Herstellung und Wirkung von Kompost-Tee-Extrakten

Kompostextrakte zur Blattapplikation und zur Applikation in die Rasentragschicht

Einleitung und historische Betrachtung

Schaut man sich sowohl in der fachwissenschaftlichen, als auch in der populärwissenschaftlichen, trivialen Literatur um, so wird Kompost als hervorragender Dünger und Bodenverbesserer beschrieben, der zudem noch zur Pflanzengesundheit beiträgt. Diese positiven Eigenschaften treffen mit Sicherheit zu, wenn sachgerecht hergestellte Komposte verwendet werden. Wird Kompost in den Boden eingearbeitet, kann der Befall mit bodenbürtigen Krankheitserregern unterdrückt werden. Dies beruht darauf, dass man mit der Zufuhr von Kompost das antipathogene Potenzial des Bodens verbessern kann, das auf folgenden drei Mechanismen beruht:

 

Konkurrenz – Antibiosis – Parasitismus

Ist ein gewisses hohes Potenzial an antagonistischen Mikroorganismen im Boden vorhanden, so werden diese bevorzugt die Rhizosphäre¹ besiedeln und so in Konkurrenz zu bereits vorhandenen bodenbürtigen pflanzlichen Schaderregern treten. Außerdem produzieren einige dieser Antagonisten fungistatische Substanzen und lytische Enzyme, über die sie antibiotisch Schaderreger direkt unterdrücken können. Andere Antagonisten parasitieren als Hypoparasit pflanzliche Schaderreger und dezimieren sie auf diese Weise. Über diese drei beschriebenen Mechanismen des antipathogenen Potenzials lässt sich der suppressive Effekt der Kompostzufuhr zum Boden beschreiben.

 

Der Boden, also die Rhizosphäre, bietet die idealen Voraussetzungen für die Ansiedelung von zahlreichen antagonistischen Mikroorganismen, die im Kompost enthalten sind: Nährstoffe sind vorhanden, die Feuchtigkeit ist meist garantiert, die Wechselbeziehungen zu den Pflanzenwurzeln sind gegeben, Temperaturschwankungen fallen nur gering aus – das Bodenmilieu ist also ideal.

 

Ähnliche Verhältnisse finden wir dagegen in der Phyllosphäre² nicht vor. Allein die wechselnden Witterungsverhältnisse – Temperaturschwankungen, Regen, Trockenheit, UV-Einstrahlung – würden die Mehrzahl dieser bodenbürtigen antagonistischen Mikroorganismen auf der Blattoberfläche stark negativ beeinträchtigen und sie sogar zum Absterben bringen. In der Phyllosphäre herrschen keine idealen Verhältnisse zum Ansiedeln von Mikroorganismen, obwohl auf der Blattoberfläche selbstverständlich auch eine natürliche Mikroflora vorhanden ist, die allerdings mit den dort herrschenden Gegebenheiten klarkommt.

 

KRAUSS und BUSTAMENT (1999) haben das antagonistische Potenzial der Bakterien auf der Blattoberfläche mehrfach analysiert und seine Effektivität bestätigt. Zudem wurde in anderen Untersuchungen gezeigt, dass man durch Erhöhung der Antagonistendichte in der Phyllosphäre Blattkrankheiten effektiv unterdrücken kann (DUIJFF et al., 1999).

 

Eine Anwendung von Kompostmaterial in der Phyllosphäre, also auf den Pflanzen, ist jedoch nicht bzw. nur bedingt denkbar, denn dadurch würde die Photosyntheseleistung beeinträchtigt werden, von anderen Nebeneffekten ganz abgesehen. In Schottland soll jedoch schon im 19. Jahrhundert Kompost auf Golfrasenflächen ausgestreut worden sein. Nach dem Regen, wenn er wieder abgetrocknet war, wurde er wieder aufgenommen. Dies wird wohl eine Düngerwirkung und eventuell einen suppressiven Effekt gehabt haben.

