Gewöhnliche Haselnuss (Corylus avellana L.)

Steckbrief – Sträucher auf Golfanlagen

Wer kennt nicht die Früchte der Haselnuss, diese leicht zu knackenden Nüsse. Sie bereichern insbesondere im Herbst und in der Weihnachtszeit, wenn sie reif sind, unseren Speiseplan. Sie werden als ganze Nuss in gemütlicher Runde gegessen, aber sie haben auch in der Bäckerei im Brot und Kuchen oder als Verzierung von Plätzchen ihre Freunde.

 

Und da sind noch Mäuse des Waldes, denen die Nüsse schmecken, vor allem aber die Eichhörnchen, die im geschäftigen Treiben die Nüsse sammeln, verspeisen, sie aber auch für den Winter im Boden vergraben, vergessen und auf diese Weise dafür sorgen, dass ein neuer Haselnussstrauch wächst; auch Eichelhäher und Kleiber sorgen für die Verbreitung der Haselnuss. Außerdem sind die langen Haselnuss-Ruten für „Flitzebögen“ bei Kindern beliebt, oder der Wandersmann schnitzt aus älteren, kräftigen Ästen einen Stecken zum Wandern. Aber wissen wir eigentlich, wie die Sträucher, ihre Blätter und Blüten aussehen?

 

Verwandtschaft

Die Haselnuss gehört zu den Birkengewächsen (Betulaceae). In diese Gruppe gehören auch die Erle, Alnus, die mit mehreren Arten bei uns vorkommt, die Birke, Betula pendula Roth, die Hain-Buche, Carpinus betulus L. und die Hopfen-Buche, Ostrya carpinifolia Scop. Bei allen Vertretern der Birkengewächse stehen die männlichen Blüten in sogenannten Kätzchen – die einzelnen Blüten sind unscheinbar und stehen in größerer Zahl an einer herabhängenden Blütenstandsachse.

 

Herkunft

Die Gewöhnliche Haselnuss kommt in Europa, Kleinasien und dem Kaukasus vor; sie wächst in Gebüschen, an Wald- rändern und in lichten Laubwäldern. Sie bevorzugt lockere, nährstoffreiche Böden.

 

Aussehen

Sie wächst als Strauch mit zahlreichen an der Basis eng beieinander stehenden aufrechten Trieben (Abbildung 1). Im voll belaubten Zustand wirkt der Strauch wesentlich breiter, Abbildung 2. Die aufrechten Achsen können eine Höhe von zwei bis maximal sechs Meter erreichen. Im Alter kann ein Haselstrauch aber auch einen recht weit ausladenden Habitus zeigen (Abbildung 3).

Die Rinde der kräftigen Triebe ist glatt und graubraun gefärbt, sie zeigt längliche Korkwarzen (Abbildung 4), im Alter kann die Rinde etwas aufreißen. Noch bevor sich im Frühjahr die Winterknospen mit den Blättern öffnen, stehen die Haselsträucher in voller Blüte, zunächst mit den herabhängenden männlichen Kätzchen, Abbildung 5, die keinerlei Schauorgane haben, denn den Transport der leichten, mit zwei sogenannten Pollensäcken ausgestatteten Pollenkörner übernimmt der Wind, was von den Fachleuten als Windblütigkeit – Anemophilie – bezeichnet wird. Noch unscheinbarer sind die weiblichen Blüten, die in Knospen verborgen sind. Die weiblichen Blüten sind kaum von den Winterknospen zu unterscheiden, lediglich durch ihre rotgefärbten Narbenäste geben sie sich zu erkennen (Abbildung 6).

Die Haselnuss hat charakteristisch geformte, beidseitig behaarte Blätter, die in der Winterknospe schon seit dem letzten Sommer „sorgfältig“ gefaltet (Abbildung 7), die kalte Jahreszeit überdauern. Sie entwickeln sich erst am Ende der Blühphase, stehen wechselständig am Zweig und zeigen im entfalteten Zustand eine längere Spitze, einen rundlichen bis eiförmigen Umriss und einen doppelt gesägten Blattrand (Abbildung 8).

Die Früchte sitzen in einer zunächst grünen, geschlitzten Manschette (Abbildung 9), die sich allerdings im Laufe der Fruchtreife – wie auch die Früchte – braun färbt. Die rundlichen Früchte haben eine harte Schale und sind 15 bis 19 Millimeter lang. Reif werden sie im Herbst, etwa im September. Etwa vier Wochen später werden die Blätter braun und fallen schließlich herunter. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die männlichen Kätzchen ausgebildet, allerdings sind sie noch kurz und ganz gestaucht (Abbildung 10). In diesem Zustand überdauern sie den Winter und warten auf steigende Temperaturen im Frühling, um sich zu öffnen und ihre Pollenkörner zu entlassen.

Verwandte Arten und Sorten

Die Gewöhnliche Haselnuss hat eine kleinbleibende „Schwester“, Corylus avellana ‚contorta‘, die Korkenzieherhasel, die wahrscheinlich durch eine spontane Mutation entstanden ist. Sie soll Anfang 1900 in England entdeckt worden sein. Ihre Zweige sind gedreht – contort –, wegen dieser bizarren Form der Zweige ist sie bei Gartenfreunden sehr beliebt (Abbildungen 11 und 12). Zudem erreicht sie bei weitem nicht die Größe der Stammart. Durch ihre kleine Statur eignet sie sich insbesondere für kleine Gärten und dürfte angesichts der immer enger werdenden Freiräume in den Städten, zum Beispiel in Reihenhausgärten hoch willkommen sein. Weitere Unterschiede zur Stammart gibt es nicht.

Die Haselnüsse, die im Handel angeboten werden, sind etwas größer und stammen von der sogenannten Lamberts-Hasel, auch Große Hasel genannt, Corylus maxima Mill., diese wird meistens als rotlaubige Form (Abbildung 13), kultiviert.

Außerdem gibt es eine Hasel, Corylus colurna L., die als stattlicher, mittelgroßer Baum, oftmals mit sehr weit ausladender Krone wächst. Sie heißt im Gegensatz zu unserer strauchförmig wachsenden Hasel Baum-Hasel, und wird auch Türkische Hasel genannt (Abbildung 14). Sie stammt aus Südosteuropa und wird bei uns seit einigen Jahren in Parkanlagen und als Straßenbaum gepflanzt. Sehr charakteristisch sind ihre Früchte, die in größeren Fruchtständen stehen; sie haben verholzte Manschetten, die tief geschlitzt sind (Abbildung 15).

 

Vor der Pflanzung zu beachten

Haselsträucher eignen sich hervorragend für die Randpartien von Golfplätzen gewissermaßen als lebender Zaun, aber auch als Begrenzung für Spielbahnen. Bei freiwachsenden Haselnusssträuchern beschränkt sich der Schnitt auf die Herausnahme überalterter Achsen. Die leckeren Nüsse können aufgesammelt und gegessen werden.

 

Vor der Pflanzung einer Baum-Hasel sollte aber genau überlegt werden, ob genügend Raum vorhanden ist und ob eventuell die derben, verholzten Fruchtstände von der Größe eines Golfballes stören könnten.

 

Herbstaktion

Die verholzten Fruchtstände der Baumhasel eignen sich im Herbst sehr gut als Dekorationsmaterial, aber auch Zweige der Korkenzieherhasel sind beliebte Dekorationsobjekte.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 02/2014

 

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