Brandkrustenpilz (Kretschmaria deusta (Hoffm.) P.M.D. Martin)

Steckbrief – Holzzerstörende Pilze

Der Brandkrustenpilz gehört zu den Schlauchpilzen. In dieser Pilzgruppe gibt es nur wenige Arten, die am stehenden Baum Schäden verursachen. Er bildet abweichend von den meisten holzzerstörenden Pilzen keine großen, deutlich sichtbaren Fruchtkörper und kann dadurch leicht übersehen werden.

 

Seine unscheinbaren Fruchtkörper entstehen vor allem an der Stammbasis (Abbildung 1), nur gelegentlich besiedeln sie höhere Bereiche und zwar an Wunden. In der Baumkrone sind über viele Jahre kaum Anzeichen zu erkennen, die auf den Pilzbefall hinweisen. Dabei geht von diesem Pilz eine große Gefahr aus, denn der befallene Baum kann ohne Vorwarnung an der Stammbasis durch Verspröden des Holzes brechen und umstürzen (Abbildung 2).

Aussehen

Die unscheinbaren Fruchtkörper des Brandkrustenpilzes bilden sich meistens an der Stammbasis und insbesondere zwischen den Wurzelanläufen und in Spalten des Baumstammes (Abbildung 3). Es wird zwischen Haupt- und Nebenfruchtkörpern unterschieden. Relativ deutlich ist die sogenannte Nebenfruchtform zu erkennen, da sie weißlich bis gräuliche Zuwachskanten aufweist. Abbildung 4 zeigt großflächige schwarze Krusten der Hauptfruchtform und deutlich zu erkennen, die grauen Nebenfruchtkörper. Diese werden im Frühjahr, von April bis Juni, gebildet. Im Laufe des Sommers färben sich diese Fruchtkörper schwarz. Sie sind das restliche Jahr über als schwarze, höckerige Krusten an der Basis des Stammes oder zwischen den Wurzelanläufen zu finden. Allerdings bedarf es eines geübten Blickes, diese zu erkennen, denn sie sind sehr klein (Abbildung 1). Die schwarzen Krusten sehen wie Asphaltspritzer aus, sie zerbrechen und zerbröseln bei Druck mit dem Finger. Auf Grund dieses Aussehens kommt man nicht unbedingt auf die Idee, dass es sich um einen holzzerstörenden Pilz handeln könnte. Auf den schwarzen Krusten entstehen die Sporenbehälter, aus denen im Sommer die Sporen austreten. Mit der Lupe kann man die offenen Mündungen der Sporenbehälter erkennen, ein sicheres Zeichen, dass es sich um Fruchtkörper des Brandkrustenpilzes handelt.

Bei gefällten Bäumen sind auf dem Querschnitt schwarze Verfärbungen als deutliche, schwarze Linien zu erkennen (Abbildung 5), aber auch im Längsschnitt zeigen sich die Linien wie Demarkationslinien (Abbildung 6). Nicht selten wird wegen der schwarzen Verfärbungen angenommen, es handele sich um Folgen eines Brandes (Abbildung 7).

Einige Baumarten, insbesondere die Linde, können durch starke Splintholzbildung im Bereich der Wurzelanläufe und des Stammes etliche Jahre mit dem Pilzbefall leben (Abbildung 8). Durch einen starken Rückschnitt der Baumkrone (Abbildung 9) lässt sich die Gefahr, die von einem großkronigen Baum beim plötzlichen Bruch ausginge, deutlich mindern.

Der Brandkrustenpilz ist als Parasit am lebenden Baum gefürchtet, als sogenannter Saprophyt zersetzt er die Laubholzstümpfe (Abbildung 10). Dadurch wird organisches Material in anorganische Verbindungen überführt und dem Stoffkreislauf wieder zugeführt.

 

Vorkommen und Verbreitung

Der Brandkrustenpilz wächst vorwiegend an der Rotbuche, Linde, Rosskastanie, Ahorn, Ulme und Platane. Oftmals ist er an Straßenbäumen oder in Parkanlagen, aber auch im Wald zu finden. Insbesondere an Straßen weisen die Bäume häufiger Verletzungen an der Stammbasis auf, die vom Brandkrustenpilz vorzugsweise besiedelt werden. Der Pilz ist weltweit verbreitet.

Holzveränderung und Fäuletyp

Der Brandkrustenpilz dringt in der Regel an Verletzungen in das Holz ein und bewirkt eine Moderfäule, die zu einer Holzversprödung führt. Beim Abbau des Holzes bleiben die Mittellamellen lange stehen, weshalb die Bruchstellen keramikartige Strukturen zeigen. Im Holz sind deutliche schwarze Linien vorhanden, die auch in den Bohrkernen zu sehen sind. Der Befall dehnt sich im Holzzylinder von der Stammbasis in Richtung Krone aber auch über die Wurzelanläufe in die Wurzeln aus. Da das Splintholz zunächst nicht betroffen ist, zeigen die befallenen Bäume in der Krone keine Schadsymptome, weshalb der Befall mit dem Brandkrustenpilz oftmals bis zum Umstürzen des Baumes nicht erkannt wird. Erst in einem späten Stadium können sich Vitalitätseinbußen durch schüttere Belaubung in der Krone zeigen (Abbildung 11). Hier ist rasches Handeln angesagt.

 

Brandkrustenpilz auf Golfplätzen

Der Brandkrustenpilz ist ein schwer zu erkennender, aber gefährlicher Pilz. Die unscheinbaren Fruchtkörper werden vom Laien leicht übersehen.

Der für den Golfplatz Verantwortliche hat für die Verkehrssicherheit zu sorgen. Die Bäume sind deshalb regelmäßig auf Schadsymptome zu untersuchen, damit für Spieler und Besucher keine Gefahr besteht.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 02/2015

 

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