 

Um jedoch den suppressiven Effekt, der von Kompostmaterial gegenüber pflanzlichen Schaderregern ausgeht, auch in der Phyllosphäre zu nutzen, z.B. auf Blättern, kam man zu der Überlegung, ob nicht Kompostex­trakte ähnliche suppressive Effekte besitzen wie der Kompost im Boden. Somit stand, speziell was die Herstellung der Kompost-Extrakte betrifft, zunächst der „suppressive Effekt“ des Kompostes und damit eine Förderung der Pflanzengesundheit im Fokus.

 

In den späten 80er Jahren wurden von der Arbeitsgruppe um Prof. WELTZIEN wässerige Kompostextrakte eingesetzt, mit denen man Blattpathogene an Tomate, Kartoffeln, Gerste und Wein deutlich unterdrücken konnte (WELTZIEN 1989; WELTZIEN et al., 1987; BUDDE u. WELTZIEN, 1988). Durch den Einsatz von Kompostextrakten erhöhte sich in der Phyllosphäre die Mikroorganismendichte. Außerdem kam es allein durch die über den Kompostextrakt zugeführte Nährstoffmenge ­zu einer Vermehrung der natürlichen Mikroflora. Weitere wissenschaftliche Forschungsvorhaben bestätigten dies (JONGEBLOED et al., 1993; KETTER u. SCHWAGER, 1992).

TRÄNKER (1993) konnte mit verschiedenen Kompostextrakten den Befall mit Plasmopara viticola auf Reben deutlich reduzieren (Tabelle 1). Im Gegensatz zu systemischen Fungiziden besitzt der Kompostextrakt jedoch keine kurative Wirkung – bei einer Applikation nach der Warndienstempfehlung bzw. nach dem 1. Befall war keine Wirkung erkennbar. Er muss prophylaktisch vor dem Auftreten des Schadpilzes zum Einsatz kommen, damit er wirksam werden kann. Die Zugabe von einem Mikroorganismen-Cocktail kann die Effizienz noch anheben. Dabei wurde ungefähr dieselbe Wirkung erzielt, die man mit einem klassischen Fungizid erreichte (Tabelle 2; TRÄNKER 1993).

 

Bei der Ausbringung des Kompost­extraktes als Blattapplikation gegen Schadpilze stellt sich die Frage, welche Komponenten für die Wirkung verantwortlich sind. LARBI et al. (2006) haben verschiedene Kompostextrakte gegenüber Apfelschorf getestet. Für diese Versuche autoklavierten sie eine Hälfte des Kompostextraktes, um die darin enthaltenen Mikroorganismen abzutöten. Überraschenderweise haben die autoklavierten Kompostex­trakte in zwei Fällen zwar nicht signifikant, aber immerhin tendenziell, sogar etwas besser abgeschnitten als die nicht autoklavierten Kompostextrakte mit Mikroorganismen.

Tab. 1.: Wirkung von verschiedenen Kompostextrakten auf den Befall mit Plasmopara ­viticola (TRÄNKER, 1993) (*Zahlen mit unterschiedlichen Buchstaben unterscheiden sich signifikant).
Tab. 2.: Einfluss verschiedener Behandlungen auf den Plasmapara-Befall von Blättern und Beeren sowie auf den Beerenertrag (TRÄNKER, 1993)
Tab. 3.: Worauf ist die Wirkung des Kompostextrakts zurückzuführen – auf die Mikro­organismen oder deren Stoffwechselprodukte? (LARBI et al., 2006)

Daraus schlossen sie, dass die Wirkung des Kompost­extraktes auf dem Blatt vor allem über Stoffwechselprodukte der im Kompost­extrakt enthaltenen Mikroorganismen erfolgt – z.B. Antibiosis (Tabelle 3).

