Spitz- und Berg-Ahorn (Acer platanoides L. und Acer pseudoplatanus L.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Ahorn-Arten (Gattung Acer L.) gehören zur Familie der Ahorngewächse (Aceraceae). Sie sind bei uns weit verbreitet und wachsen als Straßen- und Parkbäume, in Gärten, auf Golfplätzen, aber auch in natürlichen Beständen, insbesondere in krautreichen Laubwäldern.

 

Einheimisch sind bei uns: Berg-, Spitz- und Feld-Ahorn. Die beiden fremdländischen Ahorn-Arten, Silber- und Eschen-Ahorn stammen aus Nordamerika und wurden oftmals als Zierbäume – insbesondere in Parkanlagen – gepflanzt.

 

In diesem Steckbrief werden Spitz-Ahorn (Acer platanoides L.) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus L.) im Vergleich vorgestellt. Die anderen Arten sollen separat behandelt werden.

 

 

Mit etwa 150 Arten ist diese Gattung vor allem in der nördlich gemäßigten Zone vertreten. Der Spitz-Ahorn ist in Europa verbreitet, sein Areal reicht im Osten bis zum Ural. In Mitteleuropa kommt er vom Tiefland bis in die Gebirgslagen vor; er steigt bis in Höhen von 1.000 Metern. Das Areal des Berg-Ahorns reicht im Osten nur bis zur Ukraine. In Mitteleuropa gedeiht er vor allem in den Mittelgebirgen, in den Alpen kommt er bis in Höhen von 1.700 Metern vor.

 

Der Spitz-Ahorn wurde vom Kuratorium Baum des Jahres für das Jahr 1995 als Baum des Jahres gekürt, der Berg-Ahorn im Jahr 2009.

 

Ein großer ausgewachsener Spitz-Ahorn ist von stattlicher Statur. Er wird bis 30 Meter hoch, seine Krone erreicht im Freistand eine Breite von 40 Metern. Das Höchstalter eines Spitz-Ahorns beträgt 150 Jahre, dagegen kann der Berg-Ahorn bis zu 600 Jahre alt werden. Der meist kurze Stamm geht bald in dicke Hauptäste über, wodurch die beiden Ahorn-Arten ihr charakteristisches Aussehen mit einer malerisch ausladenden Krone erhalten. Abbildung 1 zeigt einen Spitz-Ahorn im zeitigen Frühjahr in voller Blüte mit weit ausladender Krone. Auch der Berg-Ahorn hat weit ausladende Äste (Abbildung 2) und bietet im Sommer wunderbaren Schatten. Obwohl diese beiden Ahorn-Arten aufgrund ihres Habitus einander sehr ähnlich sind, gibt es doch etliche Merkmale, die eine Unterscheidung erleichtern.

 

 

Aussehen im Jahreslauf

Doch wie beginnt ein junger Ahorn seine Entwicklung im Frühjahr? Aus den Früchten entwickeln sich die Keimlinge. Die Keimpflanzen haben zwei bandförmige etwas dickliche Keimblätter (Abbildung 3). Kurze Zeit darauf zeigen sich zwischen den Keimblättern die ersten Laubblätter, die auch als Primärblätter bezeichnet werden. Sie sind einfach gestaltet (Abbildung 3) und zeigen noch nicht die typisch handförmige Gestalt der normalen Ahornblätter.

 

Die Jungpflanzen haben in den ersten Jahren – in Abhängigkeit von den Standortbedingungen – oftmals nur ein Blattpaar (Abbildung 3), in den Folgejahren sind es meistens zwei bis drei Blattpaare; sie sehen nunmehr aus wie typische Ahornblätter. Vergleicht man die Abbildungen 4 ­und 5, dann fällt auf, dass sich die Blattformen beider „Ahörner“ deutlich unterscheiden. Beim Spitz-Ahorn sind die Ränder spitz auslaufend weit bogig gezähnt, beim Berg-Ahorn sind sie stumpf gesägt, zudem liegen die Blattrippen tiefer.

 

 

Junge Ahorn-Bäume haben zunächst eine schlanke Silhouette, weil die jungen unverzweigten Seitenäste mehrere Jahre steil aufrecht wachsen (Abbildung 6). Durch diese Wuchsweise entsteht ein durchgehendes Kronengerüst. Erst wenn die jungen Ahorn-Bäume zu blühen beginnen, setzt eine seitliche Verzweigung ein. Sowohl aus der Endknospe des Zweiges, als auch aus den inzwischen entwickelten kurzen Seitenzweigen entwickeln sich die Blütenstände.

 

Im Frühjahr macht der Spitz-Ahorn sehr deutlich auf sich aufmerksam, denn er blüht als erster unserer einheimischen Laubbäume, oftmals bereits in den ersten Apriltagen (Abbildung 7). Die vor der Winterkälte schützenden Knospenschuppen brechen auf, dann schieben sich sofort die Blütenstände heraus, allerdings sind die Blüten zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen (Abbildung 8). Von Blättern ist in diesem Stadium noch nichts zu sehen.

