Rotbuche, Gewöhnliche Buche (Fagus sylvatica L.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Eine junge Rotbuche wächst zu einem stattlichen Baum heran, so sie denn genügend Raum zur Verfügung hat. Sie kann 25 bis 30 Meter hoch werden, ein Alter von etwa 150 Jahren und einen Stammdurchmesser bis zu einem Meter erreichen. Zuweilen wird sogar ein Alter von 300 Jahren angegeben.

 

Wächst sie freistehend – im Freistand – dann ist der Stamm von unten aufwärts beastet und die Krone ist weit ausladend (Abbildung 1). Im unbelaubten Zustand ist die Verteilung der Äste am Stamm besonders gut zu sehen (Abbildung 2). Im Bestand, beispielsweise im Buchenwald, ­bildet sie lange Schäfte, um ans Licht zu gelangen (Abbildung 3). Die Kronen sind dort schmal, schließlich müssen sie sich den Platz mit ihren Artgenossen teilen (Abbildung 4).

 

 

Die Rotbuche wurde bereits 1990 zum Baum des Jahres gekürt. Sie ist häufig auf Golfplätzen zu finden, beispielsweise am Rande der Fairways (Abbildung 5) oder Grüns (Abbildung 6), deshalb soll mit der Rotbuche die Reihe der „Steckbriefe“ fortgeführt werden.

 

Rotbuchen sind vor allem an ihrer ­silbrigen Rinde (Abbildung 4 und 19), gut zu erkennen und können deshalb mit keiner anderen einheimischen Baumart verwechselt werden. Selbst im höheren Alter entwickelt sich keine dicke Borke, wie wir sie von Eiche oder Linde kennen. Durch die relativ dünne Rinde reagiert die Rotbuche bei Freistellung sehr em­pfindlich auf die Erhitzung des Stammes durch Sonne mit einem Sonnenbrand. Das unter der Rinde liegende Kambium wird geschädigt, die Rinde zeigt zunächst Risse und löst sich in der nächsten Zeit vom Holzkörper (Abbildung 7). In das nunmehr ungeschützte Holz können Pilzsporen eindringen. Eine durch Sonnenbrand geschädigte Rotbuche stirbt nach einigen Jahren ab.

Aussehen im Jahreslauf

Bevor sich die Laubblätter der Buche entwickeln, ist es hell am Boden des Buchenwaldes. Zu diesem Zeitpunkt zieren die Blüten verschiedener Frühlingsblüher, wie beispielsweise die des Buschwindröschens, Anemone ­nemorosa L., zumeist in großer Zahl den Waldboden (Abbildung 8).

 

Zeitig im Frühjahr, etwa Mitte April, schieben sich die Laubblätter aus den Winterknospen heraus (Abbildung 9) und hängen zunächst schlaff herunter. Das Buchenblatt ist einfach gestaltet, ungeteilt mit einem etwas welligen Blattrand. Erst in den nächsten Tagen erstarken die Blattnerven und das Blatt nimmt seine typische Stellung ein. Zu diesem Zeitpunkt sind am Boden die typischen Buchen-Keimlinge zu finden (Abbildung 10), deren Keimblätter wie eine Manschette angeordnet sind und in keiner Weise an das typische Buchenblatt erinnern. Buchenkeimlinge gibt es etwa alle fünf Jahre, in sogenannten Mastjahren, siehe hierzu den Abschnitt „Was ist sonst noch bemerkenswert“. Im Frühjahr entwickeln sich auch die jungen, kugelförmigen Kätzchen mit den männlichen Blüten (Abbildung 11). Wenig später sind auch die etwas struppigen Fruchthüllen zu sehen (Abbildung 12). Die Bucheckern reifen, nachdem der Wind die Pollenkörner ausgeschüttelt und zu den jungen Samenanlagen transportiert hat; eine auffällige Blütenhülle zur Anlockung von Insekten ist nicht notwendig.

 

Im Sommer haben die Buchen ein dichtes Laubdach gebildet (Abbildung 13), so dass kaum krautige Pflanzen am Boden zu finden sind. Zu die­sem Zeitpunkt wachsen die Frucht­hüllen heran und färben sich braun (Abbildung 14); im Inneren der Fruchthüllen entwickeln sich je­weils zwei Bucheckern. Sie haben eine harte Schale und sind im Querschnitt dreieckig. Im Inneren befind­-en sich zwei bandförmige, sorgfältig angeordnete, etwas dickliche Keimblätter.

Im Herbst sind die etwas struppigen Fruchthüllen reif und öffnen sich mit vier Klappen (Abbildung 15); etwas später fallen die reifen Buch­eckern, aber auch die Fruchthüllen zu Boden (Abbildung 16). Zwischen dem Herbstlaub sind bereits junge Buchen zu finden, obwohl sie noch klein sind, haben sie doch ein Alter von mehreren Jahren (Abbildung 17). Das Laub der Buchen färbt sich zunächst gelb und wird schließlich braun. Im herbstlichen Sonnenlicht wirkt der Buchenwald lichtdurchflutet (Abbildung 18).

 

Im Winter, insbesondere bei Schnee, treten die silbergrauen Stämme mit ihrer fast glatten Rinde besonders deutlich hervor (Abbildung 19); es werden Strukturen sichtbar, die ­sonst leicht übersehen werden, wie etwa die sogenannten Chinesenbärte. Sie entstehen durch eine Stauchung des ­Rindengewebes in der Achsel der Äste (Abbildung 20).

