Wahl zwischen Pest und Cholera

Michael Kurth blickt auf 2019 zurück

... oder genauer: zwischen Dieselpest und Trockenheit

Klar zu erkennen: Feste Bestandteile im ­Diesel setzen sich ab und verstopfen in der Folge die Leitungen. (Alle Fotos: M. Kurth)
Abgelassener Diesel; bereits mit etwas Abstand ist der verunreinigte Dieselkraftstoff klar zu ersehen.
Verklumpte, ausgetrocknete und erhärtete Masse, die im Diesel gefunden wurde.

Wer kennt sie nicht: Die Vorfreude am Silvesterabend auf das neue Jahr mit Wünschen und guten Vorsätzen? Meine Wünsche für das neue Jahr 2019 waren ziemlich bescheiden. Nach der Wildschweinplage und der extremen Trockenheit in den beiden Jahren davor, wäre mir ein ruhiges, auch ereignisloses Jahr 2019 sehr lieb gewesen. Auch wenn manche dies als langweilig bezeichnen würden, ich freute mich darauf. Oh wie konnte ich mich nur täuschen!

 

Dieses Jahr wird in meine Greenkeeper-Analen eingehen. Ein Jahr, das ich nie vergessen werde. Aber der Reihe nach: Alles fing relativ ruhig an. Okay, der Austausch aller Platzmarkierungen und die Einrichtung der neuen Penalty-Areas verlangte viel Zeit und Aufwand. Die Schäden aus dem Jahr davor, verursacht durch die Trockenheit, mussten bearbeitet werden.

 

Aber dies sind Dinge, die einfach zu einem Greenkeeper-Jahr dazugehören.

 

Das Jahr begann ­halbwegs normal

Der Mainzer Golfclub bezieht sein Wasser aus den Grundwasserteichen. Die ausgetrockneten Teiche bestimmten das Bild in den Wintermonaten. Mehrfach stand ich davor und dachte an die Worte einiger Experten: „Die Grundwasserreservoire sind wieder aufgefüllt!“ Na ja, das mag für andere Gegenden gelten, aber nicht für uns. Und zwei trockene Jahre hintereinander? Das gibt es nicht, beruhigten mich Fachleute. Ich sah dem Frühjahr und Sommer trotzdem mit Sorge entgegen. Und so sollte es auch kommen! Ich möchte an dieser Stelle aber gar nicht auf die Trockenheit eingehen. Seit zwei Jahren gibt es kaum ein anderes Thema. Fast noch problematischer erwies sich das nächste Ereignis im Mainzer Golfclub. Es begann harmlos mit einem liegengebliebenen Traktor. Die Tankstelle funktioniert auf einmal nicht mehr und einer der Grünsmäher gab merkwürdige Geräusche von sich. Der erste Gedanke: „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ Dann aber analysiert man die Schäden und versucht, Lösungen zu finden.


„Dieses Jahr wird in meine ­Greenkeeper-Analen eingehen. ­Greenkeeping war, ist und bleibt ­spannend. Langeweile? Fehlanzeige!“

Michael Kurth


Wenn der gesamte ­Maschinenpark streikt

Wenn es nur dabei geblieben wäre. Montag morgen, wie bei den meisten ein Mähtag während der Saison, dauerte es nicht lange nach Arbeitsbeginn: Mein Handy klingelte. „Der Fairwaymäher steht“, sagte einer meiner Mitarbeiter. Innerhalb der nächsten fünf Minuten klingelte mein Telefon mehrfach und der ganze Maschinenpark stand still! Also wurden alle Maschinen abgeschleppt und der Mechaniker ging auf Fehlersuche. Zunächst alleine, dann mit Hilfe unserer Servicefirma. Liebe Kollegen und Freunde, Ihr glaubt gar nicht, was uns alles entgegenkam.

 

Verstopfte Leitungen und Einspritzpumpen, eine seltsame glibberig-gelbe Masse, die früher einmal als Diesel bezeichnet werden konnte. Alle Dieselfilter tauschten wir aus, ohne Erfolg!

 

Die Förderpumpe unserer Tankstelle hing fest. Nichts ging mehr. In solchen Situationen wird die Trockenheit auf einmal zu Deinem Freund, denn ohne Wasser kein Wachstum und ohne Wachstum keine nötigen Mäharbeiten.

