Sommertagung Deutscher Rollrasenverband DRV

Bericht vom Treffen 2016 im Rasenland Krostitz

„Sommertagung“ war das Motto und diesem machte die alljährliche Verbandsveranstaltung des Deutschen Rollrasen Verbandes e.V. in diesem Jahr mit Sonne, Hitze und Trockenheit alle Ehre. Gut geschützt im Ausstellungs- und Verkaufsraum des Rasenland Krostitz trafen sich 62 Teilnehmer aus ganz Deutschland mit großen Erwartungen am Rande von Leipzig. Viele hatten den Vorabend bereits zum geselligen Austausch mit den Kollegen genutzt.

 

Rasenland-Gesellschafter Albrecht Freiherr Knigge und Betriebsleiter Henry Ferling begrüßten im dicht  besetzten Ausstellungsraum alle Teilnehmer und Referenten der Tagung. Ferling gab im Anschluss einen Überblick über die Geschichte des Rasenlandes Krostitz.

  • 2001 Erwerb und Gründung des landwirtschaftlichen Betriebes in Krostitz.
  • Aufnahme der Fertigrasenproduktion im Jahr 2002 mit sechs Hektar.
  • 2004 Anschaffung der ersten voll­automatischen Erntemaschine bei ­36 Hektar Fläche.
  • Aussaat der ersten Flächen für Schattenrasen im Jahre 2011.
  • 2012 Umzug in neue Räumlichkeiten mit 40 qm Büro und 100 qm Aus­stellungsfläche.
  • Seit 2013 zwei Voll-AK im Feld und zwei Voll-AK im Büro.
  • 2016: Krostitz produziert auf 56 ha Rasenland Verbund 130 ha Sport- und Spielrasen sowie Schattenrasen.

Drohnen in der Landwirtschaft und Rasenpflege

Im Anschluss stellte Frank Lochau von der Fa. ProCopter aus Leipzig die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen in der Landwirtschaft – hier speziell in der Fertigrasenerzeugung – vor. Diese sind sehr vielseitig und reichen von der Bestimmung von Flächengrößen, über das Auffinden von Drainagen und Leitungen bis hin zur Gesundheitsprophylaxe oder auch bereits der bedarfs- und punktgenauen Ausbringung von Stoffen.

 

Für viele war sicher neu, dass große Drohnen, wie er sie zeigte und später auf dem Feld vorführte, bis zu 10 kg Gewicht tragen können. Insgesamt stießen Vortrag und Vorführung im Feld auf großes Interesse. Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch auch in diesem kurzen Bericht die Problematik des Drohneneinsatzes und die von diesen ausgehenden Gefahren. Es ist daher wichtig, sich an entsprechende Fachfirmen wie ProCopter zu wenden und nicht auf eigene Faust zu agieren.

 

Nach einer kurzen Pause ging es mit einem Bus auf die Flächen. Diese liegen zwar alle arrondiert beim Betriebshof, dennoch sind die Wege weit. Ausführlich wurde eine junge Schattenrasenfläche mit Poa supina begutachtet. An dieser hatte das Rasenland bereits angefangen, zu schälen. Der Rasen machte einen guten und schönen Eindruck. Hier fand auch die beeindruckende Vorführung der beiden Drohnen statt (einmal mit vier Rotoren und Kamera und einmal mit sechs Rotoren und Kamera – letzteres Gerät kostet deutlich über 10.000,- Euro).

 

Wasserbeschaffung und Verteilung werden immer wichtiger

Auf den Flächen liefen die Beregnungsanlagen und Henry Ferling erläuterte die Wasserbeschaffung. Aufgrund sehr geringer Niederschläge ist die Sicherstellung einer ausreichenden Wasserversorgung eine der wichtigsten Voraussetzungen. Starke Trockenheitsspuren an den Bäumen machten die Problematik in diesem Jahr besonders deutlich.

 

So verging die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes „wie im Fluge“. Mit Erläuterungen zu den Flächen und weiteren Informationen rund um den Betrieb ging die Fahrt wieder zur Geschäftsstelle zurück. Dort wartete bereits ein leckeres Mittagessen auf alle Teilnehmer.