 

Herstellung von ­Kompostextrakten

Inzwischen werden im Handel diverse Geräte zur Herstellung von Kompost­extrakten angeboten, einschließlich Kompostmaterial sowie Additiven, ­die man bei der Herstellung zusetzen soll. Außerdem sind im Internet diverse Methoden zur Herstellung von Kompostextrakten beschrieben. Sowohl bei der Beschreibung dieser verschiedenen Methoden im Internet, als auch in den Produktbeschreibungen der Anbieter von Kompostextraktoren fällt auf, dass entweder die Primärliteratur zur Herstellung von Kompostextrakten gar nicht oder nicht sorgfältig genug studiert wurde, denn in den meisten Fällen werden grundsätzliche Dinge entweder missachtet oder aus Unwissenheit nicht sachgerecht umgesetzt.

Abb. 1: Extraktionsbehälter zur Herstellung von Komposteluat
Abb. 2: Zylindrisches Sieb, in das das ­Kompostmaterial eingefüllt wird. Alternativ kann man einen mit Kompostmaterial ­gefüllten Gazebeutel in den Extraktions­behälter hängen.

Die ursprüngliche Methode zur Herstellung von Kompostextrakt war die Eimermethode. Dabei gab man z.B. 1 kg Kompostmaterial in 10 Ltr. Wasser, schwemmte die Mischung durch Umrühren auf, belüftete sie und ließ sie stehen. In Abwandlung dieser Eimermethode gab man bei einem anderen Verfahren das Kompostmaterial in einen Gazebeutel, schnürte diesen zu und hängte ihn untergetaucht in einen Eimer mit Wasser.

 

Später entwickelten sich aus dieser Eimermethode die ersten professionellen Geräte mit Rührwerk und Belüftung. Mit der Zeit wurden diese Geräte immer größer und es entstanden die ersten Tanks (100-1.000 Ltr.), in die ein zylindrisches Sieb oder ein Gazebeutel, gefüllt mit Kompost, eingehängt wurde (Abbildungen 1 und 2). Auch diese großen Geräte verfügen über eine Belüftung. Bei einem weiteren Gerät wird die Luft über eine Membran am Boden zugeführt, auf der das Kompostmaterial aufliegt. Durch die Luftzufuhr soll das Kompostmaterial aufgewirbelt werden.

Bei all den zuvor beschriebenen Ex­traktionsmethoden verbleibt das Kompostmaterial während der Extraktionszeit im Extraktionsgefäß. Bei einer anderen Technologie (MO-Technik) wird das Kompostmaterial nicht direkt in den Eluat-Tank gegeben (z.B. im Beutel oder Sieb), sondern in einem separaten Behältnis. Nur das Eluat, das man beim Durchspülen des Kompostmaterials gewinnt, wird in den großen Eluat-Tank gepumpt und mit entsprechenden Additiven versetzt, die für die Ernährung der Mikroorganismen essenziell sind (Abbildung 3).

Abb. 3: Schema der MO-Technik mit einem separaten Extraktionsgefäß.

Diese Methode (MO-Technik) entwickelte sich aus Versuchen, die man Ende der 90er Jahre an der Universität Hohenheim durchführte. Bei diesen Versuchen wurde ein Gerät mit einem 400-Liter-Tank und einem zylindrischen Siebeinsatz (ähnlich Abbildungen 2 und 3) für den Kompost eingesetzt und dabei festgestellt, dass bei längerer Extraktionszeit trotz Zufuhr von Luft in das System sowohl im Sieb, als auch letztendlich im Tank anaerobe Verhältnisse auftraten. Das Eluat kippte.

 

Um nun die Thematik der Kompostextraktion besser verstehen zu können, sollen zunächst einige Fakten geklärt werden, die für eine nachhaltige Extraktion und für eine wirksame Kompost-Tee-Produktion entscheidend sind:

 

Was wollen wir aus dem ­Kompostmaterial extrahieren?

