Echte Walnuss (Juglans regia L.)

Steckbrief – Bäume auf Golfanlagen

Die Walnuss wurde vom Kurato­rium Baum des Jahres als „Baum des Jahres 2008“ gekürt. Sie gehört in die Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae). Die Gattung Juglans ist mit 21 Arten auf der nördlichen Halbkugel in der gemäßigten Zone verbreitet.

 

Die Walnuss konnte bereits in den Schichten des Tertiärs anhand von versteinerten Früchten und Blättern nachgewiesen werden. Allerdings hat sie die Eiszeiten nur in wärmeren Gefilden, wahrscheinlich in Südosteuropa, überlebt. Von dort kam die Walnuss durch die Römer mit der Ausdehnung ihres Reiches nach Norden und wird seither in Süd-, Mittel- und Westeuropa neben dem Wein und anderen Pflanzen mit südlicher Herkunft bei uns kultiviert. Deshalb können die Vorkommen in Europa nicht als natürlich angesehen werden; die heutigen Vorkommen sind stark durch den Anbau als Fruchtbaum geprägt.

 

Die Walnuss wird in Landschaften mit gemäßigtem Klima angebaut, beispielsweise auf dem Balkan, im Kaukasus, im Himalaja und in ausgedehnten Walnussplantagen Kaliforniens. Ihre Anbaugebiete sind auf Regionen mit einer ausreichenden Wärmemenge im Sommer beschränkt. Bei uns sollte sie nur in Gegenden mit „Weinbauklima“ kultiviert werden, denn in Gebieten mit kühlen, feuchten Sommern wächst sie nicht so gut. Kalte Winter mit Minusgraden bis zu 30 Grad Celsius werden von der Walnuss toleriert. Sie kann in Mitteleuropa bis in Höhenlagen von 1.000 m wachsen. Doch auf Spätfröste im Frühjahr – wie sie gelegentlich bei uns vorkommen – reagiert sie sehr empfindlich. Für Nussbaumbesitzer ist der 25. April, der Markustag, ein wichtiges Datum. Wenn an diesem Tag oder danach noch Fröste auftreten und die Nussbäume zu diesem Zeitpunkt bereits ausgetrieben haben, dann erfrieren die Neutriebe; damit ist eine Fruchtentwicklung in diesem Jahr nicht mehr möglich.

 

Der Walnussbaum hat eine sehr charakteristische Gestalt mit einer reich verzweigten, weit ausladenden Krone. Er kann bis 25 m hoch werden. Wenn er frei steht, bildet er meistens nur einen kurzen Stamm, an dessen Ende, dem Stammkopf, sich mehrere starke Äste bilden (Abbildung 1); ein dominanter Wipfeltrieb wird selten ausgebildet.

Ein Walnussbaum erreicht ein Durchschnittsalter von nur 150 Jahren; er bildet durch relativ schnelles Wachstum im jugendlichen Alter und reiche Verzweigung der Achsen ein umfangreiches Kronengerüst. Ausnahmsweise sollen Nussbäume ein Alter von 600 Jahren und einen Stammdurchmesser von 2 m erreichen können. In den ersten Jahren wächst die Walnuss langsam (Abbildung 2), aber ab etwa dem sechsten Jahr ist ein starker Zuwachs zu beobachten und die junge Walnuss hat in diesem Alter bereits eine ansehnliche Krone (Abbildung 3).

Aussehen im Jahreslauf

Im Frühling, etwa Anfang bis Mitte April, schiebt sich aus der Winterknospe der neue Trieb heraus, der bereits seit dem Sommer des letzten Jahres in der Knospe ausgebildet ist. Von behaarten Knospenschuppen umgeben, hat er gut geschützt den Winter überdauert. Der zunächst winzige Trieb besteht aber schon aus Sprossachse und Blättern (Abbildung 4). Die einzelnen Fiederblättchen sind jeweils an den Blattrippen zusammengefaltet, fangen aber nunmehr an, sich zu entfalten. Blüten sind in diesem Stadium nicht zu sehen.

 

Öffnen sich die Winterknospen frühzeitig und gibt es Spätfröste, dann stirbt der gesamte neue Trieb ab. Zunächst zeigt der Nussbaum ein trauriges Bild mit dem schwarz gefärbten, abgestorbenen Austrieb. Aber kurze Zeit später wird der Nussbaum dennoch grün, denn die „schlafenden“, kleinen schwarzgefärbten Seiten­knospen (Abbildung 5, ganz rechts im Bild) übernehmen die Fortsetzung. Allerdings sind in diesen rückwärtigen Knospen keine Blütenanlagen vorhanden, so dass es in dem betreffenden Jahr keine Walnüsse geben wird. Da der Walnussbaum aus wärmeren Gefilden mit den Römern zu uns kam, sollte vor der Pflanzung genau überlegt werden, ob er am vorgesehenen Standort geeignete Klimabedingungen (ohne Spätfröste!) haben wird.

