Schwarz-Pappel (Populus nigra L.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Pappeln, Gattung Populus, gehören in die Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Die Gattung umfasst etwa 60 Arten, die vorwiegend in der nördlich gemäßigten Zone vorkommen, wobei in China eine besonders hohe Anzahl an Arten, die Botaniker nennen dies ein Mannigfaltigkeitszentrum, existiert. Die dort vorkommenden Arten haben ihr Verbreitungsgebiet von der borealen bis in die subtropische Zone. Die in den gemäßigten Gebieten vorkommenden Arten wachsen an Flussufern und in Wäldern.

 

Bei uns kommen drei Arten vor; neben der Schwarz-Pappel (Populus nigra L.), die Zitter-Pappel (Populus tremula L.) und die Silber-Pappel (Populus alba L.).

 

Die Schwarz-Pappel ist in Europa beheimatet mit Ausnahme von Skandinavien, Schottland, Irland und Island; das natürliche Verbreitungsgebiet reicht aber im Osten bis zum Fluss Jenissei in Russland und bis an den Rand des Kaukasus und Himalaya und im Süden bis Nordwestafrika. Die Schwarz-Pappel wurde vom Kuratorium Baum des Jahres als Baum des Jahres 2006 gekürt. 

 

Schwarzpappel – eine ­gefähr­dete Art in Deutschland

Die Schwarzpappel steht als eine der wenigen Baum-Arten auf der Roten Liste. In den Ostdeutschen Ländern ist sie sogar vom Aussterben bedroht, vor allem, weil ihre Lebensräume vernichtet wurden. Sie wächst natürlicherweise in Auen und an Flussufern. Da die Auenflächen vom Menschen gerodet und landwirtschaftlich genutzt werden, die Flussläufe begradigt und eingedeicht werden, in der Folge mit Absenkung des Grundwasserspiegels, ist die echte Schwarzpappel selten geworden. Sie hat einen hohen Wärmebedarf und kommt deshalb fast ausschließlich in den Tief­lagen und dort meistens in den Niederungen, an den Flussläufen großer Ströme vor.

 

Die Situation hat sich verschärft, weil man seit etwa 200 Jahren wüchsige Pappelarten bzw. -sorten gepflanzt hat. Da sich diese leicht mit den Schwarz-Pappeln kreuzen, sind kaum noch echte Schwarzpappeln zu finden, sondern oftmals wüchsige Hybridpappeln. Deshalb sollten die Schwarz-Pappel und ihre noch vorhandenen Lebensräume dringend geschützt werden und auch Stecklinge der echten Schwarzpappel gepflanzt werden.

 

Durch Rodung der Auwälder und Flussauen und die Verwendung anderer Pappelarten sind oftmals besonders wüchsige Bastarde entstanden, die aber sehr schwer bestimmbar sind, eigentlich ist dies sicher nur anhand genetischen Materials möglich. Man muss davon ausgehen, dass es sich nicht immer um eine Schwarz-Pappel, sondern um ein Kreuzungsprodukt handelt.

 

Gestalt und Aussehen

Die Schwarz-Pappel zeichnet sich durch eine hohe, meistens auch breite Krone aus, deren Kronenansatz schon tief unten am dicken Stamm beginnt (Abbildung 1). Sie kann eine Höhe von 30 Metern, mitunter sogar 40 Metern erreichen; die Stämme können bis zwei Meter dick werden. Oftmals sind kräftige Wurzelanläufe ausgebildet, die der Standfestigkeit des hohen Baumes dienen (Abbildung 2). Auffällig sind zudem flach und weit streichende Wurzeln, die sich meistens direkt an der Bodenoberfläche oder auch darüber befinden.

Das Höchstalter der Schwarz-Pappel soll 300 Jahre betragen. Die Pappel zeigt ein sehr schnelles Wachstum und übertrifft damit alle einheimischen Holzarten. Dieses rasante Wachstum ist gekoppelt mit weichem Holz. Die Schwarz-Pappel kann in zwanzig Jahren eine Höhe von fast 20 Metern erreichen, Hybridpappeln schaffen dies bereits in etwa zehn Jahren (Abbildung 3).

