Schwefelporling (Laetiphorus sulphureus (Bull.: Fr.) Murrill)

Steckbrief – Holzzerstörende Pilze

Der Schwefelporling gehört in die Gruppe der Holz zerstörenden Pilze und zwar, wie der Name schon sagt, zu den Porlingen. Diese haben in der Regel zähe bis holzartige Fruchtkörper, beim Schwefelporling sind sie allerdings fleischig und leuchtend gelborange (Abbildung 1). Auf der Hutunterseite befindet sich die gelbe Röhrenschicht, aus deren feinen Öffnungen die weißen Sporen in großer Zahl ausstäuben.

Aussehen

Der Schwefelporling bildet einjährige, flache Fruchtkörper, die dachziegelig angeordnet neben- und übereinander wachsen (Abbildung 2). Die einzelnen Hüte können 20 bis 40 cm breit sein. Sie erscheinen von Mai bis zum Herbst und sind durch ihre leuchtend gelborange Farbe auf der Oberseite der Fruchtkörper schon weithin sichtbar. Gelegentlich sind aber auch Fruchtkörper zu finden, deren Hutoberseite fast zitronengelb gefärbt ist (Abbildung 3). Die Hutoberseite ist samtig-weich und zeigt eine Zonierung; der Randbereich ist deutlich verdickt und heller gefärbt. In Abbildung 4 ist diese Zonierung besonders gut zu sehen. Im jungen Zustand riechen sie aromatisch, in älteren Stadien färben sie sich weißlich und riechen nach Urin.

Vorkommen und Verbreitung

Die Fruchtkörper des Schwefelporlings erscheinen meistens an Robinien (Robinia spec.), Eichen (Quercus spec.), Kirschen (Prunus spec.), Weiden (Salix spec.); seltener treten sie an Ahorn (Acer spec.), Buchen (Fagus spec.), Pappeln (Populus spec.) und Linden (Tilia spec.) auf. Die Fruchtkörper erscheinen meistens in ein Meter Höhe oder höher; sie sind aber auch an älteren Baumstubben zu finden (Abbildung 4).

 

Der Pilz dringt über Wunden – Aststummel – und große Wunden (Abbildung 5), oder Verletzungen der Rinde, aber auch durch verletzte Wurzeln in das Baumgewebe ein. Dabei verursacht er eine Kernfäule, die von außen kaum erkennbar ist. Im Laufe der Zeit können die Fruchtköper große Stammflächen besiedeln (Abbildung 6).

Der Pilz ist weltweit verbreitet und gehört zu den wenigen Pilzarten, die sowohl Laub- als auch Nadelbäume besiedeln können. In Nordamerika kommt er im östlichen Teil vor allem auf Laubbäumen vor, im westlichen Teil bevorzugt er Nadelbäume. Er kann sogar das außerordentlich feste und dauerhafte Holz der Eibe (Taxus baccata) abbauen.

Holzveränderung und Fäuletyp

Der Schwefelporling ist ein parasitischer Pilz, der eine intensive Braunfäule vor allem im Kernholzbereich verursacht; dabei ist im fortgeschrittenen Stadium die Würfelbruchstruktur gut erkennbar (Abbildung 7). In einem noch späteren Stadium ist das braunfaule Holz soweit zersetzt, dass es zerbröselt oder zwischen den Fingern zerrieben werden kann (Abbildung 4).

 

Der Pilz kann große Teile des Stammholzes zersetzen – allerdings schreitet die Holzzersetzung nur langsam vo- ran –, ohne dass der Wirtsbaum auf die Holzzersetzung reagiert. Da das Splintholz erst spät befallen wird, können voll belaubte Bäume, denen eine Schädigung nicht anzusehen ist, bei Sturm brechen. Besonders wertvolle Bäume, vor allem wenn sie – wie diese Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) – unter Denkmalschutz stehen, können durch Stützen für einen begrenzten Zeitraum erhalten werden (Abbildung 8).

Die Fruchtkörper sterben den Winter über ab, sind aber zunächst noch als Schwefelporling zu erkennen (Abbildung 9). Später stehen sie zwar noch am Baum, sind aber kaum noch als Hüte des Schwefelporlings zu identifizieren, oder liegen bereits unter dem Baum (Abbildung 10). Doch Vorsicht, sie hinterlassen am Baum meist Spuren, anhand derer zu einem späteren Zeitpunkt – sollte es zu einem Baumunfall gekommen sein – der Nachweis des Pilzbefalls erbracht werden kann.

Die Fruchtkörper des Schwefelporlings sind jung essbar, sollten aber abgebrüht werden; anschließend können sie dann wie Schnitzel paniert und gebraten werden. Im rohen Zustand genossen, sollen sie starke Vergiftungen hervorrufen.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 1/2014

 

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