In diesem Zeitraum entfalten sich alle Blätter (Abbildung 6). Besonders schön zeigt sich der rötlich gefärbt Austrieb der jungen Blätter zu diesem Zeitpunkt (Abbildung 7). Zerreibt man sie im jungen Zustand, so entströmt ihnen ein intensiver aromatischer Duft. Da die Walnuss zu den Windblütlern gehört, hat sie keine prächtigen Blüten zum Anlocken von Insekten. An den Spitzen der frischen Triebe befinden sich die weiblichen Blüten, die zu diesem Zeitpunkt bereits zu ganz jungen, kleinen Früchten herangewachsen sind. Sie tragen ein dichtes Haarkleid und an der Spitze sehr große Narben (Abbildung 7). Diese sind am Ende etwas aufgeteilt und fangen mit der drüsigen Oberfläche die vom Wind zur Narbe transportierten Pollenkörner auf.

Männliche Blüten entwickeln sich ebenfalls aus Knospen des Vorjahres. Sie stehen in sogenannten Kätzchen, die zunächst dick sind (Abbildung 8). Erst wenn sich die Kätzchenachse streckt, rücken die männlichen Blüten auseinander (Abbildung 9). Sie bestehen nur aus Staubblättern, die auf der Unterseite kleiner Blättchen stehen. Zwei bis drei Wochen später sind bereits die einzelnen Staubblätter zu erkennen (Abbildung 10).

 

Nussbaumblätter sind aus einzelnen Fiedern zusammengesetzt, die an einer sogenannten Blattspindel stehen (Abbildung 11). Sie können aus fünf bis neun Fiederblättchen bestehen, wobei sie immer unpaarig angeordnet sind, d.h. ein Fiederblättchen ist als Endfieder ausgebildet. Das gesamte Fiederblatt hat eine Größe von 20 bis 35 cm. Jedes einzelne Fiederblatt hat einen glatten, etwas gewellten Rand. Mitunter sind auf den Blattspreiten Gallen zu sehen, das sind kleine Höcker, die durch Gallmilben (Eriophyes erineus Nalepa) hervorgerufen werden (Abbildung 12). Durch ihre Saug­aktivität auf der Blattunterseite entstehen auf der Blattoberseite deutliche Gallen. Auf der Blattunterseite bilden sich in den Vertiefungen filzartige Haare; in diesen leben die geschlüpften Larven – geschützt vor äußeren Einflüssen – bis zu ihrer vollen Entwicklung.

Im Sommer, bis etwa Mitte Juli, entwickeln sich nach der Befruchtung die Früchte; diese sind umgeben von einer zunächst grünen, fleischigen Schale (Abbildung 12). An der Spitze ist noch die inzwischen abgetrocknete Narbe zu erkennen. Die Blätter haben inzwischen ihre volle Größe erreicht; sie sind etwas ledrig und können dank dieser Struktur hohe Sommertemperaturen gut überstehen. Mit seinem dichten Laubdach bietet ein Nussbaum einen wunderbaren Schatten. Den Sommer über sind keine großen Veränderungen zu erkennen.

 

Erst zu Beginn des Herbstes färbt sich im Laufe des Reifungsprozesses die grüne Schale der Früchte braun und reißt mit vier Klappen auf (Abbildung 13). In den nächsten Wochen zeigen die Blätter ihre herbstliche Farbe, dann leuchten die Nussbäume in hellem Gelb (Abbildung 14); allerdings fallen die Blätter relativ schnell vom Baum (Abbildung 15). Die Blätter hinterlassen am Zweig ganz charakteristische Narben, die herzartig geformt sind und durch die Anordnung der Leitbündel ein kleines Gesicht abbilden.

Die uns gut bekannte Walnuss in brauner, holziger Schale ist nur der innere, harte und holzige Teil der Fruchtwand. Der grüne, fleischige Teil wird im Laufe des Herbstes braun und fällt bald herunter. Dieser ist reich an Farbstoffen und färbt die Finger der Walnusssammler bräunlich. Aus dieser Schale werden Extrakte für die Herstellung von Bräunungscremes und zum Färben von Haaren hergestellt.

