Zertifizierungsprozess für eine umwelt­bewusste und nachhaltige Anlagenführung

Im Gespräch mit Frank Schmidt, Golf BurgKonradsheim

Im März 2015 nahmen wir für einen Bericht des Deutschen Golf Verbandes (DGV) an der Gold-Zertifizierung der Anlage Golf BurgKonradsheim in Erft­stadt-Konradsheim teil. Ein fünfköpfiges Team mit verschiedenen Arbeitsschwerpunkten auf der Golfanlage war im Rahmen des Programms involviert. Begleitet wurde das Zertifizierungs-Audit seitens DGV von Prof. Martin Bocksch sowie Bodo Rüdiger von der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsys­temen (DQS). Besonders markant und eindrücklich in Erinnerung blieb die Burg Konradsheim, eine der ältesten Wasserburgen Nordrhein-Westfalens und heute vor allem für größere Festivitäten wie Hochzeiten und Ausstellungen genutzt. Den kompletten Beitrag finden Sie hier ... 

 

Einer der Beweggründe, das DGV-Managementprogramm GOLF&NATUR ­fortzuführen (Anm. der Red.: Das Programm wurde noch durch die frühere Geschäftsleitung initiiert), war für Geschäftsführer Frank Schmidt: „Ziel ist es, dass wir uns mit höchster Qualität unter den Top fünf im Raum Köln festsetzen.“ Jetzt, zwei Jahre später, versuchten wir mit etwas zeitlichem Abstand ein erstes Fazit zu ziehen und sprachen mit Frank Schmidt.

 

? Seit wann nimmt Golf BurgKonradsheim am Managementprogramm GOLF&NATUR teil?

 

! Die Anlage Golf BurgKonradsheim nimmt nach meinen Informationen bereits seit 2003 bei „GOLF& NATUR“ teil. Aus den Unterlagen ist zu ersehen, dass meine Vorgänger mit den Verantwortlichen dieses Projektes damit begonnen haben, die verschiedenen Aufgabenbereiche anzugehen.

 

Ich selbst bin im Herbst 2013 als Geschäftsführer der Anlage Golf BurgKonradsheim angetreten. Die Ideen und Empfehlungen des Projektes „GOLF& NATUR“ haben mich sehr angesprochen. Folgerichtig starteten wir dann 2014 nicht nur die Rezertifizierung, sondern auch das Projekt, den Gold-Status zu erreichen.

 

? Was waren Ihre Beweggründe, das Managementprogramm GOLF&NATUR weiterzuführen?

 

! Einerseits war es unser Ziel, den Status Quo und damit das Qualitätsprädikat beizubehalten. In den ersten Gesprächen mit Prof. Martin Bocksch wurde dann aber auch schnell klar, dass es sich hier um einen umfangreichen Zertifizierungsprozess handelt. Neben dem schonenden Umgang mit der Natur kamen viele unternehmenskritische Faktoren der Golfanlage auf den Prüfstand, wie Dünger- und Pflanzenschutz, Wassermanagement, Sicherheitskonzepte, Arbeits- und Verkehrssicherheit etc. All dies mündet dann in eine ordentliche und umfassende Dokumentation, die für eine solche komplexe Struktur einer Golfanlage sehr wichtig ist.

 

? Welche Bilanz ziehen Sie mit Erreichen des Gold-Zertifikates?

 

! Auf Anlagen wie Golf Burg­Konradsheim gibt es im Laufe der Jahre – wir feierten 2016 unser 25-jähriges Jubiläum –, viele Veränderungen im personellen Bereich sowie in den verschiedenen Bereichen der Anlage. Viele Informationen gehen dabei verloren bzw. werden unvollständig übermittelt. So sehe ich das Erkunden, Verstehen und die Dokumentation aller wichtigen Bereiche wie rechtliche Rahmenbedingungen, Bewässerungs- und Beregnungssystem, Pläne der Anlage, Boden- und Wasseranalysen, Maschinenpark, Arbeitssicherheit und vieles mehr als sehr wichtiges Ergebnis dieses Zertifizierungsprozesses an. Dies gibt die Gewissheit, dass wir die Anlage umweltbewusst und nachhaltig führen.

 

? Können Sie beispielhafte Maßnahmen für die geplante Rezertifizierung in diesem Jahr nennen?

 

! Derzeit beschäftigen wir uns intensiv mit Wasserschutzbestimmungen, Pachtverträgen, Baubestimmungen, um hier die langfristige Entwicklung der Anlage sicherzustellen. Ein weiteres Projekt zielt auf das noch umweltschonendere Arbeiten im Betriebshof.

 

Permanent arbeiten wir an Konzepten, das Interesse am Golfsport zu wecken und vor allem jüngeren Personen die vielfältigen schönen und sportlichen Facetten des Golfsports zu vermitteln.

 

? Inwiefern tragen diese dazu bei, die aktuellen und mittelfristigen Betriebs­ziele zu erreichen?

