einer Resistenz sprechen, da es hier mit Sicherheit keine absolute Resistenz geben wird.

 

Die Resistenzzüchtung erfolgt vornehmlich in den USA, da dort der Befallsdruck schon vor dem Jahr 2000 relativ hoch war und ständig stieg. Ab 2000 wurde die Resistenzprüfung gegenüber Gray Leaf Spot in das NTEP-Programm aufgenommen. Schon in den ersten Jahren nach 2000 konnten die Züchter eine Vielzahl von mehr oder weniger toleranten Sorten zur Prüfung vorlegen. Aber nicht in jedem Jahr erfolgte eine Prüfung zur Gray Leaf Spot-Toleranz durch die NTEP bei den im Test befindlichen Lolium-Sorten. Zunächst fand von 2000 bis 2003 jedes Jahr eine Prüfung statt. Danach nur noch 2005, 2006, 2008, 2012 und 2017. Dazu stellt sich die Frage, ob in den Jahren dazwischen keine Gray Leaf Spot-Epidemien auftraten, sodass deswegen keine Prüfungen stattfanden, oder wurde die Prüfung einfach nur ausgesetzt? Bei geringem Infektionsdruck wird man bei solchen Resistenztests nur unzureichende Ergebnisse erzielen, die weniger Aussagekraft besitzen. Dann ist es besser, von einer Prüfung abzusehen. Außer von der NTEP wurden auch von der Rutgers University und anderen Institutionen keine diesbezüglichen Tests durchgeführt, auf die man zurückgreifen könnte. Somit wird im Folgenden ausschließlich auf die NTEP-Tests Bezug genommen.

 

Die Prüfungen von NTEP fanden, wenn sie durchgeführt wurden, an unterschiedlichen Standorten statt, was neben einem unterschiedlichen Infektionsdruck ein weiterer, entscheidender Faktor sein wird, der die Ergebnisse ebenfalls beeinflusst haben dürfte. Es ist davon auszugehen, dass an den jeweiligen Standorten unterschiedliche Pathotypen von Pyricularia oryzae vorkommen. Diese Vermutung liegt nahe, wenn man die in der <link file:4486 download die>Tabelle 1 aufgeführten Sorten betrachtet, denn die einzelnen Sorten zeigen an den jeweiligen Standorten sehr unterschiedliche Toleranzen. Am Standort IN1 (West Lafayette, Indiana) haben bis auf die Sorte „Pinneacle“ die übrigen Sorten sehr tolerant abgeschnitten (überwiegend mit 9). Am Standort MD1 (College Park, Maryland) zeigten einige Sorten z.T. nur noch eine mittlere bis sehr geringe Toleranz. Nicht ganz so ausgeprägt war es an Standort MD2 (College Park, Maryland). Am extremsten waren die Unterschiede an den Standorten NJ1 (North Brunswick, New Jersey) und NJ2 (Adelphia, New Jersey). An diesen beiden Standorten zeigten die Sorten extrem unterschiedliche Toleranzen. Die Sorte „Grand Slam 2“, die z.B. an den Standorten IN1, MD1 und MD2 eine hohe Toleranz zeigte, hatte an den beiden Standorten NJ1 und NJ2 nur noch eine mittlere Toleranz. Ähnlich sah es z.B. bei „Gray Fox“, „Keystone 2“, „Silver Dollar“ und „Ringer II“ aus. Noch extremer ab der Sorte „Citation Fore“ in der Tabelle 1. Sorten, die am Standort IN1 eine hohe Toleranz zeigten, waren an den Standorten NJ1 und NJ2 extrem anfällig. Die unterschiedlichen Reaktionen der Sorten an den verschiedenen Standorten könnten einerseits durch Unterschiede beim Infektionsdruck zustande kommen, andererseits durch unterschiedliche Pathotypen von Pyricularia oryzae, was als wahrscheinlicher anzusehen ist. Eventuell war der in IN1 vorkommende Pathotyp weniger aggressiv als der oder die Pathotypen, die an den Standorten NJ1 und NJ2 vorkamen.

