4th ETS Field Days „Sustainability and Grass“ in Dänemark

Lord, F.


Die Field Days der European Turfgrass Society (ETS) finden alle zwei Jahre im Wechsel mit den ETS Konferenzen statt und werden von einem Vertreter eines Mitgliedslandes organisiert. In der Regel bestehen diese Veranstaltungen aus einem Seminartag und einem Exkursionstag. Austragende Länder der letzten ETS Field Days waren Monaco 2013, Belgien 2011 (Universität Gent) und Spanien 2009 (Universität Valencia).

Seminartag/Fachvorträge

Die diesjährigen ETS Field Days fanden vom 07.-08.10.2015 in Dänemark statt und wurden von der Universität Kopenhagen in Zusammenarbeit mit der Scandinavian Turfgrass and Research Foundation (STERF) organisiert. Die Leitung hatte Dr. Anne Nette Dahl Jensen von der Fakultät für Landschaftsarchitektur und Planung der Universität Kopenhagen. Seminarort war der Campus Nødebo unweit von Helsingør, gelegen mitten im Gribskov Wald, einem der ältesten Waldgebiete Dänemarks und seit Juli 2015 Weltkulturerbe – ein adäquates Umfeld also für das Thema „Sustainability“.

Im Vergleich mit vorherigen Field Days war diese Veranstaltung mit rund 40 Teilnehmern relativ schwach besucht. Allerdings bereicherte die Zugehörigkeit dieser Rasenexperten zu insgesamt 14 verschiedenen Nationen den kleinen Kreis um eine beachtliche Vielseitigkeit und bot optimale Gelegenheit zu intensivem Austausch. Aus Deutschland waren Dr. Fritz Lord von der COMPO Expert, Prof. Martin Thieme Hack und Dr. Patrick Lawson von der HS Osnabrück angereist.


Unter dem Motto „Sustainability and Grass“ wurden verschiedene Referate präsentiert, die Rasennutzungskonzepte im Spannungsfeld von sozialen, umweltpolitischen und ökonomischen Anforderungen zum Inhalt hatten. Vor allem in Skandinavien ist die Rasenforschung schon seit einiger Zeit darauf fokussiert, ob und wie mögliche Low Input-Programme im Greenkeeping umgesetzt und langfristig funktionieren können. Alle relevanten Maßnahmen wie Gräserarten- und -sortenwahl, Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz werden zunehmend auch unter diesem Aspekt geprüft. Dementsprechend vielseitig waren die Vortragsthemen. Referenten waren u.a. Dr. Jerry Knox (Cranfield University, Großbritannien), Dr. Trygve Aamlid und Agnar Kvalbein (Norwegian Institute of Bioeconomy Research NIBIO, Norwegen), Maria Strandberg (STERF, Schweden), Dr. Thomas Randrup (Swedish Agricultural University) und Arthur Wolleswinkel (Firma Barenbrug, Niederlande). Ergänzt wurden die theoretischen Vorträge durch die praxisorientierten Erfahrungsberichte der beiden Greenkeeper Stefan Nielson (Vallda Golf Course, Schweden) und Thomas Phil (Furesø Golf Course, Dänemark). Auch extensivere urbane Nutzungsformen wie Parkanlagen und Dachbegrünungen wurden präsentiert. Anschließend führten Maria Strandberg und Bruno Hedlund (STERF) durch die lebhafte und z.T. auch kontrovers geführte Panel-Diskussion mit Teilnehmern und Referenten.

Mitgliederversammlung
In der Mitgliederversammlung am Ende des Seminartages äußerte sich der ETS Präsident, Prof. Panayiotis Nektarios, enttäuscht über die schwache Beteiligung der diesjährigen Field Days und die aktuell unbefriedigende Situation der ETS mit rückläufigen Mitgliederzahlen. Arthur Wolleswinkel trat aus persönlichen Gründen als Vorstandsmitglied zurück. Dr. Ulrike Pitha von der BOKU Wien, die bereits auf der ETS Konferenz in Norwegen 2012 als Kandidat für den Vorstand zur Verfügung stand, rückte nach und wurde in Abwesenheit als neues Vorstandsmitglied bestätigt. Neuwahlen des Boards finden bei der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung im Juni 2016 statt.

Um an das, was mit der Gründung der ETS im Jahre 2007 und der ersten ETS Konferenz im Mai 2008 in Pisa so erfolgreich und hoffnungsvoll begann, wieder anzuknüpfen, bedarf es sicherlich einer grundsätzlichen, konstruktiven Diskussion im und mit dem Vorstand und letztendlich neuer, kreativer und zielgerichteter Impulse. Die frische, positive und von Prof. Carlos Guerrero professionell präsentierte Vorschau auf die 5th ETS Konferenz vom 05.- 08.06.2016 in Alubufeira, Portugal, sorgte für einen positiven „Drive“ und gab zumindest schon einmal Anlass zur Hoffnung.