 

Die „halbwüchsigen“ Buchen tragen oftmals noch ihr Laub; die Zweige sehen mit einer Schneehaube be-sonders schön aus (Abbildung 21).

Rotbuchen pflanzen und pflegen

Die Rotbuche wird in Baumschulen in verschiedenen Größen angeboten. Sie kann für die Pflanzung auf Golfplätzen – wenn genügend Platz vorhanden ist, denn sie kann im Freistand einen Kronendurchmesser von ca. 30 Metern erreichen – uneingeschränkt empfohlen werden, allerdings sollten die Ausführungen zur Pflanzung von Jungbäumen (Greenkeepers Journal 3/13, S. 31-36) berücksichtigt werden.

 

Die Rotbuche eignet sich auch sehr gut als Heckenpflanze (Abbildung 22). An Stellen, an denen auch im Winter Sichtschutz benötigt wird, ist die Buche eine sinnvolle Alternative zu Nadelholzhecken, obwohl sie nicht immergrün ist, denn das trockene Laub bleibt längere Zeit, meistens sogar den ganzen Winter über an den Zweigen hängen und bietet so einen gewissen Sichtschutz. Den Sommer über wird sie von Vögeln gern als Nistplatz genutzt.

 

Was ist sonst noch bemerkenswert?

Die Buche bildet auf durchlässigen Böden ein Herzwurzelsystem, auf verdichteten Böden dagegen ein flachgründiges, weitstreichendes, teilweise über dem Boden befindliches Wurzelsystem aus. Dann sind am Stammfuß älterer Buchen häufig kräftige Wurzelanläufe zu finden. Wenn sie einen dichten Moosteppich tragen (Abbildung 23), dann laden sie an einem heißen Sommertag zu einer Pause im kühlen Schatten der Buche ein. Diese Wurzelanläufe gehen in dicke Hauptwurzeln über, die sich relativ schnell in eine Vielzahl von Seitenwurzeln aufzweigen. Durch dieses reich verzweigte und weitstreichende Feinwurzelsystem sind die Buchen gut im Boden verankert.

 

Mitunter ist die Bildung eines sogenannten Abschiedskragens am Buchenstamm sehr gut zu sehen. Er besteht aus Stammholz und bedeutet, dass der betreffende Ast vom Baum abgestoßen wird (Abbildung 24). Der Schnitt wird direkt vor dem Wulst zur Astseite hin ausgeführt. Der Abschiedskragen darf nicht angeschnitten werden, da sonst das Stammholz verletzt würde, natürlich mit negativen Folgen.

Die Buche gilt eigentlich als sehr widerstandsfähiger, pflegeleichter Baum, der aber immer häufiger Vitalitätsverluste zeigt. Sind Vitalitätsverluste – erkennbar an kleineren Blättern, veränderter Verzweigung und toten Zweigen bis in den Feinastbereich – vorhanden, dann sollte eine eingehende Untersuchung der Buche durchgeführt werden. Abbildung 25 zeigt zwei Blutbuchen, die rechte zeigt die geschilderten Vitalitätsverluste, die linke normale Belaubung. Beim Blick in den oberen Kronenabschnitt des rechten Baumes (Abbildung 26), sind die Schäden deutlicher zu sehen.

 

Besorgniserregend ist das Auftreten von sogenannten Komplexschäden mit Astbruchgefahr; diese wurden an Bäumen mit auffälligen Schadsymptomen untersucht. Die Schäden stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit der anhaltenden Klimaerwärmung und den dadurch öfter auftretenden Mastjahren, früher gab es Mastjahre etwa alle fünf bis sieben, mittlerweile alle zwei Jahre. Durch die häufigere Fruchtbildung ist das Dickenwachstum geringer, zudem wird eine Schwächung des Abwehrverhaltens gegenüber Insekten und holzzerstörenden Pilzen beobachtet (KEHR et al., 2014).

Buchen auf Golfplätzen

Buchenstämme sind wegen ihrer dünnen Rinde besonders durch auftreffende Golfbälle gefährdet. Die anfliegenden Golfbälle hinterlassen deutliche Spuren in der Rinde (Abbildung 27). An diesen Stellen kann sich nach einiger Zeit die Rinde vom Holzkörper lösen; hier siedeln sich Sporen holzzerstörender Pilze an. Die entstehenden Pilze können die Bäume nachhaltig schädigen.

 

Die Rotbuche ist sehr häufig auf Golfplätzen anzutreffen. Im Alter ist sie mit ihrer stattlichen Statur als Einzelbaum aber auch in der Gruppe eine besondere Zierde für jeden Golfplatz. Ist genügend Platz vorhanden, dann empfiehlt sich die Pflanzung einer Dreiergruppe. Die Bäume wachsen zusammen heran und sehen von weitem wie eine einzelne große Baumkrone aus (Abbildung 28).

 

 

Und übrigens: Aus den zotteligen Hüllen der Bucheckern lassen sich schöne Waldmännchen basteln. Sie stehen leicht auf den vier Klappen, gewissermaßen auf vier Beinen, unterhalb des Stieles kann, wenn die Stelle etwas glatt geschabt wird, ein kleines Gesicht aufgemalt werden und fertig ist ein Waldwichtel.

 

Literatur

KEHR, R., D. DUJESIEFKEN, H. STOBBE, D. ECKSTEIN und J. STUFFREIN, 2014: Neuartige Komplexschäden an Buche mit Astbruchgefahr. In: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege. Haymarket Media, Braunschweig, S. 121-135.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 1/2015

 

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