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Wenn Management und Greenkeeping zusammenspielen

Zusammen ist man weniger allein

Während meiner langjährigen Tätigkeit im Golfmanagement habe ich gelernt, dass diese eine Leitlinie mir stetig geholfen hat, sinnvolle Entscheidungen zu treffen sowie mein Verhalten bestmöglich zu beeinflussen. Meine Leitlinie beruht einfach darauf, meinen 360°-Blick auf der Golfanlage fortlaufend zu trainieren. Dabei geht es mir wirklich um alle Bereiche einer Golfanlage, völlig unabhängig davon, ob sie in Eigenregie oder durch Dritte/Pächter/Nutzer gemanagt wird. Es klingt eigentlich ganz einfach – Du musst nur jeden Bereich Deiner Golfanlage verstehen und kennen. Etwas zu verstehen ist gut, weil es Dir ermöglicht, bessere Entscheidungen zu treffen, Probleme effektiver zu lösen und neues Wissen tiefer zu behalten. Es fördert Empathie und verbessert in vielerlei Hinsicht das Zusammenspiel. Um dieses Zusammenspiel von Management und Greenkeeping geht es mir nun in den folgenden Zeilen.

Verstehen als Grundlage jeder Zusammenarbeit
 

Und dann beginnen wir, wie bereits erwähnt, mit dem Verstehen! Zu Beginn solltest Du jede mitwirkende Perspektive verstehen. Schau hin und höre zu – was will eigentlich Dein Golfer für eine Golfanlage haben? Mit welchen Herausforderungen hat das Greenkeeping zu kämpfen und mit welchen Rahmenbedingungen muss eigentlich das Management alle glücklich machen? In diesem Zusammenspiel macht es Sinn, sechs Einzelbereiche in Relation zu bringen, s. Abbildung.

Organisation und Kommunikation als Schlüssel
 

Beim Betrachten wird schnell klar, dass es eine sehr herausfordernde Aufgabe sein wird, diese Bereiche für ein bestmögliches Ergebnis abzustimmen, ohne einen davon zu vernachlässigen. Auf unseren deutschen Golfanlagen registriere ich jedoch häufig diesen Kreis als eine Art Figur, bei der an allen Ecken und Kanten gespart wurde. Daher empfehle ich immer wieder, viel in die Organisation und Kommunikation des Teams zu investieren. Die zu bewältigenden Herausforderungen sind zahlreich:
 

  • Gefühlt ist das Team immer zu klein
  • Meistens ist das Wetter zu häufig ,gegen‘ einen
  • Die Zeit ist immer irgendwie zu knapp bemessen
  • Die Maschinen könnten eigentlich auch ,neuer‘ sein
  • Der Betriebshof hätte auch mal einen neuen Anstrich verdient
  • Das Management denkt immer: „Die Greenkeeper können das doch mal schnell machen“ oder „Warum sind die um 16 Uhr nicht mehr da?“
  • Die Greenkeeper müssen zum Glück selten die Bruttoreden hören, die gerne einmal in ausufernde ,Bewertungsszenarien‘ verfallen.
     

Viele kleine Stellschrauben – ein großes Ganzes
 

Ich halte es immer dann ganz einfach und glaube daran, dass es nicht die eine Lösung für alle Probleme gibt. Selten konnte ich einen Kippschalter umlegen und das Problem war gelöst. Vielmehr fühlt es sich wie ein großes Mischpult eines Musikproduzenten an. Und dennoch kann jeder Drehknopf wieder ganz einfach sein:
 

  • Biete Fortbildungen an und ermögliche die Entwicklung des Teams, damit es effizienter wird
  • Stelle gute Arbeitsausrüstung bereit
  • Nutze mögliche Softwarelösungen, um die eigene Arbeit und die Kosten besser bewerten und koordinieren zu können
  • Hinterfrage regelmäßig jede Pflegearbeit und bleibe offen für Umstrukturierungen
  • Schaffe dem Team ,Raum‘ auf dem Platz, damit sie in Ruhe arbeiten können – Spielbetrieb und Platzpflege sind klar und am besten immer rechtzeitig zu koordinieren
  • Kämpfe um stetige Maschineninvestitionen, damit der Maschinenpark nicht auf einmal zusammenbricht
  • Lasse externe Fachleute zu, um die eigene Arbeit zu verbessern bzw. zu erleichtern
  • Legt alle zusammen die Qualitätsstandards fest und formuliert diese Leitlinien
  • Lebt den regelmäßigen Austausch – so entwickelt man Verständnis füreinander und kennt gegenseitig die aktuelle Lage
  • Lasst das Golfen zu (auch während der Arbeitszeit) und geht zusammen Golf spielen
     

