Ginkgo (Ginkgo biloba L.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Der Ginkgo gehört in die Verwandtschaft der Nacktsamer (Gymnospermen). Sein Name „Ginkgo“ leitet sich vom chinesischen „Ginkyo“ ab, was „Silberaprikose“ bedeutet – eine Beschreibung für die mit einer fleischigen Hülle umgebenen Samen. Weitere deutsche Namen sind „Mädchenhaarbaum“ und „Fächertanne“.

 

Zur Jahrtausendwende erklärte das deutsche „Kuratorium Baum des Jahres“ den Ginkgo biloba zum „Mahnmal für Umweltschutz und Frieden“ und zum „Baum des Jahrtausends“!

 

Der Ginkgo ist ein Relikt einer vor etwa 180 Millionen Jahren weit verbreiteten Pflanzengruppe. Im Erdmittelalter – Mesozoikum – war er und nah verwandte Formen auf der Nordhemisphäre weltweit verbreitet. Erste paläologische Funde stammen aber bereits aus dem späten Paläozoikum. Wegen der großen Ähnlichkeit der Blätter der fossilen Formen mit den heute lebenden tragen auch die fossilen Formen den Gattungsnamen „Ginkgo“.

 

Als Ursprungsgebiet des Ginkgos gelten die Hänge am Jangtsekiang-Fluss. Etwa ab dem 14. Jahrhundert wurde der Ginkgo in China und Japan in Kultur genommen und gilt heute als das berühmteste „lebende Fossil“. Nach Europa gelangte er 1730, und zwar in den Botanischen Garten Utrecht, später, 1745 nach England und 1768 nach Wien.

 

Innerhalb der Nacktsamer (Gymnospermen) nimmt der Ginkgo eine Sonderstellung ein: Er besitzt keine Nadeln, sondern parallel- und gabelnervige Blätter, er hat keine Zapfen, dafür stehen die Samen meist in Zweizahl an einem Stiel, die Samenanlagen sind von einer fleischigen Hülle umgeben.

 

Gestalt und Aussehen

Der Ginkgo hat in der Jugend eine sehr lichtdurchlässige, filigrane Krone, deren Seitenzweige etagenförmig angeordnet sind (Abbildung 1), etwa wie bei einer jungen Kiefer. Im nächsten Jahr haben sich bereits Seitenzweige gebildet, so dass die Baumkrone unübersichtlicher wird (Abbildung 2). Bei älteren Bäumen hat sich durch das Wachstum zahlreicher Seitentriebe eine dichte Krone entwickelt, die im zeitigen Frühjahr, wenn die ersten Blätter austreiben, noch sehr lichtdurchlässig erscheint, allerdings ist von dem regelmäßigen Kronenaufbau in der Jugend nichts mehr zu sehen. Zahlreiche steil aufstrebende Starkäste ragen völlig unregelmäßig in den Luftraum (Abbildung 3).

Die Bäume können 30 bis 40 Meter hoch und über einen Meter dick werden; das älteste Exemplar im Botanischen Garten von Utrecht hat einen Stammumfang von 3,8 Metern. Der Ginkgo kann ein Lebensalter von tausend Jahren in der Stadt erreichen.

 

Langtriebe, Kurztriebe, Winterknospen und Blätter

Der Ginkgo ist eine Baumart, die sehr nah mit den Nadelhölzern verwandt ist, aber keine Nadeln, sondern zumeist zweilappige Blätter bildet, und diese auch noch – wie unsere Laubbäume und die Lärche (Larix decidua Mill.) – im Herbst abwirft.

 

Die Zweige des Ginkgos wachsen im ersten Jahr als Langtriebe, das bedeutet: Die Blätter stehen einzeln in Abständen an einem langen Trieb (Abbildung 4). In den Blattachseln sind die Winterknospen zu sehen, an denen im nächsten Jahr ganz dicht beieinander stehend – wie in einer Rosette – zahlreiche Blätter stehen; diese Triebe werden als Kurztriebe bezeichnet (Abbildung 5). Die Knospen sind im Winter von schuppenförmigen kleinen Blättern geschützt (Abbildung 6).

In den folgenden Jahren wachsen die Triebe weiter und bilden alljährlich immer wieder dicht beieinander stehende Blätter. Nach Jahren stehen an den Langtrieben in regelmäßiger Anordnung die Kurztriebe (Abbildung 7). Im Frühjahr treiben am Ende der Kurztriebe die jungen frisch grünen Blätter aus (Abbildung 8).

Die Blätter des Ginkgos haben eine sehr markante Gestalt: Sie sind fächerförmig mit welligem Rand, zuweilen in der Mitte mit einem Einschnitt, der unterschiedlich tief ausfallen kann, die Vielfalt der Blattformen ist sehr groß (Abbildungen 9 und 10). 