Wie aus der Tabelle 4 ersichtlich ist, setzt sich das Edaphon überwiegend aus den Vertretern der Mikroflora zusammen (72-75%). Im Kompostmaterial dürften die Vertreter der Mikroflora einen noch einen höheren Anteil besitzen, da sie es sind, die überwiegend an den Kompostierungsprozessen beteiligt sind. Die Mikroflora (Bakterien, Actinomyceten, Pilze und Algen) kommt als sessiles Edaphon (Bodenhafter) im Boden vor. Sie kleiden als schleimartige Kolonien oder als Mycel die Wände sogar kleinster Hohlräume im Boden oft rasenartig aus. Dort sitzen sie sehr fest verankert und nur ein sehr geringer Teil von ihnen ist im Bodenwasser frei beweglich, da sie sonst bei jedem Niederschlag ausgewaschen werden würden! Sie sind für die Lebendverbauung und zum Teil für die Gefügestruktur des Bodens verantwortlich.

Tab. 4: Biomasse der Bodenorganismen (Edaphon) in g Trockengewicht/m²

Bei den klassischen Labor-Extraktionsmethoden, bei denen man die Menge an Bodenbakterien und Bodenpilze erfassen möchte, werden nach bisheriger Erfahrung lediglich ca. 15% bis max. 18% der im sessilien Edaphon enthaltenen Mikroorganismen herausgelöst, obwohl die Probe durch kräftiges Aufwirbeln und Schütteln gründlich aufbereitet wird. Bakterien, Actinomyceten und Pilze sind äußerst schwer von den Bodenpartikeln zu lösen!

 

Bei den Mikroorganismen im Kompostmaterial werden ähnliche Verhältnisse vorliegen: schleimartige Kolonien und weit verzweigtes Mycel zwischen den Kompostpartikeln. Eventuell sind sie hier nicht so stark an die Kompostpartikeln gebunden wie bei der Lebendverbauung im Boden.

 

Worauf muss bei der Extraktion von Kompostmaterial geachtet werden?

Betrachtet man die zuvor beschriebenen Extraktionsmethoden, dann dürfte klar sein, wie schwierig es ist, diese sessilen Mikroorganismen aus dem Kompostmaterial herauszulösen.

Schon PAPAGEORGIOU et al. (2002) konnte aufzeigen, wie wichtig bei der Eimermethode das Umrühren ist (Abbildung 4). Speziell bei der separaten Extraktion des Kompostmaterials (MO-Technik) benötigt man über 600 Ltr. Wasser, um 10 kg Kompost bis zur Erschöpfung zu extrahieren (nach 600 Ltr. konnte man im Eluat so gut wie keine Keime mehr nachweisen). In Tabelle 5 haben wir eine vorläufige Bewertung der Methoden vorgenommen.

Abb. 4: Abhängigkeit der Ausbeute an Mikroorganismen von der Häufigkeit des Rührens ­(PAPAGEORGIOU et al., 2002)
Tab. 5: Bewertung der Extraktionsmethoden hinsichtlich der Ausbeute an Mikroorganismen

Bei vielen beschriebenen Kompost­extraktionsverfahren wird der Kompost-Tee (= Komposteluat) nach 24 Stunden abgelassen und ausgebracht. Bei dieser Vorgehensweise sollte man zunächst die Wassertemperatur messen, die im Frühjahr/Frühsommer teilweise im einstelligen, auf jeden Fall in niederen zweistelligen Bereich liegt. Befüllt man das jeweilige Extraktionsbehältnis mit einem solch kalten Wasser, darf man keine größeren Aktivitäten in der Extraktionsflüssigkeit hinsichtlich der Vermehrung der Mikroorganismen und ihrer Stoffwechselaktivität erwarten, zumindest nicht innerhalb von 24 Stunden. Die Vermehrung und der Stoffwechsel sind absolut temperaturabhängige Vorgänge.