Aussehen im Jahreslauf

Im Frühjahr, etwa Anfang März, sind die bereits im Sommer des Vorjahres gebildeten Winterknospen dick angeschwollen (Abbildung 4). Sowohl die Blatt-, als auch die Blütenstandsknospen für das nächste Jahr wurden bereits im Juli des vorherigen Jahres gebildet. Sie werden von Knospenschuppen eingehüllt. Zudem wird ein klebriger Knospenleim gebildet, der zusätzlich als Knospenschutz fungiert.

 

Pappeln haben getrennt geschlechtige kätzchenförmige Blütenstände, die sich auf verschiedenen Bäumen befinden. Sie wird deshalb in der Fachsprache als zweihäusig bezeichnet. Die Blütenstandsknospen stehen seitlich, sind dicker und deswegen von außen deutlich von reinen Blattknospen zu unterscheiden.

 

Die Pappel blüht in der Zeit von März bis April noch vor dem Austrieb des Laubes. Dies hat den Vorteil, dass der Transport des Pollens durch den Wind nicht durch die Blätter behindert werden kann. Die männlichen Kätzchen erinnern zunächst an die Kätzchen der Weiden, sie haben purpurrote Staublätter (Abbildung 5). Wenn sie sich bis neun Zentimeter Länge strecken, hängen sie wie die weiblichen Kätzchen herunter.

Die Blätter sind in der Winterknospe nach innen eingerollt, eine Knospenlage, die bei unseren Laubgehölzen selten vorkommt, wohl nur noch bei den nahe verwandten Weiden. Während des Austriebes der Blätter sind die Kronen noch ziemlich „durchsichtig“ (Abbildung 6), bis sie sich ein paar Wochen später voll belaubt präsentieren (Abbildung 1).

 

Die Blätter sind lang gestielt, haben eine dreieckige bis rautenförmige Gestalt, meistens mit lang ausgezogener Spitze; sie können in Form und Größe sehr variieren und sind deshalb für die Bestimmung nicht besonders gut geeignet. Der Blattrand ist fein gekerbt. Die Blätter können eine Spreite von bis zu 12 cm Länge erreichen, der Blattstiel kann bis 8 cm lang werden. Durch den relativ langen Stiel flattern sie leicht im Wind. Das Pappellaub bewegt sich auch noch bei Windstille, wodurch das Blatt gekühlt und der Gasaustausch verbessert wird (Abbildung 7).

 

Ende Mai zeigen sich – zunächst einmal schwer zu erkennen – die herunterhängenden weiblichen Blütenstände. Erst wenn sich die einzelnen Fruchtblätter öffnen und die weißen Samenhaare hervortreten sind sie deutlich zu sehen.

Zunächst sind die Samenhaare etwas verklebt (Abbildung 8), etwas später liegen die Samen und auch ganze Fruchtstände auf dem Boden (Abbildung 9). Bei Wind entfalten sich die Samenhaare, nun zeigen sich die hellbraunen Samen (Abbildung 10). Durch ihr dichtes Haarkleid fliegen sie fast wie Bettfedern durch die Luft und werden über weite Strecken – bis zu 50 km – vom Wind transportiert. Zu diesem Zeitpunkt werden die Pappeln erst richtig wahrgenommen – viele Menschen haben den Eindruck, dass Watte durch die Luft fliege und sind beunruhigt; zeitweise können auch die Wege weiß von den Samen sein, es ist „Pappelschnee“ gefallen. In Nordamerika hat diese Erscheinung den Pappeln den Namen Baumwoll-Baum eingetragen.

Schon innerhalb weniger Tage muss die Keimung erfolgen, vorausgesetzt es ist offener Boden und genügend Feuchtigkeit vorhanden. Weil diese Bedingungen offenbar selten gegeben sind, findet man kaum Pappelkeimlinge. Eine Vermehrung aus Samen ist bei der Schwarz-Pappel extrem selten. Dafür ist die vegetative Vermehrung umso einfacher: Steckt man einen Pappelzweig bei genügend Feuchtigkeit in den Boden, dann bewurzelt sich dieser umgehend und wächst gewissermaßen als Steckling zügig zu einem Baum heran – vorausgesetzt die Wuchsbedingungen entsprechen den Ansprüchen dieses Baumes.

 

Den Sommer über spenden Pappeln mit ihrem dunkelgrün glänzenden Laub und ihren ausladenden Kronen einen guten Schatten (Abbildung 11). Entlang von Flüssen präsentiert sich die Schwarz-Pappel als ein die übrige Vegetation weit überragender großkroniger Baum (Abbildung 12).

