Rose – Königin der Blumen (Rosa L.)

Steckbrief – Sträucher auf Golfanlagen

Die Gattung Rosa ist Namensgeber für eine große Familie, die der Rosengewächse (Rosaceae), zu der zahlreiche uns gut bekannte Gattungen gehören.

 

Rosengewächse – als Obst und zur Zierde

In diese Familie gehören viele unserer obstliefernden Pflanzen der Gattungen Prunus (Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Aprikose) Mispel (Mespilus), Quitte (Cydonia) Apfel (Malus), Birne (Pyrus), Brombeere und Himbeere (Rubus), Erdbeere (Fragaria). Es gibt aber auch zahlreiche Gattungen, die als Ziersträucher und -bäume unsere Gärten schmücken, wie beispielsweise Fingerkraut (Potentilla), Goldröschen (Kerria), Felsenbirne (Amelanchier), Frauenmantel (Alchemilla), Mädesüß (Filipendula), Zierkirsche (Prunus) u.a.

 

Obwohl die vorgenannten Gattungen als obstliefernde Bäume, Sträucher, Kräuter und als Zierpflanzen bei uns eine große Rolle spielen, hat die Rose eine herausgehobene Stellung. Sie wird sogar gelegentlich als die „Königin der Blumen“ bezeichnet. Weshalb eigentlich? Aufgrund ihrer Schönheit haben ihr Poeten Gedichte und Lieder gewidmet, so Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Gedicht – Heidenröslein - „Sah ein Knab ein Röslein stehn …“, das mehrfach, unter anderem von Franz Schubert, vertont wurde.

 

Wild-Rosen

Zur Gattung der Rose werden je nach Auffassung 100 bis 250 Wild-Arten, auch als reine Arten bezeichnet, gezählt. Diese Wild-Rosen sind auf der Nordhalbkugel im größten Teil der gemäßigten Zone der Erde – in Europa, Kleinasien und Asien – beheimatet. Gartenrosen – wie wir sie heute kennen – sind durch Auslese und Züchtung aus Wildarten entstanden. Viele der Ursprungsarten kamen aus Persien über Griechenland nach Ägypten, Tunesien, Sizilien, Rom und nach Südfrankreich. Bereits in der Antike hatte die Rose in der Griechischen und Römischen Mythologie ihren festen Platz.

 

Die bei uns wohl bekanntesten und häufig anzutreffenden hoch wachsenden Wildrosen sind die Hunds-Rose (Rosa canina L.) und die nahe mit ihr verwandte Hecken-Rose (R. corymbifera Borkh.), beide mit zarten hellrosa Blüten (Abbildung 1). Außer diesen beiden Wildrosen gibt es bei uns zahlreiche weitere Arten, insbesondere an warmen Standorten und mit sehr unterschiedlicher Wuchsform.

 

Von der Wildrose zur Gartenrose

Ausgehend von Wildrosen wurden von Züchtern durch Auslese und Kreuzung sogenannte Kultur- oder Gartenrosen entwickelt. Diese werden in verschiedene Rosenklassen unterteilt: Alte oder Historische Rosen, Rosen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Rosen des späten 20. Jahrhunderts. Bei diesen Rosenklassen handelt es sich nicht um eine in der biologischen Systematik vorkommende Klassifizierung. Das führt dazu, dass die Einteilungen in einzelnen Ländern unterschiedlich sind.

 

Eine weitere Unterscheidung bietet die Unterteilung nach der Wuchsform, beispielsweise in Strauch-, Beet-, Bodendecker- und Kletterrosen.

Rosen – Blüten, Blätter, Früchte, Stacheln

Die Blüten der Wildrosen sind einfach gestaltet, sie bestehen aus Kelch-, Blüten-, Staub- und Fruchtblättern. Wild-Rosenblüten sind „ungefüllt“, sie haben „nur“ fünf Blütenblätter, sind zwittrig, das bedeutet, sie vereinen in einer Blüte die männlichen Staubblätter und die weiblichen Fruchtblätter mit den Samen. In Abbildung 2 sind diese Blütenteile gut zu sehen, da zeigen sich vor allem an bereits abgeblühten Blüten gelb gefärbte und auch schon braungefärbte Staubbeutel. Die beinahe laubblattartigen Kelchblätter sind zu dieser Zeit zurückgeschlagen, zeigen sich in ihrer typischen Form mit lang ausgezogenen Zipfeln und bedecken die noch jungen, grünen Hagebutten.

