Silber-Weide (Salix alba L.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Die Silber-Weide (Salix alba L.) und die Trauer-Weide (Salix alba L. ‚Tristis‘ (Ser.) Gaud.) gehören in die Familie der Weidengewächse. Die Silber-Weide wurde 1999 zum Baum des Jahres gewählt.

 

Gestalt und Aussehen

Die Silberweide ist ein Vertreter der großen, etwa 500 Arten umfassenden Gattung Salix. Sie ist sommergrün, wächst sehr schnell heran, bildet eine weit ausladende Krone (Abbildung 1) und kann etwa 20 Meter hoch werden. Einen Stammdurchmesser von etwa einem Meter kann sie bereits in einem Alter von etwa hundert Jahren vorweisen, sie kann sogar ein Alter von etwa 200 Jahren erreichen. Mitunter verzweigt sich bereits die Basis, so dass mächtige, weit ausladende Büsche entstehen (Abbildung 2).

Die verschiedenen Weidenarten sind von sehr unterschiedlicher Gestalt, neben den baumförmigen Arten gibt es strauchförmig wachsende und als besondere Spezialisten Spaliersträucher, die maximal acht Zentimeter hoch werden und unter den extremen Bedingungen der Hochgebirge zum Beispiel in den Alpen, aber auch in der Tundra im hohen Norden wachsen können. Sie bilden keine Stämme, sondern breiten ihr Verzweigungssystem flach am Boden oder in den obersten Bodenschichten aus.

 

Von der Silberweide gibt es eine Form, Salix alba ‚Tristis‘, die Trauerweide, die auch als Hängeweide bezeichnet wird (Abbildung 3). Sie soll 1815 in Frankreich entstanden sein und wird seither wegen ihres malerischen Aussehens in Parkanlagen, auf Friedhöfen und in größeren Gärten gepflanzt. Auch auf Golfplätzen sind schöne Exemplare anzutreffen.

Die in Ostasien heimische und häufig insbesondere in China an Gewässern angepflanzte Echte Trauer-Weide (Salix babylonica L.) sieht unserer Trauer-Weide sehr ähnlich. Es handelt sich um eine nahe verwandte, aber andere Art, die unter unseren Klimabedingungen nicht kultiviert werden kann.

Blätter

Die Blätter der Silberweide entsprechen den Vorstellungen, die man aufgrund des Namens hat; sie zeichnen sich durch eine silbrig glänzende Behaarung, vor allem auf der Blattunterseite, aus. Ihre Form ist lanzettlich, der Rand gesägt und sie können eine Länge von etwa acht Zentimetern erreichen (Abbildung 4). Wenn sich die Blätter im Wind bewegen und dabei die Blattunterseiten nach oben zeigen, wirken die Kronen oftmals silbrig. Die neuen Blattanlagen werden in der Winterknospe von Knospenschuppen, die von Nebenblättern gebildet werden, geschützt und stehen an biegsamen gelblich-braunen Trieben.

Blüten und Blütenstände

Die Blüten sind sehr klein und stehen in eingeschlechtigen Blütenständen auf verschiedenen Bäumen; die Silber-Weiden sind zweihäusig. Die männlichen Blüten bestehen aus nur zwei Staubblättern, sie haben zudem zwei Nektarien, die mit reichlich Nektar blütenbesuchende Insekten anlocken. Die kleinen Blüten stehen in großer Zahl dicht gedrängt entlang der Blütenstandsachse in sogenannten Kätzchen (Abbildung 5). Zur Blütezeit der männlichen Blüten sind die Blätter noch relativ klein, weshalb die männlichen Bäume der Silberweide und auch die der Trauer-Weide zu diesem Zeitpunkt gelb bis gelbgrün aussehen – ein schöner Aspekt im zeitigen Frühjahr (Abbildung 6). Die weiblichen Blütenstände der Silberweide bestehen aus zunächst dicht beieinander stehenden Fruchtknoten, die aus jeweils einem Fruchtblatt bestehen und eine Nektardrüse enthalten. Zur Reifezeit streckt sich die Achse der weiblichen Blütenstände und erreicht eine Länge von etwa fünf Zentimetern. Der Pollen wird von Insekten auf der Narbe deponiert. Obwohl große Pollenmengen entstehen, ist wegen der Klebrigkeit des Pollens eine Bestäubung durch den Wind selten.

Früchte und ihre Ausbreitung

Bei Fruchtreife öffnet sich das Fruchtblatt, das sich zu einer kleinen trockenen Kapsel entwickelt hat, an der Naht und entlässt die Samen, die über einen Haarschopf verfügen (Abbildung 7). Durch den Haarschopf können die Samen mehrere Kilometer vom Wind transportiert werden. Ende Mai bis Anfang Juni bedecken Tausende dieser Samen Gras- und Wegflächen wie mit einem weißen Teppich.