Wenig später, im Herbst leuchtet das Laub in hellem Gelb. Stattliche große Bäume sind dann eine Schönheit in der Landschaft (Abbildung 13). Nunmehr liegen auch die ersten Blätter am Boden und zeigen ihre schöne, elegante Gestalt (Abbildung 14). Die Blattstiele sind seitlich zusammen gedrückt und haben oftmals sehr charakteristische spiralige Verdickungen, die von der Spiralgallenlaus verursacht werden (Abbildung 15).

Im Winter, wenn alles Laub heruntergefallen ist, sind Rinde und Borke gut zu sehen. Die Rinde der jungen Pappel ist grauweiß (Abbildung 16); später, bei der Schwarz-Pappel ab einem Stammdurchmesser von ca. 50 cm, ist die Borke tiefrissig und dunkelgrau bis schwarz gefärbt (Abbildung 17). Der Name der Schwarz-Pappel geht wohl auf diese im Vergleich mit anderen Pappelarten dunkle Farbe zurück. Die Borke kann im höheren Alter sogar charakteristische netzartige Borkenrippen zeigen (Abbildung 18). Mitunter sind Knollen, sogenannte Maserknollen oder -kröpfe an der Stammbasis zu finden; diese können erhebliche Ausmaße erreichen (Abbildung 19).

Im Winter ist die natürliche Kronenstruktur besonders gut zu betrachten (Abbildung 20), insbesondere wenn diese nicht durch falschen Schnitt verstümmelt wurde (Abbildung 21).

Wurzelsystem

Am Anfang wächst die Hauptwurzel relativ schnell in die Tiefe, danach bilden sich zahlreiche flachstreichende Wurzeln, die auch oberflächennah oder sogar auf der Bodenoberfläche wachsen können. Dies ist leicht festzustellen, denn diese Wurzeln stellen erhebliche Stolperstellen dar. Sie werden in Rasenflächen von Rasenmähern beschädigt, wodurch diese Wurzeln einfaulen (Abbildung 22), was natürlich die Standsicherheit des Baumes beeinträchtigt. An diesen Stellen können sich dann auch Pilzfruchtkörper zeigen, wie die Fruchtköper des wulstigen Lackporlings (Abbildung 23).

Sorten und Hybriden

Von der Schwarzpappel gibt es eine spontane Mutation, die als Varietät der Schwarz-Pappel betrachtet und als Pyramiden-Pappel, Populus nigra var. italica bezeichnet wird. Sie zeichnet sich durch die Ausbildung von sogenannten Brettwurzeln (Abbildung 24) und fast senkrecht aufstrebenden Seitenäste aus, was zu einem zypressenartig schlanken Wuchs führt. Aufgrund dieser Wuchsform hat sie hohe Beliebtheit erlangt, und wird als Alleebaum oder markantes Gestaltungselement in Siedlungen verwendet. Wegen ihrer enormen Höhe, sie kann 35-40 Meter erreichen, „begrünt“ sie so manches Hochhaus (Abbildung 25). Die Pyramidenpappeln können allerdings nur durch Stecklinge vermehrt werden, da diese Wuchsweise offenbar nicht genetisch fixiert ist.

Besonders häufig ist bei uns eine Hybridpappel zu finden: ein Kreuzungsprodukt zwischen der Schwarzpappel und der Kanada-Pappel (Populus deltoides W. Bartram ex Marshall). Sie wird als Bastard-Schwarzpappel oder Kanada-Pappel (Populus x canadensis Moench) bezeichnet, ist von sehr stattlicher Statur mit einer weitverzweigten ausladenden Krone und erreicht Höhen von 25-30 Metern.

 

Pilze, Misteln und allerlei Getier

Die Schwarz-Pappel wird von etlichen holzzerstörenden Pilzen befallen, die wichtigsten sind: der Flache Lackporling (Abbildung 26), der Sparrige Schüppling, der Honiggelbe Hallimasch, der Fuchsrote Schillerporling, der Schwefelporling und die Zonentramete.

 

Zudem finden sich in den Kronen der Pappel oftmals in großer Zahl die Misteln; sie können zwar mit ihren dunkelgrünen riemenförmigen Blättern selbst assimilieren, brauchen aber Wasser und Mineralstoffe von ihrer Wirtspflanze und schädigen diese auf diese Weise.

