Teil 1: Allgemeiner Teil und ­Schadsymptome von A bis F

Gefahrenbäume: Schadsymptome an Bäumen von A bis Z

Golfplätze haben gepflegte Spielbahnen mit Abschlägen, Fairways, Bunkern und Grüns. Sie werden in aller Regel von Bäumen eingerahmt, teilweise sogar von kleinen Wäldchen. Oftmals wird den Bäumen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet, die sie haben müssten, denn von Bäumen – insbesondere wenn sie älter werden – können Gefahren ausgehen.

 

Nicht jeder Golfplatz hat einen Baum-Management-Plan für Bäume, im Rahmen dessen ein Baum-Kataster erstellt wird und regelmäßige Kontrollen der Bäume und notwendige Pflegemaßnahmen durchgeführt werden.

Deshalb ist es sinnvoll, dass Greenkeeper Schadsymptome an Bäumen erkennen, die auf mögliche Gefahren hindeuten. Hier sollen wichtige Baumschäden mit Bildern als Hilfestellung vorgestellt werden, denn – wie heißt es doch so treffend? „Nur was man kennt, das sieht man auch“. Um Gefahrenbäume zu erkennen, ist es notwendig, das Aussehen gesunder, vitaler Bäume zum Ausgangspunkt zu nehmen. Die Vitalität eines Baumes wird beeinflusst von seiner genetischen Ausstattung und den Umweltfaktoren wie Standort, Klima, Nährstoffversorgung. Ein vitaler Baum zeigt eine natürliche Blattfärbung, angemessene Blattgröße und gute Belaubungsdichte (Abbildung 1).

Kriterien zur Beurteilung der Vitalität

Nach A. ROLOFF (2001) kann die Vitalität an der Verzweigung und Kronenstruktur abgelesen werden. Dazu wurden vier Vitalitätsstufen definiert, wobei die Ausbildung der Triebe besondere Beachtung findet.

 

Gemäß der allgemeinen Beurteilung von Bäumen in der Stadt durch die Gartenamtsleiterkonferenz GALK 2002 äußert sich die Vitalität von Bäumen insbesondere in ihrem Gesundheitszustand, der Leistungsfähigkeit (Wachstum, Entwicklung, Fortpflanzung), der Anpassungsfähigkeit an die Umwelt, der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten/Schädlinge und der Regenerationsfähigkeit.

Vitale Bäume können zurückliegende oder aktuelle Schädigungen durch Kompensationsmechanismen, beispielsweise durch Wundholzbildung vollständig oder teilweise ausgleichen. Am besten lässt sich die Vitalität bei Bäumen derselben Art, des gleichen Alters unter ähnlichen Standortbedingungen vergleichen. Bei zwei unmittelbar nebeneinander stehenden Blut-Buchen (Fagus sylvatica L. f. purpurea (Ait.) Schneid.) ist sofort zu erkennen, dass beim rechten Exemplar die Krone wesentlich lichter ist und etliche Zweige keine Blätter mehr haben. Für die Beurteilung der Vitalität dieser beiden Bäume ist ihre unmittelbare Nachbarschaft ideal, aber selten anzutreffen (Abbildung 2).

Wichtige Schadsymptome und Besonderheiten

Werden Bäume von einem „Baumkundigen“ betrachtet, dann offenbart sich ihm die Lebensgeschichte, dabei geben die Wurzelanläufe, der Stamm, der Aufbau der Krone mit ihrer Verzweigung Aufschluss über die Ereignisse im Leben des jeweiligen Baumes. Somit erhält der Betrachter wichtige Hinweise, wie es dem Baum in seinem Leben ergangen ist.

 

Vorgehen bei der Baumkontrolle

Wer Bäume kontrolliert, sollte Unterschiede zwischen einem „normalen“ Wuchs und vorhandenen Abweichungen erkennen. Professionelle Baumkontrollen beginnen am Boden, um zu sehen, ob im Baumumfeld Auffälligkeiten sichtbar sind, beispielsweise Bodenrisse, Hinweise auf Aufgrabungen, oberirdische Wurzeln, die Schäden durch Rasenmäher aufweisen, dann folgt die Betrachtung und Kontrolle des Stammes und der Krone.

 

Literatur

GALK Arbeitskreis Stadtbäume, 2002: Empfehlungen für die Beurteilung von Bäumen in der Stadt. Einseitiges Informationsblatt.

MATTHECK, C., 2007: Aktualisierte Feldanleitung für Baumkontrollen mit Visual Tree Assessment. Forschungszentrum Karlsruhe GmbH.

ROLOFF, A., 2001: Baumkronen: Verständnis und praktische Bedeutung eines komplexen Naturphänomens. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

ZTV-Baumpflege, 2017: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege. FLL - Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung e.V.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann / Greenkeepers Journal 1/2019

 

 

Baumschäden/Defektsymptome mit Bildern in alphabetischer Reihenfolge

(dazu siehe auch Mattheck 2007 und ZTV-Baumpflege 2017)

 

Abschiedskragen

Vom Baum wird um einen langsam absterbenden Ast ein wulstiger Ring gebildet. Dieser entsteht am Astansatz durch Überlagerung von Ast- und Stammholzgewebe. Dieser Abschiedskragen wird auch Astring genannt und ist oft bei der Eiche (Abbildung 3) und auch bei der Buche (Abbildung 4) zu sehen und bedeutet, dass der Baum einen absterbenden Ast abgrenzt. Der Astring darf bei Schnittmaßnahmen nicht beschädigt werden, da sonst das Stammholz mit verletzt wird.