 

Die Samen sind winzig; sie enthalten kein Nährgewebe und sind nur kurze Zeit keimfähig. Deshalb müssen die Samen auf geeignetes Substrat – feuchte Böden an Ufern und in Auwäldern – fallen, damit sie schnell keimen können. Keim- und Jungpflanzen sind aber nur sehr selten zu finden.

Holz, Borke und Nutzung

Das Holz der Weiden ist weich und hat einen dunkleren Kern, der sich vom weißen Splintholz absetzt. Das Holz ist zerstreutporig und zeigt breite Jahrringe, was die Schnellwüchsigkeit der Weiden unterstreicht. Die Borke ist tiefrissig mit schräg verlaufenden Borkenleisten (Abbildung 8). Mit dieser Struktur erinnert sie etwas an das Borkenbild der Robinie. Die jungen Triebe sind gelbbraun, sehr biegsam und glänzend. Das Holz ist grobfaserig und wenig belastbar. Entsprechend ist die Verwendung. Es wird vor allem als Industrieholz für die Papier- und Spanplattenherstellung und die Spankorbproduktion verwendet. Die Nutzung für die Herstellung von Holzschuhen, Schüsseln, Streichhölzern geht seit einiger Zeit zurück. Geschnittene Triebe dienen zum Flechten von Körben, früher dienten sie auch als Bindeweide im Weinberg. Beim Fachwerkhausbau wurden die gewundenen Weidenruten als Füllmaterial und zum Aufnehmen eines Gemisches aus Lehm, gehäckseltem Stroh und auch Kuhmist verwendet. Das Wort „Wand“ soll vom „Winden der Weide“ zwischen den Eichenspalten in den einzelnen Feldern des Fachwerkes kommen.

Noch heute werden geschnittene Weidenruten zur Befestigung von Böschungen, Dünen und Ufern von Bachläufen verwendet (Abbildung 9). Allerdings treiben unter diesen für die Silberweide idealen Bedingungen die Ruten wieder aus und können größere Weidengebüsche bilden. Ist dies nicht erwünscht, dann muss im Rahmen von Pflegemaßnahmen immer wieder ein Rückschnitt erfolgen.

Weidenpflanzungen dienen aber auch als Windschutz; an einigen Stellen, beispielsweise an Bachläufen, werden Weiden gesetzt und als Kopfweiden (Abbildung 10), auch als Flechtweiden bezeichnet, gepflegt. Sie werden gepflanzt, um den Charakter eines typischen Landschaftsbildes, wie beispielsweise am Niederrhein, wieder herzustellen. In regelmäßigen zeitlichen Abständen, etwa alle zwei bis drei Jahre, werden die Ruten bis zum „Kopf“ herunter geschnitten und zum Flechten verwendet. Diese Kopfweiden bieten zudem Nistplätze für Enten und Steinkäuzchen, aber auch für zahlreiche, zum Teil vom Aussterben bedrohte, Käferarten (Abbildung 11).

Neuerdings wird Weidenholz geschnitzelt, in Pellets gepresst und als Heizmaterial verwendet.

 

Tiere und Weiden

Zahlreiche Insektenarten wie Käfer, Blattläuse und Blattwespen, werden bei ihrer Nahrungssuche bei Weiden fündig. Zudem werden Weiden bei uns von etwa 70 Wildbienenarten besucht.

 

Im Unterlauf von Flüssen, wo im Jahresverlauf große Wasserschwankungen auftreten, siedelt unter anderen Weidenarten vor allem die Silberweide. Sie ist durch ihr großes Ausschlagsvermögen in der Lage, unter diesen Bedingungen größere Areale zu besiedeln.

 

Für den Biber ist die faserreiche Weidenrinde eine wichtige Nahrungsquelle. Mithilfe von Bakterien kann er in seinem Blinddarm die Rinde aufschließen und die Monate, in denen es an eiweißreicher Kost mangelt, überleben. Zudem verwendet er geschälte Astabschnitte für den Bau seiner Burgen und Dämme; abgeschnittene Zweige bleiben dabei oftmals zurück, diese können sich dann rasch bewurzeln. Auf diese Weise trägt der Biber zur Ausbreitung der Weiden bei.