 

Der Same befindet sich im Inneren der harten Schale und ist durch sie gut geschützt. Dieser gliedert sich in Spross- und Keimwurzelanlage und die beiden charakteristisch geformten Speicherkeimblätter; sie sind charakteristisch gefaltet, und sehr wohlschmeckend, insbesondere wenn sie noch ganz frisch sind. Allerdings sollte man das dünne, etwas bitter schmeckende hellbraune Häutchen – die Samenschale – vor dem Verzehr entfernen.

 

Die Samen sind reich an Fett, aber vor allem an Vitamin B1 und C sowie Mineralstoffen. Sie werden roh gegessen, aus ihnen wird ein sehr hochwertiges Öl gewonnen, und sie werden für die Herstellung von Backwaren verwendet, denn was wären Weihnachtsplätzchen ohne Walnüsse?

 

Da die Früchte schwer sind, fallen sie herunter und bleiben in der Regel unter dem Baum liegen, oder sie können auch – falls der Nussbaum in Ufernähe steht – mit dem Wasser transportiert werden, denn die Früchte sind auf Grund ihrer Beschaffenheit schwimmfähig. Oftmals legen jedoch Eichhörnchen, Siebenschläfer, Häher, Krähen und andere Wildtiere mit Walnüssen Wintervorräte an; werden einige Nüsse von ihnen vergessen, so entwickeln sie sich zu jungen Walnussbäumen (Abbildung 16). Aus dem Embryo entwickelt sich die Keim­pflanze, allerdings bleiben die beiden dicken Keimblätter im Boden, so dass man oberirdisch keinen „richtigen“ Keimling vorfindet. Zunächst sprengt die Keimwurzel die beiden Hälften der Fruchtwand und verankert sich im Boden, erst als Pfahlwurzel, später entwickelt sich ein Herzwurzelsystem. Eine Beschädigung der jungen Pfahlwurzel führt zum Absterben des Nussbaumes, deshalb ist beim Umpflanzen besondere Vorsicht geboten. An dem Keimling entwickeln sich zwei Primärblätter. Sie haben – im Gegensatz zu den später entstehenden Laubblättern – einen schwach gesägten Blattrand.

Bereits im November ist der Walnussbaum völlig kahl, zu diesem Zeitpunkt kann man besonders gut die Architektur der Krone betrachten (Abbildung 17).

Im Winter ist eigentlich der beste Zeitpunkt zum Studium der Rinden und Borkenstruktur. Verfolgt man die Entwicklung im Laufe des Lebens eines Nussbaumes, dann ist die Rinde eines jungen Stammes noch ziemlich glatt (Abbildung 18). Nur ganz schwach sind bereits erste Risse zu erkennen. Beim Blick in die Krone zeigen auch die Äste eine glatte silbrige Rinde (Abbildung 19). Bei weiterem Dickenwachstum des Stammes sind die ersten tiefen Risse in der Borke (Abbildung 20) zu sehen, mitunter hat der Stamm sogar eine schuppige Oberfläche (Abbildung 21). Der alte Nussbaum hat einen Stamm mit deutlicher, längsrissiger Borke, die mit ihrer silbergrauen Färbung außerordentlich typisch für den Walnussbaum ist (Abbildung 22).

 

Das Nussbaumholz und seine Nutzung

Das Holz des Walnussbaumes wird als Kernholz bezeichnet, da Splintholz und Kernholz unterschiedlich gefärbt sind; das Splintholz ist grauweiß, das Kernholz braun bis schwarzbraun. Das Holz ist von großer Güte; es ist zäh, biegsam und lässt sich gut bearbeiten.

Als Schaft für Armbrüste hat es seit langer Zeit Bedeutung; noch heute wird es für die Schäfte von Gewehren wegen seiner schönen Maserung genutzt, aber auch beim Innenausbau, für Parkett und Täfelungen wird es verwendet.

 

In der Möbelindustrie findet es meistens wegen des hohen Preises nur noch als Furnier Verwendung, entweder als Tangentialholz mit dekorativer Maserung oder durch Rundschälung mit gleichmäßiger Streifung. Es werden verschiedene Holzqualitäten ob ihrer Färbung oder Maserung unterschieden: Der kaukasische Nussbaum zeichnet sich durch dunkle, beinahe schwarze Färbung aus, französischer Nussbaum zeigt eine besondere Maserung, italienisches Nussholz ist rötlich gefärbt.

 

Besonders begehrt ist das so genannte Maserholz, das von knollig verdickten Wurzelstöcken stammt, die deswegen ausgegraben werden und als Wurzelfurniere gehandelt und für besondere Möbelstücke aber auch für Autoarmaturen verwendet werden.