Hält man ein Ginkgoblatt gegen das Licht, dann wird die Nervatur gut sichtbar; diese teilt sich von der Basis ausgehend immer wieder gabelig auf, so dass zum oberen Rand des Blattes hin zahlreiche Nerven enden (Abbildung 11).

Die besondere Form des Ginkgoblattes hat Johann Wolfgang von Goethe zu einem berühmten Gedicht inspiriert. Die Erstfassung aus dem Jahr 1815 lautet:


Ginkgo biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?


Dieses Gedicht widmete er Marianne von Willemer aus Frankfurt, später wurde es im West-Östlichen Diwan veröffentlicht.

 

Blüten und Samen und nicht etwa Früchte!

Der Ginkgo hat eingeschlechtige Blüten, die sich auf verschiedenen Bäumen entwickeln – er ist zweihäusig. Die männlichen Blütenstände entstehen zu drei bis fünf in den Achseln von schuppenförmigen Niederblättern an der Spitze von Kurztrieben. Ältere männliche Bäume tragen fast an jedem Kurztrieb mehrere kätzchenförmige Blütenstände (Abbildung 12). Bei näherer Betrachtung – am besten mit einer Lupe – sind zahlreiche kurzgestielte Staubblätter mit je zwei Pollensäcken zu erkennen (Abbildung 13).

Weibliche Blüten stehen einzeln, zu zweit oder dritt in den Achseln von Nieder- oder Laubblättern meistens an einem langen Stiel. Oftmals sind sie, insbesondere wenn sie noch klein sind (etwa Anfang August), am reich belaubten Zweig schwer zu sehen (Abbildung 14). Etwas später sind sie bereits etwas größer, beginnen sich leicht gelb zu färben und sind dadurch besser zu sehen (Abbildung 15).

Wie entwickeln sich die Samen?

Die weiblichen Blüten entwickeln sich in den Achseln von Nieder- oder Laubblättern, sie sind langgestielt und zunächst unscheinbar grün. Am oberen Ende des Stiels stehen zwei Samenanlagen, wobei jede auf einem Wulst wächst. Allerdings entwickelt sich in der Regel nur eine Samenanlage weiter zum Samen, dieser ist zunächst grün, zur Reife färbt sie sich gelb und ist dann deutlich bereift (Abbildung 16).

 

Die äußere Schicht der Samenschale ist saftig-fleischig und riecht sehr stark nach Buttersäure, die innere Schicht verholzt etwas und ist zweikantig. Im Inneren befindet sich der winzige gelbliche Embryo mit zwei Keimblättern. In der äußeren Samenschale wird Buttersäure gebildet, die bei Berührung für einen sehr intensiven, unangenehmen Geruch bekannt ist.

Auch wenn die reifen Samen vom Aussehen her stark an die Früchte der Mirabelle erinnern, sind es dennoch keine Früchte, die Einordnung des Ginkgo im Pflanzenreich stellt ihn zu den Nacktsamern!

 

Rinde und Borke des Ginkgos

Die Rinde des jungen Ginkgos ist etwas gefeldert, aber schon bald bildet sich eine Borke, die zunächst längsrissig ausgebildet ist (Abbildung 17). Die Borke des älteren Baumes ist breit längsrissig (Abbildung 18), bei sehr alten Bäumen treten stärkere Borkenrippen hervor (Abbildung 19).

Wurzelsystem

In der Jugend bildet der Ginkgo eine Pfahlwurzel, später entsteht ein Herzwurzelsystem, das bis in 1,5 Meter Tiefe reicht. Wie bei zahlreichen Baum-arten gehen auch die Wurzeln des Ginkgos mit verschiedenen Mykorrhiza-Pilzen eine Symbiose ein.

 

Es wird berichtet, dass der Ginkgo bei schlechten Bedingungen stalaktidähnliche Anschwellungen am Boden, bei sehr alten Bäumen aber auch an Ästen oder dem Stamm bildet.

 

Holz

Das Holz des Ginkgos ist weich und leicht, es erinnert in seiner Struktur an Nadelholz, hat keinen Kern und ist frei von Harz. Das Holz eignet sich für Schnitzereien. Da Ginkgos nicht als Forstbäume zur Holzgewinnung kultiviert werden, ist das Holz kaum erhältlich.

 

Vorkommen und Verbreitung

Als Ursprungsgebiet des Ginkgos wird eine Region südlich des Jangtsekiang-Flusses genannt. Populationen an Hängen des JInfoshan-Gebirges in der Stadt Chongqing, sowie kleine Populationen in der Provinz Guizhou gelten aufgrund ihrer genetischen Diversität als natürlich. Andere Vorkommen im Nordwesten der Provinz Zhejiang werden als Anpflanzungen durch buddhistische Mönche angesehen.