 

Daher sollten folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

  1. Ein Erwärmen des Wassers im oder beim Befüllen des Extraktionsbehälter auf ca. 20 °C ist nicht nur sinnvoll, sondern sogar essenziell für die Herstellung eines wirksamen Komposteluats. PAPAGEORGIOU et al. (2002) konnte bei 20 °C den wirksamsten suppressiven Effekt nachweisen.
  2. Eine deutliche Vermehrung der extrahierten Mikroorganismen wird kaum innerhalb von 24 Stunden erfolgen, geschweige denn eine entsprechende Stoffwechselaktivität. Betrachtet man die vorliegenden Literaturstellen, in denen die Kompostextrakte von ihrer Wirkung beschrieben sind, so wurde in allen Systemen das Kompostmaterial zwischen 3-15 Tage aufbereitet. Als ideal haben sich 3-5 Tage herausgestellt (LARBI et al., 2006; NELSON & BOEHM, 2002; PAPAGEORGIOU et al., 2002).

 

Welche Kompostmaterialen ­können zur Kompostextraktion verwendet werden?

Im Prinzip können alle hochwertigen und zertifizierten Kompostmaterialen zur Herstellung von Kompost-Extrakten verwendet werden. Häufig findet man den speziellen Hinweis auf „Biokompost“, bei dem ausschließlich biogene Abfälle kompostiert werden (Pflanzenreste, Gartenabfälle, Schnittgut von Bäumen und Sträuchern etc.), und keine Zusätze tierischer Exkremente (sind eigentlich auch biogen), Klärschlamm und städtischen Biomüll.

 

Einschränkend zu dem letztgenannten Punkt hat sich die Zumischung von Pferdemist zum Kompostiergut als positiv erwiesen, was auch schon aus verschiedenen Versuchen zu Beginn der Entwicklung dieser Technologie hervorging (TRÄNKER, 1993), und was sich auch in eigenen Versuchen auf Rasen Ende der 90er Jahre gezeigt hat.

 

Neben den klassischen Kompostformen wird auch noch spezieller Wurmkompost angeboten (Vermicompost – von Vermicast = Wurmdung). Dieser Wurmkompost ist sehr reich an Nährstoffen, denn Kompostwürmer sind detritivorisch (Abfallfresser), die zusammen mit symbiotisch assoziierten Mikroben nicht vollständig abgebaute Pflanzenreste zersetzten (mineralisieren). In einer Studie wurde jedoch festgestellt, dass Wurmkompost eine geringere mikrobiologische Aktivität aufweist als klassischer Kompost.

 

Welche Additive sollen dem Kompostextrakt zugegeben ­werden?

Die Informationen über die Zusammensetzung der Additive, die dem Kompostextrakt in den jeweiligen Systemen zugegeben werden, sind mehr als spärlich. Kein Anbieter möchte seine Rezepturen offenlegen. Unter anderem werden Cocktails aus Aminosäuren und Proteinen verwendet. Bei wissenschaftlichen Studien haben sich vor allem Polysaccharide bewährt, mit denen der suppressive Effekt des Kompostextraktes erheblich verstärkt werden konnte (PAPAGEORGIOU, 2003). Zudem werden Algenextrakte und Cocktails aus verschiedenen Zuckerkomponenten (Melasse) aufgeführt.

 

Bisherige Erfahrung mit ­Kompostextrakten auf ­Rasenflächen

Bei eigenen Versuchen bzw. Versuchsserien, die von uns Ende der 90-er Jahre, sowie Anfang 2000 durchgeführt bzw. betreut worden, konnten wir folgendes beobachten:

 

Auf älteren Grüns, die schon seit über 10 Jahren genutzt werden:

  • Reduzierung der Filzschicht.
  • Rückgang der Poa annua durch einen bakteriellen Parasit, der nur die Poa annua befällt (der Parasit war voraussichtlich im Kompostmaterial enthalten, denn für seine Produktion wurde Rasenschnittgut verwendet).