 

Die Blüten der Gartenrosen sind durch die züchterische Arbeit des Menschen „veredelt“; sie werden deshalb Edelrosen genannt. Sie haben oftmals elegant geformte Knospen, besonders geschätzt werden schlanke Knospen (Abbildung 3), es sind aber auch alle Abstufungen bis zur eher rundlichen Knospen zu finden (Abbildung 4). Das Farbspektrum reicht von weiß, über rosa bis tief dunkelrot, auch gelb ist vertreten, ein Kornblumenblau gibt es aber nicht. Die Blüten haben oftmals durch eine Umbildung der Staubblätter eine große Anzahl Blütenblätter; sie werden als „gefüllt“ bezeichnet. Die Blütenformen der Züchtungen sind äußerst vielgestaltig, sie reichen von schlanken Blüten mit nach außen eingerollten Blütenblättern (Abbildung 5), über schalenförmige (Abbildung 6) bis zu Blüten mit sehr stark vermehrten Blütenblättern (Abbildung 7).

Kelchblätter

Die Kelchblätter hüllen die Blütenknospe schützend ein; auch hier ist eine große Vielfalt zu sehen. Es gibt einfach gestaltete Kelchblätter (Abbildung 8), solche mit verschieden geformten Zipfeln (Abbildung 2) und schließlich welche mit blattartigen Kelchfahnen, die etwas an die Fiederblätter der Rose erinnern (Abbildung 9). In ihrer Ausformung können sie große Unterschiede aufweisen. Während der Blütezeit biegen sie sich mehr oder weniger zur Seite oder nach unten. Mitunter sind Kelchblätter und auch Blütenstiele reich mit Drüsen besetzt; diese Rosen werden deshalb als Moosrosen bezeichnet (Abbildung 10).

Duft und Rosenöl

Der Duft der Rosenblüte wird durch ätherische Öle hervorgerufen, die in den Blütenblättern entstehen. Insbesondere bei Sonnenschein und schwüler Witterung verbreiten viele Sorten einen intensiven Duft. Bezeichnet wird der Duft oftmals nach bestimmten Ausgangsarten, beispielsweise als Centifolienduft, Damaszenerduft oder Teerosenduft. Bei der Züchtung neuer Rosensorten ist ein wichtiges Zuchtziel, einen angenehmen Duft zu erreichen.

 

Schon seit dem Altertum etwa im ersten Jahrhundert wird über die erste Rosendestillation in Persien berichtet. Vom achten Jahrhundert an befasste man sich dort mit der Rosenölgewinnung. Später wurden auch in anderen arabischen Ländern und bis nach Spanien Ölrosen angebaut und deren ätherische Öle gewonnen. Um 1700 wurde mit dem Rosenanbau zur Rosenölgewinnung in Bulgarien begonnen. Bekannt als echte Ölrose des Orients ist Rosa x damascena ‚Trigintipetala‘.

 

Bestäuber

Rosenblüten, insbesondere die der Wildrosen, locken viele Insekten an, vor allem pollensammelnde Insekten, Käfer, Schwebfliegen, Bienen, Hummeln besuchen und bestäuben die Blüten (Abbildung 1). Bei der Züchtung neuer Sorten wird oftmals großer Wert auf zahlreiche Blütenblätter in einer Blüte gelegt; die Bezeichnung „gefüllte Blüten“ gibt den Hinweis, dass die Blüten eine Vielzahl von Blütenblättern haben. Hierbei werden Staubblätter in Blütenblätter umgewandelt, oftmals sind nur noch ein paar intakte Staubblätter vorhanden. Doch was sagen die Insekten dazu? Sie suchen zwar die Blüten, angelockt von Farbe und Duft auf, finden aber nur wenige Staubblätter mit Pollen (Abbildung 11) und fliegen schließlich „enttäuscht“ davon.