 

Baumpilze an Weiden

Zahlreiche Baumpilz-Arten kommen an Weiden vor. Hier sollen einige genannt werden: Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius (L.: Fr.) Fr.), der Spaltblättling (Schizophyllum commune Fr.: Fr.), der Schwefelporling (Laetiporus sulphreus (Bull: Fr.) Murill), drei verschiedene Lackporlings-Arten – der Flache Lackporling (Ganoderma applanatum (Pers.) Pat. mit schmalem weißen Rand und wulstiger Hutoberseite (Abbildung 12), der Wulstige Lackporling (Ganoderma adpersum (S. Schulzer) Donk) mit breitem weißgelblichen Zuwachsrand und wulstiger Hutunterseite (Abbildung 13), der Kupferrote Lackporling (Ganoderma cupreolaccatum (Kalchbrenner) Igmandy), mit flachen, stark gezonten Hutoberseiten, die einen Glanz durch eine harzartige Substanz erhalten.– ein sehr selten vorkommender Pilz (Abbildung 14).

Vorkommen und Verbreitung

Die Silberweide wächst an Flüssen, Bächen und Seen; dank ihrer stammbürtigen Wurzeln (Abbildung 15), kommt sie hier mit schwankenden Wasserständen gut zurecht. Sie ist ein Baum der Auwälder, wo sie gemeinsam mit Erlen, Pappeln und anderen Weidenarten vorkommt. Zusammen mit diesen bildet sie die sogenannte Weichholzaue. Sie kann aber auch reine Bestände bilden und Flussläufe säumen (Abbildung 16). Im Tiefland wächst sie vorzugsweise auf periodisch überschwemmten, nassen, nährstoffreichen Böden. Im Bergland ist sie bis in Höhen von 900 m zu finden. Sie kommt in ganz Europa bis zum Ural, mit Ausnahme von Nordeuropa, vor.

Sorten und weitere Arten

Weidenarten bilden Bastarde untereinander, was die Bestimmung der jeweiligen Art erschwert. Von den Baumschulen werden von der Silber-Weide, Salix alba, neben Hochstämmen auch Kopfweiden angeboten; sie haben bereits eine Anhäufung von Seitentrieben am „Stammkopf“. Durch regelmäßigen Schnitt, etwa alle zwei bis drei Jahre, wird die Wuchsweise erhalten und der „Kopf“ vergrößert sich ständig.

Eine wichtige Sorte ist Salix alba ‚Tristis‘, die Hänge- oder auch Trauer-Weide genannt wird. Sie bildet im Alter eine malerische Krone mit weit ausladenden starken Ästen und senkrecht zuweilen bis zum Boden herabhängenden Zweigen. Diese Sorte ist mit ihrem hellgelben Laub noch im Herbst eine Zierde für Parkanlagen, große Gärten und natürlich auch an Fluss- und Seeufern (Abbildung 17).

 

Eine weitere Sorte, die von den Baumschulen angeboten wird, ist Salix alba ‚Liempde‘ ein groß werdender Baum, der einen durchgehenden, bis zum Wipfel reichenden Haupttrieb hat, dessen Seitenachsen im spitzen Winkel ansitzen. Durch diese Verzweigungsweise entsteht ein hoher Baum, der 20 bis 30 m Höhe erreichen kann und eine schmalkegelige Krone bildet.

Eine weitere Weidensorte, Salix matsudana Koidz. ‚Tortuosa‘, als Korkenzieher-Weide bezeichnet, wächst als Strauch, aber auch als kleiner Baum; sie wird ebenfalls von Baumschulen angeboten (Abbildung 18). Sie ist eine Kulturform der chinesischen Weide Salix matsudana und hat korkenzieherartig gedrehte Zweige, die etwas herabhängen (Abbildung 19).

Aufgrund dieser Wuchsweise ist sie bei Gartenbesitzern sehr beliebt; allerdings neigt sie im höheren Alter zu Starkastbrüchen. Die Korkenzieher-Weide lässt sich leicht durch Stecklinge vermehren. In der Floristik werden die Zweige gern als dekoratives Element verwendet.

 

Weiden in der Stadt und auf Golfplätzen

Da Weiden ein weiches Holz haben, sind sie sehr bruchgefährdet. Deshalb sollte die Weide als Stadt- insbesondere Straßenbaum nicht gepflanzt werden. Auf die Schönheit der Trauerweide für Parkanlagen wurde bereits hingewiesen; für diese Standorte ist sie sehr zu empfehlen, allerdings muss die Bruchgefahr berücksichtigt werden.

 

Wegen ihrer malerischen Gestalt ist die Trauer-Weide an einem Gewässer des Golfplatzes als Solitär durchaus zu empfehlen.

 

Baumpflege

Der Schnitt von Weiden birgt – vor allem wenn große Schnittwunden entstehen – Gefahren, weil das weiche Holz schnell und leicht einfault. Insbesondere Kappungen, das Einkürzen von Starkästen (Abbildung 20) sind zu unterlassen. An den Schnittstellen bilden sich in Vielzahl sogenannte Ständer, die sich jedes Jahr verlängern (Abbildungen 21 und 22) und an Gewicht zunehmen. Mit diesem Wachstumsschub versucht der Baum, die fehlende Ast- und Blattmasse rasch wieder zu ersetzen.