Exkursionstag


Die Fachexkursion am zweiten Tag führte zunächst in den Fredriksborg Castle Garden. Garden-Manager John Nøevgard erklärte ausführlich das hier praktizierte Low Input-Pflegekonzept. Es werden keinerlei Pflanzenschutzmittel verwendet. Gedüngt werden lediglich die saisonalen Beete sowie Zier- und Formgehölze im streng formal angelegten Schmuckgarten mit Langzeitdünger. Die Rasenpflege beschränkt sich auf Mähen und bei Bedarf Wässern. Der Natur- bzw. Landschaftsgarten der Schlossanlage wird extensiv gepflegt. Falls erforderlich, erfolgen punktuelle Nachsaaten der beschädigten Rasenflächen.


Am Nachmittag stand die Besichtigung des mit einer Umweltauszeichnung zertifizierten Furesø Golf Clubs auf dem Programm. Course Manager und Head-Greenkeeper Thomas Phil führte die Gruppe trotz strömenden Regens über den Platz und kommentierte engagiert seine Greenkeeping-Maßnahmen.


Ziel der Maßnahmen ist die Festuca- Dominanz zu erhalten und so die Stress- und Krankheitstoleranz zu erhöhen bei gleichzeitig guter Bespielbarkeit. Das N-Niveau bei den neuen Greens mit 85% Festuca trichophylla und Festuca commutata in Sorten und 15% Agrostis canina (Sorte Avalon) liegt bei ca. 10-12 g N/m2/Jahr. Bei den älteren Greens mit Agrostis stolonifera- Anteil je nach Bedarf auch etwas höher. Vor allem die besichtigten jungen Greens zeigten eine z.T. geringe Vitalität, Pilzbefall und eine relativ lockere Narbe, in die bereits Poa annua Einwanderungen festzustellen waren.


Die Düngung erfolgt als Granulat- und Flüssigdüngung im Verhältnis 70:30 bis 50:50. Von einer rein flüssigen Applikation hat sich Thomas Phil wieder distanziert, da die Flächen mit verstärkter Moos und Algenbildung reagierten. Dreiviertel des Gesamtbedarfs wird bis spätestens Mai-Juni ausgebracht, formuliert als N-K-Mg plus Spurennährstoffe. Die erste Düngung erfolgt mit einem N- und Fe-haltigen Lawn- Sand für raschen Wachstumsimpuls nach dem Winter und Moosunterdrückung. Phosphor wird ausschließlich über die organische Substanz aus dem Kompost, der regelmäßig mit dem Topdress-Sand ausgebracht wird, zur Verfügung gestellt. Auf Fungizideinsatz wird verzichtet, während der Saison werden Biostimulanzien, sauer wirkende Flüssigformulierungen (z.B. Eisensulfat) und Silizium appliziert. Eine Herbstdüngung zur Erhöhung der Winterhärte erfolgt mit einer moderaten Kalium-Applikation bei Bedarf.

Fazit

Naturgesetze und bestimmte Korrelationen sind unumstößlich und folgen keinem Trend. Pflanzliche Wachstumsund Entwicklungsprozesse müssen für einen vitalen und belastbaren Gräserbestand optimal ablaufen können.

Deshalb sollte nicht grundsätzlich das Unterlassen bestimmter erforderlicher Maßnahmen, sondern deren Optimierung vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Funktionalität im Vordergrund stehen. Bei der intensiven sportlichen Nutzung von Rasenflächen werden die Gräser oft und langanhaltend in pflanzenphysiologische Stresssituationen gebracht. Dennoch werden gleichzeitig immer höchste Belastbarkeit und Funktionalität und damit auch das regenerative Potenzial der Gräser gefordert. Mit einem Low Input wird der erwartete Max Output jedoch beschränkt. Angemessene Pflegemaßnahmen sind also unerlässlich. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen ist hierbei sicherlich zu begrüßen und vielleicht eine der größten Herausforderungen der Zukunft. Hier hat sich aber auch in Deutschland in den letzten Jahren vieles positiv entwickelt: angefangen bei einer qualifizierten Greenkeeper- Ausbildung über die Implementierung des Integrierten Pflanzenschutzes (IPS) und das Praktizieren eines zunehmend differenzierten Pflegemanagements mit Biostimulantien, modernen Nährstoffformulierungen und alternativer Technik bis hin zu Projekten wie GOLF&NATUR.

Viele Fragen sind noch offen und vergleichende Langzeitversuche erforderlich, z.B. wieviel Input ist für bestimmte Gräsergemeinschaften unter definierten Nutzungsansprüchen für optimales Wachstum, Vitalität und Funktionalität tatsächlich erforderlich? Der rege Austausch von Forschung, Industrie und Praxis ist auch weiterhin gefragt, vielleicht sogar mehr denn je – eine gute Chance auch für die ETS.

Autor:
Dr. Fritz Lord
COMPO Expert Münster,
ETS Mitglied seit 2008
fritz.lord (at) compo.de 

 

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