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Magnolie (Gattung Magnolia L.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Die Magnolie (Magnolia L.) stammt aus der Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae). Fälschlicherweise wird eine Hybride Magnolia x soulangeana als Tulpenbaum bezeichnet. Doch der Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera L.) gehört in die Gattung Liriodendron mit nur einer Art (Greenkeepers Journal 2/17).

Die Magnolie wurde nach dem französischen Botaniker Pierre Magnol, der von 1638 bis 1715 lebte, benannt. Bekannt ist er, weil er als erster Botaniker den Begriff der ,Pflanzenfamilie‘ definierte und verwendete.
 

Magnolien gelten erdgeschichtlich als alter Verwandtschaftskreis, belegt ist das durch Fossilfunde aus der Kreidezeit. In dieser Zeit kamen sie sogar in Mitteleuropa vor, sie sind hier aber während der Eiszeiten ausgestorben. Es wird davon ausgegangen, dass diese stammesgeschichtlich uralte Pflanzenfamilie, deren Entwicklung etwa 100 Millionen Jahre zurückliegt, den Vorfahren unserer Blütenpflanzen am ähnlichsten gewesen sein dürfte.
 

Aufgrund ihres erdgeschichtlichen Alters weisen die Magnolienarten zahlreiche ursprüngliche Merkmale auf: Sie haben einfache, ungeteilte Blätter, große Einzelblüten, die nicht in Kelch und Krone gegliedert sind, der Blütenboden ist gestreckt und mit zahlreichen schraubig angeordneten Blütenorganen besetzt. Die Blüten sind radiär symmetrisch, die Staubblätter einfach gebaut, an den freien Fruchtblättern fehlt ein Griffel, die Fruchtblätter sind meistens einsamig, typisch ist die Bestäubung durch Käfer.
 

Die Magnolie ist die Nationalblume Nordkoreas, sie wird auch in den USA verehrt. Die texanische Stadt Houston trägt den Beinamen ,The Magnolia City‘ und in den Bundesstaaten Louisiana und Mississippi ist sie das Staatssymbol.

Magnolien in unseren Gärten und Parkanlagen
 

Die bei uns kultivierten Magnolien-Arten mit ihren großen Blüten gelten als prachtvolle Blütensträucher und -bäume.
 

Die Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana Soul.-Bod.) ist eine Kreuzung zwischen der Lilien-Magnolie (Magnolia denudata Desr.) und der Purpur-Magnolie (Magnolia liliiflora Desr.). Sie ist bei uns wohl die bekannteste Magnolien-Züchtung. Die Tulpen-Magnolie wächst als großer Strauch, der eine Höhe von acht Metern erreichen kann. Mit ihren großen Blüten (Abbildung 1) ziert sie bereits im zeitigen Frühjahr unsere Gärten und Parkanlagen, sogar in kleinen Vorgärten ist sie des Öfteren zu sehen.

Vorkommen, Verbreitung und Ansprüche der Magnolien-Arten
 

Die Arten der Magnoliengewächse kommen heute in zwei großen, weit voneinander getrennten Arealen mit etwa 125 verschiedenen Arten vor, mitunter werden auch mehr als 300 Arten angegeben. Sie wachsen in Ostasien, vom Himalaya bis Japan, Java und Borneo. In Nordamerika sind sie vom Nordosten der USA bis nach Venezuela verbreitet.

Gestalt und Aussehen
 

Alle Magnolienarten sind Holzpflanzen, sie wachsen als Bäume oder Sträucher. Einige Baumarten erreichen eine Höhe von zehn Metern, beispielsweise die in Japan vorkommende Kobushi-Magnolie (Magnolia kobus DC.) (Abbildung 2).


Winterknospen
 

Im Winter sind die Magnolien an den behaarten Winterknospen gut zu erkennen. Das enganliegende, silbrige Haarkleid auf den Knospenschuppen schützt die empfindlichen Blütenorgane im Inneren der Knospe (Abbildung 3). Bis Ende März vergrößern sich die Knospen der Tulpen-Magnolie und öffnen sich. Zu diesem Zeitpunkt fallen die behaarten Knospenschuppen ab (Abbildung 4). Bereits Anfang April stehen die Blütenknospen wie Kerzen an den Zweigenden bei der Tulpen-Magnolie (Abbildung 5).

Blüten
 

Ende März bis Mitte April öffnen sich die Knospen und die Blütenblätter entfalten sich (Abbildung 6), dann zeigt die Tulpen-Magnolie ihre volle Blütenpracht (Abbildung 7). Auch die Blüten der bis zehn Meter hoch werdenden Kobushi-Magnolie (Magnolia kobus DC.) aus Japan mit reinweißen Blüten steht zu dieser Zeit in voller Blüte (Abbildung 8, 9). Die zierliche, nur drei Meter hoch werdende Stern-Magnolie (Magnolia stellata (Siebold et Zucc.) Maxim.) aus Japan zeigt sehr früh ihren reichen Blütenflor (Abbildungen 10 und 11).

Die Sorte Magnolia ‚Susan‘ wächst als aufrechter, vieltriebiger Strauch und erreicht eine Höhe von vier Metern. Sie ist eine Kreuzung der Stern-Magnolie mit der Purpur-Magnolie (Magnolia liliiflora ‚Nigra‘). Wegen ihren tief magentafarbenen Blütenblättern und der langen Blütezeit von April bis Mai/Juni wird sie besonders geschätzt (Abbildungen 12 und 13).
 

