Eschen zunehmend in Gefahr

Baumkrankheit Eschentriebsterben

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.) – eine unserer einheimischen, wärmeliebenden, ökologisch und wirtschaftlich bedeutsamen Edellaubbaumarten – ist durch den Erreger des Eschentriebsterbens in ihrem Fortbestand in weiten Teilen Europas gefährdet.

 

Das Eschentriebsterben wird verursacht durch einen Schlauchpilz (Ascomyceten); dieser wird nach dessen charakteristischen Fortpflanzungsstrukturen, den schlauchförmigen Behältern (Asci), in denen sich die Sporen entwickeln, benannt. Die Fruchtkörper dieses Pilzes sind kleine, weiße becherförmige Gebilde mit einer Größe von 2 bis 7 mm.

 

Für das Eschentriebsterben ist das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“, der Ascomycet Hymenoscyphus fraxineus (T. Kowalski) Baral, Queloz, Hosoya mit seiner Nebenfruchtform Chalara fraxinea T. Kowalski verantwortlich.

 

Er wurde an der Gemeinen Esche erstmals 1990 in Südschweden und Polen beobachtet. Der Erreger hat sich inzwischen in zahlreichen Regionen Europas, mittlerweile in 22 Ländern Nord-, Ost- und Mitteleuropas ausgebreitet.

 

Chalara lebt parasitär in den Geweben von Blättern, Trieben und in verholzten Teilen von Eschen und ist nach Ansicht einiger Forscher am vermehrten Absterben dieser Bäume in Europa beteiligt.

 

Verlauf der Schädigung

Ab Mitte Juli kann sich das Eschentriebsterben durch Welkerscheinungen und eingerollte Blätter zeigen (Abbildung 1). Es sind aber auch noch einzelne, normal entwickelte Fiederblätter der Esche im Spätsommer zu sehen, die nur einzelne braune Stellen (Abbildung 2) haben. Doch sehr bald werden auch diese Blätter braun und trocken (Abbildung 3).

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die diesjährigen Sprossachsen durch sogenannte Rindennekrosen braun gefärbt (Abbildung 4). In diesem Bild ist ein Vergleich mit den noch gesunden Achsen im Hintergrund möglich, die im ersten Jahr eine grüne Rinde haben. Schneidet man die Achsen mit brauner Rinde quer, dann sind dunkle Zonen in unterschiedlicher Form zu erkennen.

 

Junge Eschen, die mit dem Erreger des Eschentriebsterbens befallen sind, zeigen schon bald auffällige Triebschäden, zunächst in den jüngeren Kronenteilen (Abbildung 5).

In diesem Stadium kann versucht werden, durch einen gezielten Schnitt die Bäume zum Neuaustrieb anzuregen. Bei stärkerem Befall sterben die Jungbäume in der Regel gänzlich ab.

 

Bei älteren Exemplaren treiben nicht mehr alle Knospen aus, wodurch die Kronen der Eschen durchsichtig erscheinen; dies ist gekoppelt mit starken Vitalitätsverlusten (Abbildung 6). In der Folge schreitet das Absterben der Äste weiter fort (Abbildung 7).

Nach relativ kurzer Zeit kann nahezu die gesamte Krone befallen sein (Abbildung 8). In diesem Stadium kommt es leicht zu Starkastbrüchen, weshalb geprüft werden sollte, ob im Sinne der Verkehrssicherheit eine Fällung notwendig ist. Aber nicht nur Einzelbäume, sondern insbesondere in Alleen können zahlreiche Bäume betroffen sein. Erstaunlicherweise zeigen Eschen in Alleen sehr unterschiedliche Befallsstadien (Abbildung 9). Auch Eschen in der umgebenden Landschaft zeigen verschiedene Stadien der Schädigung (Abbildung 10).

 

Die geschilderten Schäden machen das große Ausmaß des Eschentrieb­sterbens deutlich, oftmals bleibt als Maßnahme nur die Fällung der Bäume. Offenbar besitzt der Schaderreger des Eschentriebsterbens eine sehr hohe Pathogenität.

 

Jungpflanzen in Baumschulen und nach Pflanzung

Jungpflanzen können bereits kurz nach der Pflanzung erste Symptome zeigen. Bei einzelnen Bäumen können in diesem Stadium bereits deutliche Absterbeerscheinungen zu sehen sein, obwohl gute Qualität geliefert, die Pflanzung und Anwachspflege korrekt durchgeführt wurden. Es wird sogar berichtet, dass im nächsten Jahr nur ein Drittel der Knospen austreiben und einige Bäume völlig ausfallen. Es bleibt dann nichts anderes übrig, als alle Bäume zu entfernen, was mit hohen Kosten verbunden ist.