Die neu gebildeten Ständer stellen keine normale Verlängerung eines Astes dar, sondern entstehen in Vielzahl rund um die Schnittstelle; sie sitzen nur seitlich mit einer schlechten Anbindung an. Soll ein Ausbrechen vermieden werden, dann müssen regelmäßig einzelne Ständer herausgeschnitten und die verbleibenden eingekürzt werden. Dies zeigt, dass starke Schnittmaßnahmen eine Schädigung des Baumes und nachfolgend einen hohen Pflegeaufwand bedeuten, genau das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war.

 

Häufig sind auch Misteln in den Baumkronen zu sehen (Abbildung 23). Sie schädigen den Baum, weil sie die Leitungsbahnen anzapfen; durch ihr Gewicht bewirken sie, dass Äste abbrechen. Deshalb sollten Misteln rechtzeitig herausgeschnitten werden

Die Weide, insbesondere die Trauerweide, ist sehr bruchgefährdet, bedingt durch weiches Holz und einen speziellen Kronenaufbau. Sie bildet vor allem mächtige Starkäste, an deren Enden eine Vielzahl von herabhängenden Seitenästen inseriert ist. Bei Sturm oder einer Vorschädigung kommt es häufig zu Astbrüchen. Wenn dabei große Teile der Krone abbrechen, gibt es keine Rettung durch baumpflegerische Maßnahmen mehr. Deshalb ist es bei Trauerweiden sinnvoll, durch regelmäßige Kontrollen und einen angemessenen Entlastungsschnitt, Starkastbrüchen vorzubeugen.

 

Medizinische Bedeutung der Weiden

Es wird berichtet, dass bereits Hippokrates und Dioscorides Weidenrinde in der Heilkunde verwendeten. Früher galt Tee aus junger Weidenrinde als fiebersenkendes Mittel; dieser wurde aber auch gegen Rheuma und Gicht verwendet. Noch heute wird die Weidenrinde als Heilmittel wegen ihrer schmerzlindernden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Wirkung eingesetzt. Sie trägt den Namen „europäische Fieberrinde“, der Apotheker kennt die getrocknete Weidenrinde als Salicis Cortex, im Unterschied zu der aus dem tropischen Amerika importierten Chinarinde, die von dem Chinarindenbaum Cinchona stammt. Beide wurden als fiebersenkendes Mittel bei Malaria eingesetzt.

 

Schon 1828 wurde Salicin aus der Weidenrinde gewonnen; heute hat die Weidenrinde ihre Bedeutung verloren, denn seit 1898 werden Salicylsäure-Verbindungen (Aspirin) synthetisch hergestellt. Inzwischen wird Aspirin als Schmerzmittel weltweit am häufigsten verwendet. Zudem wurde eine blutverdünnende Wirkung festgestellt, deshalb wird Aspirin bei Patienten, bei denen eine Herzinfarktgefahr besteht, eingesetzt.

 

Weiden in der Mythologie und Kunst

Die Weiden genießen eine sehr unterschiedliche Bedeutung in verschiedenen Kulturen, zum einen werden sie als düsterer Todesbaum, zum anderen als Symbol quellenden Lebens angesehen, auch als Büßerbaum und sogar als Geister- und Hexenbäume sind sie bekannt. Auf der anderen Seite wurden Zweige von Bachweiden geweiht und über den Esstisch gehängt.

 

In den verschiedenen Regionen und Religionen werden die Weide mit höchst widersprüchlichen Eigenschaften und Attributen – wie wahrscheinlich kaum ein anderer Baum – bedacht, so dass es schwer fällt, eine allgemeine Aussage über ihre Bedeutung in der Mythologie zu treffen.

 

Silber-Weide mit bösem Blick

Die Silber-Weide als schnellwachsendes Weichholz kann in relativ kurzer Zeit einen stattlichen Stammdurchmesser erreichen. Vom Sturm entwurzelt, am Boden liegend und mit grimmigem Gesicht, zeigt sie dennoch ihre Vitalität mit neuen Trieben gewissermaßen als Haarschopf (Abbildung 24).

Auch wenn bereits am Kinn und an der linken Wange der Spaltblättling, ein holzzerstörender Pilz mit kleinen weißen Fruchtkörpern, nagt, wird sie noch eine Zeitlang an den heftigen Sturm im Jahre 2004, bei dem sie entwurzelt wurde, erinnern.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 2/2020

 

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