 

Die Schwarz-Pappel bietet Lebensraum für eine große Anzahl von Tieren, vor allem Insekten. Besonders zu erwähnen ist der Pappelbock, dessen Larven vor allem in jüngeren Stämmen Gänge bis zum Mark fressen. Aber auch Blattkäfer, -spinner, -wickler, -roller und Gallläuse kommen an Schwarzpappeln vor. Natürlich nisten auch etliche Vogelarten in den Baumkronen.

 

Biber können mit ihren Nagezähnen in mehreren Nächten dickere Schwarz-Pappeln zum Umstürzen bringen.

Baumpflege

Meistens steht die Schwarzpappel im freien Gelände und kann deshalb ungehindert ihre oftmals ausladende Krone ausbilden. Anders sieht es jedoch bei den viel häufiger vorkommenden Hybriden aus. Diese wurden in Wohngebiete gepflanzt, weil sie sehr wüchsig sind und deshalb Neubaugebiete schnell begrünen. Dabei wird unterschätzt, welche Ausmaße eine ausgewachsene Hybridpappel erreichen kann. Auch die Pyramidenpappeln entsprechen nicht immer den Vorstellungen, die man von ihrer Größe hatte.

Ein Schnitt einzelner Starkäste kann aber fatale Folgen haben, vor allem, wenn dieser stärker ausfällt, als angemessen und große Wunden entstehen (Abbildung 27). Diese werden nicht schnell genug durch Kallusgewebe geschlossen. Wegen des weichen Holzes ist die Gefahr des Einfaulens bei der Pappel besonders groß.

 

Durch Kappungen der Kronen, wie sie bei Pappeln leider oft zu sehen sind, entstehen Wunden mit den eben geschilderten Problemen. Zudem bilden sich, wenn nicht auf Zugast geschnitten wurde, zahlreiche Schosse rund um die Schnittfläche (Abbildung 21). Diese sind keine normale Verlängerung des Astes und nur seitlich angebunden. Aufgrund ihres schnellen Wachstums und damit verbunden zunehmenden Gewichtes können sie leicht ausbrechen.

 

Sind erst einmal derartig radikale Schnittmaßnahmen erfolgt, muss regelmäßig kontrolliert werden, wie weit die gekappten Äste eingefault sind, und dann bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden. Deshalb sollte insbesondere bei Weichhölzern bei Schnittmaßnahmen äußerste Zurückhaltung geübt werden, damit nicht das Gegenteil von dem eintritt, was beabsichtigt war.

 

Sind große Wunden am Stamm vorhanden, dann faulen diese sehr schnell ein (Abbildung 28). Ist der Fäulnisprozess weit fortgeschritten und ist die Restwandstärke nur noch wenige Zentimeter dick, dann ist Gefahr im Verzug; die Pappel muss umgehend gefällt werden (Abbildung 29).

 

Nutzung des Holzes

Das Pappelholz ist sehr weich und leichter als das unserer meisten Bäume. Dies ist dem schnellen Wachstum geschuldet; entsprechend breit sind die Jahrringe, an denen auch das Alter eines Baumes sehr leicht abgelesen werden kann. Bei diesem Holz handelt es sich gewissermaßen um eine „Leichtbauweise“, die aber entscheidende Nachteile bezüglich der Dauerhaftigkeit des Holzes hat.

 

Das leicht zu bearbeitende Holz wird für Paletten, Kisten, Spanplatten-, Zellulose- und die Papierherstellung verwendet. Das gute alte Streichholz wurde und wird aus Pappelholz hergestellt. In Holland werden die Holzschuhe „Klompen“ aus Pappelholz gefertigt.

 

Schwarzpappeln auf Golfplätzen

Die Schwarz-Pappel ist ob ihrer großen Statur ein bemerkenswerter Baum auch für Golfplätze. Allerdings sollte sie wegen ihrer Standortansprüche auf Golfplätzen nur in der Nähe von größeren Flüssen gepflanzt werden. Dort würde sie im Sinne der Bestands­erhaltung sehr gut hinpassen.

 

Allerdings muss bedacht werden, dass diese Baumart wegen ihres weichen Holzes nicht ganz unproblematisch ist. Beschädigungen des Holzkörpers, auch die der auf der Bodenoberfläche liegenden Wurzeln, sollten unbedingt vermieden werden.

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 03/2018

 

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