 

Auf Grüns, die neu aufgebaut und neu angesät worden sind:

  • Subjektiv hatte man den Eindruck, dass sich die Narbe besser entwickelt, jedoch bei der Keimzeit sowie bei der Etablierung waren keine in Zahlenwerten zu dokumentierenden Unterschiede feststellbar.
  • Die Wurzeln wuchsen in den behandelten Flächen ca. 20% tiefer – bessere Durchwurzelung!
  • Keimlingskrankheiten traten so gut wie keine auf. Zu Anfang trat vereinzelt Take-All Patch auf, der jedoch innerhalb eines halben Jahres wieder verschwand.

 

In Südspanien konnten wir auf zwei Golfanlagen durch den regelmäßigen Einsatz von Komposteluat in dem extrem trockenen und heißen Jahr 2003 eine Wassereinsparung von ca. 15% gegenüber dem eher feuchten Jahr 2002 erzielen. Bei der Zufuhr von Kompost in den Boden ist dieses Phänomen der „Wasserersparnis durch bessere Wasserspeicherung“ bekannt. Für die Kompost­extrakt-Anwendung war dies ein neuer positiver Effekt. Verbessertes Wasserspeichervermögen scheint auch mit Kompostextrakt zu erzielen sein.

 

NELSON und BOEHM (2002) beschrieben als Effekte der Anwendung von Kompostextrakt auf Golfrasenflächen: gesündere Rasenpflanzen, Unterdrückungen der Rasenkrankheiten, Reduzierung der Kosten für Fungizide und Dünger.  

 

Ähnliches hatten auch CONFORTI et al. (2002) beobachtet. Den Effekt der Kompostextrakt-Anwendung auf Greens und die Rasentragschicht beschreiben sie wie folgt: verbesserte Rasengesundheit, bessere Farbe und Qualität, Unterdrückung von Krankheiten, jedoch keine Auswirkungen auf die Bodenbiologie und Mykorrhizierung.

 

Weitere positive Effekte sind aus verschiedenen Fachliteratur- und sonstigen Literaturstellen zu entnehmen, wobei die beschriebenen Effekte, die in den sonstigen, trivialen Literaturstellen aufgeführt sind, nur bedingt auf wissenschaftlich fundierten Versuchen oder Beobachtungen basieren.

 

Zusammenfassende Bewertung

Kompostextrakte können sowohl zur Blattapplikation als auch zur Applikation in die Rasentragschicht angewandt werden. Bei beiden Anwendungen verbindet man unterschiedliche Ansätze.

 

Die folgenden Ausführungen sollen die in den Werbebroschüren genannten Effekte kritisch beleuchten und anschließend einen Überblick über die zu erwartenden Effekte geben:

Der Erfolg sowohl bei der Blatt-, als auch bei der Bodenapplikation hängt vom Extraktionssystem und der Anwendung ab. Dabei muss jedoch immer ein Punkt berücksichtigt werden: I.d.R. extrahieren wir bei den verschiedenen Verfahren zwischen 2-6 kg Kompostmaterial pro Extraktionsvorgang. Das dabei gewonnene Komposteluat bringen wir dann auf einer Fläche von 1 ha aus. Dies bedeutet, dass wir bei den zu extrahierenden Kompostmengen von 2-6 kg theoretisch ca. 0,2-0,6 g Kompost pro m² ausbringen. Da wir bei allen Extraktionsmethoden nur einen Bruchteil der im Kompostmaterial enthaltenen Mikroorganismen herauslösen können und unter einem m² intakten, belebten Boden ca. 600 g und mehr lebendige Biomasse in Trockensubstanz existiert (Tabelle 4), stellt der Eintrag an Mikroorganismen und Nährstoffen aus 0,2-0,6 g Kompost/m² eine homöopathische Größe dar, sofern nicht bei der jeweiligen Extraktionsmethode eine Vermehrung der Mikroorganismen stattfindet. Und das wird wohl kaum bei einer Extraktion von 24 Stunden passieren, vor allem, wenn das Wasser nicht auf 20 °C erwärmt wird!