Absterbender Baum

Absterbende Bäume gibt es in verschiedenen Phasen. Mitunter sind nur einzelne Kronenteile betroffen (Abbildung 5). Im fortgeschrittenen Alter, in der Altersphase, können zumeist im oberen Teil große Bereiche der gesamten Krone absterben (Abbildung 6) und eine Sekundärkrone entsteht; der Baum befindet sich in der Resignationsphase. Durch die bereits abgestorbenen Starkäste besteht ein hohes Astbruchrisiko und dringender Handlungsbedarf. Derartige Bäume können, insbesondere wenn sie als Baumdenkmal geführt und erhalten werden sollen, durch Rückschnitt noch eine gewisse Zeit stehen bleiben, allerdings ist ein hoher Kontrollaufwand unumgänglich.

Astbrüche

Bilden sich im unteren Bereich einer Krone lange Äste, um an das Licht zu kommen, dann ist ein Baumschnitt sinnvoll, andernfalls brechen überlange Äste ab. Diese Bruchstellen müssen dann nachgeschnitten werden (Abbildung 7). Astbrüche in Stammnähe können tiefe Wunden hinterlassen. Hier ist zu prüfen, wie tief sie in das Stammholz reichen (Abbildung 8). Können diese Wunden nachgeschnitten werden, dann bildet sich um die Wunde herum ein Kallus, der diese gänzlich oder zumindest teilweise überwallt (Abbildungen 9 und 10), siehe auch „Kallus“. Bei Starkast­brüchen, die tief in das Kernholz des Stammes reichen, kommt nur noch eine Fällung in Betracht.

Blitzrinnen

Durch Blitzeinwirkung entstehen lange Rinnen, die das nackte Holz zeigen. Sie können nur durch seitliche Überwallungen wieder bedeckt werden, was aber sehr lange dauert. In der Zwischenzeit wird das Holz von Fäuleerregern besiedelt. Die Fäule beginnt auf Bodenniveau und setzt sich nach oben fort (Abbildung 11).

 

Bodenrisse

Ein gut im Boden verankerter Baum hat eine flache Platte, bestehend aus Zugwurzeln. Sind die Zugwurzeln nicht mehr sicher im Boden verankert, dann kommt es bei Wind zu stammfernen Bodenrissen (Abbildung 12). Bei stammnahen Bodenrissen ist von Fäulen im Wurzelbereich auszugehen (Abbildung 13).

 

Braunfäule

Bei Braunfäule wird Hemizellulose und Zellulose abgebaut, das Holz versprödet. Das faule Holz ist braun gefärbt, bricht würfelartig (Abbildung 14) und zerfällt schließlich zu Pulver (Abbildung 15).

Bündelbäume

Bäume können sich von der Basis ausgehend mehrtriebig entwickeln. Im Laufe des weiteren Wachstums entstehen aus den anfangs dünnen Trieben (Abbildung 16) stärkere Stämmlinge und mitunter sogar ein ganzes Bündel von dicken Stämmen. Mit zunehmendem Dickenwachstum bilden sich Zwiesel mit eingewachsener Rinde (Abbildung 17) und auch Druckzwiesel, die auseinander brechen können (Abbildung 18). Bündelbäume können zerfallen, ohne dass sie Warnsignale zeigen. Deshalb sind sie regelmäßig zu kontrollieren, um bei fortschreitender Druckzwieselbildung rechtzeitig reagieren zu können.

Drehwuchs

Manche Baumarten neigen zu Drehwuchs im Stamm, insbesondere die Rosskastanie (Abbildung 19). Wird der Stamm durch Wind gegen seinen Drehsinn belastet, dann kann er aufreißen und ohne Anzeichen einer vorherigen Fäule versagen.

 

Faserstauchung

Faserstauchungen treten an Bäumen bei übermäßiger Biegung durch Sturm oder Schneelast auf. Wird der Stamm nicht gebrochen oder geworfen, dann bildet das Kambium eigenartige Wülste zur Wiederversteifung des Stammes (Abbildung 20). Es ist aber zu prüfen, ob hinter dem Wulst eine Fäule sitzt (Abbildung 21).

Fremdbewuchs

An oder auf Bäumen können andere Pflanzen wachsen. Dabei ist zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu unterscheiden.

 

Der Efeu benutzt den Baum, um vom Boden aus ans Licht zu kommen (Abbildung 22). Da er die Leitungsbahnen des Baumes nicht anzapft, gilt er nicht als Schmarotzer, kann aber bei starker Entwicklung durch sein Gewicht für den Baum problematisch werden (Abbildung 23). Auch bei Baumkon­trollen erschwert der Efeu die Beurteilung des Stammes und Stammfußes.

Die Mistel gehört zu den Halbschmarotzern; sie bohrt die Leitungsbahnen an und entzieht dem Baum Wasser mit Mineralien. Sie bildet kleine weiße Beeren (Abbildung 24), die von Vögeln ausgebreitet werden. Das führt zu starkem Mistelbefall (Abbildung 25) und zunehmender Schädigung des Baumes, deshalb sollten Misteln aus den Baumkronen entfernt werden.

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 1/2019

 

 

➜ Teil 2: Schadsymptome von H bis S

 

 

<< zurück