 

Früchte

Die Hagebutten, die allseits gut bekannten Früchte der Rosen, bestehen aus einer krugförmigen fleischigen Hülle, die die kleinen Nussfrüchte umschließen. Botaniker bezeichnen solche Früchte als Sammelfrüchte. In die nähere Verwandtschaft gehören weitere Sammelfrüchte, so die Erd-, Him- und Brombeere. Allerdings sind die kleinen Früchtchen bei diesen Arten nicht in einen krugförmigen Blütenboden eingesenkt, sondern stehen auf einer kegeligen Blütenachse; bei der Erdbeere ist diese fleischig und wird deshalb als Frucht angesehen, in Wahrheit sind die kleinen Nüsschen auf der fleischigen Achse die wirklichen Früchte. Bei Him- und Brombeere stehen auf der Blütenachse kleine fleischige Früchtchen, die im Inneren jeweils einen Samen enthalten.

Der Fruchtbecher unserer einheimischen Hundsrose – leuchtend rot gefärbt – trägt an seiner Spitze die inzwischen vertrockneten Kelchblätter (Abbildung 12). Diese schönen Früchte wurden von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben in einem sehr bekannten und beliebten Kinderlied aus dem Jahr 1843 beschrieben: „Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um …“ – na, das kennt ja jeder.

 

Die Gestalt der Hagebutten ist sehr unterschiedlich. Hätten Sie gedacht, dass Hagebutten wie Kastanien aussehen? Abbildung 13 zeigt die Hagebutten der Kastanien-Rose (R. roxburghii Tratt.), die in China und Japan beheimatet ist. Diese Art wächst als hoher Strauch mit dicken holzigen Achsen (Abbildung 14) und passt mit diesem Habitus so gar nicht in unser Bild von Rosen.

Neben den uns gut bekannten roten Hagebutten der Hundsrose mit ihrer charakteristischen Form gibt es ganz lange, schmale Hagebutten in roter oder oranger Farbe aber auch beinahe runde, kugelförmige, die sogar schwarz gefärbt sein können, wie beispielsweise bei der Pimpernell-Rose (R. pimpinellifolia L.), Abbildung 15.

Auch die Oberfläche der Hagebutten weist große Unterschiede auf, manche sind ganz kahl, andere sind bestachelt, wie bei der Bestäubten Rose (R. pulverulenta M. Bieb.), Abbildung 16. Sogar die Stellung der Kelchblätter an der Hagebutte ist unterschiedlich, einige sind zurückgeschlagen, andere spreizen zur Seite oder die Kelchblätter fehlen bereits zur Zeit der Fruchtreife.

 

Stacheln

Typisch für alle Rosen sind an den Trieben die sogenannten „Dornen“, die aber korrekt als Stacheln zu bezeichnen sind, denn bei diesen handelt es sich um Emergenzen der Rinde. Diese können unterschiedliche Formen haben, beispielsweise segeleckig wie bei der Seiden-Rose (R. sericea Lindl.), Abbildung 17, hakig oder der Stiel ist stachelborstig, so bei der Kartoffel-Rose (R. rugosa Thunb.), die aus Ostasien stammt, aber als Zierpflanze weit verbreitet ist und inzwischen als Neophyt gilt (Abbildung 18). Die meisten Stacheln lassen sich ganz leicht mit dem Daumen seitlich abbrechen. „Richtige“ Dornen, beispielsweise bei Feuerdorn, Stachelbeere und Schlehe sind umgebildete Sprosse; diese sind fest im Trieb verankert.

Blätter

Die Blätter sind unpaarig gefiedert, sie haben eine Endfieder und zusätzlich meistens drei, aber auch bis zu sechs Fiederblattpaare mit deutlich gesägtem Blattrand. An der Basis des Stieles sitzen seitlich jeweils zwei sogenannte Nebenblätter, die mit dem Blattstiel verwachsen sind (Abbildung 19).