 

Sorten und weitere Arten

Neben der Walnuss werden die Schwarznuss (Juglans nigra L.), und die Butternuss (Juglans cinerea L.) – beide stammen aus Nordamerika – bei uns gelegentlich angebaut. Die Schwarznuss wird wegen ihrer schmackhaften Früchte, die denen der Walnuss sehr ähnlich sehen, aber eine viel dickere und härtere Nussschale aufweisen, sehr geschätzt.

 

Daneben gibt es zahlreiche Sorten und Varietäten; so haben sich spät austreibende Varietäten und Sorten, die sich vor allem durch ihre Früchte, wie Größe, Härte der Schale, Ertrag etc. unterscheiden, im Obstanbau etabliert.

 

Walnussbäume in der Stadt

Walnussbäume wurden mitunter als gestalterisches Element in Siedlungsräumen gepflanzt. Noch heute sind vor allem Kinder in den Herbsttagen auf „Walnussjagd“ in diesen Gebieten. Schließlich kann ein Walnussbaum im besten Alter – zwischen 25 und 100 Jahren – an guten Standorten zwischen 25 und 55 Kilo Nüsse tragen.

 

Ein Walnussbaum ist aber auch häufig in Privatgärten anzutreffen, früher wurde er auch oft auf Bauernhöfen in die Nähe des Misthaufens gepflanzt, wegen seiner Eigenschaft, lästige Insekten zu vertreiben.

 

Es wird immer wieder berichtet, dass unter einem Nussbaum nichts wachse, was aber so nicht richtig ist, davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man die Vegetation unterhalb einer Nussbaumkrone in Augenschein nimmt. Allerdings können Keimlinge anderer Arten unter einem Nussbaum absterben, da bei Zersetzung von Nussbaumblättern der Inhaltsstoff Juglon frei wird. Diesem wird die Eigenschaft nachgesagt, die Keimung anderer Arten zu verhindern. Hier hilft ein rechtzeitiges Entfernen des Laubes.

 

Als positive Eigenschaften sind der späte Austrieb, der dichte Schatten in den heißen Sommermonaten und der frühe Laubfall im Herbst zu nennen. So kann die angenehme Herbstsonne durch die Krone mit den silbrigen Ästen dringen. Zudem vertreibt er lästige Insekten. Eigentlich ist er ein idealer Baum für Hausgarten und Siedlungsraum; leider sind die freien Grünflächen in den Städten immer kleiner, so dass für Bäume mit großer Krone der Platz nicht ausreicht, aber für einen Golfplatz ist er bestens geeignet, vor allem wegen seiner schmackhaften, dekorativen Früchte.

 

Baumpflege

Zudem ist der Walnussbaum pflegeleicht, vor allem wenn in der Jugend auf einen guten Kronenaufbau mit eventuell notwendigem Erziehungsschnitt geachtet wird. Im höheren Alter tritt im Feinastbereich öfter Tot­holz auf, was entfernt werden sollte. Falls ein Baumschnitt notwendig sein sollte, so ist sehr auf den richtigen Zeitpunkt zu achten, denn die Walnuss „blutet“ sehr stark. Im Frühjahr, wenn der Saft steigt, kann sie bei Entfernung von Ästen wochenlang bluten.

 

Falls im oberen Bereich des Baumstammes oder an Starkästen in der Baumkrone konsolenfömige Pilzfruchtkörper auftreten, die zunächst ocker- bis rotbraun (Abbildung 23) gefärbt sind, dann wird es sich wohl um den Zottigen Schillerporling (Ionotus hispidus Bull.: Fr.) P. Karst.) handeln. Bei diesem Pilz treten auf der Hutunterseite Wassertropfen aus (Abbildung 24), später werden die Fruchtkörper spröde, trocken und schwarz.

Dieser Pilz verursacht in der Nähe der Fruchtkörper Veränderungen an der Rinde; im Holz bewirkt er eine Holzversprödung und schließlich kommt es zu einem Sprödbruch. Hier sollte eine Fachfirma rechtzeitig den Zustand des Baumes durch weitergehende Untersuchungen beurteilen und abschätzen, ob eine Gefahr von ihm ausgeht.

 

Der Nussbaum spielt auch in der Welt der Märchen eine Rolle

Wussten Sie, dass Ludwig Bechstein, ein bekannter Märchenerzähler des 19. Jahrhunderts in seinem Märchen das „Nusszweiglein“ das Schicksal einer Kaufmannstochter, die sich von ihrem Vater ein schönes grünes Nusszweiglein als Mitbringsel von seiner Geschäftsreise in fremde Länder wünschte, schildert? Dieser Zweig ist letztlich wohl entscheidend für das weitere Leben des jungen Mädchens gewesen.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 03/2017

 

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