 

Schon mal von ­Dieselpest gehört?

Es dauerte einige Tage bis uns jemand auf die Ursache brachte: die Dieselpest! Dieselpest? Nie gehört – was ist das denn? Die Recherche ging los, im Internet und Telefon. Auskunft gab mir schließlich der Diesellieferant und mein Nachbar, ein Mitarbeiter eines Maschinenlieferanten.

 

Bei Wikipedia ist folgende Definition nachzulesen: „Als Dieselpest wird das Auftreten von Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) im Dieselkraftstoff mit sichtbarer Bildung eines Bio-Schlamms bezeichnet. Dadurch kann es zu Funktionsstörungen von Dieselantrieben kommen, weil der Bioschlamm Verstopfungen von Filtern und Treibstoffleitungen verursacht und somit den Fluss des Dieselkraftstoffs zum Motor behindert. Durch ein starkes Auftreten von Mikro­organismen im Kraftstoff kann es durch Biokorrosion zu Schäden am Tank und Treibstoffsystem kommen.“

 

So weit, so gut! Die Tankstelle wurde also abgepumpt und gereinigt, eine neue Pumpe bestellt. Die Leitungen an den Maschinen gesäubert, Filter und viele Einspritzpumpen und -düsen ausgetauscht. Der Traktor stand übrigens immer noch ... Nach einigen Tagen und unzähligen Stunden in der Werkstatt brummten die Motoren wieder. Alles überstanden? Irrtum. Es dauerte nicht lange und die ersten Anrufe der Mitarbeiter trudelten wieder ein. Die Dieselpest ist zurück – oder war noch gar nicht weg. Alles ging von vorne los. Wieder neue Einspritzpumpen und -düsen, Filter … Unsere Dieseltankstelle schickte ich in Rente und ersetzte sie durch eine neue. Genau wie den Lieferanten.

 

Dieselproblem erfolgreich bekämpft – die Nachwirkungen dauern noch an

Nun, einige Wochen später kann ich beruhigt feststellen: „Die Dieselpest ist überstanden!“ Schäden im mittleren fünfstelligen Bereich, viele kaputte Nerven und unzählige Arbeitsstunden und Telefonate sind das Ergebnis. Übrigens, die erste Maschine die es erwischte, unser Traktor, ist mit Motorschaden in den Ruhestand gegangen. Unser zweiter, ein kleinerer wird ihm wohl folgen. Beides verursacht durch eine, mir vorher völlig unbekannte bakterielle Verunreinigung im Diesel. Die Schuldfrage ist bis heute nicht geklärt. Der Diesellieferant weist alles von sich, die Versicherung hält sich auch bedeckt.

 

Was übrig bleibt, ist eine neue Erfahrung, auch wenn ich gerne darauf verzichtet hätte. Die Anspannung in den Wochen der Dieselpest im Greenkeeper-Team war extrem hoch. Jeder litt mit und versuchte, das Problem mit zu lösen. Die Standleitung zu unserem Servicepartner „rauchte“ bisweilen gewaltig. Aber dank deren toller Unterstützung und des nimmermüden Einsatzes meiner Mitarbeiter können wir heute darüber lachen und schauen manchmal auf die hartgewordenen Dieselreste und Berge von defekten Düsen und Pumpen.

 

Greenkeeping – nichts für schwache Nerven

Wer übrigens denkt, das Jahr verlief danach in ruhigen Bahnen, der irrt. Kurz nach dem Ende der Dieselprobleme meinte jemand, es wäre eine tolle Idee und spritzte eine unbekannte Flüssigkeit auf Grün 1. An den Folgen werden wir länger arbeiten, als an den Folgen der Dieselpest.

 

Mein Jahr 2019. Denke ich an Silvester 2018 zurück, muss ich schmunzeln und freue mich auf 2020 – mal sehen, was das bringt. Greenkeeping war, ist und bleibt spannend. Langeweile? Fehlanzeige! In diesem Sinne einen guten Jahreswechsel und ein gesundes und erfolgreiches 2020!

 

Autor: Michael Kurth | Greenkeepers Journal 4/2019

 

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