 

Wenige Tage später öffnen sich die in doldenähnlichen Blütenständen stehenden gelbgrün gefärbten Blüten (Abbildung 9). Diese bieten zu einer Jahreszeit, in der für Insekten großer Bedarf an Nahrung besteht, zuckerhaltigen Saft, der von einer großen Nektarscheibe innerhalb der Blüte produziert wird.

 

In Parkanlagen, auf Golfplätzen, an Straßen sind blühende Spitz-Ahornbäume mit weit ausladenden Kronen zu diesem Zeitpunkt eine besondere Zierde (Abbildung 1), denn nach einem langen trüben Winter „läuten“ sie weithin sichtbar den Frühling ein.

 

Ganz anders verhält sich der Berg-Ahorn. Wenn sich dessen Winterknospen öffnen, erscheinen nur die Laubblätter (Abbildung 10), erst später entwickeln sich die traubenartigen Blütenstände. Diese sind zunächst von beinahe kugeliger Gestalt (Abbildung 11), bis sich die Blütenstandsachse streckt und der traubige Blütenstand schlaff herunterhängt. Dieser trägt zahlreiche fünfzählige, grüngelbliche Blüten (Abbildung 12). Im Inneren der Blüten befinden sich Pollen produzierende Staubblätter und in ringförmiger Anordnung ein Nektar sezernierendes Gewebe. Pollen und Nektar sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten.

 

 

Im Mai entwickeln sich aus dem Fruchtknoten nach der Bestäubung die typischen Ahorn-Früchte, die sich bei Reife in zwei Teilfrüchte aufspalten. Die jungen an einer Achse hängenden Früchte des Berg-Ahorns sind meistens rötlich gefärbt; ihre beiden Flügel zeigen nach unten (Abbildung 13), im weiteren Reifungsprozess verdicken sich die Samen (Abbildung 14). Beim Spitz-Ahorn entwickeln sich die Früchte bereits Ende April (Abbildung 15). Diese stehen in doldenförmigen Furchtständen.

 

Die Früchte sind bei allen Ahorn-Arten vom Aufbau her gleich. Die Flügel haben eine kräftige, verdickte Vorderkante und einen zarten hinteren Rand. Bei Reife trennen sich die beiden Früchte, deshalb werden sie als Spaltfrüchte bezeichnet. Sie werden von kräftigen Herbstwinden transportiert. Wegen des seitlich an jeder Teilfrucht ansitzenden Flügels liegt der Schwerpunkt der Frucht mit dem Samen nicht im Zentrum, weshalb sich eine interessante Flugbewegung ergibt. Die Früchte vollziehen einen rotierenden Flug und werden als Schraubenflieger oder auch als Propellerfrüchte bezeichnet. Bei Kindern sind diese Früchte als „Nasenzwicker“ beliebt. Aber auch Vögel schätzen die Ahorn-Früchte: Etwa 20 verschiedenen Vogelarten dienen die Früchte im Winter als Nahrungsquelle.

 

Rinde, Borke

Die Rinde junger Spitz-Ahornbäume ist glatt und graubraun gefärbt. Beim weiteren Dickenwachstum des Stammes zeigen sich hell gefärbte Risse (Abbildung 16). Bei älteren Bäumen sprechen wir von einer Borke; diese hat beim Spitz-Ahorn tiefe Rippen und wird als Rippenborke bezeichnet (Abbildung 17).

 

Durch die Borke ist der Spitz-Ahorn bereits im unbelaubten Zustand gut vom Berg-Ahorn zu unterscheiden, denn der Berg-Ahorn hat eine Schuppenborke (Abbildung 18), die sich wie bei der Platane ablöst, allerdings sind die Platten kleiner.

 

Holz und dessen Nutzung

Vom Jungpflanzenstadium bis zum voll entwickelten Baum vergehen viele Jahre. Das Holz des Spitz-Ahorns ist mäßig hart, sehr fest, sehr hell, feinfaserig und biegsam. Splint- und Kernholz unterscheiden sich kaum. Das Holz wird in der Drechslerei für die Herstellung von Möbeln, Küchengeräten, Tischplatten und Musikinstrumenten verwendet. Zudem dient es zur Parkettherstellung, im Zierparkett alter Schlösser ist es als helles Kontrastholz zu sehen.

 

Das Holz des Berg-Ahorns hat für die Herstellung von Musikinstrumenten, insbesondere für Blas- und Streichinstrumente, besondere Bedeutung. Für den Bau von Streichinstrumenten sind Riegel-, Flammen- und Vogel­augen-Ahorn besonders begehrt. Boden, Schnecke und Wirbelkasten werden aus Berg-Ahornholz hergestellt. Verwendet wird noch heute das mit feinen Jahrringen und gleichmäßiger Textur absolut fehlerfreie Holz aus dem Gebirge. Besonderes „Ahorn-Klangholz“ wird aus den Dinarischen Alpen bezogen. Dieses muss aber, bevor es für den Bau von Streichinstrumenten verwendet werden kann, etwa zehn Jahre trocknen. Vielleicht sehen Sie eine Geige oder das Cello nunmehr mit ganz anderen Augen an.