Daher kommen wir abschließend zu folgender kritischen Bewertung:

  • Mit Kompost gefüllte Beutel oder Siebe lassen nur eine geringe Ausbeute erwarten – sessiles Edaphon (Abbildungen 5a und b). Es werden sogar die gut wasserlöslichen Bestandteile des Kompostmaterials nur bedingt herausgelöst, die man beim Aufwirbeln bzw. Durchspülen gut erfasst.
  • Als beste Methode mit der größten Ausbeute an Mikroorganismen hat sich das lang anhaltende Durchspülen des Kompostmaterials in Kombination mit einer Verweildauer von 3-5 Tagen erwiesen. Auch das Aufwirbeln mit von unten zugeführter Luft wird die Ausbeute erhöhen, wobei diesbezüglich keine wissenschaftlichen Vergleichsdaten vorliegen (Abbildungen 6a und b).
  • In 24 Stunden wird es kaum zu einer nennenswerten Vermehrung der extrahierten Mikroorganismen kommen, vor allem nicht, wenn das zugeführte Wasser kalt ist!
  • Nach 24 Stunden werden noch relativ wenige Stoffwechselprodukte in Eluat enthalten sein. Diese scheinen verzögert gebildet zu werden, denn fast in allen in der Fachliteratur beschriebenen Verfahren, bei denen Komposteluat für die Blattapplikation zur Bekämpfung von Schadpilzen hergestellt wurde, wurden Extraktionszeiten von 3-15 Tage gewählt. 5 Tage scheinen optimal zu sein. Daher ist nach einem kurzen Extraktionszeitraum von 24 h keine nachhaltige fungistatische Wirkung zu erwarten!
Abb. 5a: links das Eluat nach 24 h mit Beutel (etwas umgerührt).
Abb. 5b: rechts das Eluat nach 24 h mit Sieb (etwas umgerührt).
Abb. 6a: links das Eluat – klassische Eimermethode, mehrmals umgerührt bzw. aufgewirbelt.
Abb. 6b: rechts das Eluat MO-Technik (durchgespült).
  • Neue Rasentragschichten lassen sich mit Hilfe von Komposteluaten relativ schnell beleben!
  • In einer belebten RTS mit hoher biologischer Aktivität werden wir kaum zusätzlich Mikroorganismen etablieren können, denn die Räume sind besiedelt, und der Eintrag aus dem extrahierten Kompostmaterial (0,2-0,6 g/m²) ist zu gering!
  • Bei etablierten und biologisch belebten RTS dürfte der Haupteffekt auf phytosanitäre Effekte zurückzuführen sein.

 

Literatur

BUDDE, B. und H.C. WELTZIEN, 1988: Phytosanitäre Wirkungen von Kompostextrakten und -substraten im Wirt–Erreger–System Gerste – Echter Mehltau (Erysiphe graminis DC f. sp. hordei MARCHAL). Med. Fac. Landbouww. Rijksuniv. Gent 53/2a, 363-371.

CONFORTI C., M. BLAIR, K. HUTCHINS and J. KOCH, 2002: The Effects of Compost Tea on Golf Course Greens Turf and Soil: Presidio Golf Course, San Francisco CA.

DUIJFF, J.B., G. RECORBET, P.A.H.M. BAKKER, J.E. LOPER and P. LEMANCEAU, 1999: Microbial antagonism at the root level is involved in the suppression of Fusarium wilt by the combination of nonpathogenic Fusarium oxysporum Fo47 and Pseudomonas putida WCS358. Phytopathology 89, 1073-1079.