Die Perspektive der Golfer – Erwartungen im Blick behalten
 

Klingt doch eigentlich ganz gut und machbar. Nun können wir aber noch die Erwartungshaltungen mancher Golfer mit einbinden. Ein bisschen überspitzt bedeutet das:
 

  • Die Golfer denken, sie bezahlen täglichen Pro-Tour-Standard
  • Manche Golfer haben das Gefühl, sie persönlich bezahlen Dein Gehalt
  • Zu jeder Zeit sollte eine freie Startzeit verfügbar sein
  • Die Platzpflege sollte immer vor dem Spielbetrieb fertig sein 
  • Die Greenkeeper sollten in der Nähe eines Golfers immer ihre Arbeit unterbrechen
  • Am besten ist es, wenn alles grün ist
  • Die Grüns sollten an jedem Spieltag schnell und lauftreu sein
  • Jeder Bunker sollte wie ein schöner Traumstrand sein
     

Mit Leidenschaft und Kommunikation begegnen
 

Wird man tatsächlich damit konfrontiert, dann ist Leidenschaft und Überzeugung eine Möglichkeit für eine freundliche Begegnung. Hier wird ein sehr gut abgestimmtes Zusammenspiel von Management und Greenkeeping auf die Probe gestellt. Folgende Optionen helfen sicherlich:
 

  • Aufklärungen und Einbindung der Golfer in den Arbeitsalltag beugen Beschwerden vor
  • Golfer proaktiv abholen, durch stetige Bereitstellung an Informationen und regelmäßigem Austausch
  • Greenkeeper-Turniere durchführen – das verbindet und stärkt das Verstehen
  • Greenkeeper sollten im Clubhaus ausdrücklich erwünscht sein, bspw. beim Mittagessen, bei Meetings, Siegerehrungen, sonstigen Veranstaltungen
  • Aufstellung von Verhaltensregeln zwischen Greenkeeper und Golfer, damit die Rücksichtnahme auf dem Platz gefördert wird
  • Respektvolle Kommunikation übereinander und auf der gesamten Golfanlage (Greenkeeper, Mitarbeiter Clubhaus, Golflehrer, Golfer)
  • Und eigentlich immer der wichtigste Punkt: Geht zusammen Golf spielen
     

Eine Golfsaison kann mit einer sehr hohen Anspannung, den hohen Anforderungen am Arbeitsplatz und der teils mangelnden Möglichkeit der Erholung zu einem echten Problem werden. Der Leitsatz für das Zusammenspiel sollte daher sein: „Sich schützen und unterstützen – nicht anzünden!“ 

 

Autor: Thomas Schumann | Greenkeepers Journal 4/25

 

Thomas Schumann ist GMVD-Vorstandsmitglied, CCM 1 (2023) und erfahrener General Manager des Golfparks Schloss Wilkendorf. Als Management-Experte mit Haltung zählt er zu den geschätzten Ansprechpartnern unserer Redaktion – denn bei allem fachlichen Denken verliert er nie den Aspekt ,Mensch‘ aus dem Blick. 

Bei der TURF-Tagung auf Schloss Miel Mitte September sprach er über ,Green & Lead – Wenn Management und Greenkeeping zusammenspielen‘ und betonte dabei, wie wichtig eine enge Abstimmung und gute Kommunikation zwischen Leitungsebene und Greenkeeping-Team sind. Für diese Ausgabe hat Thomas Schumann einige seiner Gedanken zu Papier gebracht – und wir veröffentlichen sie ganz bewusst in dieser sehr persönlichen Fassung.

 

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