 

Der Ginkgo wächst gut auf wasserdurchlässigen, tiefgründigen und nährstoffreichen Böden bis in Höhen von 750 Metern. Er bildet keine Reinbestände, sondern ist zu finden in artenreichen Laub- und Nadelholzmischwäldern zusammen mit dem Amberbaum (Liquidambar styraciflua L.), der Goldlärche (Pseudolarix amabilis (J. Nelson) Rehder), der Chinesischen Nusseibe (Torreya grandis Fortune ex Lindl.), verschiedenen Magnolien-Arten und immergrünen Eichen.

 

Pilze und Krankheiten

Der Ginkgo ist weitgehend resistent gegen Insektenfraß und gegen Krankheiten, die von Pilzen, Bakterien oder Viren ausgelöst werden.

 

Verwendung von Ginkgo-Samen in Ostasien

Die Ginkgo-Samen werden in China zu Suppe gekocht und auch in anderen gekochten Speisen verwendet; sie sind sehr beliebt. Bei uns kann man die eingelegten Samen in Dosen kaufen.

 

In Japan werden hingegen die frischen Samen sehr geschätzt, sie werden von der Samenschale befreit, über einem Holzkohlefeuer geröstet und anschließend noch heiß, mit Salz gewürzt, gegessen.

 

Der Ginkgo in unseren Städten

Der Ginkgo ist sehr unempfindlich gegenüber Luftschadstoffen und eignet sich deshalb sehr gut als Straßen- und Parkbaum. Er ist winterhart und erträgt Temperaturen von bis zu -30 °C. Er wächst sowohl auf sauren, wie auch auf alkalischen Böden, wobei bei ersteren meist ein schlechteres Wachstum zu erkennen ist. Sehr nasse und auch übermäßig trockene Böden werden dagegen nicht toleriert.

 

Der Ginkgo ist sehr robust, sowohl gegenüber Krankheiten, als auch gegenüber Trockenheit. Der Wasserbedarf gilt als gering bis mäßig, aber sein Lichtbedarf ist hoch. Wegen dieser Eigenschaften wird er von der Gartenamtsleiterkonferenz als sehr gut bis gut für die Verwendung als Straßenbaum beurteilt.

 

Baumpflege

Der Ginkgo hat anfangs eine kegelförmige, etwas sparrige, lichtdurchlässige  Krone, im Alter ist sie breiter und gerundet, dabei reicht der Stamm weit in die Krone, oder er teilt sich bereits am Grunde in kräftige, aufstrebende Äste. Die gesamte Krone ist aufgrund ihrer Verzweigung und Statik äußerst pflegeleicht, es sind keine besonderen Schnittmaßnahmen notwendig. Allerdings reagiert er auf starken Schnitt mit einem besonders reichen Austrieb.

 

Herbstfärbung

Kaum ein anderer unserer Bäume hat eine so tolle Laubfärbung, der Ginkgo zeigt sich in einem unübertroffenen leuchtenden Gelb, insbesondere im Sonnenlicht (Abbildung 20). In der herbstlichen Krone heben sich die schwärzlichen Kurztriebe gut heraus (Abbildung 21). Nach dem Laubfall sind die Kurztriebe und die noch am Baum hängenden Samen deutlich sichtbar (Abbildung 22). Oftmals werden Ginkgos als Straßenbäume und auch als ganze Alleen gepflanzt – eine besondere Zierde, insbesondere zur Zeit der Laubfärbung. Allerdings gibt es häufig Beschwerden, wegen des sehr unangenehmen Geruches der Samen.

Ginkgo-Bäume auf dem Golfplatz? Lieber nicht!

Der Ginkgo ist wegen seiner Lebensgeschichte als „lebendes Fossil“ und mit seinen seltsam geformten Blättern für viele Menschen etwas ganz Besonderes. Er hat eine schöne Statur (Abbildung 23) und zeigt sich zudem im Herbst in leuchtend gelber Pracht (Abbildung 24). 

Er hat aber doch einen wichtigen Nachteil: die wie Mirabellen aussehenden Samen, die bei Reife im Herbst einen höchst unangenehmen Geruch haben. Für einen Golfplatz sind die nach Buttersäure riechenden Samen wohl kaum zu tolerieren, es sei denn, der Ginkgo wurde in reichlich Abstand zu den Spielflächen gepflanzt, denn eine Verpflanzung als großer Baum ist aufwändig und teuer. Da der Ginkgo erst in einem Alter von etwa dreißig Jahren die ersten Samen bildet, ist das eine späte aber unschöne Überraschung.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 1/2021

 

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