 

Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge

Die Rosen werden von etlichen Krankheiten und Schädlingen befallen. Genannt werden sollen hier einige Pilzkrankheiten, wie der Echte und der Falsche Mehltau, beide Mehltau-Arten rufen einen weißen, mehligen Belag auf den Blättern hervor.

 

Doch die wohl am meisten gefürchtete Pilzkrankheit ist der „Sternrußtau“, auch als „Schwarzfleckenkrankheit“ bekannt. Bereits ab Mitte Juni können auf den Blättern bräunlich-schwarze Flecken (Abbildung 20) entstehen. Manche Rosen-Sorten werden bei feuchter Witterung besonders oft befallen.

 

Als tierische Schädlinge sind häufig Blattläuse an jungen Trieben zu sehen, besonders bei trockener Witterung treten sie in großen Populationen auf.

Der Befall mit der Roten Spinne führt zu gelblich-weißen Flecken auf den Blättern (Abbildung 12). Auf der Blattunterseite befinden sich feine Gespinste und winzige kugelrunde Eier.

 

Insbesondere bei Wildrosen stechen Gallwespen junge Triebe an und legen ihre Eier ab. Danach beginnt die Wucherung der Galle (Abbildung 21), in der mehrere Larven heranwachsen.

 

Zur Bekämpfung von Krankheiten oder Schädlingen sollte nicht gleich zu chemischen Mitteln gegriffen werden, denn als Trost ist zu sagen, dass Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliege, Schwebfliege und Gemeiner Ohrwurm beim Kampf gegen Schädlinge helfen.

 

Rosenbowle, Hagebuttentee etc.

Die Blütenblätter der Rosen, insbesondere aber ihre Früchte, werden mit verschiedenen Zutaten zu Rosenbowle, Marmelade, Gelee, Likör, Tee verarbeitet. In herbstlichen Gestecken und Kränzen sind Hagebutten mit ihrer schönen Form und leuchtend roten Farbe eine besondere Zierde, zumal sie sich lange halten.

 

Wuchsformen

Die Heckenrose bildet etwa zwei bis drei Meter hohe Sträucher mit weit überhängenden Trieben, die eine elegante Strauchform ergeben. Kräftige Triebe, die sogenannten Erneuerungstriebe, gehen von der Basis aus, zudem erfolgt eine Sprossbildung aus dem mittleren Bereich, ausgehend von dem Scheitelpunkt des älteren Triebes. Die Verzweigung und der Aufbau des Strauches ist im blattlosen Stadium besonders gut zu sehen (Abbildung 22).

 

Kletterrosen zeichnen sich durch sehr lange, stark überhängende Achsen aus, sie werden oftmals an einer Hauswand (Abbildung 23) oder an einer Pergola, wie beispielsweise die Büschel-Rose (R. multiflora Thunb.) gezogen (Abbildung 24).

Rosen auf Golfplätzen

Rosen sind in Beeten, oftmals an den Terrassen der Clubhäuser zu sehen. Sollen sie lange blühen und gut aussehen, so müssen regelmäßig die verblühten Blüten entfernt werden.

 

Aber auch als solitäre Sträucher sind vor allem unsere einheimischen Heckenrosen anzutreffen, die, wenn sie nicht regelmäßig geschnitten wird, große dichte Sträucher bilden. Das Entfernen basaler Triebe – im Sinne eines Erhaltungsschnittes – bringt Licht in den Strauch. Wenn zu lange gewartet wird, ergibt sich ein trauriges Bild, denn über die bereits abgestorbenen legen sich regelmäßig neue Triebe (Abbildung 25).

Soweit sollte es nicht kommen – hier ist dringend ein Verjüngungsschnitt notwendig – damit sich wieder ein ansehnlicher Strauch mit schönem Habitus und zahlreichen Hagebutten (Abbildung 26) entwickeln kann.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 04/2016

 

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