Ich habe bewusst den Resistenztest der Jahre 2005-2009 gewählt, da in diesem Zeitraum mit denselben Sorten an verschiedenen Standorten getestet wurde. In den Folgejahren 2012 und 2017 wurde jeweils nur an einem Standort getestet und dies auch mit unterschiedlichen Sorten, sodass keine Vergleichsmöglichkeit bestand. Ein Resistenztest gewinnt erst dann an Aussagekraft, wenn die getesteten Sorten unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt sind. Dies war in den Jahren 2005-2009 der Fall. Eine Sorte kann erst dann als resistent bzw. tolerant eingestuft werden, wenn sie diese Eigen­schaft unter verschiedenen Bedingungen zeigt. Die ersten 13 Sorten aus Tabelle 1 zeigten an allen fünf Standorten ein hohes Toleranz-/Resistenzniveau, woraus man schließen kann, dass sie dies auch unter unterschiedlichen Bedingungen erzielen – z.B. gegen unterschiedliche Pathotypen und bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Trotzdem sollte man diese Resistenztests in den USA nicht überbewerten, da uns aktuell nicht bekannt ist, welcher Pathotyp von Pyricularia oryzae bei uns in Euro­­pa vorkommt. Wir hatten bei einem anderen Erreger nämlich den Fall, dass sich Sorten, die bei den NTEP-Tests in den USA ein hohes Toleranz-/Resistenzniveau zeigten, hier in Europa als hoch anfällig zeigten. Unabhängig davon sollte man aktuell keine Sorten wählen, die in dem NTEP-Test mal gut, aber auch mal schlecht abschneiden. Sie stellen ein zu großes Risiko dar, da man nicht abschätzen kann, wie sie an dem Standort reagieren, an dem sie zum Einsatz kommen sollen. Deswegen kann man aktuell nur solche Sorten empfehlen, die bei den bisher durchgeführten Resistenztests an allen Standorten gute bis sehr gute Toleranzen/Resistenzen zeigten. Alles andere wäre ein Lotteriespiel. Wir werden versuchen, zur Demopark 2019 in Eisenach mit den aktuellen Lolium perenne-Sorten einen Toleranz-/Resistenztest vorzubereiten.

 

Zusammenfassung

Man sollte sich nicht nur allein auf mögliche Resistenzen von Sorten verlassen, da aktuell nicht bekannt ist, welchen/welche Pathotypen wir von Pyricularia oryzae in Europa haben. Außerdem können Toleranzen/Resistenzen vergänglich sein. Dies ist dann zu erwarten, wenn der Gray Leaf Spot-Erreger auf vorhandene Sortenresistenzen eventuell zu neuen, aggressiveren Pathotypen mutiert. Meist ist man dieser Entwicklung bei den Schaderregern in der Züchtung lediglich ein paar Jahre voraus. Deswegen sollte man ernsthaft überlegen, wieder die Poa pratensis verstärkt in die Sportrasen-Mischung zu integrieren, um auch einen nicht anfälligen Partner in der Mischung zu haben. Außerdem ist zu beachten, dass Gray Leaf Spot auch in Mischinfektionen auftreten kann (dies war bei allen bisher untersuchten Proben der Fall – es wurden drei bis vier verschiedene Schaderreger gefunden). Wie sich solche Mischinfektionen auf die vorhandenen Gray Leaf Spot Toleranzen/Resistenzen bei den Sorten auswirkt, ist unbekannt.

 

Neben den zuvor genannten Aspekten muss das Augenmerk verstärkt auf die gute fachliche Praxis gelegt werden, um das Befallsrisiko soweit als möglich einzuschränken. Dabei sind die Punkte zu beachten, die unter dem Kapitel „Pflegemaßnahmen zur Minimierung des Befalls mit Gray Leaf Spot“ aufgeführt sind und die im Großen und Ganzen auch auf andere Schaderreger zutreffen.

 

Autor: Dr. Gerhard Lung | Greenkeepers Journal 04/2018

 

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