JONGEBLOED, P.H.J., G.J.T. KESSEL, W.M.L. MOLHOEK, C.H. VANDERPLAS and N.J. FOKEMMA, 1993: Biological control of Phytopthora infestans with compost extracts and selected bacterial antagonists. Bulletin OILB srop: IOBC wrps bulletin, 16-20.

KETTERER, N., 1990: Untersuchungen zur Wirkung von Kompostextrakten auf den Blattbefall der Kartoffel und Tomate durch Phytophthora infestans sowie auf den Befall der Weinrebe durch Plasmopara viticola, Pseudopeziza tracheiphila und Uncinula necator. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität zu Bonn, 9-97.

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KETTERER, N., B. FISHER, H.C. WELTZIEN, K. VERHOEFF, N.E. MALATHRAKIS and B. WILLIAMSON, 1992: Biological control of Botrytis cinerea on grapewine by compost extracts and their microorganisms in pure culture, recent advances in Botrytis cinerea research. Proccedings of the 10th International Botrytis symposium, Heraklion, Crete, Greece, 5-10 April, 179-186.

KETTERER, N. und L. SCHWAGER, 1992: Einfluss von Kompostextrakten auf den Krankheitsbefall und die Phyllosphärenflora bei Buschbohnen- und Tomatenblättern. Med. Fac. Landbouww. Rijksuniv. Gent 57/2b, 411-421.

KETTERER, N. and H.C. WELTZIEN, 1988: Wirkung von Kompost und Microorganismen Extrakten auf den Befall der Kartoffel durch Phytophthora infestans. In: Mitt. Biol. Bundesanst. 242-346.

KRAUSS, U. und E. BUSTAMENTE, 1999: Isolation of native fungal and bacterial antagonists against plant diseases. Research Methodology of Plant Diseases with Special Reference to Fungal Diseases of Cocoa. Workshop Manual. Edited by U. Krauss & p. Hebbar, CATIE, Costa Rica 28, 38-43.

LARBI M., J.-M. GOBAT and J.G. Fuchs, 2006: Inhibition of the Apple Scab Pathogen Venturia inaequalis and the Grapewine Downy Mildew Pathogen Plasmopara viticola by Extracts of Green Waste Compost. ORBIT, Part 2, 529-537.

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PAPAGEORGIOU, B., 2003: Untersuchungen zur phytosanitären Wirksamkeit und zu Wirkmechanismen wässeriger Extrakte aus westafrikanischen Bioabfallkomposten gegen pilzliche Phytopathogene. Disseration, Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.

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STINDT, A. und H.C. WELTZIEN, 1988: Der Einsatz von Kompostextrakten zur Bekämpfung von Botrytis cinerea an Erdbeeren. Ergebnisse des Versuchsjahres 1987. In: Gesunde Pflanzen. 40: 451-454.

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WELTZIEN, H.C., 1989: Deutsches Patent DE3910061 A1; Phytosanitäres Mittel sowie dessen Verwendung (Kompostextrakte).

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¹ Rhizosphäre – Die Rhizosphäre umfasst den unmittelbar durch eine lebende Wurzel beeinflussten Raum im Boden (näheres Wurzelumfeld). Die Beeinflussungen können physikalischer, chemischer und biologischer Natur sein.

 

² Phyllosphäre – Ökologisch betrachtet ist die Phyllosphäre der Bereich, den die Oberflächen von Blättern und Blattscheiden als Lebensraum für andere Organismen bilden. Die Phyllosphäre stellt die größte biologische Oberfläche auf der Erde dar. Sie wird von zahlreichen Mikroorganismen besiedelt. Dies sind in erster Linie Bakterien, Hefen und fadenförmigen Pilzen.

 

Autoren:
Christa und Dr. Gerhard Lung, Institut Dr. Lung, Stuttgart, E-Mail: rasenforschung-dr.lung (at) gmx.de

(Stand: Greenkeepers Journal 04/2017)

 

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