 

! Zum einen geht es hier um ein langfristiges, nachhaltiges und umweltbewusstes Management der Golfanlage. Das Bewusstsein über Chancen und Risiken einer Anlage sind der Schlüssel, fundierte Entscheidungen zu treffen. Dies ist aber auch ein wichtiges Signal an die Mitglieder. Die Golfer wollen eine qualitativ hochwertige Anlage auf der einen Seite. Beste Konditionen auf dem Platz sind das Ergebnis von geplanten und auf die Verhältnisse unserer Anlage abgestimmten Pflegemaßnahmen. Auf der anderen Seite will sich der Golfer auch erholen. Die Diversität, also die Vielfältigkeit bei Flora und Fauna, die wir pflegen und weiterentwickeln, bietet dazu die Voraussetzung.

 

Mit unseren Marketing- und Vertriebsmaßnahmen konnten wir viele, vor allem neue Golfer gewinnen, so dass wir 2015 und 2016 ansehnliche Nettozuwächse verzeichnen konnten.

 

? Kann Ihr Greenkeeping-Team diese Maßnahmen zeitlich und fachlich problemlos umsetzen?

 

! Zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres sprechen wir mit unserem Greenkeeping-Team den Pflegeplan für das neue Jahr durch. Jeder Mitarbeiter weiß, welche Rolle er in diesem Pflegekonzept spielt. Auf diese Weise sind wir hier gut aufgestellt und konnten bisher immer unsere Maßnahmen erfolgreich umsetzen.

 

? In welchen Umfang informieren Sie Ihre Mitglieder über die Pflegeziele?

 

! Der Pflegeplan und Standards für z.B. Mäh-Höhen werden in der Wintersaison gemeinsam mit Beratern und unseren Greenkeepern erstellt. Zu Beginn des Jahres präsentieren wir im Rahmen eines Kick-Off-Meetings die Ziele für die neue Saison und den Pflegeplan, der für die Umsetzung dieser Ziele aufgestellt wurde.

 

? Welchen Nutzen haben Ihre Mitglieder davon, dass Golf BurgKonradsheim an GOLF&NATUR teilnimmt?

 

! Viele gemeinsame Aktionen mit den Kollegen des DGV und unseren Partnern auf der Düngemittelseite führten zu einer genauen Analyse der Bodenstrukturen bei Abschlägen, Fairways und Grüns. Daraus leiteten wir gezielte und periodische Dünge- und Pflegepläne ab. In den letzten drei Jahren profitieren die Mitglieder von diesen Maßnahmen. Wir ernten viel Lob über den Zustand und die Spielbarkeit der Anlage. Dies erzeugt Zufriedenheit bei den Mitgliedern, führt zu neuen Mitgliedschaften und erzeugt auch eine spürbare Nachfrage von Gastspielern.

 

? Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass die Anlage nahezu das ganze Jahr bespielbar ist. Wie regeln Sie den Spielbetrieb im Winter?

 

! Die Anlage Golf BurgKonradsheim ist tatsächlich das ganze Jahr über bespielbar. In der Wintersaison spielen wir allerdings von Winterabschlägen, dann aber auf die normalen Sommergrüns. Sollte es einmal frostige Tage geben oder sollten sintflutartige Niederschläge über den Golfplatz hereinbrechen, dann kann es auch zu stundenweisen oder auch ganztägigen Sperrungen kommen.

 

? Gewähren Sie uns noch einen Blick auf die aktuelle Mitgliederentwicklung?

 

! Wie schon erwähnt, konnten wir in den letzten zwei Jahren gegen den Trend deutlich an Nettomitgliedern zulegen. Netto bedeutet dabei, dass wir die Abgänge aus vor allem gesundheitlichen Gründen nicht nur kompensieren, sondern über die Werbung von neuen Mitgliedern sogar den Mitgliederbestand in Summe erhöhen konnten.

 

? Auf welche harten und weichen Faktoren von Golf BurgKonradsheim führen Sie das zurück?

 

! Bestehende Golfer wechselten zur Golf BurgKonradsheim, weil die Qualität des Platzes sich heute auf einem sehr hohen Niveau befindet. Dank der sehr guten Pflege und optimalen Bewässerung können wir den Golfern während der gesamten Saison eine wunderschöne Anlage bieten. Ein anderer Aspekt zielt auf das Gewinnen neuer Golfer. In zahlreichen Schnupperkursen, „Tagen der offenen Türe“ und „Bring a Friend“-Turnieren konnten wir viele Interessenten vom Golfsport überzeugen. Schwerpunkte sind hierbei einerseits das Abschalten vom Stress des Alltags und auf der anderen Seite der sportliche Aspekt. Dass Golfen Sport ist, begreifen unsere Gäste schnell, wenn wir einige Bahnen auf dem Platz besichtigen.

 

Herr Schmidt, herzlichen Dank für das ausführliche und informative Gespräch, ich freue mich schon jetzt auf das nächste Fazit in zwei Jahren und/oder eine Runde Golf bei Ihnen auf der wunderschönen Anlage.

 

Autor: Stefan Vogel ❘ 02/2017

 

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