 

Schon die alten Geigenbauer Nord­italiens suchten besondere Stämme des Berg-Ahorns für ihre Instrumente aus. Von Andrea Amati, dem Stammvater des Geigenbaus – er lebte im 16. Jahrhundert in Cremona – wird gesagt, dass er durch die Alpen streifte und Bäume beklopft habe, um festzustellen, wie ihr Holz klinge.

Zuckersaft für Mensch und Tier

Im Frühjahr bohrte man die Stämme des Spitz-Ahorns an, um den vor dem Blattaustrieb aufsteigenden leicht süßlichen Saft aufzufangen und Sirup herzustellen, allerdings war das Ergebnis nicht überzeugend. Bereits Goethe weist im Faust auf die Nutzung des Ahornsaftes hin, indem er Doktor Faustus an Helenas Seite die griechischen Landschaften preisen und sagen lässt: „Der Ahorn mild, von süßem Safte trächtig …“.

 

Auch die Blattläuse schätzen den süßen Saft; der nur teilweise verdaute Zuckersaft überzieht dann alles, was sich unter der Baumkrone befindet, mit einem klebrigen Film.

 

 

Baumpflege

Junge Spitz-Ahorne haben noch keine sehr dicke Rinde, deshalb besteht die Gefahr, dass in diesem Stadium die Rinde bei starkem Sonnenschein längs aufreißt. Um dies zu vermeiden, kann das Stämmchen entweder mit einer Schilfmatte oder einem speziellen weißen Anstrich geschützt werden.

 

Bei einem Baum mit großer, dichter Krone wie in Abbildung 2, kann eine Kronenauslichtung oder auch das Einkürzen überlanger Seitenäste sinnvoll sein, damit alle Kronenteile gut belichtet werden. Im Gegensatz zu anderen Baumarten ist beim Spitz-Ahorn auf Grund der Kronenstruktur ein etwas stärkerer Rückschnitt möglich, zudem ist die Krone wegen ihrer Verzweigung gut durch Schnittmaßnahmen formbar.

 

Ein Rückschnitt von Starkästen bzw. das Einkürzen von Kronenteilen ist jedoch bei Altbäumen schwierig und sollte unterbleiben, denn es kann in der Folge zum Ausbrechen von Zweigen und Schwachästen und zum Absterben der Rinde kommen.

 

Beide Ahorn-Arten gehören in die Gruppe der blutenden Baumarten. Das bedeutet, dass bei einem Frühjahrsschnitt tagelang der aufsteigende Saft austreten kann. Deshalb sollte der Schnitt erst erfolgen, wenn der Baum voll belaubt ist.

 

 

Spitz- und Berg-Ahorn auf Golfplätzen

Beide Ahorn-Arten sind wunderbare Bäume für Golfplätze, allerdings sollten sie genügend Raum für ihre im Alter weit ausladenden Kronen haben. Als Solitärbäume sind sie eine Zierde für jede Anlage und werden als Schattenspender sehr geschätzt. Bei Neuanlagen von Parkplätzen sollte auf die Anpflanzung von Ahornbäumen – wegen des „Honigtaus“, der natürlichen Ausscheidung von Blattläusen – verzichtet werden.

 

Kulturformen – Sorten

Bei einigen Sorten des Spitz-Ahorns, beispielsweise bei den Sorten ,Faassen‘s Black‘ und ,Royal Red‘, sind die Blätter bereits beim Austrieb leuchtend rot gefärbt (Abbildung 19). Besonders schön anzusehen sind etwas später die gelben Blüten, wenn sie sich aus den roten Knospenschuppen herausschieben, auch die Blütenstiele und Kelchblätter sind leuchtend rot (Abbildung 20). Sogar die Früchte leuchten im Sonnenschein wunderbar rot (Abbildung 21). Die Blätter bleiben bei diesen Sorten bis zum Laubfall dunkelpurpurfarben und erinnern an die von Blutbuchen (Abbildung 22).

 

Herbstfärbung

Im Herbst werden die Speicherstoffe aus den Blättern in Stamm und Wurzel transportiert, was man an der einsetzenden Laubfärbung sehen kann. Beim Berg-Ahorn färben sich die Blätter in der Regel gelb (Abbildung 23), beim Spitz-Ahorn gibt es Exemplare, die das Herbstlaub in leuchtendem Rot präsentieren (Abbildung 24). Wenn alle Speicherstoffe aus den Blättern abgezogen sind, werden die Blätter braun und fallen herunter – sie sind zart und eignen sich gut zum Kompostieren.

 

Wussten Sie?

… dass schon Hugo von Hofmannsthal von der Schönheit der Ahorn-Bäume angetan war und dies deutlich in seinem Gedicht sagte: „Ein einziger alter Ahorn adelt einen ganzen Garten ...“ – und bestimmt auch einen Golfplatz!

 

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 2/2016

 

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