Sträucher auf Golfplätzen

Neue Steckbriefreihe

Eigentlich geht es auf Golfplätzen immer um Rasen! Doch wenn man es sich genau überlegt, gibt es da auch noch Bäume und Sträucher und sogar kleinere Gehölz-Streifen oder -Inseln. Diese bieten Tieren Unterschlupf, Nistplätze, Nahrung etc. und sind im Sinne des Projektes „GOLF&NATUR“ wichtige Bestandteile eines Golfplatzes.

 

Bäume werden bereits in einer Steckbriefreihe so nach und nach besprochen, aber Sträucher bisher noch nicht. Dabei können sie sehr schön aussehen; mit ihren Blüten und Früchten erfüllen sie in den verschiedenen Jahreszeiten verschiedenste Funktionen. Zudem sind sie – wandert man mit offenen Augen über einen Golfplatz – hier relativ häufig anzutreffen. Deshalb soll auch den Sträuchern eine eigene Steckbriefreihe gewidmet werden.

 

Unterschiede Baum – Strauch

Bei Bäumen ist die Krone durch einen Stamm hoch in den Luftraum gehoben, bei Sträuchern geht meistens eine Vielzahl von Sprossachsen direkt vom Boden aus (Abbildungen 1, 2 und 3), gewissermaßen wie eine im Boden verankerte Baumkrone. Allerdings gibt es bei den verschiedenen Sträuchern durchaus Unterschiede im Aufbau des Verzweigungssystems.

Bei der Haselnuss (Corylus avellana), beispielsweise wachsen von der Basis lange rutenartige Triebe, auch Schosser genannt, die sich erst in einer Höhe von zwei bis drei Metern verzweigen. Diese langen Achsen stehen an der Basis des Strauches dicht gedrängt, was zu der für Haselnusssträucher typischen Gestalt führt (Abbildung 1). Beim Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius), auch Falscher Jasmin genannt, verzweigen sich die von der Basis ausgehenden Trieb sehr viel eher reich, was zu einem weit ausladenden Busch führt, wie auf Abbildung 2 deutlich zu sehen ist. Das Verzweigungssystem des Holunders (Sambucus nigra), kann auch sehr ausladend sein (Abbildung 3). An diesen wenigen Beispielen wird deutlich, dass sich die Gruppe der Sträucher durch große Vielfalt in der Wuchsform auszeichnet. Das wird vor allem deutlich, wenn man zudem an das Wuchsverhalten der Brombeeren (Rubus-Arten) denkt, die mit Hilfe von weit ausladenden und am Ende wurzelnden Sprossen große Flächen besiedeln können.

 

Wenn Sträucher in „Form“ bleiben sollen, dann muss zum richtigen Zeitpunkt und an richtiger Stelle geschnitten werden. Leider ist immer öfter ein Einheitsschnitt zum Kugelbusch oder kastenähnlichen Gebilde zu beobachten.

Oftmals wird sogar die Blütenpracht im Knospenstadium entfernt, besonders oft zu beobachten bei der Forsythie (Forsythia spec.), die in verschiedenen Sorten gepflanzt wird. Mit einigen Kenntnissen über die Wuchsweise der verschiedenen Strauch-Arten kann dieser Missstand leicht vermieden werden. Dazu ist es wichtig, dass zwischen Pflanz-, Erhaltungs- und Verjüngungsschnitt unterschieden wird und die Ausführung zum richtigen Zeitpunkt erfolgt.

 

Wegen ihrer speziellen Wuchsweise werden Bäume und Sträucher an ganz unterschiedlichen Stellen gepflanzt. Sträucher, oftmals auch als Büsche bezeichnet, können einzeln oder in Gruppen stehen, aber auch als Hecke gepflanzt sein und natürlich – schöner als ein Zaun – als Einfriedung dienen. Aber gut gepflegt sollten sie schon werden.

Sträucher in den vier Jahreszeiten

Sträucher bieten zu jeder Jahreszeit einen schönen Anblick, so beispielsweise verschiedene Arten der Felsenbirne, Gattung Amelanchier, die bereits im zeitigen Frühjahr über und über mit weißen Blüten, die in kleinen Blütenständen stehen, den Betrachter erfreuen (Abbildung 4). Sie haben im Sommer kleine schmackhafte, dunkelblau gefärbte Früchte.

 

In den Sommermonaten erfreut der Spierstrauch (Spiraea x bumalda), der auf Golfplätzen häufig großflächig gepflanzt ist, mit Blüten in violett (Abbildung 5); aber auch weiße und rosa blühende Arten und Sorten sind zu finden. Die einzelnen Blüten sind zwar sehr klein, erzielen aber aufgrund der Stellung in dichten Blütenständen eine gute Schauwirkung.

 

Einzelne Sträucher der Gattung Weigelie, Weigela mit etlichen Arten und Sorten haben schön gefärbte Blüten in Weiß, Rosa (Abbildung 6), bis Tief-rot. Sie zeichnen sich durch eine lange Blütezeit und sogar noch eine sogenannte Nachblüte im Herbst aus.

Im Herbst zeigen sich die Sträucher mit schönen Farben und Früchten, so beispielsweise die leuchtend roten Früchte, die sogenannten Hagebutten der Heckenrose (Rosa canina) (Abbildung 7), und anderer Rosen-Arten und -Sorten. Der Holunder (Sambucus nigra), ziert sich mit schwarzen Holunderbeeren (Abbildung 8), die heute wieder Verwendung für Säfte etc. finden, nachdem sie längere Zeit kaum Beachtung fanden.

Es sind aber nicht nur farbige Blüten und Früchte, es gibt bei Sträuchern auch eine tolle Laubfärbung im Herbst, sie bieten gewissermaßen ein Feuerwerk der Farben. Insbesondere die Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), leuchtet im Herbst mit ihren orangerot bis tief rot gefärbten Blättern (Abbildung 9).

 

Im Winter werden die Sträucher, hier Brombeeren (Rubus-Arten), die Schneebeere (Symphoricarpos albus) und Buchenjungwuchs (Fagus sylvatica) am Rande eines Golfplatzes, vom Schnee mit einem weißen Kleid bedeckt, Abbildung 10.

Bei der Auswahl der zu pflanzenden Sträucher gibt es einiges zu beachten, deshalb werden mit unseren sogenannten Steckbriefen einzelne Strauch-Arten vorgestellt und wichtige Details, wie Blütezeit, Duft, Aussehen von Blüten und Früchten, Bedeutung für Insekten, Vögel und Kleinsäuger behandelt.

 

Außerdem soll wegen der großen Unterschiede in der Wuchsweise ein eigenes Kapitel zur Pflanzung und Pflege den Sträuchern gewidmet werden. Während der Schnitt von Bäumen eher in die Hand von Fachfirmen gehört, ist der Strauchschnitt auch in Eigenleistung möglich.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 02/2014

 

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