 

Die Baumschulen sollten ihre Bestände vorbeugend mit Kontaktfungiziden ab Ende Juni behandeln und diese Maßnahme regelmäßig wiederholen. Allerdings kann das keine dauerhafte Lösung sein.

 

Versuche mit verschiedenen Fraxinus-Arten und -Sorten

Um auf die Esche nicht verzichten zu müssen, wurden Versuchsreihen mit anderen Eschenarten und -sorten gestartet. Auf diese Weise wurde die Resistenz gegenüber dem Erreger des Eschentriebsterbens getestet (LÖSING, H., 2013).

 

Dazu wurden die Versuchsbäume in größerer Zahl künstlich mit dem Erreger des Eschentriebsterbens mit Hilfe einer „Chipveredelung“ infiziert. Bereits nach etwa fünf Monaten ist an Teilen der Rinde deutlich zu erkennen, ob sich die Infektion auf weitere Rindenpartien ausgedehnt hat oder nicht.

 

Die Gattung Fraxinus wird in mehrere Sektionen unterteilt. Bisher wurden Vertreter von drei Sektionen – Fraxinus, Melioides und Ornus – getestet. Die Untersuchungen ergaben, dass alle geprüften Sorten der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior L.) und der Schmalblättrigen Esche (F. angustifolia Vahl) aus der Sektion Fraxinus anfällig gegenüber dem Erreger des Eschentriebsterbens sind, allerdings in unterschiedlicher Stärke.

 

Dagegen zeigen die Weiß-Esche (F. americana L.) und die Rot-Esche (F. pennsylvanica Marshall) aus der Sektion Melioides keinen Befall.

 

Die Vertreter der Sektion Ornus waren ebenfalls befallsfrei. Insbesondere ist die Blumen-Esche (Fraxinus ornus L.) aus dieser Sektion zu erwähnen. Sie stammt aus Südosteuropa und Kleinasien und kommt mit den Klimabedingungen in unseren Städten offenbar gut zurecht. Sie gilt als frost- und rauchhart, verträgt Hitze und auch Trockenheit; schließlich ist sie in wärmeren Gebieten beheimatet. Allerdings erreicht sie nur eine Höhe von etwa zehn Metern und ist gewissermaßen eine kleinbleibende „Schwester“ unserer Gemeinen Esche.

 

Wegen ihres Duftes und ihrer cremeweißen Blüten, die in dichten rispenartigen Blütenständen stehen, wird die Blumen-Esche, auch Manna-Esche genannt, bereits seit einiger Zeit an öffentlichen Plätzen und in Parkanlagen gepflanzt.

 

Ausblick

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, vor­ausgesetzt sie werden durch weitere Untersuchungen gestützt, dass nicht gänzlich auf die Pflanzung von Eschen verzichtet werden muss. Allerdings sollten die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.) und die Schmalblättrige Esche (F. angustifolia Vahl) und deren Sorten vorerst nicht verwendet werden. Dagegen kann die Pflanzung der Blumen-Esche (Fraxinus ornus L.) auf Golfplätzen, als Zierbaum beispielsweise in der Nähe des Clubhauses, empfohlen werden.

 

Eine Behandlung des Pilzes durch Mehrfachspritzungen mit Pflanzenschutzmitteln (Fungiziden) kommt auf Golfplätzen nicht in Betracht.

 

Autorin: Dr. Isolde Hagemann | Greenkeepers Journal 3/2020

 

Literatur:

KOWALSKI, T. und R. KEHR, 2016: Aktuelles zum Eschentriebsterben und zu Krankheiten an Buche und Berg-Ahorn. Jahrbuch der Baumpflege 2016, 63-82.

LÖSING, H., 2013: Eschentriebsterben: Symptome und Toleranz von Sorten und Arten gegenüber dem Erreger. Jahrbuch der Baumpflege 2013, 197-202.

NIESAR, M. 2014: Eschentriebsterben im Klimawandel – Maßnahmen und Aspekte, auch im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht. In: FLL, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. FLL-Verkehrssicherheitstage 2014, 95-103.

 

 

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