 

Am Nachmittag präsentierte Verbandsmitglied und Rollrasenerzeuger Christoph Aue ein von ihm mitentwickeltes Gerät zur intelligenten Konturensteuerung für Weitstrahlregner. Ohne eine solche Steuerung kann es an Feldrändern zu Belästigungen von Anwohnern sowie Passanten oder gar zu Verkehrsstörungen kommen, wenn das Wasser darüber hinausgeschossen wird. Von den Wasserverlusten, die sich summieren, ganz zu schweigen. Wie er berichtete, handelt es sich um einen Nachrüstsatz für gängige Regnersysteme. Im Moment ist er für KOMET-Regner verfügbar. Zu dem Produkt gibt es einen gut aufgemachten Flyer, der über Christoph Aue bezogen werden kann.

 

Der Deutsche Rollrasen Verband wächst stetig

Im Anschluss berichtete der Vorsitzende, Thomas Büchner, von Neuigkeiten aus dem Verband und begrüßte das bei einer morgendlichen Vorstandssitzung neu aufgenommene Mitglied „Isar-Rollrasen“. Herr Weinzierl stellte seinen Betrieb kurz vor. 2009 hat er die Produktion von Fertigrasen aufgenommen und bewirtschaftet heute 10 ha Rasen in der Nähe von Landshut.

 

Bereits zweimal hatte Dr. Morhard versucht, von der Sodenzugfestigkeitsuntersuchung, die er mit Studenten durchgeführt hat, auf der jährlichen Wintertagung des Rollrasen-Verbandes zu berichten. Leider musste er beide Male aus persönlichen Gründen absagen. Daher hatte er nun die wichtigsten Fakten und Ergebnisse in einem Poster zusammengefasst und dieses dem DRV zur Verfügung gestellt. Verbandsreferent Martin Bocksch ließ es für die Sommertagung ausdrucken und stellte es vor Ort den Teilnehmern kurz vor.

 

Kalkstickstoff findet wieder großes Interesse bei Fertigrasenerzeugern

Auf die Kurzbeiträge folgte Henry Becker von der Fa. AlzChem, dem Hersteller von Perlka-Kalkstickstoff. Er stellte die lange Geschichte von Kalkstickstoff in der Landwirtschaft kurz vor. Angesichts von immer stärkeren Einschränkungen beim Pflanzenschutz, wird das Produkt in den letzten Jahren gerade im Rasenbereich immer häufiger eingesetzt wegen seiner vielfältigen pyhtosanitären Wirkungen. Dabei ist der moderne Kalkstickstoff in seiner Verarbeitung nicht mehr mit dem vielen noch in lebhafter Erinnerung befindlichen Kalkstickstoffpulver der 60er/70er Jahre des letzten Jahrhunderts vergleichbar. Heute ist er sehr fein bis grob gekörnt und geölt. Ein Stauben bei der Ausbringung gibt es, wie auch die anschließende Vorführung gezeigt hat, nicht mehr. Die Düngewirkung des Kalkstickstoffs belegte die gute Sichtbarkeit einer zwei Wochen vor der Veranstaltung behandelten Parzelle. Diese war deutlich grüner und fiel daher von weitem auf.

 

Vorgeführt wurde die Kalkstickstoffausbringung auf der ältesten Rollrasenfläche in Krostitz. Dort wurde darüber hinaus erörtert, wie die bei einigen Versuchsteilnehmern in Kürze anstehende zweite Beprobung des DRV-Humusversuches durchzuführen ist. Die ersten Probeflächen werden noch in diesem Herbst beerntet. Auch diese Probenahmen werden wieder einheitlich und neutral von einem unabhängigen Probenehmer durchgeführt.

 

Die zweite Beprobung ist wegen der deutlich höheren Probenzahl, einer zu entnehmenden und zu verschickenden Rolle Fertigrasen je Parzelle und zwei unterschiedlicher Untersuchungsstellen, an die die Proben geschickt werden müssen sowie deren begrenzter Lagerfähigkeit schwieriger und fehleranfälliger als die erste Probennahme.

 

Zum Abschluss gab es in der Geschäftsstelle noch Kaffee und die typisch sächsischen Kuchenstückchen. Zu Ende ging die Sommertagung mit dem Dank von Thomas Büchner und Martin Bocksch an das ausrichtende Rasenland Krostitz mit seinem Betriebsleiter Henry Ferling und seinen engagierten und aufmerksamen Mitarbeitern und Helfern.

 

Autor:

Prof. Martin Bocksch
E-Mail: verbandsreferent (at) rollrasen-verband.de 

 

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