Durch ihre frühe Blütezeit – bereits Ende März bis Mitte April – sind Magnolienblüten in unserem Klima spätfrostgefährdet. Bereits nach einer einzigen frostigen Nacht können die Blüten braun werden, unansehnlich aussehen und noch bevor sie bestäubt wurden, herunterfallen (Abbildung 14).

Die Blüten der Magnolien haben etwa 6-20 freie Blütenblätter (Abbildung 15), ihr Farbspektrum reicht von weiß, rosa, violett bis purpurrot, sehr selten sind sie gelb gefärbt. Die zahlreichen Staub- und Fruchtblätter stehen gedrängt an einer zunächst  kurzen Blütenachse (Abbildung 16). Diese verlängert sich im Zuge der Blütezeit weiter. Da zuerst die Fruchtblätter reifen und erst später die Staubblätter, ist eine Selbstbestäubung erschwert. Diesen Vorgang bezeichnen die Botaniker als Vorweiblichkeit (Protogynie). Die Magnolienblüten haben einen intensiven Duft, mit dem sie vor allem Käfer anlocken.
 

Wenn die Blütenorgane abgefallen sind, zeigen sich die großen Narben, die die Blütenblätter hinterlassen, darüber sind die Narben der abgefallenen Staubblätter und die Fruchtblätter mit den abgetrockneten Narben zu sehen.

Laubblätter
 

Erst zu diesem Zeitpunkt entwickeln sich unterhalb der abgeblühten Blüte aus zwei oder drei Knospen die Seitenzweige mit den Laubblättern (Abbildung 17). Die Laubblätter sind groß und ungeteilt. Durch die Verzweigungen direkt unterhalb der Blüte entsteht bei der Tulpen-Magnolie ein Strauch mit ausgebreiteten Zweigen (Abbildung 18).

Früchte
 

Die Früchte sind nicht zu einem Fruchtknoten verwachsen, sondern entwickeln sich einzeln an der Blütenachse zu sogenannten Balgfrüchten. Bei den meisten Magnolien-Arten entsteht jeweils ein Same in der Balgfrucht, der von einer rot oder orange gefärbten Sarkotesta, einem fleischigen Teil der Fruchtwand, umgeben ist. Mitunter hängen die reifen Samen an einem Stielchen aus der Frucht heraus. Die Samen werden von Vögeln gefressen und dabei ausgebreitet.
 

Die Früchte stehen einzeln an der gestreckten Blütenachse, wobei die Früchte bei den verschiedenen Arten unterschiedlich aussehen. Sie stehen beispielsweise bei der Immergrünen Magnolie (Magnolia grandiflora L.), eng beieinander an der Achse (Abbildung 19). Die Immergrüne Magnolie, deren Blätter denen des Gummibaumes (Ficus elastica Roxb.) ähneln, kommt im Südosten Nordamerikas vor, bei uns kann sie nur an klimatisch begünstigten Stellen, beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet wachsen. In den Südstaaten der USA wird sie als Ziergehölz in Parkanlagen gepflanzt. Die Samen hängen bei Reife an einem Funiculus (Stielchen) aus der Balgfrucht heraus (Abbildung 20). Bei der Kobushi-Magnolie (Magnolia kobus DC.) entwickelt sich nur in einzelnen Früchten jeweils ein Same (Abbildungen 21 und 22).

Rinde, Borke, Holz
 

Die Rinde junger Magnolienpflanzen ist hellgrau bis hellbraun und glatt, sogar im höheren Alter zeigen Starkäste der Sträucher (Abbildung 23) und Stämme der Bäume (Abbildung 24) eine ziemlich glatte Borke ohne Rippen und Schuppen.
 

Das Holz der Magnolie wird aufgrund seiner hellen Farbe und feinen Maserung sehr geschätzt. Es wird in den Heimatländern für die Anfertigung von Möbeln, Schnitzereien und sogar für Musikinstrumente verwendet. Magnolienholz ist widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit und wird daher auch im Außenbereich verwendet.

Wurzelsystem
 

Magnolien wachsen am besten in schweren, aber lockeren Böden, die von ihren Wurzeln gut durchwurzelt werden können. Die Wurzeln junger Magnolien sind ausgesprochen empfindlich und brechen leicht, sie bilden keinen Ballen. Zunächst breiten sich die Wurzeln flach aus, später wachsen die Wurzeln bis in zwei Meter Tiefe. In jungen Jahren sollten die Baumscheiben vor dem Austrocknen mit Laub, Rindenmulch oder Reisig geschützt werden.
 

Aufbau der Krone und Baumpflege
 

Bei Magnoliensträuchern und -bäumen sind in der Regel keine baumpflegerischen Maßnahmen notwendig, die Arbeiten sollten sich auf einen Schnitt von reibenden oder toten Ästen beschränken.
 

Magnolien auf dem Golfplatz
 

Mit ihren prächtigen Blüten ist die Magnolie ein besonders schönes Ziergehölz, sie passt aber nicht an die Spielbahnen und Grüns von Golfplätzen mit einheimischem Baumbestand. Für einen freien Platz in der Nähe des Clubhauses ist sie jedoch sehr zu empfehlen. Dafür erscheint mir die strauchartig wachsende Tulpen-Magnolie besonders geeignet. Allerdings zeigt sie, wie alle Magnolienarten, bei uns leider nur für kurze Zeit ihre volle Blütenpracht.

 

Autor:  Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 1/26

 

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