Miteinander geht nur mit Anpacken und sich Einbringen

„Fair Play" auf und abseits des Platzes

Pandemiebedingt (wenn nur dieses Wort endlich wieder aus unserem täglichen Wortschatz verschwinden würde …) hatten wir in den letzten Ausgaben des Greenkeepers Journal so gut wie keine Berichte aus den Regionalverbänden eingebunden. Wie auch, mussten doch die meist schon weit im Vorfeld mühsam geplanten und organisierten Tagungen der einzelnen Regionalverbände mit dem ersten Lockdown im März 2020 abgesagt werden. Die letzte durchgeführte Tagung konnte Anfang März in Nordrhein-Westfalen mit über 100 Teilnehmern durchgeführt werden – vor über 14 Monaten! Ich gebe zu, ich freue mich schon jetzt, wenn das „Leben“ in den Regionalverbänden wieder starten kann und wir davon in diesem FachMagazin berichten können! 

Das GVD-Jahresschwerpunktthema lautet „Fair Jobs“. Zusammen mit Autorin Beate Licht haben wie dieses um den eng dazugehörigen Themenkomplex „Fair Play“ ergänzt und auf den folgenden Seiten verschiedene Aspekte zusammengetragen. 

 

Ein paar kurze Anmerkungen vorweg, die mir im Zusammenhang mit „Fairness“ wichtig erscheinen: 

 

Fairen Umgang selbst beeinflussen 

Einen fairen, respektvollen Umgang muss man sich auch erarbeiten und durch fortwährende Weiterbildung erhalten! Lediglich zu klagen, hilft meist wenig – und das betrifft nicht nur das Greenkeeping, sondern alle Bereiche einer Golfanlage, wie das mit Webinaren, Diskussionen und Aktionen begleitete Jahresthema 2021 des Golf Management Verbandes (GMVD) „Werteorientiertes Personalmanagement – Erfolgsfaktor für zeitgemäße und erfolgreiche Mitarbeiterführung“ unter anderem zeigt. Dass das Problem weit über den Golfsport hinaus in der Gesellschaft eine Rolle spielt, kann man den diversen Berichterstattungen in den Medien entnehmen, ja sogar in den Schulen haben Mobbing und „Ellbogen-Denken“ mittlerweile Einzug gehalten. Dem zu entgegnen ist nicht immer einfach, bedarf vieler Gespräche, aber auch eines entsprechenden Standings, das man sich erarbeiten muss, um sich ein selbstbewusstes Auftreten „leisten“ zu können. 

 

Marketing in eigener Sache

Dazu kommt: Tue Gutes und sprich darüber! Je mehr wir uns in der Redaktion im Zuge dieses Schwerpunktthemas damit beschäftigten, desto mehr wurde uns bewusst, dass es immer wichtiger wird, die eigenen Leistungen auch nach außen zu tragen. Wie viele Websites von Golfanlagen gibt es immer noch, auf denen Greenkeeping, wenn überhaupt nur auf einer Unterseite „stattfindet“ – und das, obwohl im Greenkeeping die größten Budgets verwaltet werden! 

 

Ich halte es für unverzichtbar, dass das Team in Gänze vorgestellt wird und der Head-Greenkeeper selbstverständlich neben den anderen im Club Verantwortlichen weit vorne mit aufgeführt wird. Letztlich gehört der Golfsport nach wie vor nicht zu den günstigsten Sportarten, da sollte es doch von Interesse sein, „wer“ auf „meiner“ Anlage auf der Gehaltsliste steht, ganz abgesehen davon, dass das ungeheure Fachwissen auch für private Belange, im Hausgarten etc., von großem Wert sein kann. 

 

Auf die vielen menschlich-wertvollen Begegnungen, die ich in den nunmehr gut zehn Jahren als Magazin-Verantwortlicher zurückblicken kann, möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen.

 

Fair ist, auch mit anzupacken

Fairness gehört aber auch dazu, wenn es darum geht, für die Gemeinschaft mit anzupacken. Wir haben dies gesellschaftlich im Generationenvertrag verankert, in dem die Jungen die Renten der „Alten“ sicherstellen, es gibt dies aber natürlich auch bei Vereinen, Verbindungen etc. Bei allem Druck und Zwängen, die heute auf uns alle einwirken, sind ehrenamtlich Tätige wichtiger denn je und es stimmt mich ehrlich gesagt traurig bis sauer, wenn zunehmend „Vereinsobere“ und Vorstandsämter nicht mehr ersetzt werden können. Die „Vorteile“ aufwändig organisierter Veranstaltungen nimmt jeder gerne mit, selbst mit anzupacken, wird immer seltener. Mir fallen da unwillkürlich die etwas verbitterten Worte eines Thomas Bäder auf der GVD-Jahrestagung 2020 in Niedernhausen ein, der von den Teilnehmern eindeutig zu leise als scheidender, langjähriger und engagierter Regionalverbands-Vorsitzender verabschiedet wurde.

 

Sicherlich ließen sich mit nur etwas Überlegen viele weitere Beispiele anführen, ich möchte mich an dieser Stelle nur auf ein aktuelles noch beschränken, das in Form eines GVD-Newsletters unsere Redaktion kürzlich erreichte:

 

Im sehr persönlichen Schreiben des NRW-Vorstandes hieß es dort: „Im März dieses Jahres wäre der Termin der Mitgliederversammlung des Regionalverbandes NRW, samt Neuwahlen des 1. Vorsitzenden und des Schatzmeisters gewesen. Georg Scheier und Michael Lochthove haben sich bereit erklärt, die Vorstandsarbeit geschäftsführend bis zur nächsten Mitgliederversammlung weiter zu führen. Beide Kollegen haben sich sehr viele Jahre für den Verband und euch eingesetzt und möchten nun Platz machen für junge Kollegen. An dieser Stelle möchten wir interessierte Kollegen motivieren, sich im Vorstand für den Verband einzusetzen!“

 

Wer Georg Scheier näher kennt, der weiß, dass er als Vorstandsvorsitzender schon längst ins zweite Glied zurücktreten wollte, allein, ein Nachfolger fand sich bislang nicht – und dies lässt sich nicht allein mit der Pandemie begründen. Es ist ihm und seinen Vorstandskollegen hoch anzurechnen, dass sie die Verbandsarbeit (notgedrungen) weiter fortführen, doch irgendwann ist auch Schluss und es wäre schön, wenn sich ggf. auch eine „Gruppe“ von Jüngeren bereiterklären würde, die Arbeit fortzusetzen. An die anderen ergeht die Aufforderung, sich unterstützend einzubringen, denn nur eine starke Gemeinschaft kann die Aufgaben, die die nächsten Jahre bringen werden, erfolgreich meistern – das ist im Greenkeeping so, aber nicht nur dort. Anpacken oder sich Einbringen gehört eben auch zum fairen Umgang miteinander!

 

Autor: Stefan Vogel | Greenkeepers Journal 2/2021

 

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